Künstler hatten es noch nie leicht: Morgens früh aufstehen und gleich auf den Markt rennen, um überteuerte Farben zu erwerben. Dann mit den Farben rein in die Kirche, Bischof bestechen und an Fresken herumpinseln bis zum Nachmittag. Nachdem der frohlockende Bischof genügend Lob und Ehre ausgesprochen hatte, galt es sogleich weiterzueilen, um Privatleute gegen Kohle bar auf Tatze zu porträtieren. Denn Kirchenmalerei machte zwar berühmt, aber nicht satt. Schöne Malerei benötigt bunte Farben – sehr bunte Mischfarben, um genau zu sein. Deshalb hatte jeder Künstler eine Werkstatt, um Farben zu mischen. Wieso er dies spätnachmittags nach getaner Malerei vollbrachte, weiß ich nicht. Dafür bin ich nicht Maler genug, aber es war gewiss so. Zu guter Letzt galt es noch die Gehilfen bei Laune zu halten. Denn wer immerzu seine Angestellten um fünf Uhr früh aus dem Bett jagt, braucht sich nicht zu wundern, dass die Motivation bald im Keller angelangt ist. Zur Steigerung des Betriebsklimas wurden müde Gehilfen deshalb abends ins Theater geschickt. Kulturell erbaut konnten sie dann morgens wieder mit dem ersten Hahnenschrei zur Arbeit eilen.
Liebe Malerarbeitgeber: Ich mag gerne mal auf fremde Kosten ins Theater gehen. Dann lasst mich aber bitte am nächsten Morgen lange ausschlafen. Überhaupt ist es meiner Motivation sehr zuträglich, mich immer ausschlafen zu lassen. Ein Kontrakt mit einem Farbenhändler zur Abnahme vieler Farben zum Festpreis würde frühes Aufstehen überflüssig machen und den Ausstoß frischfeuchter Fresken deutlich erhöhen. Wenn ihr noch einen Deal mit dem Bischof abschließt, dass es viel gottgefälliger ist, nachmittags im Dom zu malen, könnten Farben schon zur Mittagszeit gemischt und damit die Freskoproduktivität nochmalig erhöht werden. All dies kosten keine Lira extra. – Denkt mal darüber nach.
Nun waren Arbeitgeber noch nie übermäßig einsichtig und Spieler mögen vertrackte Situationen mehr als Win-Win-Situationen. Deshalb bleiben die Regeln von Fesko wie sie sind, und die Maler müssen weiterhin früh durch die Gegend taumeln. Dazu wird geheim geplant, wie die fünf Malergehilfen einen Tag verbringen sollen. Wer früher aufsteht, darf jeweils zuerst Farben kaufen und zum Malen gehen. Dafür zahlt er höhere Preise und riskiert seine Mitarbeiter in den Streik zu treiben. Dann muss er mit vier Gehilfen auskommen. Nach sechs bis sieben Tagen ist der Dom ausgemalt und das Spiel zu Ende.
Das Besondere an Fresko ist die spielerische Umsetzung des Themas. Die Regeln sind intuitiv begreifbar, und das überaus schön gestaltete Spielmaterial unterstützt den Ablauf. Damit fällt gar nicht weiter auf, dass die Grundelemente wenig originell sind. Dafür ist ihre geschmackvolle Mischung umso gelungener. Seit den Fürsten von Florenz gab es keine annähernd gelungene Umsetzung von Kunst und Wissenschaft der Renaissance.
Wenn nach einigen Partien Fresko aber der Wunsch nach größeren Herausforderungen aufkommt, kann das Spiel erweitert werden. Ähnlich wie bei Seeland werden bei Fresko drei Varianten gleich mitgeliefert, die Abwechslung bieten, ohne das Spiel wesentlich zu verändern. Im Gegensatz zu Seeland erfordert jede Variante erprobte Strategien zu überdenken. Denn die erreichbaren Siegpunkte wachsen durch sie stark an. Überhaupt fanden wir bisher noch keinen überragenden Weg zum Sieg. Erstmal Farben zu sammeln und gezielt zu malen ist sicherlich keine schlechte Idee. Doch wer zu spät losmalt, findet oft keine unbemalten Kirchenwände mehr und muss sich seinen Ruhm mit wenig profitabler Altarmalerei verdienen.
Fresko ist für mich die überragende Neuerscheinung dieses Frühjahrs. Alle Elemente passen gut zusammen, und keine der Regeln erscheint gekünstelt. Die Gestaltung, das Thema und die strategischen Möglichkeiten fanden die ungeteilte Zustimmung in allen Testrunden, die auch nach mehreren Wiederholungen nicht verebbte.

Prädikat: 2 von 3 Farben
