- Das-SpielEn.de - https://das-spielen.de -

Vasco da Gama

Vasco da Gama wird der Spielewelt in Erinnerung bleiben: als Spiel mit den kleinsten dicken Kapitänen. Nichts anderes überrascht beim Auspacken oder dem ersten Spiel. Der Titel „Vasco da Gama“ erweckt Sehnsüchte an die Zeit der Entdeckungen, die auch gern die Zeit anspruchsvollerer Wirtschaftsspiele ist. Das Material ist überaus ordentlich produziert, und die Spielregel erfüllt alle Erwartungen: Vasco da Gama besitzt eine gehobene, aber nicht übertriebene Komplexität, und es passt wirklich alles harmonisch zusammen. Sogar das Titelthema fließt ein klein wenig ins Spielgeschehen ein. Zumindest der Spielplan und die handelnden Persönlichkeiten passen zu den historischen Ereignissen.

Bild von Vasco Da Gama

Es wird wohl niemand überrascht aufspringen, wenn ich verrate, dass die Kapitäne für Schiffe benötigt werden, um den Seeweg nach Asien zu erkunden. Ein paar Matrosen sind selbstredend auch noch notwendig, um die Segel zu hissen oder das Deck zu schrubben. Zu Zeiten Vasco da Gamas ging es um den lukrativen Gewürzhandel, modernen Spielern geht es natürlich nur um Siegpunkte, die durch erfolgreiche Seefahrten verteilt werden. Also gilt es notgedrungen Kapitäne, Seeleute und Schiffe einzusammeln, um in See stechen zu können. Dafür verläuft bei Vasco da Gama eine Runde in drei Teilen. Zuerst werden reihum Ansprüche auf die verschiedene Aktionsmöglichkeiten erhoben. Nebenbei wird dabei festgelegt, in welcher Reihenfolge die Aktionen im zweiten Teil ausgeführt werden sollen. Dazu stehen zwanzig Zeitpunkte zur Auswahl. Zwar kann jeder Zeitpunkt nur einmal gewählt werden, doch im Prinzip kann damit jeder frei entscheiden, welche Aktionen früher oder später wahrgenommen werden sollen. Nur kosten frühe Aktionen richtig viel Geld, und zu späten Zeitpunkten gibt es oft keine attraktiven Möglichkeiten mehr. Im Gegensatz zu vielen anderen Wirtschaftsspielen sind nicht die Aktionen, sondern das Geld die wahre Mangelware. Damit bleibt oft nur der Griff zum späten Zeitpunkt.

Während der Aktionen gibt es Matrosen und Kapitäne oder Schiffe zu kaufen, es können Persönlichkeiten genutzt werden, die gewisse Vorteile versprechen, und es können Schiffe mit Matrosen und Kapitän auf die Reise geschickt werden. Damit ist klar, dass es nicht nur wichtig ist, vor den anderen Spielern die meisten Matrosen oder die größten Schiffe zu erwerben, sondern dass auch die Reihenfolge der eigenen Aktionen wesentlich ist. Dieser Mechanismus ist der wesentliche Clou von Vasco da Gama.

Nachdem im zweiten Teil die Aktionen realisiert wurden, fahren im dritten Teil die Schiffe Stück für Stück Richtung Asien und bringen dabei Siegpunkte und Einnahmen. Aktiv kann in dieser Phase nicht ins Spiel eingegriffen werden, doch eine Reihe von Regeln bestimmt, welche Schiffe überhaupt weitersegeln dürfen und welche ausscheiden. Nach fünf Runden ist eine Partie vorbei, und wie immer gewinnt der Spieler mit dem dicksten Pfeffersack.

Eine ganze Reihe weiterer Details bringen eine gehörige Portion Komplexität ins Spiel, ohne es kompliziert erscheinen zu lassen. Zu verdanken ist dies dem überaus intuitiv gestalteten Spielmaterial. Nur die präzise formulierte Spielanleitung sollte vor der ersten Partie genau gelesen und verstanden sein. In unserer ersten Partie missachteten wir dies, lasen die Regel nicht selbst und vertrauten auf einen Erklärer. Daraufhin hatten wir eine wahrlich traumatische Spielerfahrung und hätten Vasco da Gama beinahe als unausgegorenes Durchschnittsspiel abgetan. Für Kenner des Spiels hier die drei dicksten Fehler: Es gab keine Siegpunkt beim Einsetzen von Schiffen. Die Kosten für frühe Aktionen entnahmen wir der Zeilenzahl, die eigentlich den Ertrag beim Aktionsverzicht anzeigt. Geld fürs Verzichten gab es gar keins.

Wer Vasco da Gama schon ein oder zweimal gespielt hat und dies hier liest, sollte bei der nächsten Partie mal folgendes ausprobieren:

Diese Strategie garantiert keinen sofortigen Sieg. Wenn sich die Mitspieler aber fröhlich mit kleinen Schiffen begnügen und verfrüht in See stechen, kann sie ganz Erstaunliches leisten.

Vasco da Gama ist zwar ein ziemlich gutes Spiel, ich bezweifle aber noch, dass es über den aktuelle Jahrgang hinaus gespielt werden wird. Es ist perfekt konzipiert und bietet alles, was ein erfolgreiches Spiel benötigt. Ich wage sogar eine Kaufempfehlung auszusprechen.
Bild von 1 von 3 Mastern
Prädikat
:
1 von 3 Mastern

Ob es über den aktuellen Jahrgang bekannt bleiben wird, wage ich noch zu bezweifeln, dafür ist das Thema vielleicht nicht genügend tief in der Spielmechanik verankert und der Spielablauf zu statisch angelegt. Im direkten Vergleich ziehe ich [cref age-of-empires-iii] vor. Doch ich mag mich täuschen, und wenn von Vasco da Gama mehr in Erinnerung bleibt als ein kleiner dicker Kapitän, wird ihm später noch ein höheres Prädikat verliehen. Zu Recht gewann es immerhin schon die Fairplay Scoutaktion.