{"id":4479,"date":"2009-12-20T23:15:53","date_gmt":"2009-12-20T22:15:53","guid":{"rendered":"https:\/\/das-spielen.de\/?p=4479"},"modified":"2025-08-26T11:04:53","modified_gmt":"2025-08-26T09:04:53","slug":"egizia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/egizia\/","title":{"rendered":"Egizia"},"content":{"rendered":"<p>Welcher Spieleautor reimt sich auf Egizia? &#8211; Knizia?<\/p>\n<p>Doch obwohl Knizia schon so manches \u00e4gyptische Spiel zu verantworten hat, spielt der Titel nicht auf ihn sondern das italienische Autorenteam &#8222;Acchittocca&#8220; an. Denn Egizia ist das italienische Wort f\u00fcr alt\u00e4gyptisch. Sonderlich einpr\u00e4gsam ist der Titel f\u00fcr durchschnittliche deutsche Ohren leider nicht. Der erfahrene Messebesucher in Essen kaschierte diese Probleme mit einem beherzten H\u00fcsteln: &#8222;Und was h\u00e4ltst du von Egisonstewiehusthust?&#8220; <!--more--> Jeder der sich der Bedeutung Worte &#8222;Klaatu Verata Nektu&#8220; bewusst ist, weiss, dass man damit nicht scherzen sollte. Wem &#8222;Klaatu Verata Nektu&#8220; nichts sagt, sollte sich mal &#8222;Army of Darkness&#8220; ansehen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Acchittocca Autoren schufen auch die Spiele Comuni und Maestro Leonardo, und deren Stil findet sich auch in Egizia unverkennbar wieder. Dabei ist Egizia um einiges eing\u00e4nglicher zu spielen. Es geht mal wieder ums Errichten sakraler Bauten im alten \u00c4gypten. Obwohl der Spielplan und einige Regeldetails zum alt\u00e4gyptischen Thema passen und ein wenig Atmosph\u00e4re aufkommen lassen, schert sich der Grobablauf keinen Deut um die historischen und geschichtlichen Hintergr\u00fcnde.<\/p>\n<p>In f\u00fcnf Runden gilt es Siegpunkte zu sammeln. Die Runden sind grob zweigeteilt. Im ersten Teil werden Schiffe abw\u00e4rts entlang des Nils gesetzt, um Nahrung zum Essen, Steine zum Bauen oder neue Arbeiter zu erwerben. Abgrasen oder Ausbeuten sind vielleicht bessere Begriffe. Denn die Waren, Arbeiter und sonstigen Sonderkarten gibt es umsonst. Entlang des Nils gibt es auch drei Baustellen: Im Oberlauf die Sphinx, im Mittelteil die Gr\u00e4ber des Tal der K\u00f6nige und einen Obelisken sowie im Unterlauf einen Tempel und eine gro\u00dfe Pyramide.<\/p>\n<p>Zwei Dinge machen diese Einsetzphase interessant: An den drei Baustellen k\u00f6nnen nur drei von vier, bzw. zwei von drei Spielern in einer Runde bauen. Siegpunkte gibt es eigentlich nur f\u00fcrs Bauen. Im Zweierspiel gibt es keine Bauplatzknappheit. Deshalb verliefen die Runden zu zweit auch recht langweilig. Wegen der Enge auf den Baustellen w\u00e4re zu erwarten, dass diese zuerst besetzt werden. Das verhindert aber die zweite interessante Regel: Es darf immer nur nilabw\u00e4rts gebaut werden. Wer schnell auf seinen Lieblingsbauplatz schippert, verzichtet auf viele andere Einsetzm\u00f6glichkeiten. Im ersten Spiel \u00fcbersah ich diese Regel, worauf uns Egizia stinklangweilig vorkam.<\/p>\n<p>Nur auf die Baupl\u00e4tze d\u00fcrfen \u00fcberhaupt mehrere Spieler einsetzen. Diese Idee ist zwar nicht mehr sonderlich neu, zusammen mit der Nilabw\u00e4rtsregel ergibt sich aber ein spannendes Dilemma: Ist es sinnvoller, schnell aufs wichtigste Feld vorzupreschen &#8211; oder per Eichh\u00f6rnchenstrategie alle m\u00f6glichen Gaben und Waren einzusammeln?<\/p>\n<p>Nach dem Einsetzen kommt es zu einer kleinen Versorgungsphase. Alle Arbeiter wollen nun etwas zu essen bekommen. Daf\u00fcr werden Getreidefelder ben\u00f6tigt. Wer nicht gen\u00fcgend Nahrung besitzt, muss 1, 2 oder 3 Siegpunkte pro unversorgtem Arbeiter abgeben. Deshalb st\u00fcrzen sich viele Spieler in der Einsetzphase auf alles Essbare und vermeiden es, zu viele neue Arbeitskr\u00e4fte anzuheuern, um schlie\u00dflich ihren dicken Arbeitern doppelt viel Weizen zum Frass vorzuwerfen.<\/p>\n<p><strong>Tipp f\u00fcr risikoorientierte Spieler<\/strong>: Es reicht maximal soviel Weizen zu horten, wie Arbeiter angestellt sind. Vor die Wahl gestellt bringt ein Steinbruchfeld immer mehr Siegpunkte als hungrige Arbeiter solche kosten. Auch wenn es zun\u00e4chst anders wirkt, schadet es nicht, ein paar Arbeiter zuviel zu besch\u00e4ftigen. Wie so oft kommen die dicken Siegpunkte am Schluss, dann werden aber viele Arbeiter und Steine ben\u00f6tigt. Dies sollte schon in den ersten Runden vorbereitet werden. Ferner darf der Spieler mit den wenigsten Punkten die n\u00e4chste Runde beginnen, und in der Einsetzphase hat der Startspieler einen dicken Vorteil.<\/p>\n<p><a title=\"Egizia\" href=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/egiziabaustelleBig.jpg\" rel=\"lightbox\"><img decoding=\"async\" title=\"Egizia- hier clicken f\u00fcr mehr\" src=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/egiziabaustelle.jpg\" alt=\"Bild von Egizia\" \/><\/a><\/p>\n<p>Schlie\u00dflich folgt mit der Bauphase die zweite Rundenh\u00e4lfte. Der Spielregel ist bei der Erkl\u00e4rung dieser Phase ein Husarenst\u00fcck gelungen: Noch verwirrender kann der eigentlich einfache Mechanismus kaum erkl\u00e4rt werden. Jeder Spieler hat drei regul\u00e4re Bautrupps und eine Gruppe von Hilfsarbeitern (euphemistisch Joker genannt). Die Bautrupps umfassen einen bis neun Arbeiter. Pro Bauplatz kann nur ein Bautrupp genutzt werden, und die Hilfsarbeiter k\u00f6nnen bei einem Bauplatz zus\u00e4tzlich aushelfen. Die Anzahl an Bauarbeitern gibt vor, wie viele Steine verwendet werden k\u00f6nnen. Pro Stein gibt es einen Siegpunkt, es m\u00fcssen aber immer vollst\u00e4ndige Bausbschnitte gebaut werden, die verschieden viele Steine ben\u00f6tigen. Fertig gestellte Bausabschnitte werden mit einem steinf\u00f6rmigen Holzklotz des Spielers markiert. Pro Baustelle gibt es nach dem Bauen kleine oder gro\u00dfe Belohnungen. Besonders lukrativ ist die Sphinx, die Auftragskarten vergibt, welche zu Spielende eine Menge Sondersiegpunkte bringen.<\/p>\n<p>Die Bauregeln werden vom Spielmaterial nicht sonderlich gut verdeutlicht. So gibt es Probleme bei der Unterscheidung &#8222;Hilfstrupp&#8220; gegen\u00fcber normalen Bautrupps. Dass Bauarbeiter nicht verbraucht werden, sondern jede Runde neu eingesetzt werden k\u00f6nnen, wird auch manchmal vergessen. Immer wieder dachten Mitspieler, dass jeder Arbeiter auch einen Stein braucht. Dabei stellen die Arbeiter eher das Baupotenzial dar. Die Krone der Verwirrung stiftet aber immer die Tatsache, dass f\u00fcr einen Bauabschnitt zwar mehrere Steine ben\u00f6tigt werden, er aber nur mit einem Stein markiert wird. Doch einmal verstanden ist das Bauen ziemlich einfach.<\/p>\n<p>Es gibt noch einiges mehr an Sonderpunkten und Extraregeln. So gibt es noch den Steineverkauf. Manchmal darf dort vorger\u00fcckt werden, beim vierten Mal bekommt man kostenlos 3 Steine. Steinhandel w\u00e4re ein besserer Name f\u00fcr diese Skala. \u00c4hnlich funktioniert der Getreidemarkt, der die Siegpunktstrafe f\u00fcr Unterversorgung bis auf 1 reduziert. Diese beiden Skalen sollten m\u00f6glichst weit entwickelt werden. Insbesondere ohne Extrasteinlieferungen ist Egizia kaum zu gewinnen.<\/p>\n<p>Wenn die Regeln einmal verstanden sind, ist Egizia ein ausgesprochen flottes und unterhaltsames Strategiespiel mittlerer Komplexit\u00e4t. Kleinere Spielfehler f\u00fchren nicht zum sofortigen Verlust der Partie. Es gibt zwar einiges zu bedenken, aber wenig zum Gr\u00fcbeln, und die Auswirkungen der meisten Aktionen wirken sich schnell auf das Spielgeschehen aus. Der Einsetzmechanismus bietet einige Interaktionsm\u00f6glichkeiten, der Spielverlauf ist dabei gut planbar. Die sch\u00f6ne Gestaltung des Spielplans rundet das Spielerlebnis schlie\u00dflich angenehm ab.<\/p>\n<p>Wie schon erw\u00e4hnt ist die Spielregel unn\u00f6tig kompliziert geschrieben. Eine Reihe von Extraregeln m\u00fcssen immer wieder nachgeschlagen werden. \u00dcberhaupt sind der Spielplan und das Material nicht sonderlich intuitiv gestaltet. Viele \u00e4hnlich komplexe Spiele bieten einiges Mehr an Spielunterst\u00fctzung. Nach zwei bis frei Partien schwinden diese Probleme. Dann f\u00e4llt aber immer mehr der Startspielervorteil auf. Wer es schafft, immer knapp die letzte Position einzunehmen, kann schneller beim Steinverkauf und am Getreidehandel voranschreiten. Denn das begehrte erste Feld am Nil erlaubt den Fortschritt auf beiden Leisten. Er wird auch mehr Sphinxauftr\u00e4ge ergattern k\u00f6nnen. Dort lohnt es sich \u00fcbrigens immer f\u00fcnf Steine zu investieren, um mehr Auswahl an Karten zu haben. Einige Auftr\u00e4ge lassen sich sehr einfach erf\u00fcllen, andere gut kombinieren. Mit ihnen sind weitere Bauvorhaben besser planbar. Beim Bau ist zwar jeder Stein erstmal nur einen Siegpunkt wert, durch Auftragskarten und Belohnungen werden eher zwei Siegpunkte pro Stein ausgezahlt. Damit wird klar, weshalb die Ern\u00e4hrung der Arbeiter nur nebens\u00e4chlich ist. Trickreichere Strategien sind uns bisher nicht eingefallen. Damit ist Egizia zu geradlinig und nicht abwechlungsreich genug, um im \u00fcbers\u00e4ttigten Bereich der anspruchsvollen Strategiespiele zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p>Abschliessend ein paar Zeilen zum Thema. Bei der <a href=\"http:\/\/www.poeppelkiste.de\/rezensionen\/2009\/egizia\/egizia.php5\" target=\"_Blank\">P\u00f6ppelkiste<\/a> wurde schon zu Recht auf einigen thematischen Murks hingewiesen. Es gibt aber auch ein paar passendes Detail, n\u00e4mlich die zentrale Bedeutung des Nils im Leben \u00c4gyptens, die durch die Einsetzphase thematisiert wird. Bevor riesige Staud\u00e4mme die Wassermassen regulierten, war \u00c4gypten vom Ausma\u00df der j\u00e4hrlichen \u00dcberschwemmungen abh\u00e4ngig. Auch heute bringt der Nil jedes Jahr neuen Wohlstand ins Land.<br \/>\n<span id=\"wertung\"><a title=\"1 von 3 Nilschiffen\" href=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/1v3nilschiffenbig.jpg\" rel=\"lightbox\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-4503\" src=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/1v3Nilschiffen.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><em><a title=\"Zu den Pr\u00e4dikaten\" href=\"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/auszeichnungen\/\"><br \/>\nPr\u00e4dikat<\/a>:<br \/>\n1 von 3 Nilschiffen<\/em><\/span><br \/>\nNun sind es aber die Touristenmassen, die jahrein, jahraus den Nil entlang Devisen anschwemmen. Hunderte von gleichartigen Nildampfern werden von Einheimischen belagert, um wertvolle Souvenirs zu verh\u00f6kern. So blieb das Leben nicht nur w\u00e4hrend der Jahrtausende der Pharaonenherrschaft immer gleich, es hat sich noch immer nicht wirklich etwas ge\u00e4ndert. (Die Vergr\u00f6\u00dferung des Pr\u00e4dikats zeigt dies im Detail).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welcher Spieleautor reimt sich auf Egizia? &#8211; Knizia? Doch obwohl Knizia schon so manches \u00e4gyptische Spiel zu verantworten hat, spielt der Titel nicht auf ihn sondern das italienische Autorenteam &#8222;Acchittocca&#8220; an. Denn Egizia ist das italienische Wort f\u00fcr alt\u00e4gyptisch. Sonderlich einpr\u00e4gsam ist der Titel f\u00fcr durchschnittliche deutsche Ohren leider nicht. 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