CV

CV steht für “Curriculum Vitae”, was außerhalb Deutschlands ein weitverbreitetes Synonym für “Lebenslauf” ist. Ausgesprochen wird CV daher nicht als “Zeh-Fau” (wie Finger-Fasan) sondern “Sie-Vieh” (wie Du-Kuh). Das Spiel selbst geht, wie der Name schon andeutet, mal wieder ums große Ganze, nämlich das Leben als solches von der Jugend bis zum Alter.

Die meisten Lebensläufe sind, vorsichtig ausgedrückt, stinklangweilig: Geburt – Kindergarten – Grundschule – weiterführende Schule – Pubertät – weiterführende Schulen – mehr oder weniger Arbeiten – Kinder großziehen – Pubertät – Arbeiten – früher oder später Rente – Arztbesuche – Seniorenheim.

Wer mit dem meisten Geld stirbt, gewinnt. Dieses immer gleiche Kommen und Vergehen versucht CV mit einer lustigen Ausstattung aufzulockern. Fiese Freunde, Fetten Feten hat einen ganz ähnlichen Ansatz und kann so trotz eher sperriger Spielmechanismen immer wieder begeistern. Ich erinnere an dieser Stelle nur an das prägende Ereignis: Vom Glauben abfallen.

Bild von CVDas Prinzip von CV ist einfacher: Lebensstationen werden erwürfelt, und das geht ähnlich wie bei Kniffel. Jede erwürfelte Karte bringt Vorteile fürs weitere Kartenerwürfeln, manchmal aber auch Nachteile. Die Karten sind in 5 Kategorien aufgeteilt, von jeder kann jeder nur eine Karte aktiv nutzen. Wer etwa einen neuen Job erwürfelt, überdeckt seinen alten und tauscht so die Vorteile des alten durch den neuen aus.

So würfeln die Spieler streng sequentiell ihr Leben aus, bis der Kartenstapel zu Ende geht. Der Nachzugstapel ist natürlich grob nach Lebensabschnitten sortiert: Es beginnt mit Karten zu Ausbildung, Studium und dem ersten Job. Dann geht es ins “Mittelalter”, mit Karriere und Familie und endet im Lebensabend als Renter im abbezahlten Eigenheim. Siegpunkte gibt es erst zum Spielende für alle teuren Anschaffungen, für viele Karten einer Kategorie und für zu Spielbeginn ausgeloste Spezialziele.

An CV findet sich viel Lobenswertes: Die Karten sind grandios gezeichnet, die Spielregel ist logisch und der Mechanismus passt zum Thema. Das Spiel ist auch nicht zu einfach, es gibt einiges zu optimieren, aber das Würfelglück bleibt immer präsent, so dass Übung zwar einen kleinen Vorteil bringt, aber keinen sicheren Sieg verspricht. Leider ist damit nicht alles über CV gesagt.


Pausentatze
Prädikat: Pausentatze
Bild von 1 von 3 Zehen

Prädikat
:
1 von 3 Zehen

Leider hat das Spiel ein paar düstere Seiten: CV ist weitgehend interaktionsfrei, und jeder Zug eines Spielers erfordert einige Knobelei, denn die Würfelregeln zusammen mit den Vor- und Nachteilen sind überaus unübersichtlich. Da CV zudem für den gebotenen Spielspaß etwas zu lange dauert, herrscht während der Wartezeiten einfach zu viel Langeweile. Zu zweit oder dritt funktioniert das Spiel noch am Besten. Dazu kommt der doch etwas sehr große Glücksfaktor: Pech am Anfang lässt sich gar nicht oder nur mit doppelt viel Glück im späteren Spielverlauf kompensieren. Die Autoren sehen zwar zwei Mal im Spiel eine “Sozialhilfe” für besonders vom Pech verfolgte Tröpfe vor, diese Regel ist aber nur eine Krücke, und sie kann das Spiel auch nur selten ausgleichen. Die Züge der mit Glück gesegneten Spieler dauern systematisch länger, sie haben einfach mehr zu optimieren. Das steigert natürlich die Langeweile und den Frust der hoffnungslos abgeschlagenen Fälle. In diesem Sinne ist CV wohl realistischer als beabsichtigt.

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