{"id":11589,"date":"2024-10-16T18:39:51","date_gmt":"2024-10-16T16:39:51","guid":{"rendered":"https:\/\/das-spielen.de\/?p=11589"},"modified":"2024-10-17T23:41:38","modified_gmt":"2024-10-17T21:41:38","slug":"lets-go-to-japan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/lets-go-to-japan\/","title":{"rendered":"Let\u2018s Go! To Japan"},"content":{"rendered":"\n<p>Nach einer etwas l\u00e4ngeren Sommerpause ist es an der Zeit, mal wieder \u00fcber Spiele zu berichten. Die beste Art, um wieder in einen Schreibfluss zu kommen, ist bekanntlich drauflos zu tippen. Deshalb sei mir verziehen, wenn der folgende Text l\u00e4nger als notwendig wird und etwas umherm\u00e4andert.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1707\" src=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/DSC5572.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-11595\" srcset=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/DSC5572.jpeg 2560w, https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/DSC5572-500x333.jpeg 500w, https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/DSC5572-150x100.jpeg 150w, https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/DSC5572-2000x1334.jpeg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Da wir vor einigen Jahren auch vom Japanfieber angesteckt wurden, gab es beim Kickstarter von Let\u2019s Go! To Japan kein Halten mehr. Nat\u00fcrlich wurde direkt die Luxusversion geordert. Hat es sich gelohnt? Ja, sicher! Denn das Spiel f\u00e4ngt den stereotypischen Flair eines Urlaubs in Japan perfekt ein. Es geht damit los, dass das Spiel in ein Tuch (\u201eFuroshiki\u201c) eingeschlagen geliefert wird. Dann gibt es die schicken Sch\u00e4lchen f\u00fcr Spielmaterialien, kleine Extrapostkarten ohne spielerischen Nutzen, Klebesticker, Winkekatzen und vielerlei anderen Schnickschnack.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Spiel geht es darum, eine Reise in Japan zu planen. Wir wollen in sechs Tagen sowohl Tokio als auch Kyoto besichtigen. Was w\u00e4re ein typisches Herangehen:\u00a0Montag bis Mittwoch\u00a0Kyoto, dann\u00a0Donnerstag bis Samstag\u00a0Tokio. Essen, Tempel, G\u00e4rten gibt es in beiden St\u00e4dte in gr\u00f6\u00dferen Mengen \u2013 zum Shoppen k\u00f6nnte Tokio noch mehr bieten. <\/p>\n\n\n\n<p>Let\u2019s go! To Japan folgt aber einer anderen Logik. Erst legen wir fest, wann wir etwas erleben wollen: Montags shoppen, Dienstags Essen etc. Wo das stattfindet, ist egal. Beim Planen geht es sehr strukturiert zu. Aus gedrafteten Karten suchen wir uns eine oder zwei aus und ordnen sie einem Tag zu. Da jede Karte einer Aktivit\u00e4t in einer Stadt entspricht, ergibt sich so ein munteres hin-und-her fahren mit dem Shinkansen. Haben Sie schon mal einen Urlaub so geplant, in dem Sie zuf\u00e4llig Aktivit\u00e4ten ziehen, diese themenbezogen Tagen zu ordnen, um dann schlie\u00dflich Zugtickets zum Pendeln zu kaufen? Ja? Dann glauben Sie wahrscheinlich auch, dass in Flugzeugen der Pilot das linke und der Co-Pilot das rechte Seitenruder bedient und die beiden sich dabei auf keinen Fall unterhalten d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Solch kleine Realit\u00e4tsfehler machen aber nichts aus, denn wie bei Sky Team entsteht bei Let\u2019s Go! To Japan eine dichte Atmosph\u00e4re. Beim Spiel f\u00e4llt es leicht, sich in eine Japanreise hineinzuversetzen, vielleicht gerade weil das Spiel gar keine realistische Simulation sein will, sondern allein ein Flair vermitteln m\u00f6chte. <\/p>\n\n\n\n<p>Ein klein wenig ist dies wie in der barocken Oper. Diese bestanden urspr\u00fcnglich aus Arien und Rezitativen. Rezitativ wurde die Handlung vorangebracht (\u201eJetzt ziehe ich los aus meinem Schloss, um den Schurken aufzusp\u00fcren. Da ist er \u2013 ha, nun erdolche ich dich, du B\u00f6sewicht \u2013 nimm dies und blute!\u201c \u2013 2 Monate Handlung in zwei Dutzend W\u00f6rtern verpackt). Arien sollten eine Emotion vermitteln (\u201eIch sterbe, ich sterbe, das ist sehr schade, und nun sterbe ich noch weiter, bis ich beinahe tot bin, mich noch einmal auflehne und gr\u00e4me um zu sterben, steeerben \u2026 &#8211; Informationsdichte von etwa einem Bit in etwa 10 Minuten breitgesungen). Letztere k\u00f6nnen l\u00e4nger dauern. Wegen deren gro\u00dfen Erfolges wurden Rezitative immer knapper, um mehr Platz f\u00fcr Arien zu schaffen. Es dauerte einige hundert Jahre, bis wieder mehr Wert auf die Storyline gelegt wurde. Aber auch Wagner vermittelt vor allem gro\u00dfe Gef\u00fchle. Ich vermute, kaum jemand geht in die Oper, um die Logik der Handlung tiefer zu ergr\u00fcnden, und doch k\u00f6nnen sich Opernfans sehr pr\u00e4zise in die besungene Lebenswelt hineinversetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur\u00fcck zum Spielen. Seit einigen Jahren versuchen Spiele nicht nur ein Titel ohne Thema (siehe Goa oder Tadsch Mahal) zu sein, sondern wirklich auch eine Geschichte zu erz\u00e4hlen. Dabei kommen sie selten \u00fcber die Plotdichte typischer Star Wars Serien hinaus. (Wir ziehen hinaus in die finsteren Lande und erschlagen den Drachen. Aber halt \u2013 \u00dcberraschung \u2013 er hat einen Pakt mit dem finsteren Hexenmeister geschlossen \u2026) \u00a0Ist dies von Bedeutung? N\u00f6! Denn es kommt darauf an, wie ein Spiel \u2013 genauso wie die Oper \u2013 unsere Vorstellungskraft aktiviert und wir uns mit einem Mal wie kr\u00e4ftige Kriegerinnen f\u00fchlen, die in den Sonnenuntergang hinein reiten. Das kann durch eine seichte Story, eine passende Ausstattung oder einen knackigen Titel geschehen. Selten hilft die Spielmechanik, diese sollte zumindest nicht behindern, sondern von den Logik- und Handlungsschw\u00e4chen ablenken. Merke: Wer am Gr\u00fcbeln und maximieren von Siegpunkten ist, hat keine Zeit \u00fcber schlechte Textfragmente auf Ereigniskarten zu frotzeln. (\u201eGraf Roland ernennt Merhins skrupellosen Bruder Ralph zum Herrn von Wigleigh!\u201c \u2013 das habe ich mir nicht ausgedacht. Den Text gibt es!)<\/p>\n\n\n\n<p>Spielen mit interessanten Mechanismen werden Handlungsschw\u00e4chen also eher verziehen \u2013 und umgekehrt. Bei Let\u2019s Go! To Japan interessiert es damit nicht die Sojabohne, ob jemals irgendwer seine Reise so absurd planen w\u00fcrde. Was interessiert sind all die sch\u00f6nen Ideen, was sich in Japan so erleben l\u00e4sst und wie herrlich exotisch dies auf uns provinzielle Westler wirkt. Die Planungsregeln sind nur Beiwerk zur Besch\u00e4ftigung mit den Karten. Wenn an allen sechs Tagen je drei Karten liegen, endet das Spiel mit einer gro\u00dfen Auswertung, bei der es allerlei Punktverschr\u00e4nkungen gibt. Wer dabei gewinnt, ist reichlich egal. Interessant wird das Auswertungsspektakel, wenn wirklich Japanreisende mit am Tisch sitzen und zur geplanten Woche kleine Geschichten erz\u00e4hlen k\u00f6nnen. Dann entf\u00fchrt das Spiel gleich ein zweites Mal ins Schwelgen \u00fcber den letzten oder den n\u00e4chsten Urlaub.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1504\" height=\"2560\" src=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/IMG_4141-scaled-e1729096271671.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-11594\" srcset=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/IMG_4141-scaled-e1729096271671.jpeg 1504w, https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/IMG_4141-scaled-e1729096271671-294x500.jpeg 294w, https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/IMG_4141-scaled-e1729096271671-88x150.jpeg 88w, https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/IMG_4141-scaled-e1729096271671-768x1307.jpeg 768w, https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/IMG_4141-scaled-e1729096271671-902x1536.jpeg 902w, https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/IMG_4141-scaled-e1729096271671-1203x2048.jpeg 1203w\" sizes=\"auto, (max-width: 1504px) 100vw, 1504px\" \/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach einer etwas l\u00e4ngeren Sommerpause ist es an der Zeit, mal wieder \u00fcber Spiele zu berichten. 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