{"id":2292,"date":"2009-06-03T00:05:02","date_gmt":"2009-06-02T22:05:02","guid":{"rendered":"https:\/\/das-spielen.de\/?p=2292"},"modified":"2025-09-11T08:11:45","modified_gmt":"2025-09-11T06:11:45","slug":"spielen-und-gewinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/spielen-und-gewinnen\/","title":{"rendered":"Spielen und Gewinnen"},"content":{"rendered":"<p><em>Unzweifelhaft gibt es st\u00e4rkere und schw\u00e4chere Spieler. Dies mag vielleicht am pers\u00f6nlichen Ehrgeiz und manchmal auch an \u00fcberragender Intelligenz liegen. Mir scheinen aber nicht die schlechten Verlierer oder die kl\u00fcgsten Zeitgenossen auch die regelm\u00e4\u00dfigen Gewinnertypen zu sein. Vielmehr vermute ich, dass erfolgreiche Spieler mehr oder weniger bewusst eine Reihe von Erfahrungen und Tricks anwenden, die weniger gesegneten Mitspielern verborgen bleiben.<\/em><\/p>\n<p><em>In diesem und geplanten weiteren Artikeln versuche ich diesen Ans\u00e4tzen auf die Spur zu kommen. Der Schwerpunkt soll dabei auf \u00dcberlegungen beruhen, die sich m\u00fchelos w\u00e4hrend des Spiels umsetzen lassen. Neben offensichtlichen Themen will ich auch ein paar oftmals missachtete Bereiche beleuchten.<\/em><!--more--> <em>Zum Beispiel:<\/em><\/p>\n<ul>\n<li><em>Was ist der Unterschied zwischen Strategie und Taktik?<\/em><\/li>\n<li><em>Was kann man schon im ersten Spiel beachten?<\/em><\/li>\n<li><em>Wie gewinnt man Geschicklichkeitsspiele?<\/em><\/li>\n<li><em>Was ist das Geheimnis von Merkspielen?<\/em><\/li>\n<li><em>Welche Tricks gibt es bei Reaktionsspielen?<\/em><\/li>\n<li><em>Wie l\u00e4sst sich der Zufall ausnutzen?<\/em><\/li>\n<li><em>Was sollte bei Verhandlungsspielen beachtet werden?<\/em><\/li>\n<li><em>Warum gewinnt unser gro\u00dfer Kater Kopernikus ausgerechnet mit gelben B\u00e4llen immer gegen seinen kleinen Bruder Schr\u00f6dinger beim Pfotenball?<\/em><\/li>\n<li><em>Kann man mit Psychologie gewinnen? Warum funktioniert Heulen und Jammern?<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Da mir die Antworten zu einigen dieser Fragen nicht bekannt sind, hoffe ich auf die Unterst\u00fctzung durch mir bekannte Experten. Einfache Grundlagen und anwendbare Beispiele sollen im Vordergrund stehen. Deshalb werden viele Aspekte erfahrenen Spielern bekannt sein.<\/em><\/p>\n<p><em>Zu Beginn stellte ich die Frage, wie sich Spiele ganz allgemein gewinnen lassen. Dazu traf ich mich mit <strong>J\u00f6rn<\/strong> von den Wasserturmabr\u00e4umern und bekam prompt eine ausf\u00fchrliche Antwort:<\/em><\/p>\n<p><strong><u>J\u00f6rn<\/u>:<\/strong> Ganz klar, mehr Siegpunkte haben als die anderen!<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"J\u00f6rn\" src=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/joern.jpg\" alt=\"J\u00f6rn\" \/><\/p>\n<p><strong><u>Peter (ich):<\/u><\/strong> Oder wenn es keine Siegpunkte gibt, eben Erster bei irgendetwas zu sein. Kannst du aber diese universelle Antwort noch etwas kommentieren? Gibt es zum Beispiel Grundlegendes zu beachten?<\/p>\n<p><strong><u>J\u00f6rn<\/u>:<\/strong> Kenne die Regeln! &#8211; Manchmal ist es ja wirklich furchtbar. Einer erkl\u00e4rt m\u00fchsam die Regeln, st\u00e4ndig wird dazwischengefragt, der Faden geht verloren, man wird unaufmerksam, weil man die Mechanismen schneller geblickt hat. Und eine halbe Stunde sp\u00e4ter hat man dann sein AHA-Erlebnis, indem man strengstens verbotene Dinge tun m\u00f6chte und im Oberlehrerton zu h\u00f6ren bekommt &#8222;Das hatte ich aber erkl\u00e4rt!&#8220;<br \/>\nDoch so ein erstes Spiel soll hier nicht als Ma\u00dfstab dienen. Peinlich wird es erst dann, wenn man mitten auf der Meisterschaft erf\u00e4hrt, dass man auch einen Knappen zahlen muss, wenn man zu Beginn der neuen Runde die gleiche Stadt heimsuchen m\u00f6chte (<strong>Sechsst\u00e4dtebund<\/strong>). Die Mitspieler an den \u00fcbrigen Spieltischen wirken dann immer etwas erheitert, wenn man sich leicht derangiert entr\u00fcstet: &#8222;Das haben wir aber immer so gespielt!&#8220;<br \/>\nBesondere Bedeutung hat in punkto Regelkenntnis das Spielende.<br \/>\nBeim Alea-Urgestein <strong>RA<\/strong> kann recht \u00fcberraschend eine Epoche zu Ende gehen. Schon \u00f6fters musste da jemand darauf hingewiesen werden, dass die Sonnen nur in Runde 3 \u00fcberhaupt zur Wertung zugelassen sind.<\/p>\n<p><strong><u>Peter<\/u>:<\/strong> Zu den Regeln geh\u00f6ren aber auch die Schlusswertungen. Oft wird erst bei ihr das Spiel entschieden. Zum Beispiel bei Spielen von Wolfgang Kramer lohnt es oft, sich auf den Siegpunktregen nach Spielende zu konzentrieren. Dies wird in Spielregeln gerne etwas verschleiert. Nehmen wir <strong>den Schwarm<\/strong> als Beispiel. Wer dort mindestens drei, besser alle vier Seiten des Spielplans miteinander verbindet, wird kaum um den Sieg mitspielen k\u00f6nnen. Die Minuspunkte durch Katastrophen lassen sich hingegen getrost ignorieren. Ein Blick auf die gestaffelte Siegpunktleiste verr\u00e4t auch schon, dass es sich unbedingt lohnt, viele Siegpunkte f\u00fcr gute Karten zu reinvestieren. Bei <strong>Bombay<\/strong> erlebten wir hingegen mehrmals, dass sich viele Investitionen kaum auszahlen. Da lohnt es sich vor Spielbeginn genauer zu \u00fcberlegen, wieviele Rupien \u00fcberhaupt erreichbar sind. Wer mit weniger als 18 Rupien endet, h\u00e4tte besser gar nicht agiert und stattdessen nur gepasst.<br \/>\nDoch das Beherrschen der Regeln ist auch ja bei der F\u00fchrerscheinpr\u00fcfung meist hilfreich. Nicht alle Autofahrer scheinen gute Spieler zu sein&#8230;<\/p>\n<p><strong><u>J\u00f6rn<\/u>:<\/strong> Regelfehler sind die eine Achillesferse, die andere hei\u00dft: Missachtung taktischer M\u00f6glichkeiten.<br \/>\nIm Turnier wurden wir bei <strong>Neuland<\/strong> ausdr\u00fccklich gelobt, weil wir \u00f6fters in einem Zug 2 Siegpunktgeb\u00e4ude bauten, das h\u00f6here benutzten, und den Mitspielern somit weniger Siegpunkte hinterlie\u00dfen. Dies ist durch die Regel nicht verboten, wurde aber von vielen als M\u00f6glichkeit nicht erkannt. Viele Sachverhalte werden nicht explizit in den Regeln erw\u00e4hnt, aber nach mehreren Spielen als vorteilhaft herausgefunden. Darauf gr\u00fcnden dann schlussendlich empfehlenswerte Strategien und taktische Verhaltensweisen.<br \/>\nGelegentlich wird ein Spielende auch bewusst forciert oder gebremst. <strong>Caylus<\/strong> bietet da gewisse Steuermechanismen mit Hilfe des Vogtsteines, aber auch ein pl\u00f6tzlich vollgebautes Schloss l\u00e4sst manchem Mitspieler mit vielen Kl\u00f6tzchen einen kalten Schauer den R\u00fccken hinunterlaufen. Pl\u00f6tzlich ist ja doch die eine Spielendebedingung gegeben, die noch niemals nie nicht in unseren Spielrunden vorgekommen ist!<\/p>\n<p><strong><u>Peter<\/u>:<\/strong> Umgekehrt lassen sich manche Spiele nochmal verl\u00e4ngern, wenn die Mitspieler sich schon am Ziel w\u00e4hnen und keine weiteren Optionen mehr haben. Bei <strong>Zooloretto<\/strong> kann es sehr lustig sein, gegen Ende schon Miniladungen zu greifen und parallel sein Geld zu investieren. Die Gegner m\u00fcssen dann unbrauchbare Tiere in ihre St\u00e4lle packen.<br \/>\nOft verwechseln Spieler auch Spielziel &#8222;mehr als allen anderen&#8220; mit &#8222;m\u00f6glichst viel&#8220;. Dabei reicht im Extremfall ein Siegpunkt zum Sieg, wenn die anderen Null stehen. Es gibt sogar Spiele wie <strong>Frisch Fisch<\/strong>, die sich wunderbar mit Minuspunkten gewinnen lassen.<\/p>\n<p><strong><u>J\u00f6rn<\/u>:<\/strong> Sch\u00f6n spielen prallt hierbei auf erfolgsorientiertes Spielen. Insbesondere komplexere Spiele bieten da ein gewisses \u00dcberraschungspotenzial, wenn man sich die Siegpunktverteilung verinnerlicht. Auch unl\u00e4ngst wieder gab es den AHA-Effekt bei <strong>Agricola<\/strong>, als jemandem bewusst wurde, dass der Unterschied von Schaf haben oder nicht haben, die Differenz 2 Punkten ausmacht, ein weiteres Rind zur Herde aber nur mit einem Siegpunkt belohnt wird.<br \/>\nOft hilft eine kleine Analyse vor dem Spiel, oder wie im Falle von <strong>Fauna<\/strong> vor jeder Runde. Ist ein Tier nur in einem Gebiet verbreitet, winken dort 12 Punkte. Dagegen nehmen sich die 7 Punkte f\u00fcr den Volltreffer auf den Skalen eher bescheiden aus. Bei Tieren, die weit verbreitet sind, ist das Verh\u00e4ltnis umgekehrt, so dass sich da schneller die Skalen mit Spielerkl\u00f6tzchen f\u00fcllen. Nicht jeder sieht so was gleich.<br \/>\nGelegentlich prallen bei <strong>Carcassonne<\/strong> verschiedene Spielernaturen aufeinander. Insbesondere im taktisch gepr\u00e4gten Spiel zu zweit kann man immer wieder beobachten, dass einer der Spieler eine Stadt oder einen Weg abschlie\u00dft und damit zur Wertung bringt, an dem beide Spieler gleich viel Punkte erhalten. Sinn macht ein solcher Zug, wenn man dringender als sein Mitspieler seine Gefolgsleute zur\u00fcck haben m\u00f6chte, ansonsten sollte man in seinen Z\u00fcgen f\u00fcr die eigenen Punkte sorgen.<br \/>\nSo manchem scheint das Kosten-Nutzen-Verh\u00e4ltnis unklar zu sein. Bei <strong>Ohne Furcht und Adel<\/strong> kann der S\u00f6ldner ein Geb\u00e4ude eines Mitspielers einrei\u00dfen. Ein Geb\u00e4ude f\u00fcr 1 Punkt kann kostenlos abgerissen werden. Es gibt keinen Grund, dies zu unterlassen. Interessant wird es erst, wenn bei der S\u00f6ldneraktion auch noch Gold bezahlt wird. W\u00e4hrend sich der Spieler mit dem S\u00f6ldner aufopfert und eigene potenzielle Siegpunkte bezahlt, um dem vermeintlich F\u00fchrenden einige Siegpunkte wegzunehmen, freuen sich die Mitspieler. Nichts dazu tun, und die anderen nehmen sich die Siegpunkte gegenseitig weg \u00e2\u20ac\u201c optimal! Man sollte sich genau \u00fcberlegen, wann man f\u00fcrs Abrei\u00dfen bezahlt.<br \/>\nEs gibt Spiele, in denen verschiedene Rohstoffe in Siegpunkte umgewandelt werden. Bei <strong>Caylus<\/strong> etwa kann man Geld und diverse Rohstoffen in Siegpunkte umwandeln. Ein ungef\u00e4hres Gef\u00fchl, wie viele Siegpunkte sich aus Kl\u00f6tzen und wie viele sich aus Geld generieren lassen, ist hilfreich, um im Spiel zielf\u00fchrende Entscheidungen zu treffen.<br \/>\nNicht nur die offensichtlichen und jederzeit einsehbaren Siegpunkte sind zu beachten. Im Hinterkopf sollte man immer behalten, wie viele Siegpunkte verdeckt gesammelt wurden, oder wie welche Mehrheiten gegen Spielende verteilt werden. Sonst kommt es gegen Spielende zu der zu oft zitierten Bemerkung: &#8222;Das h\u00e4tte ich jetzt nicht gedacht! Sonst h\u00e4tte ich dir die Mehrheit dort nicht weggenommen!&#8220;<\/p>\n<p><strong><u>Peter<\/u>:<\/strong> Bemerkenswert sind auch Spiele wie <strong>Einfach Genial.<\/strong> Die ersten Steine in einer Farbe zu legen ist undankbar. Da ist es besser zu warten, bis sich ein gr\u00f6\u00dferes Gebiet gebildet hat und erst dann einzusteigen. Manchmal lohnt sich dann sogar ein Opferzug, wenn n\u00e4mlich die anderen noch Punkte in einer Farbe dringend ben\u00f6tigen und es m\u00f6glich ist, weiteres Anlegen zu verhindern. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr <strong>Puerto Rico<\/strong>: Fast im gesamten Spiel geht es nicht darum gute, punktetr\u00e4chtige Aktionen zu w\u00e4hlen, sondern Vorlagen zu verhindern. So sollte der Gouverneur praktisch niemals den Aufseher nehmen. H\u00e4ndler und Kapit\u00e4n lohnen hingegen allein schon um Geld und Siegpunkte zu verhindern.<\/p>\n<p>Was h\u00e4ltst du von psychologischen Tricks? Beliebt ist bei uns zum Beispiel das Einschl\u00e4fern der Gegner.<\/p>\n<p><strong><u>J\u00f6rn<\/u>:<\/strong> Manchmal l\u00e4sst sich die oft beklagte K\u00f6nigsmacherei zum Siegen ausnutzen: Viele Spiele bieten M\u00f6glichkeiten zur Interaktion. Da k\u00f6nnen teilweise recht willk\u00fcrlich Siegpunkte und Rohstoffe weggenommen werden, Aktionen blockiert, Mehrheiten verschoben werden und vieles mehr. Wollen Sie gewinnen? Dann weisen Sie ihre Mitspieler auf leicht zu \u00fcbersehende Konstellationen hin oder wenn das schlecht geht dann rollen Sie mit den Augen, bl\u00e4hen die Wangen, werfen die Stirn in Falten, lehnen sich im Stuhl abrupt zur\u00fcck, werfen die Karten auf den Tisch und bergen Ihr Gesicht in den H\u00e4nden. Und vor allem: Argumentieren Sie. Oft zeigen sich die Mitspieler einsichtig bei leicht nachvollziehbaren Argumentationen. Viele wollen sie auch zur Entscheidungsfindung h\u00f6ren und unterbrechen ihren Spielzug gerne daf\u00fcr. Ein Brettspiel, bei dem ein solches Verhalten unerl\u00e4sslich ist, ist <strong>Intrige<\/strong>. Aber auch <strong>Bohnanza, RA, Puerto Rico<\/strong> und andere bieten da jede Menge Beratungspotenzial. Andere weniger, aber man sollte diese M\u00f6glichkeit durchaus im Auge behalten, wirklich verbieten tun es die wenigsten Regeln.<br \/>\nSollten sich einige Mitspieler als beratungsresistent erweisen, dann besteht m\u00f6glicherweise ein Ansatzpunkt bei den verbleibenden anderen. W\u00e4hrend man seine Siegpunkte in einem endemischen und gut abgeschirmten Gebiet einsammelt, gibt man den lieben Mitspielern Tipps, wo die Schwachstellen der Konkurrenten sind, im Verh\u00e4ltnis zur eigenen gut abgeschirmten Aufstellung. Diese Ma\u00dfnahme sollte man allerdings wohldosiert einsetzen, da hierbei nach Meinung vieler Spieler Grenzen \u00fcberschritten werden.<\/p>\n<p><strong><u>Peter<\/u>:<\/strong> Ja, diesen Trick habe ich auch schon erfahren d\u00fcrfen. Umgekehrt erlebte ich auch schon, wie sich alle Mitspieler verb\u00fcndeten, sonst w\u00fcrde ich eh gewinnen. Manchmal gelingt es auch den Focus der Angriffe auf eine Mitspielerin zu lenken. Bei l\u00e4ngeren Spielen wie <strong>Zeitalter der Renaissance<\/strong> sollte man sich h\u00fcten offensichtlich zu f\u00fchren. Wer zu viele Provinzen beherrscht, erscheint m\u00e4chtig. Viele Fortschritte und Zivilisationskarten bringen hingegen unauff\u00e4llig viel Geld, Macht und Siegpunkte. Eine starke Position im Mittelspiel macht einen nur zum Buhmann, auf den auch noch eingedroschen wird, wenn er schon l\u00e4ngst nicht mehr f\u00fchrt.<br \/>\nRachegedanken sollten lieber unterdr\u00fcckt oder nur bei Gegnern untereinander gesch\u00fcrt werden. Gerne verzetteln sich Spieler in eine pers\u00f6nliche Vendetta und verlieren dabei das Spielziel aus den Augen. Viele Partien <strong>Siedler von Catan<\/strong> wurden verloren, weil Spieler wegen Rachegel\u00fcsten nicht mehr handeln wollten. Oft lohnt es mehr, freundlich zu bleiben und vielleicht nicht ganz wahrheitsgem\u00e4\u00df kundzugeben, dass man den gesuchten Rohstoff leider nicht hat, sonst w\u00fcrde man ihn selbstverst\u00e4ndlich tauschen. Das vers\u00f6hnt und erweckt Sympathien. Umgekehrt wirkt Heulen und Klagen immer: &#8222;Klau nicht bei mir, der andere hat doch noch viel mehr Karten!&#8220; &#8211; Nebenbei: Klauen ist bei Spielern mit wenig Karten wirksamer als solchen mit vielen.<\/p>\n<p>Doch nun zu einem ein letztes Thema: Wie bereitet ihr euch auf Turniere vor?<\/p>\n<p><strong><u>J\u00f6rn<\/u>:<\/strong> Wenn wir f\u00fcr irgendein Turnier trainieren, schauen wir uns zwingend das Spielmaterial an und sortieren. Und schon wei\u00df man, dass bei <strong>Alhambra<\/strong> die meisten Palastteile den Wert 8 haben. Gelegentlich hilft dieses Wissen beim Nehmen von Geldkarten weiter. Genau 3 Vertr\u00e4ge pro Expedition stehen bei <strong>Lost Cities<\/strong> zur Verf\u00fcgung, hat man die, kann es losgehen. Beim Klassiker <strong>Adel verpflichtet<\/strong> ist das \u00e4lteste Exponat die Frauenschandmaske. Als Tie-breaker gern gesehen in der eigenen Hand. Eine der drei Karten nach der ersten Erntephase beschert Nachwuchs in <strong>Agricola<\/strong>. Bis dahin sollte ein weiterer Raum angebaut sein, wenn man dies fr\u00fchzeitig nutzen m\u00f6chte.<br \/>\nOft \u00fcberraschend wird so manchem die Endlichkeit des Materials vor Augen gef\u00fchrt. Wenn bei <strong>Puerto Rico<\/strong> im fortgeschrittenen Spielverlauf der Aufseher in 2 Runden produziert und w\u00e4hrenddessen kein Kapit\u00e4n mit Ware f\u00fcr Europa ablegt, kann es zu kompletten Ernteausf\u00e4llen insbesondere bei Maisbauern kommen.<br \/>\nIn Mehrheitenspielen ist es eminent wichtig zu beachten, dass m\u00f6glicherweise Mehrheiten bereits im Spielverlauf vergeben werden. Nicht umsonst ist bei <strong>Alhambra<\/strong> die Anzahl jedes Geb\u00e4udetyps auf den \u00dcbersichtskarten angegeben. Erscheint das 7. Serail in der Auslage, lohnt sich oft sogar das \u00dcberzahlen, um sich die Mehrheit zu sichern.<br \/>\nMitz\u00e4hlen lohnt! Bei <strong>Funkenschlag<\/strong> leitet die 35. Karte (abz\u00fcglich weggeworfener nach Spieleranzahl) des Nachzugstapels die Phase 3 ein. Will man mit viel Geld auf der Hand g\u00fcnstig bauen, kann man sich im Vorfeld in eine g\u00fcnstigere Position bringen. Um das nachzuhalten, gruppierte ich meine nicht ben\u00f6tigten H\u00e4uschen schematisch um, wann immer wenn eine neue Karte gezogen wurde, und wusste daher genauestens \u00fcber den Phasenwechsel Bescheid. So ein Wissensvorsprung ist in speziellen Situationen entscheidend, kann man doch taktische Optionen optimaler nutzen und macht sich vom Zufall unabh\u00e4ngiger.<br \/>\nEinem Mitspieler war es bei <strong>Funkenschlag<\/strong> wichtig zu wissen, wie viele 6er und 7er Kraftwerke in den Nachziehstapel zur\u00fcckrotieren. Auch er verwendete seine H\u00e4uschen zum Nachhalten. Indem man sich f\u00fcr solche Zwecke kleine Merkhilfen \u00fcberlegt, verschafft man sich damit einen nicht unerheblichen Vorteil.<\/p>\n<p><strong><u>Peter<\/u>:<\/strong> Gerade bei Turnieren lohnt es sich auch, ein wenig Recherche im Internet zu betreiben. Nicht alles was man findet stimmt unbedingt. Doch zumindest gibt es eine Idee. welche Wege andere Teams einschlagen werden.<\/p>\n<p>Doch wahrscheinlich macht ihr euch aber auch Gedanken \u00fcber die ersten Spielz\u00fcge. Zum Beispiel lohnt es bei Spielen mit Bonuskarten, die zus\u00e4tzliche Siegpunkte erm\u00f6glichen und Extraaktionen erlauben, diese schon w\u00e4hrend der Er\u00f6ffnung zu erwerben. Dann kann das weitere Spiel darauf eingestellt werden. Wieso sollte ich bei <strong>Zug um Zug<\/strong> erst neue Auftr\u00e4ge nehmen, wenn die alten erf\u00fcllt sind? Anhand der Gesamtstreckenf\u00fchrung f\u00fcr viele Auftr\u00e4ge l\u00e4sst sich leichter planen, als sp\u00e4ter gr\u00f6\u00dfere Umwege bauen zu m\u00fcssen. (Eine erfolgreiche Option bei <strong>Zug um Zug<\/strong> ist es nat\u00fcrlich auch, Auftr\u00e4ge m\u00f6glichst zu vermeiden und statt dessen sich auf lange Strecken und die Verhinderung gegnerischer Auftr\u00e4ge zu verlegen.)<\/p>\n<p><strong><u>J\u00f6rn<\/u>:<\/strong> Genau! &#8211; Selten ist der Startspielerzug so klar und einleuchtend, wie bei <strong>RA<\/strong> . Pl\u00e4ttchen ziehen, richtig hinlegen, fertig. Das \u00fcberfordert auch Neulinge nicht, welchen sich ansonsten eine Flut an Optionen, M\u00f6glichkeiten und Sackgassen auftut. Mitunter gestaltet sich der Einstieg in ein Spiel in der Tat wenig intuitiv. Insbesondere wenn zu Spielbeginn eine Versteigerung ansteht. In <strong>F\u00fcrsten von Florenz<\/strong> wird meist zuerst der Gaukler versteigert und sei es nur deshalb, um die Kontrolle dar\u00fcber zu haben, ihn nicht zu billig einem Mitspieler zu \u00fcberlassen. Den \u00fcblichen Marktpreis hat man nach mehreren Partien entweder empirisch bestimmt oder sich sagen lassen.<br \/>\nOft jedoch hat man zu Beginn die Qual der Wahl. Mehrere M\u00f6glichkeiten stehen zur Auswahl, und doch kann in den Anfangsz\u00fcgen vieler Spiele ein guter Grundstein f\u00fcr den weiteren Spielverlauf gelegt werden.<br \/>\n<strong>Joseki<\/strong> ist japanisch und bezeichnet urspr\u00fcnglich f\u00fcr <strong>Go<\/strong> angewandt eine bew\u00e4hrte Standardzugfolge. Diese Bezeichnung kann man auf viele Spiele anwenden, denn je weniger Zufallselemente im Spiel enthalten sind, umso intensiver haben sich Einzelne mit dem optimalen Startspielerzug auseinander gesetzt und dem logischen Antwortzug, sowie weiteren Optionen. Weit verbreitet ist das Wissen, dass der Startspieler in <strong>Puerto Rico<\/strong> gerne die Aktion Siedler-Steinbruch w\u00e4hlt. Entscheidet er sich anders, werden in der Fr\u00fchphase des Spiels eher beim Nachbarn Bauboom und Rekordernten dessen Stadt gedeihen lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unzweifelhaft gibt es st\u00e4rkere und schw\u00e4chere Spieler. Dies mag vielleicht am pers\u00f6nlichen Ehrgeiz und manchmal auch an \u00fcberragender Intelligenz liegen. Mir scheinen aber nicht die schlechten Verlierer oder die kl\u00fcgsten Zeitgenossen auch die regelm\u00e4\u00dfigen Gewinnertypen zu sein. 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