{"id":6157,"date":"2010-08-31T23:27:00","date_gmt":"2010-08-31T21:27:00","guid":{"rendered":"https:\/\/das-spielen.de\/?p=6157"},"modified":"2023-05-30T10:25:35","modified_gmt":"2023-05-30T08:25:35","slug":"vor-den-toren-von-loyang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/vor-den-toren-von-loyang\/","title":{"rendered":"Vor den Toren von Loyang"},"content":{"rendered":"<p>Was mag von diesem Spiel erwarten, wer nur den Titel h\u00f6rt? Wem das chinesisch vorkommt, liegt nicht so schlecht. Doch was sich vor den Toren so zutragen mag, k\u00f6nnte sich auch im milit\u00e4rischen Bereich abspielen. Etwas Hintergrundinformation mag weiterhelfen: Zusammen mit Agricola und Le Havre geh\u00f6rt dieses Spiel per Definition zur so genannten &#8222;Ernte-Trilogie&#8220;. Wie in den beiden anderen Trilogie-Spielen geht es vor Loyang friedlich zu. Als H\u00e4ndler versuchen die Spieler, den meisten Profit zu erwirtschaften. Insgesamt sechs Gem\u00fcsesorten k\u00f6nnen sie dazu anbauen. Die Ernte-Ertr\u00e4ge werden der Kundschaft feilgeboten. Was nicht der Nachfrage entspricht, kann eingetauscht werden.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Aufgabe in jeder der neun Runden lautet: Zun\u00e4chst werden eigene Felder abgeerntet. Je eine Einheit Gem\u00fcse pro Feld wirft die Ernte ab. Zu Beginn besitzt jeder Spieler nur ein Feld, das zugleich als Rundenanzeiger dient, denn sobald alle neun angebauten Fr\u00fcchte eingebracht wurden, ist das Feld leer und das Spiel zu Ende. Ein weiteres Feld erh\u00e4lt jeder Spieler pro Runde regul\u00e4r hinzu.<\/p>\n<p>Motor des Handels und Verkaufs sind die Karten, von denen im Anschluss an die Ernte jeder Spieler zwei erhalten wird. In einem pfiffigen Tauschmechanismus m\u00fcssen die Spieler reihum entscheiden, ob sie aus einem offenen, sich nach und nach f\u00fcllenden Pool an Karten eine w\u00e4hlen und eine aus der Hand ausspielen &#8211; oder ob sie lieber auf ein besseres Angebot warten und zu diesem Zweck eine eigene Handkarte in den Pool einf\u00fcgen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"Vor den Toren von Loyang\" src=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/VorDenTorenVonLoyang.jpg\" alt=\"Bild von Vor den Toren von Loyang\" \/><\/p>\n<p>Wer also zwei Karten besitzt, die er gerne einsetzen m\u00f6chte, muss eine davon zun\u00e4chst in den Pool geben und hoffen, dass bis zum n\u00e4chsten eigenen Zug kein anderer Spieler diese ausw\u00e4hlt. Ferner gibt die Reihenfolge des Aussteigens die Spielerreihenfolge f\u00fcr die folgende Aktionsphase vor: Wer sich sp\u00e4ter entscheidet, ist fr\u00fcher dran. Da die Aktionen weitgehend interaktionsfrei sind, hat sich Uwe Rosenberg eine Optimierung f\u00fcr vier Spieler ausgedacht: Jeweils zwei Spieler spielen im Team und \u00fcberwachen sich gegenseitig bei der Ausf\u00fchrung ihrer Aktionen. Nur zwischen diesen beiden kann Interaktion stattfinden, so dass beide Teams diese Phase parallel spielen k\u00f6nnen. Entsprechend gestaltet sich die Spieldauer zu dritt am l\u00e4ngsten, da hier alle drei Spieler nacheinander aktiv werden. Durch die weiterhin sequentielle Kartenphase dauert das Spiel zu viert dennoch l\u00e4nger als zu zweit. Mehr noch: Es spielt sich am besten zu zweit!<\/p>\n<p>In der Aktionsphase kann man sich zun\u00e4chst um das Bestellen der eigenen Felder k\u00fcmmern. Eine Gem\u00fcse-Einheit wird ben\u00f6tigt, um auf einem Feld auszus\u00e4en. Je nach Gr\u00f6\u00dfe des Feldes wird dieses in den folgenden drei bis sechs Erntephasen Ertr\u00e4ge bringen. Die teuren Gem\u00fcsesorten wie Bohnen und Porree ben\u00f6tigen kleinere Felder und sind entsprechend schneller abgeerntet. F\u00fcr das Saatgut kann man zuvor geerntetes Gem\u00fcse verwenden &#8211; doch so gelingt es nicht, neue Sorten zu erhalten. F\u00fcr diese kann man Saatgut bei H\u00e4ndlern eintauschen oder auch teuer einkaufen. Jeder Spieler hat hierzu einen &#8222;Laden&#8220;, der in bescheidenem Umfang auch mal den Verkauf von Gem\u00fcse f\u00fcr einen kleinen, aber in manchem Moment vielleicht entscheidenden, Gewinn abwirft. Im direkten Austausch gegen ein &#8211; oder manchmal auch zwei &#8211; Gem\u00fcseeinheiten tauschen die H\u00e4ndler ihr angebotenes Gem\u00fcse. Womit wir mitten in die Erkl\u00e4rung der zuvor erhaltenen Karten gelangen.<\/p>\n<p>Materialtechnisch clever gel\u00f6st bildet jeder Spieler eine eigene Auslage. In T-Form besitzt jeder einen Plan, der die Pl\u00e4tze f\u00fcr das eigene Material angibt. In der Mitte befindet sich die eigene Siegpunktleiste. Oben quer bietet der eigene Laden seine Waren feil. \u00dcber dem T-St\u00fcck haben die Gem\u00fcsefelder ihren Platz. Rechts und links reihen sich die Karten in vier verschiedenen Sorten, die durch ihre Symbole gut erkennbar ihren Platz finden. Eine Kartensorte bilden die H\u00e4ndler. Drei Gem\u00fcsesorten haben sie im Angebot. Sobald alle drei T\u00e4usche ausgef\u00fchrt wurden, entschwindet der H\u00e4ndler auf den Ablagestapel.<\/p>\n<p>Zwei Kartensorten werden von den Kunden gebildet. Die anspruchsvolle Stammkundschaft w\u00fcnscht in jeder Runde mit derselben Gem\u00fcsekombination aus zwei Einheiten beliefert zu werden. Wer seine Felder so bepflanzt hat, dass den W\u00fcnschen der Stammkunden genau entsprochen werden kann, erh\u00e4lt so ein sicheres und lukratives Einkommen. Doch wehe, das passende Gem\u00fcse kann nicht geliefert werden. Einmal toleriert dies der Kunde, doch ab dem zweiten Mal wird eine Konventionalstrafe von zwei Geldeinheiten f\u00e4llig. Einfacher zu bedienen sind die Laufkunden, denn diese warten geduldig auch \u00fcber mehrere Runden ab, bis ihr Wunsch aus drei Gem\u00fcse-Einheiten genau erf\u00fcllt wurde.<\/p>\n<p>Die vierte Kartensorte besteht aus den Helfern. Diese n\u00fctzlichen Genossen erlauben eine bessere Ernte, einen billigeren Einkauf von Saatgut, den Tausch bei H\u00e4ndlern der Mitspieler, und allerlei andere praktische Dinge. Freilich kommt insbesondere durch sie ein kleines Verz\u00f6gerungselement ins Spiel, denn ihre genaue Funktion muss von Neulingen erst mal in Ruhe gelesen und verstanden werden. Und es ist gar nicht mal so einfach, die M\u00f6glichkeiten der Mitspieler im Blick zu behalten. K\u00f6nnen sie einem selbst vielleicht einen Kunden oder Helfer abwerben und so die eigenen Pl\u00e4ne \u00fcber den Haufen werben?<\/p>\n<p>Doch zur\u00fcck zu den Aktionen. Das Hantieren der Gem\u00fcse-Ertr\u00e4ge unter Einsatz der unterschiedlichen Karten steht im Mittelpunkt. Durch viele kleine Regeln ist die Aufgabe des Tauschs und Handels anspruchsvoll. Die Reihenfolge erlaubt weitere Optimierung. Manches Mal merkt man erst w\u00e4hrend der Aktionen, dass es anders herum eigentlich praktischer w\u00e4re &#8211; also alles zur\u00fcck?! Eine gewisse Toleranz sollten die Mitspieler an den Tag legen. Denn Fehler k\u00f6nnen hart bestraft werden. Mancher Spieler musste bereits fr\u00fch erkennen, dass er nicht mehr um den Sieg mitspielen wird. Jetzt noch mehr als zwei Stunden mitspielen zu m\u00fcssen, kann bitter aufsto\u00dfen. Wer nicht an der Reihe ist, sollte au\u00dferdem seine Mitspieler freundlicherweise durch Anreichen von Geld oder Gem\u00fcsesteinen unterst\u00fctzen. Denn in Loyang findet viel Verwaltung statt! Dar\u00fcber tritt ein wenig das Spielerische in den Hintergrund &#8211; das Gef\u00fchl des Handelns kommt nur mittelbar zum Tragen.<\/p>\n<p>Die Siegpunkte werden jeweils am Ende der Runde gekauft. Eine Geldeinheit kostet der erste erstandene Siegpunkt immer. Jeder weitere schl\u00e4gt mit seiner aufgedruckten Zahl zu Buche &#8211; je weiter der Siegpunktstein voranschreitet, desto teurer wird es also. In meinen Runden waren zum Sieg meist 18 Siegpunkte n\u00f6tig. Bei Gleichstand gewinnt dann, wer noch das meiste Geld \u00fcbrig hat &#8211; also sozusagen den gr\u00f6\u00dften Anteil am n\u00e4chsten Siegpunkt vorbereitet hat.<\/p>\n<p>Vor den Toren von Loyang ist insgesamt eine \u00fcberdurchschnittlich komplexe Optimierungsaufgabe. F\u00fcr die Regelerkl\u00e4rung ben\u00f6tigt man ein wenig \u00dcbung, um den Einstieg f\u00fcr neue Mitspieler \u00fcbersichtlich und verst\u00e4ndlich zu gestalten. Da in jeder Runde meist mehr Entscheidungsm\u00f6glichkeiten durch ertragreichere Ernten oder die verf\u00fcgbaren Karten bestehen, nimmt die Spieldauer pro Runde in der zweiten H\u00e4lfte zu. Dadurch gestaltet sich der Spielablauf mit steigender Rundenzahl immer l\u00e4nger. Dem Spannungsbogen kommt dies nicht zugute. Mit steigender Spielerfahrung kann man die m\u00f6gliche Ausbeute einige Partien lang verbessern, doch irgendwann st\u00f6\u00dft man an die Grenzen des M\u00f6glichen. Sp\u00e4testens dann l\u00e4sst der bis dahin vorhandene Reiz leider nach.<\/p>\n<p><span id=\"wertung\"><img decoding=\"async\" title=\"1 von 3 K\u00fcrbissen\" src=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/1v3Kuerbissen.jpg\" alt=\"Bild von 1 von 3 K\u00fcrbissen\" \/><em><a title=\"Zu den Pr\u00e4dikaten\" href=\"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/auszeichnungen\/\"><br \/>\nPr\u00e4dikat<\/a>:<br \/>\n1 von 3 K\u00fcrbissen<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was mag von diesem Spiel erwarten, wer nur den Titel h\u00f6rt? Wem das chinesisch vorkommt, liegt nicht so schlecht. Doch was sich vor den Toren so zutragen mag, k\u00f6nnte sich auch im milit\u00e4rischen Bereich abspielen. Etwas Hintergrundinformation mag weiterhelfen: Zusammen mit Agricola und Le Havre geh\u00f6rt dieses Spiel per Definition zur so genannten &#8222;Ernte-Trilogie&#8220;. 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