Potato Man

„Oh nein – nicht schon wieder ein Stichspiel!“ Wer so etwas denkt, übersieht eine wichtige Tatsache: Spargel werden gestochen, Kartoffeln werden gepellt. Potato Man ist also keinesfalls ein weiteres Stichspiel, sondern ein Pellspiel und somit der erste Vertreter einer völlig neuen Spielegattung.

Es gibt 52 Kartoffelkarten in vier Farben, die gleichmäßig verteilt werden. Einer spielt eine Karte aus. Dann müssen die anderen Spieler die anderen drei Farben bedienen. Im Spiel zu viert müssen in einer Pelle also alle vier Farben vorkommen. Der Spieler mit der höchsten ausgespielten Zahl gewinnt die Pelle und bekommt als Belohnung eine Kartoffelsackkarte in der von ihm ausgespielten Farbe. Die Farben haben unterschiedliche Punkte und Wertverteilungen. Rot gibt es zum Beispiel in den Werten 5 bis 18, deshalb gibt es für Pellen in rot nur einen Kartoffelsack. Gelb hingegen umfasst nur die Zahlen 1 bis 13. Wer es schafft mit Gelb eine Pelle zu machen, bekommt dafür gleich vier Kartoffelsäcke.

Bild von Potato Man
Dass der Spieler mit den meisten Kartoffelsäcken gewinnt, ist nicht sonderlich überraschend. Erwähnenswert sind aber drei andere Regeln. Denn das Spiel endet nicht nur nach spätestens 12 Pellen, sondern auch vorzeitig, wenn ein Spieler keine passende Farbe spielen kann. Deshalb lohnt es nicht darauf zu spekulieren, mit dicken Kartoffeln noch eine späte Pelle zu machen.

Doch alle hohen Karten sofort auszuspielen lohnt auch nicht, denn ab der vierten Pelle mit einer Farbe gibt es pauschal fünf Kartoffelsäcke. Dann lohnen sich auch rote Pellen. Stichspieler denken sich jetzt vielleicht, dass sie einfach ihre hohen roten Karten aufheben könnten, um dicke Punkte zu machen. Pellspieler wissen aber: Das ist der Moment von Potato Man! Denn die rote 16, 17 und 18 sind „Evil Potatos“, die dem Potato Man – der gelben 1, 2 und 3 – unterlegen sind.

Potato Man spielt sich anders als andere Spiele. Wer hinten sitzt, hat oft gar keinen Einfluss auf die Pelle, denn er kann sich die Farbe nicht aussuchen. Wer aber ausspielt, kann kaum erwarten die Pelle zu bekommen. Ein niedriges Anspiel erzeugt nur dicke Punkte für andere, und mit einer hohen Karten zu beginnen, bringt selbst nur kleine Punkte. Zudem kann es immer passieren, dass ein Spieler ein schnelles Ende forciert, was aber schwer überschaubar ist.

Bild von 1 von 3 Supermännern
Prädikat
:
1 von 3 Supermännern

All dies zusammen macht Potato Man zu einem einfachen, aber auch ein klein wenig verzwickten Vergnügen. Das kleine Kartenspiel bietet ein paar kleine taktische Möglichkeiten, aber auch eine Menge Chaos. Vor allem ist so ziemlich alles anders als bisher. Dabei sind die Regeln erfrischend einfach. Das zeigt, dass es neben althergebrachten Stichspielen immer noch genügend Platz für originelle Innovationen gibt.

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5 Kommentare to “Potato Man”

  1. Florian

    Die Systematik könnte vielleicht noch verbessert werden. Dem Stechen von Spargel entspricht ja eigentlich nicht das Pellen, sondern das Lesen oder Ernten von Kartoffeln. Lesespiel geht aber nicht, das weckt ganz falsche Erwartungen (nämlich von mindestens 24 Seiten Spielregel). Und bei Erntespiel denken vielleicht zu viele Kenner, es müsse von Uwe Rosenberg stammen. Schwierig.

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    • Peter

      hihi, ich hatte gehofft, dass nicht so schnell die Grenze meiner Wortspiels gefunden wird.

      Es gibt eine ziemliche alte Kurzgeschichte – Die göttliche Formel – von Robert Sheckley, in der die Menschheit in rot (fiese) Karotten und weiße (unschuldige, unterdrückte) Zwiebeln unterteilt wird. Nur in ihrer Gemeinsamkeit ergibt sich ein leckeres Stew.
      Die Frage:

      »Aber was ist mit den grünen Erbsen ? Wo ist das Fleisch, um Himmels willen ?«

      wird in ihr mit

      »Nicht an der Metapher kratzen« beantwortet.

      Die Geschichte gibt es online:
      http://uwe-henseler.de/index.php?option=com_content&task=view&id=206&Itemid=34
      – sie ist immer noch ziemlich lustig.

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      • Florian

        Nette Geschichte … obwohl man daraus auch nicht so nette Schlüsse ziehen kann: 1. Assoziationen im Drogenrausch tragen nur begrenzt, sonst dürfte man ja daran kratzen. 2. Halb zu Ende gedachte Metaphern können dein Leben zerstören … oder fast. (Punkt 2 gefällt mir besonders gut. Damit wird Lebensberater endlich zu einer studiennahen Berufsoption für Literaturwissenschaftler.)

        Nun ja, wo waren wir eigentlich? Ich glaube, ich sollte lieber mal wieder ein paar Spielkarten pellen 😉

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  2. Der Siedler

    Wirklich nur ein Supermann? Ich weiß, das ist keine Rüge. Aber ich wollte eben nochmal genau nachfragen 🙂

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    • Kathrin

      “1 von 3 Supermännern” ist keine schlechte Bewertung. Die meisten Spiele erhalten bei uns “1 von 3 …”. Von den aktuelleren Spielen erhalten nur wenige bei uns “2 von 3 …” – und zwar Hanabi, Terra Mystica, Qwixx, Keyflower und Love Letter. Mit “1 von 3 …” ist Potato Man allerdings in guter Gesellschaft, denn auch Spiele wie Bora Bora, Yedo, Parade (um auch einen Vertreter unter Kartenspielen reinzunehmen) sind so bewertet. Und um die höchste Bewertung von “3 von 3 …” zu erhalten, muss ein Spiel erstmal über lange Zeit hinweg begeistern können. Der nächste Anwärter auf “3 von 3 …” ist übrigens bei uns Hanabi.

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