{"id":5801,"date":"2010-06-13T22:23:02","date_gmt":"2010-06-13T20:23:02","guid":{"rendered":"https:\/\/das-spielen.de\/?p=5801"},"modified":"2023-03-04T16:46:58","modified_gmt":"2023-03-04T15:46:58","slug":"magister-navis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/magister-navis\/","title":{"rendered":"Magister Navis"},"content":{"rendered":"<h4>Erstver\u00f6ffentlichung im M\u00e4rz 2010 in der <a title=\"Fairplay\" href=\"http:\/\/www.fairplay-online.blogspot.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fairplay 91<\/a>.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/magister-navis\/#post\" target=\"_self\" rel=\"noopener\">&gt;&gt;Direkt zum Postscriptum springen<\/a>.<\/h4>\n<p><!--more--><\/p>\n<blockquote><p>Mag man oder mag man nicht?<\/p>\n<p>Um MAGISTER NAVIS spielte ich mich schon einige Monate drum herum wie ein Kater um den hei\u00dfen Brei. Dann kam Kollege Niehoffs finale Aufforderung, doch bitte gef\u00e4lligst endlich die Stimmen f\u00fcr die Fr\u00fchlingssbestenliste abzugeben. H\u00f6flich ignorierte ich die Deadline und wurde kurz darauf von seiner Auswertung \u00fcberrascht. Nun wurde ich wahrlich \u00fcberrumpelt: MAGISTER NAVIS erlangt einen respektablen vierten Platz und bekommt dabei \u00fcberhaupt nur von sechs Juroren Punkte. Damit wiederholt es seine gute, aber nicht herausragende Platzierung bei der Scoutaktion 2009.<\/p>\n<p>Schauplatzwechsel: Im Boardgamegeek-Ranking findet sich MAGISTER NAVIS bereits auf Platz 34, obwohl das Spiel erst seit einem halben Jahr erh\u00e4ltlich ist. Das Spiel muss also ein gewisses Etwas haben, das eine bestimmte Spielergruppe frohlocken und die meisten anderen v\u00f6llig unbeeindruckt l\u00e4sst. So auch die meisten meiner Mitspieler. Oft winken sie schon vor dem ersten Spiel, sp\u00e4testens aber bei der Frage nach einer Wiederholung ab: Das Spiel sei ja ganz nett, es g\u00e4be momentan aber bessere. Nach einem kurzen Nachdenken musste ich denn zugestehen: Ich sch\u00e4tze MAGISTER NAVIS sehr, aber auch auf meiner aktuellen Top 10 ist es nicht vertreten.<\/p>\n<p>Woran liegt dies? Geht ein Geheimtipp unbeachtet an uns vorbei? Oder lassen sich nur ein paar Fans blenden und sehen im Durchschnitt ein Perle?<br \/>\nStellen wir uns mal vor, wir wollten ein Spiel entwickeln: Anspruchsvoll soll es sein, ohne kompliziert zu werden. Es soll thematisch sein, aber nicht ausgetretene Pfade wiederholt beschreiten. Um in Freakkreisen zu punkten, soll es Entwicklungsm\u00f6glichkeiten bieten und ein wenig Interaktion zulassen, ohne \u00fcberm\u00e4\u00dfig aggressiv zu wirken. Klar, mehr als zwei Stunden darf es auch nicht dauern, und der b\u00f6se Zufall soll bittesch\u00f6n ausgeschlossen sein. Daf\u00fcr muss zumindest ein variabler Aufbau f\u00fcr Abwechslung sorgen.<\/p>\n<p>Nun denn, fangen wir an: Ein leere Spielbrettvorlage in die Tischmitte gelegt, und lustvoll beginnen wir eine Landkarte zu zeichnen. Das Mittelmeer in die Mitte und drum herum ein paar Teile vom Rest der Welt. Mittelmeer war f\u00fcr Spielerfolg schon immer wichtig, und sp\u00e4testens seit PUERTO RICO und GOA ist \u00dcbersee f\u00fcr Entwicklung, Aufbau und Interaktionsharmonie ein Muss. Jetzt fehlt noch das Thema &#8211; Handel &#8211; Mittelmeer &#8211; \u00dcbersee &#8211; gab es alles schon, wie w\u00e4re es aber mal mit Forschung und Entdeckung? Zeitalter der Renaissance &#8211; Seeweg nach Asien etc. &#8211; ach je, gab es schon und davor gab es eigentlich nur das Mittelmeer. Also sp\u00e4ter, vielleicht den Spuren von Capt&#8217;n Cook und Humboldt folgen? Das passt auch zum Daniel Kehlmann-Hype. Da Spieler konservativ sind, darf die Handelskomponente nicht vernachl\u00e4ssigt werden, und wir beginnen mit dem Arbeitstitel: &#8222;Handel und Erforschung im 18. Jahrhundert&#8220;.<\/p>\n<p>So k\u00f6nnte der Entwicklungsprozess von MAGISTER NAVIS ausgesehen haben. Die beiden neuseel\u00e4ndischen Autoren Carl de Vissier und Jarrat Gray nahmen im Originaltitel von MAGISTER NAVIS, tats\u00e4chlich eine Anleihe an James Cook. Mit der &#8222;Endeavour&#8220; entdeckte er immerhin Australien und Neuseeland. Alles andere ist eine b\u00f6se, ungerechtfertigte Spekulation meinerseits. W\u00e4ren auch die Regeln so bieder langweilig, w\u00e4re MAGISTER NAVIS keines ersten und auch keines zweiten Blickes wert. Neben dem Weltkartenspielplan gibt es aber noch Entwicklungstableaus, in denen die ganze Originalit\u00e4t des Spiels steckt.<\/p>\n<p>Sieben Runden dauert MAGISTER NAVIS. Zu Beginn jeder Runde d\u00fcrfen sich die Spieler ein Geb\u00e4ude w\u00fcnschen, das sie auf ihr Tableau legen. Es gibt mehr und weniger attraktive Geb\u00e4ude. F\u00fcr die besseren bedarf es Industrieller Entwicklung, die auf einer Leiste des Tableaus abgetragen wird. Die Geb\u00e4ude bringen entweder direkt Entwicklungspunkte oder erlauben einmalige Aktionen. Doch zun\u00e4chst gibt es erst Punkte, denn Aktionen ohne Punkte w\u00e4ren wie Curry ohne Wurst. Die Anzahl der zus\u00e4tzlichen Punkte pro Runde ergibt sich aus der kulturellen Entwicklung des Spielers, die &#8211; genau &#8211; auf dem Tableau verzeichnet ist. Mit Punkten und Geb\u00e4uden lassen sich Aktionen durchf\u00fchren. Parallel wird meist ein Punkt auf ein Geb\u00e4ude gelegt, das wiederum bestimmt, wo ein weiterer Punkt auf den Spielplan kommen darf. im Gegenzug wird von dort ein kleiner Pappmarker entnommen. Der Pappmarker bringt in dem meisten F\u00e4llen einen Fortschritt auf einer Entwicklungsleiste.<\/p>\n<p>Das Geb\u00e4ude aber ist nun blockiert, da schon im 18. Jahrhundert Wohnungsnot herrschte und so ein Punkt locker ein Geb\u00e4ude f\u00fcllte. Zum Gl\u00fcck gibt es aber noch eine Finanzleiste. Je nach Fortschritt auf ihr, d\u00fcrfen jede Runde einige H\u00e4user wieder ger\u00e4umt und die freigewordenen Punkte erneut verwendet werden. Es gibt noch eine vierte Leiste, welche die erlaubte Anzahl der Besitzt\u00fcmer regelt. Diese erh\u00e4lt man durch bestimmte Pr\u00e4senz auf dem Spielbrett und eine besondere Geb\u00e4udeaktion.<\/p>\n<p>So wird Runde um Runde gespielt: Geb\u00e4ude schenken lassen &#8211; Leisten anpassen &#8211; Punkte nachf\u00fcllen &#8211; H\u00e4user leeren &#8211; soweit m\u00f6glich Aktionen ausf\u00fchren und Leisten anpassen. Da Punkte nie wieder vom Spielfeld entfernt werden, wird es dort recht schnell eng und manch ein Aktionspunkt bleibt vorerst ungenutzt im Vorrat liegen, weil entweder kein passendes Geb\u00e4ude mehr frei ist oder weil alle momentan m\u00f6glichen Spielplanfelder belegt sind. Sp\u00e4testens jetzt wird irgendwer beginnen, Krieg zu f\u00fchren. Dies ist so elegant wie einfach geregelt: Einige Geb\u00e4ude erlauben Krieg als Aktion. Daf\u00fcr werden drei Punkte ben\u00f6tigt: Einer f\u00fcrs Geb\u00e4ude, einer zum Besetzten des Zielfeldes und einer zum Abtausch mit dem alten Besitzer. Das Papppl\u00e4ttchen gibt es aber nicht mehr, da es schon vom alten Besitzer abger\u00e4umt wurde. Doch Kriege sind lukrativ, da einige Belohnungen f\u00fcr besondere Pr\u00e4senz auf dem Spielplan verteilt werden.<\/p>\n<p>Es gibt noch ein paar Mechanismen zum Entdecken,Kolonisieren und Handeln auf verschiedenen Kontinenten Das Grundprinzip bleibt dabei immer gleich. Nach sieben Durchg\u00e4ngen ist eine gute Stunde vergangen, und die Tableaus sind voll. Nun wird abgerechnet. Punkte gibt es nun f\u00fcr so ziemlich alles, was gesammelt wurde: Fortschritt auf den Leisten, Punkte f\u00fcr Siedlungen auf dem Spielbrett, Sonderpunkte f\u00fcr Handelskarten und Geb\u00e4ude.<\/p>\n<p>Bei MAGISTER NAVIS ist ab Spielbeginn alles vorgeben. Lediglich die offene Auslage der Papppl\u00e4ttchen ist \u00fcberhaupt variabel. Ge\u00fcbte Spieler starren vor ihrer ersten Aktion ausgiebig aufs Spielbrett, um ihren gro\u00dfen Plan zu schmieden. Der Rest k\u00f6nnte ein reines Abspulen der Aktionen sein, wenn nicht die gro\u00dfen Pl\u00e4ne der anderen w\u00e4ren, die sich immer wieder kreuzen. Einige der Kontinente lassen sich kaum allein entdecken. Deshalb lohnt es sich immer mal wieder, dem Herdentrieb zu folgen, den gro\u00dfen Plan abzublasen und flugs einen neuen umzusetzen.<\/p>\n<p>In Ermangelung guter gro\u00dfer Pl\u00e4ne kann sich die erste Partie etwas ziehen und noch schlimmer, der Spielverlauf kann etwas willk\u00fcrlich oder banal erscheinen. Ist der Funke bei MAGISTER NAVIS aber einmal gez\u00fcndet, wird das Spiel ungemein spannend und kurzweilig, da so manche Wege zum Ziel f\u00fchren k\u00f6nnen. Diese zu erforschen und entdecken bedarf vieler Partien. Es lohnt sich ein wenig zu experimentieren, sich mal auf Geb\u00e4ude zu spezialisieren, mal mehr Krieg zu f\u00fchren, um dann zu erkennen welche Strategien wirksamer sind. Die K\u00fcrze des Spiels in erfahrenen Runden und die konsequent und intuitiv gestalteten Regeln tragen einiges dazu bei.<\/p>\n<p>Warum tanzen nun nicht die Spieler aller L\u00e4nder den MAGISTER NAVIS-Jive? Mein etwas tr\u00e4ger Bauch meint dazu: &#8222;Nun blick doch mal auf das Spielmaterial. Eine braune Schachtel mit braunen Spielpl\u00e4nen, braunem Hintergrund und braunen Symbolen. Braun in Braun ist dieses Jahr wohl die Modefarbe guter Spiele, motivierend wirkt dies nicht. Abgesehen von den Braunt\u00f6nen ist das Material auch gut durchdacht und illustriert hilfreich die Spielregeln. Mir gef\u00e4llt auch das braune Schachteldesign im Look einer abgewetzten ledernen Kartentasche. Er ist aber zu unauff\u00e4llig, um Spiellust zu erwecken.&#8220;<\/p>\n<p>Vielleicht fehlt es dem Spiel auch an Emotionen. MAGISTER NAVIS polarisiert noch nicht einmal. Man mag es eben oder l\u00e4sst es bleiben. Vielleicht sind wir in der alten Welt auch nur schon wieder einen Schritt weiter und der good old Eurogames etwas \u00fcberdr\u00fcssig. MAGISTER NAVIS hat diese Ignoranz aber nicht verdient, es ist besser als oberes Mittelma\u00df. Spielt es ein zweites und drittes Mal! Bei der n\u00e4chsten Bestenliste w\u00e4hle ich es bestimmt, wenn ich den Abgabetermin nicht verschlafe.<\/p>\n<p>Karl-Peter Nos<\/p><\/blockquote>\n<p><a id=\"post\" name=\"post\"><\/a><strong>POSTSCRIPTUM<\/strong>:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"Magister Navis\" src=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/MagisterNavis.jpg\" alt=\"Bild von Magister Navis\" \/><\/p>\n<p>Magister Navis ist bei uns tats\u00e4chlich so eine Art Sp\u00e4tz\u00fcnder gewesen. Anfangs ein paar Mal gespielt, dann erstmal wieder ob der Masse der anderen Spiele zur Seite gelegt, schlie\u00dflich beim Blick in die Liste offener Rezensionen f\u00fcr Fairplay der Entschluss: Peter nimmt sich des Spiels an. Wozu eine Rezi alles gut sein kann.<\/p>\n<p>Ein Aspekt, den ich Peters Rezension noch hinzuf\u00fcgen m\u00f6chte, sind die Spielregel mit einem extrem konfusen Aufbau einerseits und der durchdachte Aufbau des Spielertableaus andererseits. Seit der zweiten Partie liegt die Spielregel beim Erkl\u00e4ren ganz weit weg. Denn alle n\u00f6tigen Informationen stehen eigentlich auf dem Tableau. Von oben nach unten ist der Ablauf einer Runde gut nachzuvollziehen, alles weitere wird durch die Symbolik erkl\u00e4rt. Und die Siegpunkte haben wir einmal gem\u00e4\u00df des Vorschlags aus der Regel gez\u00e4hlt &#8211; und dann entnervt einfach direkt gez\u00e4hlt. Merke: Magister Navis sollte man sich erkl\u00e4ren lassen!<\/p>\n<p>\u00dcbrigens gelang es k\u00fcrzlich zum ersten Mal, dass die Sklaven befreit wurden. In einer Partie zu dritt war es soweit. Alle Karten in der bekannten Welt waren ratzekahl verteilt, doch an neuen Regionen waren nur wenige entdeckt. Davor spielten wir Magister Navis meist zu viert oder gar in Vollbesetzung, da ist es am Mittelmeer nunmal enger. Das macht es schwieriger, die f\u00fcnf n\u00f6tigen Siedlungen zu errichten, die \u00fcberhaupt die Aktion f\u00fcr die &#8222;Sklaven befreien&#8220; Karte erlauben.<\/p>\n<p>Kathrin Nos<\/p>\n<p><span id=\"wertung\"><img decoding=\"async\" title=\"2 von 3 Landkarten\" src=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2v3Landkarten.jpg\" alt=\"Bild von 2 von 3 Landkarten\" \/><em><a title=\"Zu den Pr\u00e4dikaten\" href=\"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/auszeichnungen\/\"><br \/>\nPr\u00e4dikat<\/a>: 2 von 3 Landkarten<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erstver\u00f6ffentlichung im M\u00e4rz 2010 in der Fairplay 91. &gt;&gt;Direkt zum Postscriptum springen.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4,11,12,1],"tags":[],"class_list":["post-5801","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-good-game","category-postscriptum","category-rezensionen","category-spiele"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5801","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5801"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5801\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11241,"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5801\/revisions\/11241"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5801"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5801"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5801"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}