{"id":482,"date":"2008-11-07T20:52:20","date_gmt":"2008-11-07T19:52:20","guid":{"rendered":"https:\/\/das-spielen.de\/?p=482"},"modified":"2025-09-17T08:52:35","modified_gmt":"2025-09-17T06:52:35","slug":"cherubim","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/cherubim\/","title":{"rendered":"Cherubim"},"content":{"rendered":"<h4>Erstver\u00f6ffentlichung am 2.4.2006 bei <a title=\"Cherubim bei Hall9000\" href=\"http:\/\/www.hall9000.de\/php\/rezi.php?rezi=2367\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hall9000<\/a>.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/spiele\/cherubim\/#post\" target=\"_self\">&gt;&gt;Direkt zum Postscriptum springen<\/a>.<\/h4>\n<blockquote><p>Als Schutzengel engagieren sich die Spieler in verschiedenen Projekten. Das beste Engagement wird mit Siegpunkten belohnt. Wer ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort?<!--more--><\/p>\n<p>In drei L\u00e4ndern aus drei Kontinenten k\u00f6nnen wir uns engagieren, die in drei Spielpl\u00e4nen vor uns liegen: S\u00fcdafrika, Philippinen, und &#8211; da auch daheim f\u00fcr den Einsatz \u00dcberzeugungsarbeit geleistet werden muss &#8211; Deutschland. Auf jedem der Spielpl\u00e4ne sind 6 Projekte abgebildet, die durch ein verzweigtes Wegenetz voneinander getrennt sind. Je zwei Siegpunktchips werden zu Spielbeginn auf die Projekte verteilt &#8211; auf jedem Spielplan sind somit je 2 Siegpunktchip jeweils mit dem Wert 1 bis 6 zu finden.<\/p>\n<p>Mit Hilfe von Zahlenpl\u00e4ttchen wird um die Spielreihenfolge geboten. Jeder Spieler erhielt drei unterschiedliche Zahlenwerte, von denen zu Beginn einer Runde je eines verdeckt ausgesucht wird. Der Spieler mit der h\u00f6chsten gebotenen Zahl beginnt und darf eine der folgenden Aktionen ausf\u00fchren:<\/p>\n<ul>\n<li>Nachziehen von Projektsteinen: Pro Spieler ist zu Beginn der Runde ein Block von 1 bis 5 Projektsteinen, die es in 5 Farben gibt, in den allgemeinen Vorrat gelegt worden. Genau einen dieser Bl\u00f6cke darf sich ausw\u00e4hlen, wer diese Aktion w\u00e4hlt. Allerdings ist dabei das Limit von sechs Projektsteinen zu beachten &#8211; mehr dieser Steine d\u00fcrfen nie im Besitz eines Spielers sein.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Einsetzen von Projektsteinen: Um sich nun in den Projekten zu engagieren, darf man in einer Aktion auf genau einem Spielplan Projektsteine einsetzen. Auf jedem der drei Spielpl\u00e4ne steht eine Markierungsfigur, die anzeigt, von wo aus man Projektsteine auf die Wege um die Projekte legen darf. Jeder Schritt des Weges muss mit einem gleichfarbigen Projektstein abgedeckt werden. Eingesetzt werden d\u00fcrfen in dieser Aktion beliebig viele Projektsteine &#8211; allerdings m\u00fcssen die Felder des Weges durchgehend mit Projektsteinen in den passenden Farben abgedeckt werden. F\u00fcr jeden eingesetzten Stein darf 1 Punkt f\u00fcr eines der angrenzenden Projekte vergeben werden. Abgetragen wird dies auf einer bis 7 reichenden Skala mit Hilfe von Engelsteinen in den Spielerfarben. Erreicht man eine Punktzahl, die bereits zuvor ein anderer Spieler markiert hatte, stellt man den eigenen Engelstein rechts davon auf. Auf diese Weise werden sp\u00e4tere Gleichst\u00e4nde zugunsten des \u00e4lteren Engagements aufgel\u00f6st. Als Abschluss der Aktion wird der Markierungsstein auf den zuletzt eingesetzten Projektstein gesetzt. Von hier aus wird das n\u00e4chste Engagement starten. Gelangt man auf diesem Weg in eine Sackgasse, darf man beliebig von einem anderen Projektstein aus neu in das Wegenetz einsteigen.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Austauschen von Projektsteinen: M\u00f6chte oder kann man weder Nachziehen noch Einsetzen, darf man so viele Projektsteine aus dem zugeh\u00f6rigen Beutel ziehen, wie auf dem eigenen Zahlenpl\u00e4ttchen f\u00fcr die Zugreihenfolge angegeben ist. Entsprechend viele Steine sucht man sich dann aus, die zur\u00fcck in den Beutel wandern.<\/li>\n<\/ul>\n<p>In der Reihenfolge ihrer Gebote suchen sich alle Spieler eine dieser Aktionen aus. Nach einer zweiten Aktionsrunde wird der Vorrat der Projektsteine aufgef\u00fcllt: Dazu wird f\u00fcr jeden Spieler ein Block gebildet, der aus der auf dem Zahlenpl\u00e4ttchen abgebildeten Anzahl an Projektsteinen besteht. Nun wird neu geboten und auf dieselbe Weise eine zweite komplette Runde gespielt. Vor dem dann folgenden n\u00e4chsten Gebot gibt jeder Spieler die beiden eingesetzten Zahlenpl\u00e4ttchen an seinen linken Nachbarn weiter.<\/p>\n<p>Das Spiel endet, sobald der Vorrat an Projektsteinen f\u00fcr die n\u00e4chste Runde nicht mehr aufgef\u00fcllt werden kann. Nun werden die Siegpunkte verteilt: 2 Siegpunkte erh\u00e4lt jeder Spieler f\u00fcr jeden eingesetzten Engelstein und somit f\u00fcr jedes Projekt, an dem er wenigstens einen Anteil genommen hat. Die beiden Siegpunktchips f\u00fcr jedes Projekt werden an die beiden Spieler mit dem meisten bzw. zweitmeisten Engagement innerhalb des Projekts verteilt &#8211; das sind die beiden Spieler, deren Engelsteine am h\u00f6chsten auf der Projektskala stehen. Der Spieler mit den meisten Siegpunkten gewinnt.<\/p>\n<p>Bei <strong>Cherubim<\/strong> handelt es sich um ein Spiel, das von missio, dem internationalen katholischen Missionswerk in Aachen, herausgebracht wurde. Damit m\u00f6chte das Spiel eine Botschaft transportieren und auf das Engagement von missio und die behandelten Probleme aufmerksam machen. Eine ausf\u00fchrliche Beschreibung zu den Schutzengeln von missio findet sich im Anhang an die Spielregel.<\/p>\n<p>Zugegeben: All dies h\u00e4tte mich nicht neugierig gemacht auf dieses Spiel &#8211; so sind doch viele Spiele mit dieser Zielsetzung eher simpel gestrickt. Weshalb habe ich mich aber n\u00e4her mit <strong>Cherubim<\/strong> besch\u00e4ftigt? Verantwortlich hierf\u00fcr ist der Name Dirk Henn, der schon seit Jahren zu meinen Lieblingsspieleautoren z\u00e4hlt &#8211; aus seiner Feder ist <strong>Cherubim<\/strong>. Werfen wir also den kritischen Spielerblick darauf.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst m\u00fcssen leider einige kritische Aspekte ge\u00e4ussert werden. Sowohl Ausstattung und Grafik als auch die Spielregel lassen zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. In das Material integriert wurde Fotomaterial von missio. Dies ist nicht zu kritisieren &#8211; geht es doch darum, die entsprechenden Aspekte aus den Aktivit\u00e4ten zu vermitteln. Die spieltechnische Integration hingegen ist leider nicht sehr gut gelungen. Um die Fotos herum wurden die Skalen konstruiert, die die Mehrheitsverh\u00e4ltnisse innerhalb der Projekte darstellen sollen. Die kleinen Engelsteine und die engen Skalen f\u00fchren dazu, dass Grobmotoriker leicht ins Verzweifeln kommen. Ein erfahrener Spielegrafiker h\u00e4tte hier sicher eine andere, praktikablere L\u00f6sung ersonnen. Die Spielregel erleichtert den Einstieg nicht unbedingt. Besonders das Nachschlagen von Einzelheiten sp\u00e4ter im Spiel ist nicht so leicht. Man sollte also besser nach dem ersten Spiel nochmal nachlesen, ob man nicht Details \u00fcbersehen hatte.<\/p>\n<p>Genug gemeckert &#8211; schauen wir uns endlich an, wie sich <strong>Cherubim<\/strong> auf dem Spieletisch bew\u00e4hrt hat: Nach den ersten paar Z\u00fcgen wird sofort klar, dass die Thematik nicht im Mittelpunkt steht. Der reine Spielmechanismus ist eher abstrakt und l\u00e4sst viel Spielraum f\u00fcr taktische \u00dcberlegungen. Dies beginnt mit der Auswahl des Zahlenpl\u00e4ttchens f\u00fcr die Spielreihenfolge: M\u00f6chte ich fr\u00fch an der Reihe sein, um etwa guten Nachschub an Projektsteinen zu erhalten, oder weil mein Vorrat an Projektsteinen ein Engagement an einem wichtigen (= punktetr\u00e4chtigen) Projekt erlaubt, an dem ich mich sonst m\u00f6glicherweise gar nicht mehr beteiligen kann? Allerdings gilt: Ein hohes Zahlenpl\u00e4ttchen bin ich dann erstmal los, da ich es an meinen linken Nachbarn abgeben werde. Ferner beeinflusse ich den Nachschub an Projektsteinen mit Hilfe eben dieser Zahlenpl\u00e4ttchen.<\/p>\n<p>Ein gutes Haushalten mit den Projektsteinen will ebenfalls ge\u00fcbt sein. Durch das Limit von 6 Projektsteinen in meinem Vorrat kann ich h\u00e4ufig gar nicht die Aktion &#8222;Projektsteine nachziehen&#8220; w\u00e4hlen, sondern muss erst die Aktion &#8222;Einsetzen&#8220; durchf\u00fchren. Auch sind meist eine oder zwei Farben besonders begehrt, denn auf dem Weg f\u00fcr das Engagement in den Projekten kann ich nicht einfach einen Schritt auslassen. Der einzige Gl\u00fccksfaktor im Spiel erstreckt sich auf das Nachziehen der Projektsteine f\u00fcr den allgemeinen Vorrat.<\/p>\n<p>Ungerne w\u00e4hle ich die Aktion &#8222;Projektsteine tauschen&#8220;, da ich weder meinen Vorrat vergr\u00f6\u00dfern, noch Punkte auf den Projektskalen gutmachen kann &#8211; trotzdem ist damit eine ganze Aktion verbraucht. Nur manchmal l\u00e4sst sich dies leider nicht vermeiden. Durch die zu Spielbeginn ausgelegten Siegpunktchips sind freilich einige Projekte wegen der winkenden Ausbeute heisser umk\u00e4mpft als andere. Ohne an wenigstens einigen der hohen Punktvergaben beteiligt zu sein, bestehen nur geringe Aussichten auf den Spielsieg.<\/p>\n<p>Da der Spielverlauf und die Dauer einer Partie durch die Gesamtzahl der Projektsteine gesteuert wird, folgt nat\u00fcrlich direkt, dass der Einfluss mit steigender Spielerzahl abnimmt &#8211; denn je mehr Spieler dabei sind, desto weniger Projektsteine kann der Einzelne einsetzen. Hinzu kommt, dass man bis zum n\u00e4chsten eigenen Zug nicht ins Spielgeschehen eingebunden ist. Bei bis zu 4 Spielern st\u00f6rt dies nicht weiter &#8211; bei 5 und 6 Spielern k\u00f6nnen die Wartezeiten jedoch betr\u00e4chtlich sein, so dass das Spiel in kleinerer Runde vorzuziehen ist.<\/p>\n<p>Insgesamt liegt mit <strong>Cherubim<\/strong> ein Geheimtipp f\u00fcr ein taktisches Mehrheitenspiel vor, der vermutlich besonders durch die Abwesenheit auf der Essener Spiel &#8217;05 bisher kaum Aufmerksamkeit erhielt. Erh\u00e4ltlich ist das Spiel ausschliesslich direkt bei missio.<\/p>\n<p>Kathrin Nos &#8211; 02.04.2006<\/p><\/blockquote>\n<p><a name=\"post\"><\/a><strong>POSTSCRIPTUM<\/strong>:<\/p>\n<p>Als bekennder Atheist und zutiefst ungl\u00e4ubiger Mensch m\u00fcsste mich ein Spiel wie <strong>Cherubim <\/strong>in Gewissensfragen st\u00fcrzen. Nun k\u00f6nnte\u00c2\u00a0 ich an dieser Stelle meine Ansichten \u00fcber Religionen in drastischen wie plastischen Worten schildern.\u00c2\u00a0 Ich widerstehe aber dieser Versuchung und zitiere lieber aus einem Interview von <a href=\"http:\/\/www.americanatheist.org\/win98-99\/T2\/silverman.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">American Atheist<\/a> mit dem viel zu fr\u00fch verblichenen <strong>Douglas Adams<\/strong>:<\/p>\n<blockquote><p>&#8230;I do not <strong>believe-that-there-is-no-god<\/strong>. I am, however, <strong>convinced<\/strong> that there is no god, which is a totally different stance and takes me on to my second reason.<\/p>\n<p>I don&#8217;t accept the currently fashionable assertion that any view is automatically as worthy of respect as any equal and opposite view. My view is that the moon is made of rock. If someone says to me &#8222;Well, you haven&#8217;t been there, have you? You haven&#8217;t seen it for yourself, so my view that it is made of Norwegian Beaver Cheese is equally valid &#8211; then I can&#8217;t even be bothered to argue. There is such a thing as the burden of proof, and in the case of god, as in the case of the composition of the moon, this has shifted radically. God used to be the best explanation we got, and we now got vastly better ones. God is no longer an explanation of anything, but has instead become something that would itself need an insurmountable amount of explaining. &#8230;&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Andererseits<\/strong>: \u00a0Das Spiel ist gut und allzu h\u00e4ufig kann man auch nicht f\u00fcr einen guten Zweck spielen. Also schlug ich alle Bedenken aus und bestellte drei Exemplare f\u00fcr uns und Freunde. Seitdem werden wir regelm\u00e4\u00dfig mit Werbung von Missio bedacht, die uns die neuesten kirchlichen Fanartikel andrehen wollen.<\/p>\n<p>Eigentlich ist der Gedanke reizvoll, mit einem Spiel soziale Anliegen wirklich spielerisch interessant zu vermitteln. Denn nur zu oft enthalten solche &#8222;Spiele&#8220; lediglich p\u00e4dagogisch erhobene Zeigefinger und keinen brauchbaren Mechanismus. Dieser ist bei <strong>Cherubim<\/strong> zweifelsohne vorhanden.\u00c2\u00a0Dass das Spielprinzip thematisch nur wenig mit den durchaus lobenswerten Zielen der <a href=\"http:\/\/www.missio-aachen.de\/veranstaltungen-aktionen\/aktion\/schutzengel\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Aktion Schutzengel<\/a> zu schaffen hat, wurde in der oben zitierten Rezension bereits treffend herausgearbeitet.<\/p>\n<p><span id=\"wertung\"><img decoding=\"async\" title=\"1 von 3 Lorbeeren\" src=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/09\/1von3.jpg\" alt=\"1 von 3 Lorbeeren\" \/><br \/>\n<em><a title=\"Zu den Pr\u00e4dikaten\" href=\"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/auszeichnungen\/ \"><br \/>\nPr\u00e4dikat<\/a>: 1 von 3 Lorbeeren<\/em><\/span><\/p>\n<p>Doch vielleicht gibt es irgendwann weitere Spiele des Kalibers von <strong>Cherubim<\/strong> bei Missio oder anderen Wohlt\u00e4tigkeitsvereinen. An <a href=\"http:\/\/www.spielbox.de\/phorum4\/read.php4?f=1&amp;i=56523&amp;t=56523&amp;v=f\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Literaturverspielungen<\/a> gibt es mittlerweile einige gute Beispiele, die elegant die Kernhandlung eines Buches in ein funktionierende Spielprinzip umsetzen.<\/p>\n<p>Es ist zu hoffen, dass dies irgendwann in karitativen Bereichen gelingt und Spiele als anspruchsvolle Werbetr\u00e4ger f\u00fcr gut gemeinte Zwecke aller Art erscheinen.<\/p>\n<p>Peter Nos<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erstver\u00f6ffentlichung am 2.4.2006 bei Hall9000. &gt;&gt;Direkt zum Postscriptum springen. Als Schutzengel engagieren sich die Spieler in verschiedenen Projekten. Das beste Engagement wird mit Siegpunkten belohnt. 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