{"id":2635,"date":"2009-05-20T23:40:58","date_gmt":"2009-05-20T21:40:58","guid":{"rendered":"https:\/\/das-spielen.de\/?p=2635"},"modified":"2009-06-07T10:12:48","modified_gmt":"2009-06-07T08:12:48","slug":"tintenblut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/tintenblut\/","title":{"rendered":"Tintenblut"},"content":{"rendered":"<p>Die Sparte der Literaturverspielungen dient eigentlich dem Ziel, auf der Welle von Bestsellern mitzuschwimmen. Ein breites Publikum wird angesprochen: Alle Leser des Buches! Bei den Auflagenzahlen erfolgreicher B\u00fcchern im sechs- bis sogar siebenstelligen Bereich ein beachtliches Publikum! Als netter Nebeneffekt dringt so das Spiel in den Vertriebskanal der Buchhandlungen ein.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich sind Literaturverspielungen oft auch Informationsquelle \u00fcber Beststeller. W\u00e4hrend wir bei Spielen viel zu neugierig sind, um die Lekt\u00fcre von Messevorschauen und allerlei Ank\u00fcndigungen <em>nicht<\/em> zu lesen, strafen wir die B\u00fccher-Hits und einschl\u00e4gige Listen meist mit Nichtbeachtung. Was auch daran liegen mag, dass wir nicht nur Romane und Erz\u00e4hlungen lesen, sondern gerne auch mal ein Sachbuch oder einen Reisebericht. Und da gehen wir mehr themenorientiert und weniger anhand aktueller Ver\u00f6ffentlichungen vor.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Und so traf ich erst beim Schreiben eines <a href=\"http:\/\/fairplay-online.blogspot.com\/\" target=_blank title=\"Zur Fairplay Online\">Fairplay<\/a>-Messeberichts auf die Tintenwelt von Cornelia Funke. In dem Fall galt also: Spielen bildet. Erschienen war mit <strong>Tintenherz<\/strong> die Neuauflage des kooperativen Spiels <strong><a href=\"http:\/\/luding.org\/Skripte\/GameData.py\/DEgameid\/486\" target=_blank title=\"Zum Luding-Eintrag von Licht und Schatten\">Licht und Schatten<\/a><\/strong>.<\/p>\n<p>Im Spiel <strong>Tintenblut<\/strong> zum zweiten Buch der Funke-Trilogie werden die Spieler nun in die Tintenwelt versetzt. Was, wie ich bei der Recherche rund um das Tintengeschehen gelernt habe, die fiktive Welt im Roman ist. Romanfiguren k\u00f6nnen aus B\u00fcchern herein- und hin- und hergelesen werden. Mehr Kenntnisse \u00fcber die Tintenwelt werden nicht ben\u00f6tigt, um das Spiel spielen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/tintenblut.jpg\" alt=\"Tintenblut\" title=\"Tintenblut\" \/>\n<\/p>\n<p>Neun Orte mit drei verschiedenen, farblich gekennzeichneten Typen sind \u00fcber den Spielplan verteilt. Jeder Spieler besitzt einen (fast) identischen Kartensatz dieser neun Ortskarten plus einer Jokerkarte, die f\u00fcr jeden beliebigen Ort eingesetzt werden kann. &#8222;Fast&#8220; identisch sind diese S\u00e4tze, da jede Karte eine eindeutige Nummer enth\u00e4lt. In jeder Runde spielen alle Spieler reihum eine Ortskarte aus, bewegen ihre Figur dorthin, bezahlen weitere Wegstrecken zus\u00e4tzlich mit Proviant, nehmen sich die Belohnung am Zielort und d\u00fcrfen schlie\u00dflich eingesammelte Belohnungen in Siegpunkte tauschen. Wer die Ortskarte mit der h\u00f6chsten Zahl ausgespielt hat, muss mit negativen Auswirkungen rechnen.<\/p>\n<p>So weit, so gel\u00e4ufig &#8211; so erscheint es zun\u00e4chst. Doch einige Ideen geben dem Ganzen einen eigenen Touch. Beim Einsammeln der Belohnungen etwa kommt es darauf an, ob man sich alleine oder mindestens zu zweit vor Ort befindet. Zum Gl\u00fcck ist man nicht ausschlie\u00dflich den Bewegungen der Mitspieler ausgeliefert &#8211; eine neutrale Figur kann unter Bezahlung von Proviant hergeholt werden, um die Bedingung &#8222;mehr als eine Figur&#8220; zu erf\u00fcllen und die entsprechende Belohnung zu erhalten. Es winken Pl\u00e4ttchen in einer von vier verschiedenen Sorten, Proviant oder Vorteilskarten f\u00fcr zus\u00e4tzliche Siegpunkte oder Sonderfunktionen.<\/p>\n<p>Die Pl\u00e4ttchen k\u00f6nnen am Ende jedes Zuges in Siegpunkte getauscht werden. W\u00e4hrend zwei verschiedene Pl\u00e4ttchen gerade einmal zwei Siegpunkte bringen, ist ein komplettes Set aller vier verschiedenen Sorten bereits sieben Punkte wert. Nur je ein Zweier-, Dreier- und Viererset darf pro Runde eingetauscht werden &#8211; allerdings wird diese Beschr\u00e4nkung leider trotz guter Spielhilfe-Karten immer wieder vergessen. Doch diese Obergrenze wirkt sich meist gar nicht so stark aus, denn eine weitere Bedingung sorgt f\u00fcr wohlportionierten Siegpunkterwerb: Auf der Punkteleiste d\u00fcrfen bestimmte Barrieren nur erreicht oder \u00fcberschritten werden, wenn sich die eigene Spielfigur auf einem Ort der passenden Farbe befindet. Sobald eine Figur die letzte Barriere erreicht hat, wird die aktuelle Runde abgeschlossen und dann noch eine komplette Runde zur Umsetzung der verbleibenden Ressourcen absolviert.<\/p>\n<p>Am Ende einer Runde wird ausgewertet: Wer hat die Ortskarte mit der h\u00f6chsten Zahl gespielt? Diese Person wird nun vom B\u00f6sen betroffen und muss eine &#8222;B\u00f6sewichtkarte&#8220; vor sich ablegen. Das ist zun\u00e4chst noch nichts Schlimmes. Doch sobald der Oberb\u00f6sewicht &#8211; Achtung Buchfreunde, hier schl\u00e4gt das Thema voll zu: Der Natternkopf! &#8211; auf einer solchen Karte erscheint, schl\u00e4gt die dunkle Seite zu. Der Spieler mit den meisten B\u00f6sewichtpunkten muss die H\u00e4lfte seiner Pl\u00e4ttchen, sowie die H\u00e4lfte seines Proviantes abgeben. Wer das B\u00f6se kommen sieht, kann nat\u00fcrlich vorher das Meiste ausgeben und erleidet kaum Schaden &#8211; doch um die lukrativen Vierer-Sets zu sammeln, m\u00fcssen doch meist mehrere Orte besucht werden. Wer die aktuelle b\u00f6se Karte bekam, darf die Startspielerposition vergeben und in der n\u00e4chsten Runde entweder die erste oder die letzte Aktion durchf\u00fchren. Gerade in Hinsicht auf die B\u00f6sewichtkarten ist es angenehm, hinten zu sitzen, um eine gen\u00fcgend niedrige Ortskarte w\u00e4hlen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Um alle Ortskarten zur\u00fcck auf die Hand nehmen zu k\u00f6nnen, muss man aussetzen. Hier gilt es abzuw\u00e4gen: Ist gen\u00fcgend Tempo im Spiel, so dass man wom\u00f6glich komplett ohne Aussetzen durchkommt? \u00c4rgerlich ist es, wenn man in der letzten Runde nicht aktiv werden kann, weil man just zuvor die letzte Ortskarte gespielt hat. Hier hilft etwas Spielerfahrung, um ein Gef\u00fchl f\u00fcr den Rhythmus des Spiels zu entwickeln und besser absch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen, wie viele Runden es wohl noch gehen mag. Wer sich mit \u00dcberschreiten der Barrieren einen Vorsprung erspielt hat, wird gerne auf Tempo spielen. Ein kleines Handicap f\u00fcr den F\u00fchrenden, das in der zweiten Spielh\u00e4lfte zum Einsatz kommt, bremst solches Vorpreschen dezent aus. Liegen alle etwa gleichauf, lohnt es sich wom\u00f6glich eher, die eigene Sammlung an Pl\u00e4ttchen und Karten zu optimieren. Andererseits kann es auch lohnen, die Karten schon fr\u00fch wieder aufzunehmen, um zumeist nur niedrige Zahlenwerte ausspielen zu m\u00fcssen und so das B\u00f6se m\u00f6glichst ganz zu vermeiden.<\/p>\n<p><span id=\"wertung\"><img decoding=\"async\" title=\"1 von 3 Tintenfedern\" alt=\"1 von 3 Tintenfedern\" src=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/1v3tintenfedern.jpg\" \/> <em><a title=\"Zu den Pr\u00e4dikaten\" href=\"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/auszeichnungen\/\"><br \/>\nPr\u00e4dikat<\/a>:<br \/>\n1 von 3 Tintenfedern<\/em><\/span><\/p>\n<p>Die Besch\u00e4ftigung mit <strong>Tintenblut<\/strong> lohnt sich insgesamt nicht nur f\u00fcr Funke-Fans. Ob umgekehrt ein Spieler schon zum Buch gegriffen hat, wage ich allerdings zu bezweifeln. Dazu wird von Handlung und Personen zu wenig vermittelt. W\u00e4hrend sich hinter Lizenzprodukten leider oft genug Spiele mit d\u00fcnnem oder gar \u00e4rgerlich schlechtem und damit abschreckendem Mechanismus verbergen, bieten sich Literaturverspielungen wie diese schon eher an, um Leser auch zu &#8211; zumindest gelegentlichen &#8211; Spielern zu machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Sparte der Literaturverspielungen dient eigentlich dem Ziel, auf der Welle von Bestsellern mitzuschwimmen. Ein breites Publikum wird angesprochen: Alle Leser des Buches! Bei den Auflagenzahlen erfolgreicher B\u00fcchern im sechs- bis sogar siebenstelligen Bereich ein beachtliches Publikum! Als netter Nebeneffekt dringt so das Spiel in den Vertriebskanal der Buchhandlungen ein. 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