{"id":5580,"date":"2010-05-19T23:12:01","date_gmt":"2010-05-19T21:12:01","guid":{"rendered":"https:\/\/das-spielen.de\/?p=5580"},"modified":"2025-08-17T11:37:42","modified_gmt":"2025-08-17T09:37:42","slug":"fresko","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/fresko\/","title":{"rendered":"Fresko"},"content":{"rendered":"<p>K\u00fcnstler hatten es noch nie leicht: Morgens fr\u00fch aufstehen und gleich auf den Markt rennen, um \u00fcberteuerte Farben zu erwerben. Dann mit den Farben rein in die Kirche, Bischof bestechen und an Fresken herumpinseln bis zum Nachmittag. Nachdem der frohlockende Bischof gen\u00fcgend Lob und Ehre ausgesprochen hatte, galt es sogleich weiterzueilen, um Privatleute gegen Kohle bar auf Tatze zu portr\u00e4tieren. Denn Kirchenmalerei machte zwar ber\u00fchmt, aber nicht satt. Sch\u00f6ne Malerei ben\u00f6tigt bunte Farben &#8211; sehr bunte Mischfarben, um genau zu sein. Deshalb hatte jeder K\u00fcnstler eine Werkstatt, um Farben zu mischen. Wieso er dies sp\u00e4tnachmittags nach getaner Malerei vollbrachte, wei\u00df ich nicht. Daf\u00fcr bin ich nicht Maler genug, aber es war gewiss so. Zu guter Letzt galt es noch die Gehilfen bei Laune zu halten. Denn wer immerzu seine Angestellten um f\u00fcnf Uhr fr\u00fch aus dem Bett jagt, braucht sich nicht zu wundern, dass die Motivation bald im Keller angelangt ist. Zur Steigerung des Betriebsklimas wurden m\u00fcde Gehilfen deshalb abends ins Theater geschickt. Kulturell erbaut konnten sie dann morgens wieder mit dem ersten Hahnenschrei zur Arbeit eilen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><a title=\"Fresko\" href=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/FreskoBig.jpg\" rel=\"lightbox\"><img decoding=\"async\" title=\"Fresko- hier clicken f\u00fcr mehr\" src=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Fresko.jpg\" alt=\"Bild von Fresko\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Liebe Malerarbeitgeber: Ich mag gerne mal auf fremde Kosten ins Theater gehen. Dann lasst mich aber bitte am n\u00e4chsten Morgen lange ausschlafen. \u00dcberhaupt ist es meiner Motivation sehr zutr\u00e4glich, mich immer ausschlafen zu lassen. Ein Kontrakt mit einem Farbenh\u00e4ndler zur Abnahme vieler Farben zum Festpreis w\u00fcrde fr\u00fches Aufstehen \u00fcberfl\u00fcssig machen und den Aussto\u00df frischfeuchter Fresken deutlich erh\u00f6hen. Wenn ihr noch einen Deal mit dem Bischof abschlie\u00dft, dass es viel gottgef\u00e4lliger ist, nachmittags im Dom zu malen, k\u00f6nnten Farben schon zur Mittagszeit gemischt und damit die Freskoproduktivit\u00e4t nochmalig erh\u00f6ht werden. All dies kosten keine Lira extra. &#8211; Denkt mal dar\u00fcber nach.<\/em><\/p>\n<p>Nun waren Arbeitgeber noch nie \u00fcberm\u00e4\u00dfig einsichtig und Spieler m\u00f6gen vertrackte Situationen mehr als Win-Win-Situationen. Deshalb bleiben die Regeln von Fesko wie sie sind, und die Maler m\u00fcssen weiterhin fr\u00fch durch die Gegend taumeln. Dazu wird geheim geplant, wie die f\u00fcnf Malergehilfen einen Tag verbringen sollen. Wer fr\u00fcher aufsteht, darf jeweils zuerst Farben kaufen und zum Malen gehen. Daf\u00fcr zahlt er h\u00f6here Preise und riskiert seine Mitarbeiter in den Streik zu treiben. Dann muss er mit vier Gehilfen auskommen. Nach sechs bis sieben Tagen ist der Dom ausgemalt und das Spiel zu Ende.<\/p>\n<p>Das Besondere an Fresko ist die spielerische Umsetzung des Themas. Die Regeln sind intuitiv begreifbar, und das \u00fcberaus sch\u00f6n gestaltete Spielmaterial unterst\u00fctzt den Ablauf. Damit f\u00e4llt gar nicht weiter auf, dass die Grundelemente wenig originell sind. Daf\u00fcr ist ihre geschmackvolle Mischung umso gelungener. Seit den F\u00fcrsten von Florenz gab es keine ann\u00e4hernd gelungene Umsetzung von Kunst und Wissenschaft der Renaissance.<\/p>\n<p>Wenn nach einigen Partien Fresko aber der Wunsch nach gr\u00f6\u00dferen Herausforderungen aufkommt, kann das Spiel erweitert werden. \u00c4hnlich wie bei Seeland werden bei Fresko drei Varianten gleich mitgeliefert, die Abwechslung bieten, ohne das Spiel wesentlich zu ver\u00e4ndern. Im Gegensatz zu Seeland erfordert jede Variante erprobte Strategien zu \u00fcberdenken. Denn die erreichbaren Siegpunkte wachsen durch sie stark an. \u00dcberhaupt fanden wir bisher noch keinen \u00fcberragenden Weg zum Sieg. Erstmal Farben zu sammeln und gezielt zu malen ist sicherlich keine schlechte Idee. Doch wer zu sp\u00e4t losmalt, findet oft keine unbemalten Kirchenw\u00e4nde mehr und muss sich seinen Ruhm mit wenig profitabler Altarmalerei verdienen.<\/p>\n<p>Fresko ist f\u00fcr mich die \u00fcberragende Neuerscheinung dieses Fr\u00fchjahrs. Alle Elemente passen gut zusammen, und keine der Regeln erscheint gek\u00fcnstelt. Die Gestaltung, das Thema und die strategischen M\u00f6glichkeiten fanden die ungeteilte Zustimmung in allen Testrunden, die auch nach mehreren Wiederholungen nicht verebbte.<\/p>\n<p><span id=\"wertung\"><img decoding=\"async\" title=\"2 von 3 Farben\" src=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2v3Farben.jpg\" alt=\"Bild von 2 von 3 Farben\" \/><em><a title=\"Zu den Pr\u00e4dikaten\" href=\"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/auszeichnungen\/\"><br \/>\nPr\u00e4dikat<\/a>: 2 von 3 Farben<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fcnstler hatten es noch nie leicht: Morgens fr\u00fch aufstehen und gleich auf den Markt rennen, um \u00fcberteuerte Farben zu erwerben. Dann mit den Farben rein in die Kirche, Bischof bestechen und an Fresken herumpinseln bis zum Nachmittag. 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