Händler der Karibik

Karibik und Alexander Pfister – wenn Sie jetzt ein gewisses Deja Vu Gefühl überkommt liegen Sie völlig richtig: Mit yvio: Freibeuter der Karibik gab es schon mal ein thematisch sehr ähnliches Spiel von ihm. Das Spiel hatte damals schon einigen Reiz, nur hinderte bei uns ein Softwarebug den Angriff der Piraten, weshalb „Ponyhof der Karibik“ vielleicht ein besserer Name für das Spiel gewesen wäre.

Doch Schwamm drüber, die Händler der Karibik sind eh von einem ganz anderem Kaliber.

Die Wiener Spieleakademie veranstaltete einen Spieleautoren-Wettbewerb. Der Sieger erschien jetzt als Kartenspiel zum überaus günstigen Preis von 5€. Glücklicherweise erwarb ich ihn, zusammen mit Sissi, der Bohnenkaiserin spontan in Essen. Über Sissi kann ich leider noch gar keine Meinung äußern, da bisher die Händler der Karibik uneingeschränkt im Mittelpunkt standen.

Bild von Händler der Karibik
Wie kommt dies? Nun, die Händler der Karibik sind eine aufgemotzte Version von kleine Fische. (Subtiler Tipp: Wenn Ihnen die Händler der Karibik gefallen, könnte sich die Anschaffung von kleine Fische auch lohnen.) Ein Spieler deckt nacheinander Karten auf. Dabei erscheinen Personen und Freibeuter. Wenn der zweite Freibeuter eines Typs aufgedeckt wird endet der Zug mit einem lautem Stöhnen des Spielers und noch lauterem Kichern der Mitspieler. Verzichtet der Spieler jedoch vor diesem Debakel aufs Aufdecken weiterer Karten, so darf er sich eine der ausliegenden Personen kaufen oder einen Freibeuter einsacken und dafür Gold in Form von Spielkarten bekommen. In dem unwahrscheinlichem Fall, dass vier oder mehr unterschiedliche Freibeuter ausliegen, ist es sogar erlaubt zwei oder drei Karten zu nehmen.

Danach dürfen sich auch die Mitspieler reihum bedienen. Sie müssen dem aktiven Spieler aber zusätzlich ein Gold Provision zahlen. Dann kommt der nächste an die Reihe. Um zu gewinnen braucht es zehn Siegpunkte und eine Expeditionsteilnahme. Die Siegpunkte kommen natürlich zusammen mit den Personenkarten, genauso ermögliche bestimmte Personenkombinationen die Teilnahme an Expeditionen. Die Personen bringen natürlich noch mehr. So bringt zum Beispiel der sehr lustige Witzbold immer ein Gold wenn keine Karte in der Auslage liegt. Da macht das gehässige Kichern wenn sich ein Mitspieler zu hoch pokerte natürlich doppelt so viel Spaß.

Für ein einfaches Kartenspiel gibt es ziemlich viele Regeln. Nach allen Richtlinien des modernen Spieldesigns dürfte Händler der Karibik gar kein gutes Spiel sein: Das Thema ist abgedroschen, der Mechanismus kopiert und es gibt mehr als genug Spezialfälle. Und doch löst das Spiel wahre Begeisterungsstürme aus, da die Regeln eben einigermaßen intuitiv sind und vom Thema wunderbar unterstützt werden.
Bild von 2 von 3 Witzbolden
Prädikat
:
2 von 3 Witzbolden

Dazu kommt, dass alle immer dabei sind, sich das Blatt noch im letzten Moment wenden kann, die Spieldauer überschaubar ist und die Atmosphäre vor Spannung knistert. So zeigen die Händler der Karibik, dass richtig gute Spiel eben nicht auf Innovationen oder Ausstattungsorgien angewiesen sind. Manchmal reicht eben auch einfach eine liebevolle Umsetzung einer schönen Idee.

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8 Kommentare to “Händler der Karibik”

    • Florian

      Ah, dann ziehe ich den Protest zurück, vielleicht hat der positive Test ja sogar ein kleines bisschen geholfen. 😉 Ich freu mich jedenfalls drauf. Und Alex: Glückwunsch!

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    • Brigitte

      Wir haben gerade zwei Regelfragen diskutiert: 1. Bekommt der Witzbold auch dann ein Gold, wenn er selbst die letzte Karte aus der Auslage nimmt? 2. Kann der Händler auf das Gold für ein Schiff verzichten (um nicht über das Limit beim Steuereintreiber zu kommen)?

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      • Kathrin

        Nach bestem Wissen und Gewissen: 1. Ich würde sagen: Nein. Denn als er Karten nehmen konnte, lag eine dort, und somit ist die Bedingung für die Ausschüttung des Witzboldes nicht erfüllt. 2. Das finde ich eine schwierige Frage. Gefühlsmäßig würde ich sagen: Ja. Genaue Info kann nur Alexander Pfister geben. Hier die URL seines Blogs: http://alexanderpfister.blogspot.co.at/

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  1. Alexander Pfister

    Unterstütze beide Antworten!
    Zu 2.: Auch Matrosen muss man ja nicht einsetzen, beim Händler sollte es nicht anders sein.

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