{"id":2989,"date":"2009-07-08T17:09:10","date_gmt":"2009-07-08T15:09:10","guid":{"rendered":"https:\/\/das-spielen.de\/?p=2989"},"modified":"2025-09-10T11:55:37","modified_gmt":"2025-09-10T09:55:37","slug":"uruk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/uruk\/","title":{"rendered":"Uruk"},"content":{"rendered":"\n<p>Bei manchem Spiel entschweben meine Gedanken regelrecht in physikalische Sph\u00e4ren. Was bei uns nicht gleich besorgniserregend ist, schlie\u00dflich haben Peter und ich sechs Jahre lang Physik studiert. Was sich auch in den Namen unserer Kater reflektiert. Schr\u00f6dinger etwa verdankt seinen Namen einem eher <a title=\"Zum Wikipedia-Eintrag \u00fcber Schr\u00f6dingers Katze\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schr%C3%B6dingers_Katze\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">nicht unbedingt tierlieb erscheinenden Versuch<\/a>, der zum Gl\u00fcck nur als Gedankenexperiment zum Einsatz kam. Ein giftiges radioaktives Element zerf\u00e4llt innerhalb einer Stunde mit der Wahrscheinlichkeit von 50%. Sperrte man nun eine Katze zusammen mit diesem Pr\u00e4parat in eine geschlossene Kiste, w\u00fcrde sie bei Zerfall des Elements get\u00f6tet. Da man in die Kiste nicht reinschauen kann, wei\u00df man nach Ablauf einer Stunde nicht, ob die Katze lebendig oder tot ist. Diese beiden Zust\u00e4nde der Lebendigkeit w\u00fcrden sich also \u00fcberlagern. Dieses fiktive Modell dient zur Veranschaulichung grundlegender Prinzipien der Quantenmechanik (darunter der so genannte <a title=\"Zum Wikipedia-Eintrag \u00fcber den Welle-Teilchen-Dualismus\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Welle-Teilchen-Dualismus\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Welle-Teilchen-Dualismus<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend in der klassischen Physik die \u00dcberzeugung herrschte, dass alles beliebig genau berechenbar sei, macht die Quantenmechanik prinzipell nur Wahrscheinlichkeitsaussagen. Nur durch Messprozesse werden sie realisiert. Gesellschaftsspieler gehen immer davon aus, dass sich z.B. das Ergebnis eines einzelnen W\u00fcrfelwurfs nicht vorhersagen l\u00e4sst, sondern nur eine Wahrscheinlichkeit f\u00fcr einen W\u00fcrfelwurf. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnte man aus der Handbewegung des W\u00fcrfelnden und der Ausgangsposition des W\u00fcrfels das Ergebnis des Wurfes vorherberechnen. Aber dies ist zu m\u00fchselig, und daher blendet man als Spieler diese M\u00f6glichkeit prinzipell aus und spricht stattdessen vom Gl\u00fcck &#8211; Erst mit dem Fall des W\u00fcrfels wird ein Zustand festgelegt. In der Quantenmechanik wird die Existenz des Gl\u00fccks zum unausweichlichen Prinzip namens Unsch\u00e4rfe erhoben.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine andere Art der Unsch\u00e4rfe erlebt mancher Spieler, wenn es um die Frage geht &#8222;habe ich dieses Spiel nun regelkonform gespielt&#8220;? Als Rezensent ist dies eine besonders wichtige Frage, denn eine Kritik soll auf Basis m\u00f6glichst vieler Partien und einer genauen Regelkenntnis fu\u00dfen. Umso \u00e4rgerlicher, wenn sich nach dem Spielen eines Testkandidaten gleich mehrfach hintereinander nach dem Spiel herausstellt, dass man dieses oder jenes dann doch wieder falsch gemacht hatte. Dann hei\u00dft es: Und noch eine Probepartie.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\u00c4hnlich ging es mir bei den Tests von <strong>Uruk<\/strong>, das nach einer der \u00e4ltesten st\u00e4dtischen Siedlungen im antiken Mesopotamien benannt wurde &#8211; nicht etwa nach den Tolkienschen Kreaturen namens Uruk-Hai, auch wenn das Logo des Verlages mit einem von Dausend Doden Drollen eine entsprechende Assoziation durchaus nahelegen w\u00fcrde. Nicht um K\u00e4mpfe also geht es, sondern um Erfindungen und Siedlungen. Insgesamt f\u00fcnf Erfindungen kann jeder Spieler auslegen und sp\u00e4ter aufwerten. Zu dieser Erfindung kann eine Siedlung angelegt und sp\u00e4ter in eine Stadt ausgebaut werden. W\u00e4hrend die Erfindungen durch Kartenauslagen erfolgen, m\u00fcssen f\u00fcr die Siedlungen und St\u00e4dte Ressourcen investiert werden. Siegpunkte werden am Ende des Spiels f\u00fcr die Stufe der Erfindungen verteilt in Siedlungen punkten sie einfach, in St\u00e4dten doppelt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/uruk.jpg\" alt=\"Bild von Uruk\" title=\"Uruk\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Die Preise gestalten sich leicht: Je besser eine Erfindung, desto mehr Karten der entsprechenden Errungenschaft sind zu sammeln. Durch den Einsatz zweier gleichfarbiger Karten kann eine ben\u00f6tigte Karte wie durch einen Joker ersetzt werden. Die Siedlungs- und St\u00e4dtesteine werden in Ressourcen bezahlt, deren Preis im Verlauf des Spiels immer mehr Paare gleichfarbiger Ressourcen verlangen. Gleichzeitig werden die Sondereigenschaften der Erfindungen m\u00e4chtiger. Durch Ereignisse k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Boni oder auch Verluste das Spiel beeinflussen. In jedem Zug darf ein Spieler drei Aktionen durchf\u00fchren, darunter das Nachziehen von Karten, Ausspielen einer Erfindung, Nutzung einer solchen, sowie der Kauf eines Steines als Siedlung oder Stadt. Ressourcen erlangt man \u00fcber die Erfindungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was macht <strong>Uruk<\/strong> nun zu einem Spiel in der Schr\u00f6dinger-Kiste? In der ersten Partie \u00fcbersahen wir ein kleines, aber sehr wichtiges Detail bei der Abwicklung von Ereignissen. Diese werden ausgel\u00f6st, sobald eine zweite Ereigniskarte gezogen wird. Man hat also etwas Luft, um sich vorzubereiten. Allerdings wird das ausl\u00f6sende Ereignis zusammen mit dem eintretenden abgeworfen. Wir hatten es im ersten Spiel offen liegen lassen und bei n\u00e4chster Gelegenheit trat dann in schneller Folge wieder ein Gott auf oder es brach eine Katastrophe \u00fcber uns herein! Dem Spiel vorwerfen k\u00f6nnen wir unsere dadurch begr\u00fcndete negative Spielerfahrung nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Also auf zum n\u00e4chsten Test. Doch auch bei diesem ging einiges schief. Dieses Mal \u00fcbersahen wir bei einer Erfindung, dass ihr Vorteil nur f\u00fcr den Siedlungsbau galt. Mit ihr k\u00f6nnen Handkarten beim Bau direkt in gleichfarbige Ressourcen getauscht werden. Wer mit ihr nicht nur Siedlungen, sondern auch St\u00e4dte baut, kann sich einen t\u00fcchtigen Vorsprung erspielen! Bei anderen Erfindungen, die Rabatte beim Siedlungs- oder St\u00e4dtebau geben, muss man genau die Abh\u00e4ngigkeiten beachten. Wann darf welcher Rabatt f\u00fcr beliebige oder nur benachbarte Erfindungen genutzt werden? Dauernd muss man aufpassen und nachbl\u00e4ttern. M\u00fchsam!<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht nur das, auch mit neuen Mitspielern bleibt der Verlauf z\u00e4h, da die Erfindungskarten viele unterschiedliche Aktionen erm\u00f6glichen. Der Erkl\u00e4rer muss etliche Fragen geduldig beantworten. Und doch stellt man manches Mal w\u00e4hrend der Partie oder wenn es noch schlimmer kommt: nach Spielende fest, dass jemand eine Funktion falsch eingesetzt und damit zu viele Siegpunkte erlangt hatte. Doch was tun, wenn ein Fehler zu sp\u00e4t bemerkt wird?! Die Zeit oder besser: die Aktionen zur\u00fcckdrehen kann man nach mehreren Runden nicht mehr. Und schon sitzt man als Rezensent wieder in der Kiste: Spielurteil m\u00f6glich oder nicht? Allerdings gilt: Je erfahrener eine Runde ist und je mehr Partien eines Spiels absolviert wurden, desto mehr treten solche Probleme in den Hintergrund.<\/p>\n\n\n\n<p>Mittlerweile habe ich mehrere Partien nach der hoffentlich korrekten Regel gespielt. Mit steigender Erfahrung beginnen Strategie\u00fcberlegungen. Unterschiedliche Ans\u00e4tze erscheinen zielf\u00fchrend. W\u00e4hrend ein Spieler mit vielen Erfindungen gewann, die jedoch meist in Siedlungen beheimatet waren, konnte ein anderer mit wenigen hohen Erfindungen in St\u00e4dten punkten. W\u00e4hrend der eine also viele unterschiedliche Vorteile in Anspruch nehmen konnte, konnte der andere durch effizientes Kartenmanagement punkten. Unterschiedliche Spielverl\u00e4ufe ergeben sich je nach Geschwindigkeit der Siedlungsbauten. Hier fr\u00fch einzusteigen und zun\u00e4chst auf Ressourcen zu setzen bietet sich wegen der niedrigeren Preise an. Andererseits schafft man es dann nicht, sich gute Vorteile durch die Erfindungen zu verschaffen. Werden schnell viele Karten gezogen, treten mehr Ereignisse durch G\u00f6tter- oder Katastrophenkarten ein. Wer hier zum Zug kommt, kann sich einen beachtlichen Vorteil verschaffen. Im Fall von Katastrophen besteht letzterer in der Vermeidung ihrer Auswirkungen wie z.B. dem Verlust von Siedlungssteinen oder Erfindungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bleibt die Frage: Lohnt sich der Aufwand, sich <strong>Uruk <\/strong>in mehreren Probepartien zu erarbeiten? Wer sich vor der Beantwortung dr\u00fccken m\u00f6chte, w\u00fcrde an dieser Stelle schreiben: Ein Spiel, das in der passenden Runde gut ankommt und nicht in allen Regalen verstauben wird. Darauf m\u00f6chte ich es nicht beruhen lassen. Wegen der vielen Sonderregeln f\u00fcr die Erfindungen, G\u00f6tter und Katastrophen verl\u00e4uft mir das Spiel mit Einsteigern zu m\u00fchselig. Erst wenn alle Spieler die Regeln begriffen haben, ergibt sich ein akzeptabler Spielfluss. Doch immer schwebt das Damokles-Schwert \u00fcber der Runde. Wird etwas \u00fcbersehen? Etwa dass bei Eintreten eines Ereignisses ein Siedlungsstein aus dem Kaufangebot entfernt werden muss? Wird dies in dem Moment bemerkt, in dem ein Spieler mit sechs Ressourcen den letzten Siedlungsstein der Bronzezeit kaufen m\u00f6chte, hagelt es Frustration: Eigentlich sind wir bereits in der Eisenzeit, in der acht Ressourcen zu berappen sind &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p> <span id=\"wertung\"><a title=\"1 von 3 Stufenpyramiden\" href=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/1v3stufenpyramidenbig.jpg\" rel=\"lightbox\"><img decoding=\"async\" title=\"1 von 3 Stufenpyramiden- hier clicken f\u00fcr mehr\" src=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/1v3stufenpyramiden.jpg\" alt=\"Bild von 1 von 3 Stufenpyramiden\"\/><\/a><em><a title=\"Zu den Pr\u00e4dikaten\" href=\"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/auszeichnungen\/\"><br \/>Pr\u00e4dikat<\/a>:<br \/>1 von 3 Stufenpyramiden<\/em><\/span><br \/>Mit steigender Spielerfahrung gelingt es jedoch, sich auf verschiedene Aspekte des Spiels zu konzentrieren und die Erfindungen in unterschiedlichen Kombinationen einzusetzen, sowie auf die Aktionen der Mitspieler zu achten. In dieser Situation entfaltet <strong>Uruk<\/strong> seinen Reiz. Doch wehe, die Wachsamkeit l\u00e4sst nach! Einmal nicht aufgepasst und ein Detail \u00fcbersehen &#8211; schon kann es aus dem Gleichgewicht geraten. Halt ein gewisser Top-Flop-Dualismus, in dem sich Spielspa\u00df und gelegentliche Frustmomente \u00fcberlagern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei manchem Spiel entschweben meine Gedanken regelrecht in physikalische Sph\u00e4ren. Was bei uns nicht gleich besorgniserregend ist, schlie\u00dflich haben Peter und ich sechs Jahre lang Physik studiert. Was sich auch in den Namen unserer Kater reflektiert. 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