Race for the Galaxy in 3D – die dritte Dimension & Auf der Schwelle zum Krieg

Erstveröffentlichung im Oktober 2009 in der Fairplay 89.
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Dritte Dimension: Fünf Fragen an den Schöpfer Tom Lehmann

Fairplay: Tom, welches sind deine Lieblingsbücher oder –filme im Bereich Science Fiction?
Tom Lehmann: Ich mag sowohl Science Fiction Kurzgeschichten als auch Romane. Die meisten Filme hingegen, mit der einzigen Ausnahme vom Director‘s Cut zu „Blade Runner“, haben es mir nicht so angetan. Kurzgeschichten lese ich wegen der guten Einfälle (unter meinen Favoriten sind die Geschichten von Varley und Tiptree aus den 70er Jahren), während ich Romane meist aus Interesse für die Charaktere lese (Bujold, Pohl), obwohl auch hier einige Autoren mit guten Einfällen vorkommen (Brin, Stross).

FP: Was hat dich mehr zur Entwicklung von RACE FOR THE GALAXY inspiriert: Literatur oder Kinofilme – oder gar etwas ganz anderes?
TL: Ich wollte schon immer ein „episches“ Science Fiction Spiel entwickeln. In der Mitte der 90er Jahre habe ich an einem (nie veröffentlichten) Sammelkartenspiel, das „Duel for the Stars“ hieß, gearbeitet, sowie an den Brettspielen TIME AGENT und THRONEWORLD. Ich wollte etwas anderes als die historischen Schauplätze wie bei PUERTO RICO (vor allem nach der Arbeit am Prototyp zum PUERTO RICO Kartenspiel). Die Karten „Kontaktspezialist“ und „Kolonieschiff“ aus RACE FOR THE GALAXY wurden praktisch unverändert aus DUEL FROM THE STARS übernommen, genau wie die durch Brin inspirierten „genmanipulierten“ Rassen und die durch Pohl inspirierten „verlassenen Alien“ Ideen.

FP: Wie führst du Anfänger an das Spiel RACE FOR THE GALAXY heran?
TL: Ich statte jeden Spieler mit einer Startwelt und Aktionskarten aus. Dann bitte ich jeden, zufällig eine Aktionskarte auszuwählen, sie verdeckt hinzulegen und schließlich gleichzeitig aufzudecken, um von dort überzugehen zum Ablauf eines Zuges und jede Phase der Reihenfolge nach durchzugehen. Dabei verwende ich die unterschiedlichen Startwelten und die Karten der Spieler. Ich bin überzeugt, dass es am einfachsten ist, neue Spieler zu begeistern, wenn sie ihre Karten im Spiel während der Erklärung kennenlernen.

FP: Welches ist deine Lieblingskarte oder -strategie bei RACE FOR THE GALAXY?
TL: Meine Lieblingskarte ist wohl der Kontaktspezialist, weil er militärische und nicht-militärische Strategien verbindet. Mir gefällt auch dessen Grafik.
Eine Lieblingsstrategie habe ich nicht; ich muss sicherstellen, dass alle Strategien funktionieren! Meine Lieblingstaktik ist es, eine unerwartete Phase auszuwählen, die es mir erlaubt, bei einem Rückstand aufzuholen; beispielsweise eine „Produktion“ auszuspielen, gerade nachdem jemand produziert hat – im Vertrauen darauf, dass jemand anderes „Verbrauchen“ spielt, während ich das Spieltempo verändere, um das Spielende durch die Verteilung der letzten Siegpunktchips früher als erwartet herbeizuführen.

FP: Weshalb wurde die Karte „Kasinowelt“ wiederholt verändert? In jeder Erweiterung gab es bisher eine neue Version dieser Karte …
TL: Zwei Dinge passierten. Zum einen wollten die ursprünglichen Tester eine Übersicht über die Verteilung der Zahlenwerte auf der Karte haben, so dass wir resigniert und eine aktualisierte Verteilung mit jeder Erweiterung erstellt haben. Nachträglich betrachtet wäre es sicherlich genug gewesen, die geänderte Verteilung in der Spielregel abzudrucken.
Zum anderen wünschten sich einige Spieler eine komplexere Version dieser Fähigkeit (mit einem echten Wetteinsatz und damit einem Glücksspiel-Risiko). Dies lehnte ich für das Grundspiel ab (zu komplex), aber für die zweite Erweiterung stimmte ich dann doch zu im Wissen, dass wir sowieso eine neue Version der Karte erstellen würden … Immerhin haben wir dazu gelernt und die neue Übersicht jetzt in die Spielregel übernommen.

Die Fragen für Fairplay stellte und übersetzte Kathrin Nos.

POSTSCRIPTUM:

Bild von Race For The Galaxy

Schlussendlich erschien jetzt die dritte Erweiterung. Mit ihr hält das Prestige Einzug ins Spiel. Prestige gibt es für spezielle Bauten, Entwicklungen und Taten. Prestige zu besitzen, bedeutet mehr Siegpunkte zu erhalten und – vielleicht noch wichtiger – die Möglichkeit, den mittlerweile bedrohlich hohen Kartenstapel einmalig nach bestimmten Karten durchsuchen zu dürfen.

Die Anzahl der Aktions- und Kombinationsmöglichkeiten erschlägt den gelegentlichen Galaxienrenner zwar hin und wieder, die Spieldauer nimmt aber auch etwas zu. Aus dem 100m Sprint wurde mittlerweile immerhin ein 400m Hürdenrennen.

Peter Nos



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