The King of Frontier

Bekanntlich mag ich Puerto Rico immer noch sehr. Ähnlich geht es vielen anderen Spielern und Autoren. So ist es nicht verwunderlich, dass immer mal wieder Variationen des Evergreens erscheinen. Dem Autor Shun war es aber nicht genug, einen weiteren Puerto Rico Klon zu erschaffen, er fügte gleich noch ein paar Gene eines zweiten Hits hinzu. So entstand the King of Frontier, die erste mir bekannte Puerto Rico – Carcassonne Mischung.

Nun stellen Rumpelwichte sogleich die Frage die „Wiesu den bluß?“ – Es reicht doch, entweder Puerto Rico oder Carcassonne zu spielen, da braucht es doch kein weiteres Fusionspiel. King of Frontier ist aber im weiteren Sinne auch noch ein Microgame, denn (a) es steckt in einer kleinen Schachtel, (b) es lässt sich locker in 30 Minuten spielen und (c) es hat eine kaum noch reduzierbare Grafik aus Strichmännchen. Spätestens die optische Gestaltung macht das Spiel erwähnenswert.

Spielerisch macht es aber auch Spaß. Jeder Spieler hat einen Spielplan mit 20 Feldern, um sein persönliches Königreich zu errichten. Dazu wählt man reihum jeweils eine Aktion aus, die anderen – siehe Puerto Rico – dürfen die gleiche Aktion auch ausführen. Der aktive Spieler bekommt einen kleinen Bonus. Im Unterschied zum Überbruder lässt sich aber jede Aktion sofort wieder wählen. Dies vereinfacht das Spiel natürlich enorm.

Bild von The King of Frontier

Als Aktionen gibt es „Landschaften nehmen“, „Gebäude bauen“, „Produktion“, „Verbrauchen“. Für Goldsucher, Händler und Bürgermeister gibt es keine Entprechungen. Geld gibt es auch nicht, dafür entstehen bei der Produktion Holz, Steine und Weizen. Mit Holz und Steinen lassen sich Gebäude bezahlen, Weizen bringt beim Verbrauchen Siegpunkte.

Das Auslegen der Landschaften und Gebäude auf dem Plan geschieht in der typischen Carcassonne-Art. Erst wenn ein Wald, Steinbruch oder Weizenfeld abgeschlossen ist, kann das Gebiet Waren produzieren. Nur eine abgeschlossene Stadt ermöglicht es, Weizen in Siegpunkte umzusetzen. Straßen gibt es nicht. Das Kloster ist aber als Gebäude vorhanden und bringt zum Spielende einen Siegpunkt für jedes bebaute Nachbarfeld. Und das Ende kommt schneller als erwartet. Denn es reicht, dass die Siegpunkte ausgehen, dass der gemeinsame Gebäudepool aufgebraucht ist, dass keine Landschaften mehr verfügbar sind oder dass ein Spieler es schafft, sein Gebiet zu komplettieren. Das ist auch erstrebenswert. Denn in der Endwertung gibt es nicht nur Pluspunkte für Prunkgebäude und abgeschlossene Gebiete, sondern auch Minuspunkte für weiße Flächen im Königreich.

The King of Frontier ein schön ausgewogenes Spielchen, mit nur drei kleinen Haken. (a) Es fehlt die thematische Dichte von Puerto Rico, (b) es fehlt die fantastische Gestaltung von Carcassonne. (c) Es ist allein japanisch aufgelegt. Zwar gibt es eine englische Regel bei Boardgamegeek, aber auch nach vielen Partien ist es immer noch mühselig, immer wieder die Bedeutung der einzelnen Gebäude nachzuschlagen, denn leider fehlt auch eine eingängliche Symbolik auf den Plättchen.
Bild von 1 von 3 Strichzeichnungen
Prädikat
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1 von 3 Strichzeichnungen

Dadurch verliert das Spiel für nicht-japanische Barbaren wie uns einiges seiner knackigen Leichtigkeit. Vielleicht findet sich aber ein internationaler Verleger im Schriftraum lateinischer Zeichen, der zumindest eine englische Lokalisierung des Materials ermöglicht. Dann wird the The King of Frontier ziemlich sicher als Geheimtipp eine größere Bekanntheit erlangen.

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