{"id":1086,"date":"2008-12-26T11:47:30","date_gmt":"2008-12-26T10:47:30","guid":{"rendered":"https:\/\/das-spielen.de\/?p=1086"},"modified":"2025-09-15T08:15:51","modified_gmt":"2025-09-15T06:15:51","slug":"palais-royal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/palais-royal\/","title":{"rendered":"Palais Royal"},"content":{"rendered":"<p>Ein bisher wenig beachteter und doch vielf\u00e4ltig eingesetzer Trick in der Spielelandschaft ist der <a href=\"http:\/\/www.labyrinth.net.au\/~muffin\/faqs_c.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mac Guffin<\/a>. Dieser von Alfred Hitchcock gepr\u00e4gte Begriff beschreibt Dinge, die zum Vorantreiben einer Handlung wichtig sind, ohne dass irgendwelche Details von ihnen von Interesse w\u00e4ren. In Spielfilmen wird h\u00e4ufig von ihnen Gebrauch gemacht. In <a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0122690\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ronin<\/a> dreht sich zum Beispiel die gesamte Handlung um einen Koffer, dessen Inhalt bis zum Ende nicht enth\u00fcllt wird. Bei Spielen wirken Mac Guffins subtiler, indem mit ihnen\u00a0Themen\u00a0mit wenigen Worten motiviert werden. Auch\u00a0<strong>Palais Royal<\/strong> nutzt einen: Die Spieler sollen Adlige mittels Dienern im Schlo\u00dfgarten anwerben um <em>Einfluss<\/em> zu erlangen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Warum der <em>Einfluss<\/em> nun unbedingt notwendig ist und welche Rolle die Spieler in dem Reigen der Diener und Adligen einehmen, wird von der Regel nicht verraten. Soweit so gut, sch\u00e4tzungsweise 99% aller\u00a0Spieler wird die kleine Einleitung vor der Regel eh\u00a0ignorieren. Allein im Namen &#8222;<strong>Palais Royal<\/strong>&#8220; schwingt schon so viel Atmosph\u00e4re, dass es eigentlich nicht notwendig ist, weiter aufs Thema einzugehen. Detailversessene Spieleklassifizierer w\u00fcrden solche atmosph\u00e4rischen Spiele von themengetriebenen abgrenzen. Zum Beispiel sei da der <a href=\"http:\/\/www.bambusspiele.de\/spiele\/jardin\/jardin.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Garten des Sonnenk\u00f6nigs<\/a> genannt, durch dessen gesamte Regel sich die Hintergrundsgeschichte zieht und nur wenige Motivationsfragen offen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"Palais Royal\" src=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/palaisroyal.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Um endlich zum Spiel zu kommen: Die Spieler sind also auf der alt bekannten Jagd nach Siegpunkten. Der Rundenablauf gestaltet sich erschreckend hausbacken. Reihum macht jeder seinen Zug, w\u00e4hrend die Mitspieler in die Luft\u00a0starren, die Kater streicheln oder gem\u00fctlich vor sich hin d\u00f6sen. Das wirklich\u00a0originelle des Spiels ist der Zug-Aktionsmechanismus: Die Position der Spielfiguren bedingt die Aktionsm\u00f6glichkeiten eines Spielers. Das eigentliche Spiel findet dabei nicht auf dem Spielplan ab, denn der zeigt nur einen Garten und dient als Auslage der noch verf\u00fcgbaren Siegpunktmarker. Neben dem Spielplan wird zuf\u00e4llig ein\u00a0Schloss mit neun R\u00e4umen ausgelegt, durch das die Diener &#8211;\u00a0auch bekannt als\u00a0P\u00f6ppel &#8211; eilen. Jeder Raum hat eine spezielle Wirkung. Zum Beispiel legt die Anzahl der eigenen Diener im Treppenhaus die Zahl der Bewegungspunkte fest. Ein anderer Raum generiert einen Louisdor f\u00fcr jeden\u00a0anwesenden Lakaien, und ein weiterer erm\u00f6glicht das Anwerben der Adligen &#8211;\u00a0den Siegpunktpl\u00e4ttchen. Diese wollen zus\u00e4tzlich mit Geld und Siegeln umworben werden.\u00a0Dazu sind wiederum Bedienstete in anderen\u00a0Gem\u00e4chern notwendig.<\/p>\n<p>Wer nun aber einen Adligen anwirbt, entfernt alles ben\u00f6tigte Personal aus dem Schloss und legt es in seinen pers\u00f6nlichen Hof &#8211;\u00a0und ja, es gibt auch noch die Provinz wie bei <strong>El Grande<\/strong>. Von hier k\u00f6nnen weitere Diener in Lohn und Brot genommen werden. Nat\u00fcrlich gibt es eine weitere Kammer, die festlegt wie viele\u00a0Dienstboten\u00a0zu\u00a0Beginn der n\u00e4chsten Runde den Palast neu betreten d\u00fcrfen. Schlie\u00dflich gibt es noch ein paar\u00a0Regeldetails, die in\u00a0Spielen dieser Art wohl\u00a0niemals fehlen d\u00fcrfen:\u00a0Einige der\u00a0angeheuerten Blaubl\u00fcter\u00a0verleihen Spezialf\u00e4higkeiten in Form von Bonussiegeln oder Extrabewegungspunkten. Auf ihre im Garten verbleibenden Kollegen gibt es im sp\u00e4teren Spiel Rabatt, wodurch einige \u00fcberhaupt erst bezahlbar werden. Es gibt sowohl w\u00e4hrend der Partie als auch am Ende des Spiels Belohnungen f\u00fcr Mehrheiten an Dienern im Schloss oder Garten. Unabk\u00f6mmlich sind nat\u00fcrlich auch die Aktionskarten, die zus\u00e4tzlich gekauft werden k\u00f6nnen und Siegpunkte bringen\u00a0oder Bonusaktionen erlauben.<\/p>\n<p>Das Spiel endet nachdem die meisten Adligen von der Wiese abgegrast wurden, die Spieler z\u00e4hlen danach ihre Siegpunkte und der Sieger darf sich \u00fcber den gr\u00f6\u00dften <em>Einfluss<\/em> freuen. Was ihm das bringt, interessiert nicht weiter. Ein typischer Zug bei <strong>Palais Royal<\/strong> l\u00e4uft etwa wie folgt ab: Ich wandle durch den Lustgarten mit meiner M\u00e4tresse, ihre l\u00e4chelnden Honiglippen n\u00e4hern sich\u00a0gerade &#8211; PETER &#8211; it`s your turn! &#8211; ich wache auf und betrachte verschlafen das Spielsituation. Nun rechne ich genau alle M\u00f6glichkeiten durch und w\u00e4hle den bestm\u00f6glichen Zug aus. Dabei versuche ich in den ersten Runden, m\u00f6glichst viele Spezialadlige zu nehmen. Besonders die mit Extrabewegungspunkten\u00a0scheinen vorteilhaft. In den sp\u00e4teren Runden greife ich zu den dicksten Siegpunkten.<\/p>\n<p>Da nun auch mein rechter Nachbar schon wieder glasige Augen\u00a0hat,\u00a0brauche ich mich nicht weiter zu beeilen und kann noch\u00a0etwas weiter ausholen:\u00a0Wichtig ist es,\u00a0in wirklich jeder Runde mindestens einen Adligen zu bekommen.\u00a0Auch eine\u00a0tolle Karte sollte nach\u00a0M\u00f6glichkeit gekauft werden,\u00a0denn die lohnt sich\u00a0immer. Auch Erfahrungen mit einem oder mehreren rundenbasierten Aktionspunktspielen sind recht hiflreich. Deren \u00fcblichen Strategien\u00a0funktioneren auch bei <strong>Palais Royal <\/strong>vorz\u00fcglich.\u00a0Nur\u00a0sparen sollte man nicht zuviel. Denn es ist wichtig,\u00a0m\u00f6glichst viele Diener pro Zug durchzusetzen.\u00a0 Wenn der Vorat\u00a0an Dienern\u00a0im Hof zur Neige geht, kann man keine neuen\u00a0in den Eingangsbereich des Schlosses mehr setzen.\u00a0Damit sie einen Vorteile bringen, m\u00fcssen sie sich aber in andere Schlossbereiche bewegen. Wer es also schafft, jede Runde alle Diener vom Hof in lukrative R\u00e4ume des Schlosses zu bringen und\u00a0gerade soviele wieder zu entfernen, wie in der n\u00e4chsten Runde ben\u00f6tigt werden, hat eine starke Position.\u00a0Je nach Grundriss des Schlosses bieten sich hierf\u00fcr unterschiedliche Optionen.<\/p>\n<p>Beim Anwerben der Adligen ist zu beachten, dass die am Gartenrand stehenden durch einen eigenen Diener ausgetauscht werden, die <strong>Carcassonne<\/strong>bauern gleich zu Spielende Punkte bringen und im weiteren Spiel\u00a0schmerzlich fehlen.\u00a0 Da mich nun doch einige der Mitspieler etwas genervt anfunkeln, ziehe ich jetzt\u00a0meine Diener auf ihre neuen Positionen,\u00a0kaufe meinen Wunschadeligen und eine tolle Karte. Dann wecke ich meinen\u00a0linken Sitznachbarn und versinke wieder in eine andere Welt, in der ich mehr <em>Einfluss<\/em> habe und deshalb von den Reichen und M\u00e4chtigen angehimmelt werde. Die Bedeutung von <em>Einfluss<\/em> kann gar nicht\u00a0hoch genug bewertet werden.<\/p>\n<p>Scharfes Nachdenken wird bei <strong>Palais Royal<\/strong> durch Erfolg belohnt. Obwohl Spiele auch mal sehr knapp enden, ist\u00a0der Grund des\u00a0Gewinns immer erkl\u00e4rbar. Der Schl\u00fcssel zum Sieg kann\u00a0dabei unterschiedlich begr\u00fcndet sein. Manchmal ist es der fr\u00fchzeitige Erwerb eines Adligen, der zus\u00e4tzliche Aktionen erlaubt.\u00a0Manchmal ist es die Mehrheit im Gemach des Kardinals, der alle Gleichst\u00e4nde bricht. Manchmal ist es der gewonnene Endspurt um die Mehrheiten im Garten.Manchmal ist es ein wenig Gl\u00fcck bei den tollen Karten.<span id=\"wertung\"><\/span><\/p>\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" title=\"Pausentatze\" src=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/pausentatze.jpg\" alt=\"Pausentatze\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><em> <a title=\"Zu den Pr\u00e4dikaten\" href=\"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/auszeichnungen\/ \">Pr\u00e4dikat:<\/a> Pausentatze <\/em><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" title=\"1 von 3 Siegeln\" src=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/1von3siegelndsc05551.jpg\" alt=\"1 von 3 Siegeln\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><em><a title=\"Zu den Pr\u00e4dikaten\" href=\"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/auszeichnungen\/ \">Pr\u00e4dikat<\/a>: 1 von 3 Siegeln<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Umgekehrt ist den Verlieren oft auch klar, warum sie verlieren. Manchmal \u00fcberkommt sie die Erkenntnis, nicht mehr gewinnen zu k\u00f6nnen, auch schon nach der H\u00e4lfte der Partie. Denn bei <strong>Palais Royal<\/strong> wird Habenden noch mehr gegeben. <strong>Palais Royal<\/strong> ist also ein typischer Vertreter der Optimierspiele mit wenig direkter Interaktion und hohem Gr\u00fcbelpotenzial. Dabei sollte man die Taten der Mitspieler durchaus beachten. Nur planen und agieren kann immer nur der aktive Spieler. Wer sich daran nicht\u00a0st\u00f6rt und sich nach <strong>Java<\/strong> und <strong>Torres<\/strong> auch noch \u00fcber <strong>Mexica<\/strong> freute, wird auch viel Spa\u00df mit <strong>Palais Royal<\/strong> haben. In der richtigen Gruppe m\u00f6gen wir diese Spiele &#8211;\u00a0nur: das Spiel dauert locker 90 Minuten, in voller Besetzung werden etwa\u00a07 Runden gespielt. Wer sich also daran st\u00f6rt, nur alle\u00a010 Minuten zum Zuge zu kommen, sollte gewarnt sein. Aus diesem Grunde wird <strong>Palais Royal<\/strong> zus\u00e4tzlich mit einer Gr\u00fcbeltatze ausgezeichnet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein bisher wenig beachteter und doch vielf\u00e4ltig eingesetzer Trick in der Spielelandschaft ist der Mac Guffin. Dieser von Alfred Hitchcock gepr\u00e4gte Begriff beschreibt Dinge, die zum Vorantreiben einer Handlung wichtig sind, ohne dass irgendwelche Details von ihnen von Interesse w\u00e4ren. In Spielfilmen wird h\u00e4ufig von ihnen Gebrauch gemacht. In Ronin dreht sich zum Beispiel die &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/palais-royal\/\" class=\"more-link\">Mehr <span class=\"screen-reader-text\">\u00fcber &#8222;Palais Royal&#8220; <\/span>Lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7,28,12,1],"tags":[],"class_list":["post-1086","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-normal-game","category-pausentatze","category-rezensionen","category-spiele"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1086","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1086"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1086\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11974,"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1086\/revisions\/11974"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1086"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1086"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1086"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}