{"id":6116,"date":"2010-09-05T11:33:29","date_gmt":"2010-09-05T09:33:29","guid":{"rendered":"https:\/\/das-spielen.de\/?p=6116"},"modified":"2025-07-21T16:52:42","modified_gmt":"2025-07-21T14:52:42","slug":"android","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/android\/","title":{"rendered":"Android"},"content":{"rendered":"<p>Auf &#8222;<a href=\"http:\/\/www.philipkdick.com\/works_novels_androids.html\" target=\"_Blank\">Do Androids Dream of Electric Sheep<\/a>&#8220; von Philip K. Dick basiert der Film Blade Runner. Auch wenn in den Designer Notes weder der Film noch das Buch vermerkt wurde, wirkt Android wie das Spiel zum Film. Im d\u00fcsteren New Los Angeles drehen sich gleich eine ganze Reihe von Cyberpunk-Stories um Mord, Verschw\u00f6rung, Gen- und Bio-Tech, sowie die pers\u00f6nlichen Abgr\u00fcnde einzelner Privatdetektive. \u00dcber der Stadt schwebt geostation\u00e4r der besiedelte Mond, der per Aufzug leicht erreichbar ist. Keine Angst &#8211; die Machbarkeit und die Konsequenzen auf die Gezeiten und das Weltklima eines solchen Projekts hinterfrage ich im weiteren Text nicht.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Android ist ein episches Spiel. Um es zu geniessen, sollten eine geh\u00f6rige Portion Sitzfleisch, Frustrationstoleranz, eine gewisse Affinit\u00e4t zum Thema und ziemlich gute Englischkenntnisse mitgebracht werden. Sie werden das Spiel m\u00f6gen, falls Sie Kurzspielregeln, strukturierte Regeln, aufs Wesentliche reduzierte Spielmechanismen und \u00e4hnliches f\u00fcr \u00fcberfl\u00fcssigen, neumodischen Schnickschnack halten. Das Spielmaterial ist daf\u00fcr umso reichhaltiger. Die gut gef\u00fcllte Spielschachtel wiegt 2400 Gramm. Das ebenfalls \u00fcppig ausgestattete Dungeon Lords bringt es nicht einmal auf 1600 Gramm. Die optische Gestaltung ist schlichtweg grandios opulent.<\/p>\n<p>Vordergr\u00fcndig geht es um einen Mordfall. Ein paar verd\u00e4chtige Zeugen stehen auch schon bereit, wenn sich die Spieler als Privatdetektiv verkleidet auf Spurensuche begeben. Wie in Krimis so \u00fcblich gibt es aber eine ganze Reihe von Nebenhandlungen. So hat nat\u00fcrlich jeder Detektiv auch ein Privatleben und eine d\u00fcstere Vergangenheit zu meistern. St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck enth\u00fcllen sich auch noch Puzzleteile einer gr\u00f6\u00dferen Verschw\u00f6rung, und New Los Angeles hat nat\u00fcrlich sowieso noch so einiges an \u00dcberraschungen zu bieten. Es ist kaum m\u00f6glich, sich um alles zu k\u00fcmmern, dies ist auch gar nicht gewollt. Statt dessen m\u00fcssen sich die Spieler auf einzelne M\u00f6glichkeiten fokussieren und andere links liegen lassen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"Android\" src=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Android2.jpg\" alt=\"Bild von Android\" \/><\/p>\n<p>Android wird \u00fcber 12 Runden gespielt. Pro Zug hat ein Spieler sechs Aktionspunkte, die er zum Bewegen, Zeugenbefragung, Aufdecken der Verschw\u00f6rung, Karten nachziehen und Aktionskarten ausspielen verwenden kann. Die Aktionskarten haben eine Besonderheit: F\u00fcr jeden Charakter gibt es zwei individuelle Kartens\u00e4tze. Die hellen Karten werden vom Charakter selbst gezogen und gespielt, die dunklen sammeln und spielen die Mitspieler. Damit ist es m\u00f6glich, den anderen geh\u00f6rig in die Suppe zu spucken. So kann die richtige Aktionskarte zu rechten Zeit einen Spieler locker 30% der Siegpunkte kosten. Um helle Karten spielen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen zwangsweise auch dunkle durchgesetzt werden. Gleiches gilt umgekehrt.<\/p>\n<p>Jeder Privatdetektiv hat ganz eigene F\u00e4higkeiten und Ziele. So gibt es die Kopfgeldj\u00e4gerin, den Kriegsveteranen, den Clon, den Androiden und eben den klassischen Private Dick. Damit hat jeder auch noch eigene Ziele, die er durch Anh\u00e4ufen guter und schlechter Erfahrungen erreichen kann. F\u00fcr schlechte Erfahrung sorgen meist die Mitspieler.<\/p>\n<p>Die Verschw\u00f6rung ist wahrlich ein Puzzle und kommt als kleines Legespiel im Spiel daher. Durch Legen von Verbindungen auf einem 5&#215;5 Raster werden weitere Siegpunktquellen erzeugt. Die M\u00f6rdersuche ist \u00e4hnlich wie neuerdings auch bei Tobago per inverser Deduktion geregelt. W\u00e4hrend des Spiels d\u00fcrfen die Spieler die verd\u00e4chtigen Zeugen mit Alibis und belastenden Indizien versehen. Sollte ein Verd\u00e4chtiger aus Versehen vor Spielende sterben, war er offensichtlich unschuldig. Der am Spielende verd\u00e4chtigste \u00fcberlebende Zeuge wird als M\u00f6rder verurteilt. Dann deckt jeder Spieler zwei Auftragskarten auf, die je einen Wunschm\u00f6rder und einen Sch\u00fctzling zeigen. Wer laut Auftrag den M\u00f6rder \u00fcberf\u00fchrte bzw. seinen Liebling decken konnte, bekommt eine dicke Siegpunktbelohnung.<\/p>\n<p>Android soll ein durch und durch thematisches Spiel sein. Viele Spieler und Kritiker bescheinigten ihm aber im Gegenteil, dass die Mechanismen \u00fcberhaupt nicht dem Thema gerercht w\u00fcrden. Ich sehe dies nicht so eng. Okay, die M\u00f6rderjagd wirkt mehr wie eine Abstimmung \u00fcber den Lieblingsschuldigen. In einer korrupten Zukunft k\u00f6nnte dies aber auch durchaus die bittere Realit\u00e4t sein. Gutwillig ist es m\u00f6glich, jede Regel von Android thematisch zu begr\u00fcnden. Umgekehrt kann das Spiel aber auch wegen unlogischer und unpassender Mechanismen in der Luft zerpfl\u00fcckt werden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"Android\" src=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Android1.jpg\" alt=\"Bild von Android\" \/><\/p>\n<p>Aus meiner Sicht sind ein paar handwerkliche Fehler \u00e4rgerlicher. Ohne die <a href=\"http:\/\/www.fantasyflightgames.com\/edge_news.asp?eidn=495\" target=\"_Blank\">FAQ<\/a> gelesen zu haben, sind einige h\u00e4ufig vorkommende Regelfragen gar nicht l\u00f6sbar. H\u00e4ufiger werden NPCs zitiert, die nur \u00fcber das Studium der R\u00fcckseiten der Charakterb\u00f6gen identifiziert werden k\u00f6nnen, da es die Autoren nicht f\u00fcr n\u00f6tig hielten, die NPCs irgendwo anders mit Bild und Namen vorzustellen. Auf der Vorderseite der B\u00f6gen gibt aber ein Marker den aktuellen Gem\u00fctszustand des Spielers an, das Zwangsumdrehen ist also mehr als murksig. Die Bewegungsweite der Spieler ist eigentlich trickreich geregelt. Jeder hat einen pers\u00f6nlichen Ma\u00dfstab, der angibt, wieweit er in einer Zeiteinheit kommt. Dies ersetzt ein Wegenetz auf dem Spielplan. Damit kann aber nicht vorgeplant oder heimlich berechnet werden, ob ein bestimmtes Feld erreichbar ist. Dies erh\u00f6ht die ohnehin hohen Wartezeiten noch einmal.<\/p>\n<p>Mit Verwendung der Begriffe NPC und Charakterbogen sollte klar werden, dass Android schon Z\u00fcge eines Rollenspiels tr\u00e4gt. Deshalb sollten sich die Spieler auch auf die Story sowie die kleinen Anekdoten am Rande einlassen und die Wartezeiten nutzen, um etwas \u00fcber die dunkle Zukunft zu sinnieren. Sieg und Niederlage k\u00f6nnen dann auch etwas in den Hintergrund treten, wenn es gelingt, den Charakter und die Welt mit Leben zu f\u00fcllen. Dies ist gewiss nicht jedermanns Sache, insbesondere da Android nicht wie andere American-Style Games keine Geschichte von alleine erz\u00e4hlt, sondern nur den Rahmen bietet und von den Spieler die Ausgestaltung noch einfordert.<\/p>\n<p>Pro Mitspieler werden etwa 90 Minuten Spieldauer ben\u00f6tigt. Weitere 90-120 Minuten sollten f\u00fcr Regelerl\u00e4uterungen und Nachfragen eingeplant werden. Dies setzt aber voraus, dass der Erkl\u00e4rer sich einige Stunden im Vorfeld mit der Regel auseinander gesetzt hat. Die Spielvorbereitung dauert eine weitere Stunde. Mit steigender Spielerzahl f\u00e4llt auch noch die Kontollierbarkeit des Spielgeschehens. Ich mag deshalb Android nur zu dritt spielen. Im Gegensatz zu manch anderem Spielen dieses Umfangs bietet es zu dritt aber schon den vollwertigen Spielspa\u00df. Mit mehr Spielern steigt weder die Interaktion noch ergeben sich mehr M\u00f6glichkeiten. Ruhe, Entspannung und viel Zeit vorausgesetzt werde ich Android bestimmt mal wieder spielen, dies trifft f\u00fcr mich nur auf wenige Spiele zu, die l\u00e4nger als drei Stunden dauern.<\/p>\n<p><span id=\"wertung\"><img decoding=\"async\" title=\"1 von 3 Monden\" src=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/1v3Monden.jpg\" alt=\"Bild von 1 von 3 Monden\" \/><em><a title=\"Zu den Pr\u00e4dikaten\" href=\"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/auszeichnungen\/\"><br \/>\nPr\u00e4dikat<\/a>:<br \/>\n1 von 3 Monden<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf &#8222;Do Androids Dream of Electric Sheep&#8220; von Philip K. Dick basiert der Film Blade Runner. Auch wenn in den Designer Notes weder der Film noch das Buch vermerkt wurde, wirkt Android wie das Spiel zum Film. 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