Tiku

Erstveröffentlichung im April 2009 in der Fairplay 87.
>>Direkt zum Postscriptum springen.

In einer Schachtel mit schlichtem, aber elegantem Design befindet sich zusammen mit nur wenig Luft: Viel Holz! Als da wären der naturfarbene Spielplan – oder besser: das Spielbrett im wahrsten Sinne des Wortes! – mit den Einfräsungen, welche eine Unterteilung in 36 Felder vorgibt, sowie die Spielfiguren und Markierungsscheiben in den Farben schwarz und weiß. Jeder Spieler besitzt sechs Figuren, die er in der zweiten Reihe des Spielfeldes aufstellt. Zwischen den beiden gegnerischen Reihen befinden sich damit zwei freie Reihen.

Abwechselnd bewegen die Spieler jeweils eine ihrer Spielfiguren. Ein Zug darf beliebig weit in eine waagerechte oder senkrechte Richtung führen, solange kein bereits durch eine Figur besetztes Feld im Weg steht. Alle überquerten Felder werden mit einer Markierungsscheibe der eigenen Farbe besetzt. Lagen dort bereits gegnerische Scheiben, werden diese entfernt und müssen vom Gegner in einem späteren Zug erneut eingesetzt werden. Denn das Spielziel erfordert es, alle 14 eigenen Scheiben ins Spiel zu bringen.

Das hört sich einfach an. Schnell ist die erste Partie gespielt, und ruckzuck kann ein Spieler gewinnen, wenn dem Gegner zu viele Fehler unterlaufen, und er lange Wege freilässt. Eine quer über das Spielfeld bewegte Figur kann fünf Scheiben einsetzen – da ist das Spielziel schnell erreicht!
Wenn beide Spieler gleich stark sind, wird kein Millimeter Raum verschenkt. Es entfacht ein harter Kampf. Wie kann man verhindern, dass der Gegner lange Strecken mit eigenen Scheiben besetzen kann? Gelingt es gleichzeitig, sich selbst eine Position zu erspielen, um genügend Scheiben loszuwerden? Neue taktische Impulse bietet die Variante: Jetzt darf jede Figur einmal während der Partie auch diagonal bewegt werden. Eine Markierung sorgt dafür, dass man jederzeit erkennen kann, welche Figuren noch “aus der Reihe tanzen” dürfen.

Der Spielreiz von TIKU trägt nicht über abwechslungsreiche, direkt aufeinander folgende Partien. TIKU bietet sich eher für einen gelegentlichen Schlagabtausch an, bei dem sich die Spieler zusätzlich über das haptische Erlebnis an dem gelungenen Material erfreuen möchten. Und wem dieses Fazit zu harmonisch und weich gezeichnet ist: Für den Vielspieler fehlt die Spieltiefe. Über ein kurzes Kennenlernen hinweg taugt TIKU für ihn nicht. Partien absolviert er als Fingerübung, da er schnell herausgefunden hat, wie man eigene Blockaden aufbauen und gegnerische wieder umgehen kann. Als ästhetisches Geschenk für einen Gelegenheitsspieler, dem auch der Aspekt “das Auge spielt mit” wichtig ist, eignet es sich aber allemal und zwar gar nicht schlecht.

Kathrin Nos

POSTSCRIPTUM:

Bild von Tiku

Reiner Knizia kopiert und variiert sich bekanntlich selbst am liebsten. So gab es Tiku schon vor 16 Jahren in der Spielbox. Aufmerksame Leser der diversen Internetseiten haben dies auch schon einige Male lesen dürfen. Weitaus weniger bekannt ist, dass es schon mit “Battle for Olympus” schon seit 2008 einen Nachfolger von Tiku gibt. Jeder Spielstein bekommt dort noch eine spezielle Spezialfähigkeit.

Da ich “Battle for Olympus” nicht gespielt habe, kann ich schwerlich beurteilen, ob es das bessere Tiku ist. Doch es ist gut möglich, dass ich es überzeugender finde.

Dies liegt an der für die Spieldauer und -tiefe übertrieben aufwändigen Aufmachung von Tiku. Jede gute Spielidee braucht nämlich nicht nur eine gute Regel, brauchbares Material und eventuell ein passendes Thema. Auch die Wertigkeit des Spielmaterials und die Preisgestaltung müssen zum Spiel passen. Ta-Yü wäre mit 1 mm Pappplättchen bestimmt in einem Debakel geendet. Umgekehrt ist zum Beispiel mit Coloretto eine kleine Spielidee als Kartenspiel völlig ausreichend umgesetzt.

Schöngeist
Prädikat: Schöngeist
Bild von 1 von 3 Hölzern

Prädikat
:
1 von 3 Hölzern


Zooloretto empfinde ich dagegen als unnötig aufgebläht. Deswegen sind Schnäppchen in der Spieleszene so beliebt. Denn mit einer übertriebenen Aufmachnung liegt zumeist auch der Preis eines Spiels deutlich über dem vom Spielspaß zugestandenen Wert.

Ganz selten nur begeistern mich deshalb Luxusausgaben von Spielen. Vielmehr erinnern mich übertrieben aufgedonnerte Spielideen ans Märchen über “des Kaisers neue Kleider”.

Mit “Komplexität”, “Spieldauer”, “Spielvorbereitung”, “Verwaltungsaufwand” usw. gibt es natürlich noch einige weiter Aspekte, die bei einem redaktionell optimal bearbeiteten Spiel zueinander passen sollten.

Mein ganz persönliches Fazit: Tiku ist wirklich sehr schön anzusehen und funktioniert als Spiel auch tadellos. Der Holzanteil übertrifft aber den Wiederspielreiz um ein Vielfaches.

Peter Nos

Share

Mein Kommentar

  • (wird nicht weitergegeben)