Mord über Bord

Beim Spielen in Altleiningen auf der Jugendherbergsburg hätte thematisch womöglich eher ein Mittelalterkrimi mit Rittern oder auch Geistern gepasst – doch uns verschlug es auf die Yacht von Max Huber, um den Mord an dessen Ehefrau aufzuklären. Diese Rolle ist für den Gastgeber des Falles “Mord über Bord” von Culinario Mortale vorgesehen, zu dem wir uns in der Vollbesetzung zusammen gefunden hatten. Vier der anderen Spielerinnen und Spieler verkörperten den Bruder des Gastgebers und Personen aus dessen Freundeskreis, zwei weitere Personen wurden zu Kapitän und Schiffskoch.

Nachdem ich in den vorherigen Fällen Tödlicher Ruhm und Schatten über Landsitz Hagenberg darauf hingewiesen hatte, dass die optionalen Rollen in der Spielregel standen und so dem Regelleser bekannt gegeben werden, kündigte mir der Verleger in seiner Rückmeldung zu meiner Rezi eine Neuerung an. Und tatsächlich: In der Spielregel waren die Besetzungen mit fünf, sechs oder sieben Personen hinter versiegelten Bereichen verborgen. Nur die wirklich benötigte Besetzung erfährt eine Runde somit: Materialtechnisch prima gelöst!

Wie bei den beiden bereits von uns gespielten Fällen von Culinario Mortale weiß jeder von Beginn an, ob er oder sie schuldig ist. In drei Runden erfahren wir nach und nach, was am Mordabend passierte. Zunächst nehmen wir uns die Zeit vom Ablegen der Yacht bis zum Abendessen vor. In zwei weiteren Zeitabschnitten zeichnen wir die Zeit bis zum Mord nach und bringen nach und nach mehr Informationen ins Spiel. Mit dieser Vorgehensweise sind wir erneut gut klar gekommen. Auch wenn es von der Logik her merkwürdig erscheint, dass man die Ereignisse kurz vor der Tatzeit erst in der dritten Runde erfährt, funktioniert die chronologische Aufbereitung gut. Jeweils vor der zweiten und der dritten Runde gelangte überdies – nachdem alle Spieler ihre Informationen zur neuen Runde gelesen hatten – ein Hinweis ins Spiel, der jeweils natürlich gleich dafür sorgte, die Gespräche anzuheizen.

In unserer Runde wurde die schuldige Person nicht überführt. Wie es halt so laufen kann: Manchmal ergibt sich eine Dynamik, und dadurch geraten Aspekte in den Hintergrund und erhalten bestimmte Dinge plötzlich ein unerwartet hohes Gewicht. Wir konnten die Lösung des Falls jedoch gut nachvollziehen und akzeptieren.

Unterhaltsam fanden wir unterschiedliche Verwicklungen und Nebenhandlungen, die sich während der Partie entspannten. Hier fand mehr als nur der Mord statt – natürlich hat weit mehr als nur eine Person Dreck am Stecken. Das führt zu einem abwechslungsreichen Verlauf. Selbst die beiden Personen, die sich später als die optionalen Rollen herausstellten, hatten ihre Handlungsstränge mit der einen oder anderen Verwicklung. Lediglich bei der Motivsuche war recht schnell klar, dass sie kaum zum Kreis der Verdächtigen zu zählen sind.

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