Mord in der Puszta

Einen außerplanmäßigen Krimi im Sommer bescherte uns “Mord in der Puszta“. Angesiedelt auf einem Reiterhof in Ungarn trafen wir uns mit insgesamt acht Spielerinnen und Spielern, um den Mörder oder die Mörderin einer deutschen Touristin zu suchen. Wie bei allen Rezensionen über Krimirollenspiele verrät dieser Artikel nichts, was den Spielspaß für zukünftige Ermittler verderben würde.

Dieses Krimidinner wird uns serviert von Autorin Uli Nater und ist das zweite Spiel aus ihrer Feder, jedoch das erste von ihr, das wir testen. Zunächst steht einige Vorbereitung auf dem Plan, denn die Materialien liegen uns nur digital vor. Mit Hilfe eines Programms, das eine große Datei aus den vielen PDF-Dateien erzeugt, reicht ein großer Druckauftrag. Die Informationen sind nicht plakativ weithin sichtbar (nicht etwa “Sie sind der Mörder/die Mörderin” in großen roten Lettern oben auf dem Papier). Auf diese Weise und dank der neutralen Fußzeilen (in der Art: “Zusammenfassung für Rolle xyz, Seite 1 von 2”) ist es kein Problem, die Papiere zu sortieren und für die verschiedenen Personen bereitzulegen. Wer also normale Vorsicht walten lässt, muss keine Angst haben, versehentlich zu viel zu erfahren.

In so genannten “Vorabinformationen” erhält jede Person auf drei bis vier Seiten alles, was zu dieser Person zu wissen ist. Alle erhalten also ihren Kenntnisstand komplett zu Beginn des Spiels. Das machte mich zunächst etwas skeptisch, denn mit dem Krimi Snack: Im Irrenhaus verhielt es sich ebenso, und dort krankte das Spiel an dem fehlenden weiteren Informationsfluss während der Partie.

Bild von Mord in der Puszta
Bei “Mord in der Puszta” hingegen stellte sich heraus, dass die Geschichten der verschiedenen Personen viele Anknüpfungspunkte für Fragen und Verdachtsmomente enthielten. Ferner wurde nach der Entdeckung der Leiche an jeden noch eine Zusammenfassung ausgeteilt. Diese zeigte zum einen einen Kurzüberblick über die Abläufe des Tages und die wichtigsten Ereignisse rund um die eigene Person. Zum anderen enthielt sie ein paar Tipps zum Verhalten und für mögliche Nachforschungen. Auf diese Weise verfolgte jeder schonmal zumindest ein Teilziel. Wie nebenbei sorgte dies dafür, dass einige wichtige Fakten dabei auf den Tisch kamen. Es sind uns keine logischen Probleme aufgefallen, und das Material war insgesamt gut und fehlerfrei gestaltet.

Um die Diskussionen am Laufen zu halten, wurden während des Spiels insgesamt vier Indizien aufgedeckt. Diese mussten in der richtigen Reihenfolge eingebracht werden. Sie sorgten für neuen Gesprächsstoff und brachten die Ermittlungen voran. Mit diesem Kniff erhielt das Spiel also doch neue Impulse und somit einen sinnvollen Spannungsbogen. Die Entscheidung, wann die Indizien bekannt gegeben werden, liegt bei der Spielgruppe. Bei uns fügte sich das praktisch von alleine ins Spielgeschehen ein. Denn solange genügend viele Beschuldigungen geäußert und Fragen gestellt wurden, lief das Spiel gut voran. Sobald die Gespräche ein wenig ins Stocken gerieten, steckte ich als Gastgeberin einer passenden Person wieder ein Indiz zu. Im Titel der Indizien konnte man sehen, wo dieses gefunden wurde, was bei der Entscheidung half, wer es zuerst lesen sollte.

Nachdem das vierte und letzte Indiz bekanntgegeben wurde und die daraus entstehenden Diskussionen, Anschuldigungen und Ausflüchte abgeebbt waren, schritten wir zu den abschließenden Plädoyers. Jeder benannte die Person, die er oder sie für am meisten verdächtig hielten und begründete den Verdacht. Nach dieser Runde musste sich jeder per Fingerzeig für eine Anschuldigung entscheiden. Per großer Mehrheit fanden wir tatsächlich heraus, wer den Mord begangen hatte. Die verfügbaren Informationen ließen sich gut zusammentragen, und die Abläufe waren plausibel konstruiert. Den Schwierigkeitsgrad dieses Kriminalfalles fanden wir nicht sehr hoch – aber Achtung: Diese Einschätzung kann sehr subjektiv sein und für jede Spielrunde anders ausfallen!

Etwas enttäuscht war die Runde, als ich bekanntgab, dass der Mörder oder die Mörderin sich nun einfach zu erkennen gibt. Das Spiel enthält leider kein Material, das zum Schluss verlesen wird und die Alibis und Motive aller Personen zusammenfasst, etwaige Geheimnisse einzelner Charaktere verrät und schließlich als Höhepunkt die Auflösung bekanntgibt. Eine solche Zusammenfassung ist für uns so etwas wie ein Abspann des Krimispieles. Jede Person und ihr Darsteller werden noch einmal kurz in den Mittelpunkt gestellt. Manches Mal gibt es ein großes Hallo, wenn doch noch ein ungelüftetes Geheimnis hervorkommt, das diese Person tatsächlich bis zum Schluss verbergen konnte. Ohne diesen Abschluss kam uns das Ende ein wenig abrupt vor.

Im Anschluss an die “Verhaftung” der schuldigen Person ließen wir uns den Nachtisch schmecken und diskutierten nicht nur den Fall, sondern auch die Gestaltung dieses Krimidinners. Im Gegensatz zu den von uns sehr geschätzten Fällen von Krimi Total kamen für die einzelnen Rollen keine neuen Informationen ins Spiel – die Diskussionen wurden ja über die Indizien am Laufen gehalten. Dies wurde von einigen auch als Vorteil empfunden. Denn wenn die Informationen häppchenweise kommen, kann man sich auch ungewollt selbst in Widersprüche verwickeln – wenn man nämlich zu bestimmten Fragen Bild von 1 von 3 Reiterreisen
Prädikat
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1 von 3 Reiterreisen
improvisiert und später hierzu anderslautende Informationen ins Spiel gelangen. Insgesamt betrachtet haben sich alle gut in ihre Rollen eingefunden und dank der vorbereiteten Informationen diese gut ausgefüllt. Wir haben einen schönen Sommerkrimiabend verlebt und können uns gut vorstellen, weitere Krimispiele dieser Art zu inszenieren. Wenn wir dafür einen Wunsch frei hätten: Bitte mit einem Finale, in dem wir jede Rolle noch einmal würdigen und uns von ihr verabschieden dürfen!

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