Mahjong

Vom Mahjong geht eine eigentümliche Stimmung aus. Exotisch archaisch wirkt das Geklapper mit den Steinen aus Bambus und Rinderknochen. Die Regeln wirken irre vielschichtig, kompliziert und bedeutungsschwer. Dabei ist Mahjong ein ziemlich einfaches Spiel, und der Einfluss auf Spielgeschehen ist vergleichsweise gering. Allein gilt es Wahrscheinlichkeiten zu berücksichtigen und wahnsinnig unlogische Wertungsregeln auswendig zu lernen. Bis auf die mystische Verklärung der tollen Spielsteine ist Mahjong eine einfache Rommevariante. Rummy ist dagegen wahrlich komplex.

Bevor jetzt die Mahjonggroupies aufschreien und zum Sturm auf Das-SpielEn.de blasen, will ich versichern: Hin und wieder spiele ich gerne Mahjong. Dabei zählt besonders die entspannte Atmosphäre des Wartens auf den passenden oder unpassenden Stein. Zu Mahjong gehört natürlich auch grüner Tee und chinesische Klimpermusik. Es ist aber hilfreich ein paar Kleinigkeiten anzupassen: So finden die Zählhölzer bei uns keine Verwendung, und ich kann nur empfehlen, kein original chinesisches Mahjong ohne arabische Ziffern und lateinische Zeichen zu verwenden. Das macht die Sache nur unnötig mühselig. Schließlich bleibt die Frage nach der Regel. Es gibt eine ganze Reihe von lokalen, nationalen und internationalen Regeln. Der größte Unterschied ist immer, was wie gewertet wird. Mahjong folgt immer dem Rhythmus: Stein ziehen, Stein abwerfen. Wer will, darf dazwischenfunken und einen abgeworfenen Stein nehmen, muss dann aber auch ein Muster auslegen. Muster können einfache Straßen oder Tripel, aber auch komplizierte Zusammenstellungen aus allen 14 Steinen sein. Wenn einer alle 14 Steine ausgespielt hat, endet das Spiel. Eine normale Auslage endet mit einem Pärchen und besteht sonst aus vier Blöcken à drei (in der Ausnahme: vier) Steinen. Dann zählt jeder Block je nach Schwierigkeit Punkte, die durch Sondersteine und Spezialregeln vielfach multipliziert werden. So kann ein Spiel mit drei aber auch mit mehreren hunderttausend Punkten enden. Im Tichu finden sich auch kleine Anspielungen auf Mahjong, z.B. den Drachen und den Spatzen.

Bild von Mahjong

Turnierregeln bieten viele Optionen zum Bilden von Auslagen und um zu versuchen, zumindest grob die Wertigkeit einer Auslage an die Wahrscheinlichkeit, sie zu realisieren, zu koppeln. Sie sperren das Chaos der Wertung auch in ein enges Korsett, wie viele Punkte mindestens oder auch höchstens möglich sind. Gerade der Mindestwert einer Auslage ist wichtig, um schwierige Sets überhaupt attraktiv zu machen. Wenn nämlich den ganzen Abend alle Spiele mit 3, 4, 5 oder vielleicht mal 20 Punkten enden, kommt auf Dauer statt eines kleinen Nervenkitzels nur öde Langeweile auf.

Turnierregeln haben aber den Nachteil, dass sie langer Erklärungen bedürfen, und wenn es dann nur einmal im Jahr zum Mahjong kommt, sind sie nur noch ein Stimmungstöter. Die einem Mahjongspiel beiliegenden Loseblattsammlungen sind dagegen aber oft etwas wirr und unvollständig, besonders wenn sie auch noch schlecht übersetzt sind.

Deshalb spielen wir öfters gar kein echtes Mahjong, sondern werten mit den Regeln von Mhing ohne Joker mit Mahjongsteinen. Mhing ist Mahjong mit Spielkarten und ziemlich eleganten Wertungsregeln. Bei Mhing gibt es Prämien und Punkte. Am Ende jeden Spiels zählt jeder seine Prämien und schaut dann in einer Tabelle nach, wieviele Punkte es dafür gibt. Es gilt: Punkte = 2Prämien. Also sind wie im echten Mahjong schwierige Bilder überproportional wertvoller. Prämien sind kumulativ. Für das Erfüllen bestimmter Bilder gibt es 1, 3, 5 oder 8 Prämien. Es gibt nur 18 Regeln, um Prämien zu bekommen. Das ist vergleichsweise übersichtlich. Leider gibt es keine Regeln für Kans (Vierlinge) oder verdeckte und halbverdeckte Auslagen. Deshalb kehren wir manchmal dann doch zur Loseblattregel zurück.

Bild von 1 von 3 Spatzen auf dem Dach
Prädikat
:
1 von 3 Spatzen auf dem Dach
Allen die bis hierhin kommen und denken, Mahjong sei dieses Spiel, bei dem es gilt Pärchen aus einem komplizierten Bau zu entfernen, will ich zum Schluss noch die Augen öffnen. Dieses Solitärspiel ist nur ein Computerspiel, ursprünglich hieß es Shanghai. Am Tisch wäre die viel größere Solitäraufgabe wahrscheinlich der Spielaufbau.

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