{"id":6201,"date":"2010-11-09T23:18:51","date_gmt":"2010-11-09T22:18:51","guid":{"rendered":"https:\/\/das-spielen.de\/?p=6201"},"modified":"2023-03-04T16:50:19","modified_gmt":"2023-03-04T15:50:19","slug":"antiquity","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/antiquity\/","title":{"rendered":"Antiquity"},"content":{"rendered":"<h4>Erstver\u00f6ffentlichung am 06.02.2005 bei <a title=\"Antiquity\" href=\"http:\/\/www.hall9000.de\/php\/rezi.php?rezi=1773\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hall9000<\/a>.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/antiquity\/#post\" target=\"_self\" rel=\"noopener\">&gt;&gt;Direkt zum Postscriptum springen<\/a>.<\/h4>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"Antiquity\" src=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Antiquity1.jpg\" alt=\"Bild von Antiquity\" \/><\/p>\n<blockquote><p>Im mittelalterlichen Italien ist jeder Spieler f\u00fcr einen aufstrebenden Stadtstaat verantwortlich. Abh\u00e4ngig vom gew\u00e4hlten Schutzheiligen legt sich jeder seine eigene Siegbedingung fest: Zielt man auf viele Einwohner ab? Oder eher auf Geb\u00e4udebau? Versucht man, seine Einwohner mit Nahrung und Luxus zu \u00fcbersch\u00fctten? Oder verfolgt man eher milit\u00e4risch das Ziel, einen Mitspieler zu umzingeln?<\/p>\n<p>Schauen wir uns zun\u00e4chst auf dem Spielplan um: Im Hexfeldraster erkennen wir verschiedene Landschaften. Der Wald liefert uns Holz, mit dem wir einige der Geb\u00e4ude bauen k\u00f6nnen, aber auch weitere Holzf\u00e4ller aussenden, Minen graben, oder Fischer aussenden k\u00f6nnen. Auf Weideland k\u00f6nnen wir Bauern besch\u00e4ftigen, die f\u00fcr uns verschiedene Nahrungsmittel, oder auch das Luxusgut Wein anbauen k\u00f6nnen. Im Gebirge werden Steinmetze oder Goldsch\u00fcrfer besch\u00e4ftigt, aus dem Wasser k\u00f6nnen Fische, Perlen oder Farbstoffe gezogen werden.<\/p>\n<p>Um \u00fcberhaupt die Ressourcen der Umgebung nutzen zu k\u00f6nnen, muss ich eine Stadt errichten, in deren Einflussgebiet (max. 2 Hexfelder Entfernung von meiner Stadt) ich Bewohner aussenden kann. Diese wiederum siedeln sich bei mir an, wenn ich ihnen Nahrung und\/oder Luxusg\u00fcter zur Verf\u00fcgung stelle &#8211; je gr\u00f6\u00dfer meine Stadt ist, desto anspruchsvoller werden die Bewohner, desto mehr unterschiedliche G\u00fcter muss ich ihnen also heranschaffen. Die Stadt wird einerseits auf dem Spielplan repr\u00e4sentiert durch ein 7 Hexfelder gro\u00dfes Stadtpl\u00e4ttchen, von dem aus das Einflussgebiet erschlossen wird. In der Stadt selbst k\u00f6nnen auf einem separaten Plan mit quadratischem 7&#215;7 Raster Geb\u00e4ude verschiedener Gr\u00f6\u00dfen und Formen gebaut werden.<\/p>\n<p>Das Spiel hat also zwei verschiedene Ebenen, die zusammen mit einigen Administrationsphasen nacheinander in jeder Runde geplant und durchgespielt werden:<\/p>\n<p><em>Stadtplanung<\/em>:<br \/>\nZu Beginn einer Runde plant jeder Spieler gleichzeitig und geheim, welche Anschaffungen er t\u00e4tigen und wie er seine Bewohner besch\u00e4ftigen m\u00f6chte. Jedes Geb\u00e4ude wird einmalig mit Rohstoffen errichtet und in den Stadtplan eingef\u00fcgt. Die meisten Geb\u00e4ude erfordern eine Arbeitskraft zur Bewirtschaftung, d.h. ein Bewohner muss in das Geb\u00e4ude geschickt werden, um von dessen Vorteilen Gebrauch machen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wer in der umliegenden Landschaft t\u00e4tig werden m\u00f6chte, um etwa Holz zu f\u00e4llen, Bauern auszusenden etc., muss die entsprechenden Bewohner jetzt zum Wagenmacher schicken, damit sie in der folgenden Phase losziehen k\u00f6nnen. Dies ist auch der Zeitpunkt, um neue Bewohner anzusiedeln.<\/p>\n<p>Nach Ende dieser Planung wird die Spielreihenfolge anhand der ausgesendeten Bewohner festgelegt: Wer mehr Bewohner ausschickt, ist sp\u00e4ter an der Reihe.<\/p>\n<p><em>Landphase<\/em>:<br \/>\nIn der so bestimmten Reihenfolge werden nun die Bewohner auf die Landschaft gesetzt. Ein Bewohner wird zum Holzf\u00e4ller, indem er mit einem Rohstoffmarker Holz (zum Erstellen der Holzf\u00e4llerh\u00fctte) versehen wird. Er kann ein Holzfeld mit allen direkt angrenzenden Holzfeldern abholzen. Um dies anzuzeigen, werden die entsprechenden Rohstoffmarker rund um den frischgebackenen Holzf\u00e4ller gelegt, der nun Runde um Runde einen dieser Marker in seine Stadt als Ernte schickt, bis er den letzten abgearbeitet hat. Entsprechend funktionieren die Fischer, Minenarbeiter und Landwirte, die f\u00fcr ihre Rolle mit einem passenden Start-Rohstoff ausgestattet werden m\u00fcssen, um \u00fcber mehrere Runden hinweg f\u00fcr Rohstoff-Nachschub zu sorgen.<\/p>\n<p>Weitere Aktivit\u00e4ten in der Landphase k\u00f6nnen im Errichten von Gasth\u00e4usern zur Ausdehnung des Einflussbereichs (und damit Erschliessung neuer Ressourcen) sein, oder die Gr\u00fcndung einer neuen Stadt (was auch zum Gewinn neuer Fl\u00e4che zum Geb\u00e4udebau f\u00fchrt), oder im Aussenden von Entdeckern, was ein Weg zu Saatgut ist, das erst die Aussendung von Bauern erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Nach Ende der Landphase wird die Ernte eingefahren, bei der jeder Bewohner auf dem Spielplan einen Rohstoffmarker in die Stadt schickt. Nur die Bewohner, die alle umliegenden Rohstoffe abgebaut haben, kehren in die Stadt zur\u00fcck und stehen f\u00fcr neue Aufgaben zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Die Runde ist aber nun noch nicht beendet, es steht noch etwas Administration an: So k\u00f6nnen Waren der vorherigen Runde nur behalten werden, wenn sich ein besetztes Lager in der eigenen Stadt befindet. Ferner wird \u00fcberpr\u00fcft, ob das Volk hungert. In jeder Runde wird der Hunger schlimmer, und wer nicht gen\u00fcgend Nahrung besitzt, muss nun Gr\u00e4ber in der eigenen Stadt ausheben, die Platz blockieren oder sogar wichtige Geb\u00e4ude ausser Funktion setzen k\u00f6nnen. Auch die Besiedelung der Umgebung geht nicht spurlos an dieser vor\u00fcber: In jeder Runde muss die Umweltverschmutzung ausgef\u00fchrt werden. Dazu werden Verschmutzungsmarker eingesetzt (3 pro eigener Stadt), die das darunterliegende Land f\u00fcr weitere Nutzung unbrauchbar machen. Auch Landwirtschaft, Fischerei und Minenbau tragen zur Verschmutzung bei.<\/p>\n<p>Hat nun noch niemand gewonnen, geht das Spiel in seine n\u00e4chste Runde und beginnt mit einer erneuter Stadtplanung.<\/p>\n<p>Aber Moment: Wie kann man denn gewinnen?! Es stehen verschiedene Siegbedingungen zur Verf\u00fcgung. Auf diese legt man sich durch den Bau einer Kathedrale fest, die man einem Schutzheiligen weiht. Dieser gibt dem Kathedralenbesitzer von nun an einen Vorteil (etwa durch Vorteile beim Ansiedeln von Bewohnern, oder durch kostenlose und unbegrenzte Lagerung von G\u00fctern, etc.), verlangen aber auch die Erf\u00fcllung einer der folgenden Siegbedingung:<\/p>\n<ul>\n<li>Bau aller m\u00f6glichen Geb\u00e4ude,<\/li>\n<li>Ansiedelung aller 20 m\u00f6glichen Bewohner,<\/li>\n<li>Ausdehnung des eigenen Einflussbereichs, so dass dieser den Bereich eines Mitspielers vollst\u00e4ndig einschliesst,<\/li>\n<li>Vorratshaltung: Je drei G\u00fcter aller Lebensmittel und Luxusg\u00fcter,<\/li>\n<li>oder als spezielle Siegbedingung: Die Erf\u00fcllung von zwei der vier zuvor genannten Bedingungen (daf\u00fcr darf man aber die Vorteile aller vier Siegbedingungen nutzen).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Durch den Bau und den Betrieb der verschiedenen Geb\u00e4ude kann man deren Funktionen noch nutzen, auf die ich hier im Detail nicht eingehe, selbiges gilt f\u00fcr die genauen Bedingungen f\u00fcr die Verschmutzung, das Hungern und den Anbau in der umliegenden Landschaft.<\/p>\n<p>Anhand der schon enorm komprimierten Beschreibung dieses Spiels erh\u00e4lt man sicher schon einen Eindruck von der Komplexit\u00e4t, die hier die Spieler herausfordert: Vor dem Spiel mit Anf\u00e4ngern sollte man mit etwa einer Stunde Regelerkl\u00e4rung rechnen, wenn sich einer der Spieler die vollst\u00e4ndige und verst\u00e4ndliche Regel bereits erarbeitet hat (hierzu mindestens zwei Stunden einkalkulieren), oder besser noch bereits \u00fcber Spielerfahrung verf\u00fcgt. Es ist kaum m\u00f6glich, ohne eine vollst\u00e4ndige Darstellung des Regelwerks zu beginnen. Die Spiel\u00fcbersicht, die im Format A3 (gro\u00dfer Spieletisch ben\u00f6tigt!) vor jedem Spieler liegt, leistet hierbei gute Dienste, ist allerdings nur in Englisch verf\u00fcgbar.<\/p>\n<p>Das Material bietet eine F\u00fclle an Countern: Zehn verschiedene Rohstoffe liegen im Vorrat, dazu ein Geb\u00e4udesatz pro Spieler, sowie einige Geb\u00e4ude, die mehrfach f\u00fcr jeden verf\u00fcgbar sind, sowie die Grasmarker (f\u00fcr gerodeten Wald) und Verschmutzungsmarker. Insgesamt ist eine vierstellige Anzahl an Markern zu verwalten &#8211; einen guten Vorrat an Beuteln zur Sortierung sollte vorhanden sein, da zwar einige Beutel mit in die Schachtel gelegt wurden, die mir aber nicht ausgereicht haben. Der Besitzer des Spiels hat hoffentlich im Vorfeld die zum (ob der Besch\u00e4digungsgefahr vorsichtigen!) Ausstanzen ben\u00f6tigte Zeit von mindestens einer Stunde investiert und das Material vorsortiert. Wir fanden es am praktischsten, die verschiedenen Markersorten in ihren Beuteln zu belassen, bis sie ben\u00f6tigt werden, und dann nach Benutzung neben dem Spielplan kleine Vorratshaufen davon zu bilden &#8211; auf diese Weise wird der Spielaufbau beschleunigt.<\/p>\n<p><em>Es geht los<\/em><\/p>\n<p>Uff, bis hierhin wurden schon einige Stunden der Vorbereitung in Antiquity investiert &#8211; lohnt sich das \u00fcberhaupt?! Es ist sicher schon klar geworden, dass es sich hier keinesfalls um ein Familienspiel handelt. Eine weitere Best\u00e4tigung daf\u00fcr findet man, sobald es um die ersten Entscheidungen geht: Wo platziere ich die Startstadt? Hier wird schon ein Grundstein f\u00fcr die sp\u00e4tere Strategie gelegt, denn das Start-Terrain kann bereits viel Aufschluss \u00fcber gewinnversprechende Ausrichtungen geben. Ist etwa wenig Wasser im Einzugsbereich, werde ich es schwer haben, die Luxusg\u00fcter Perlen und Farbstoffe anzubauen. Die Siegbedingung, in der alle Nahrungsmittel und Luxusg\u00fcter gesammelt werden m\u00fcssen, k\u00f6nnte mir also schon schwerfallen. Wie sieht es denn mit dem Gebirge aus? Ich brauche guten Zugang zu Steinen, wenn ich eine Geb\u00e4udestrategie verfolge. Eine Reihe \u00e4hnlicher \u00dcberlegungen kann man fortf\u00fchren.<\/p>\n<p>Nun setze ich die ersten Geb\u00e4ude und Bewohner ein. Die ersten vier Bewohner kommen zum Gl\u00fcck bedingungslos vorbei und ben\u00f6tigen keine Ausgabe von Nahrung oder Luxusg\u00fctern. Mit meinem Startkapital von sechs Holz kann ich etwa drei Wagenmacher bauen, mit denen ich zwei Holzf\u00e4ller und einen Fischer entsenden kann. Diese werden daf\u00fcr aber erstmal einige Runden schuften und mir nicht zur Verf\u00fcgung stehen. Hier gibt es weitere M\u00f6glichkeiten, geschickte Planungen zu f\u00fchren, indem ich die Bewohner so einsetze, dass sie nicht alle gleichzeitig zur\u00fcckkommen, denn ich kann ja nur pro Wagenmacher einen Bewohner wieder in die Lande schicken!<\/p>\n<p>Als n\u00e4chstes muss ich daf\u00fcr sorgen, dass meine Stadt in Schwung kommt: Nahrung ben\u00f6tige ich f\u00fcr weitere Bewohner und sp\u00e4ter Steine f\u00fcr den Geb\u00e4udebau, aber besonders f\u00fcr die weiteren Aktivit\u00e4ten in der Landschaft erstmal weiteres Holz! Hier stellt uns der Spielplan \u00fcbrigens vor eine nat\u00fcrliche Begrenzung: Einmal abgeholzt, bleibt Grasland an der Stelle des fr\u00fcheren Waldes \u00fcbrig &#8211; hierher kann ich zwar sp\u00e4ter einen Bauern senden, aber Holz w\u00e4chst hier bis zum Ende des Spieles keines mehr. Dies stellt aber keine wirkliche Beschr\u00e4nkung dar. Und wahrscheinlich muss ich fr\u00fcher oder sp\u00e4ter \u00fcber die Errichtung einer neuen Stadt nachdenken, die mich Holz, Stein, Nahrung und Luxusg\u00fcter kostet, was eine Vorbereitung von mindestens einer Runde darstellt.<\/p>\n<p><em>Welcher Schutzheilige?<\/em><\/p>\n<p>Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter muss ich mich f\u00fcr eine Siegbedingung entscheiden. Auch hier k\u00f6nnen ausgedehnte \u00dcberlegungen angestellt werden: Wann baue ich die Kathedrale? Je sp\u00e4ter ich sie baue, desto flexibler bin ich in meiner Entscheidung f\u00fcr mein pers\u00f6nliches Spielziel. Da nichts dagegen spricht, dass mehrere Spieler dieselbe Siegbedingung w\u00e4hlen, komme ich auch nicht in Zugzwang. Andererseits gew\u00e4hrt mir der Schutzheilige einen Vorteil, den ich am liebsten ab sofort nutzen m\u00f6chte. Im Zweifelsfall kann ich auch eine Fakult\u00e4t f\u00fcr Theologie bauen, die mir ein Umsatteln auf eine andere Siegbedingung sp\u00e4ter im Spiel erm\u00f6glicht (was \u00fcbrigens wieder eine eigene strategische \u00dcberlegung darstellt: Erst den Lagervorteil des einen Heiligen nutzen, und dann in der letzten Runde schnell auf die Geb\u00e4ude-Siegbedingung umsatteln, f\u00fcr die man die Theologie sowieso braucht)&#8230;<\/p>\n<p>Prinzipiell kann jeder Schutzheilige mit seiner Siegbedingung das Spiel f\u00fcr sich entscheiden &#8211; in meinen Partien konnte jede der f\u00fcnf Siegbedingungen schon mindestens einmal erf\u00fcllt werden.<\/p>\n<p><em>Hunger und Schmutz<\/em><\/p>\n<p>In jeder Runde nimmt der Hunger zu. Dieses Element setzt alle Spieler zunehmend unter Druck, da man f\u00fcr gen\u00fcgend Nahrung sorgen muss, oder Gr\u00e4ber in Kauf nehmen muss. Der Bau eines Weizenspeichers, der 3 Nahrungseinheiten beim Hungern ersetzt (aber leider nicht beim Ansiedeln von Bewohnern hilft), lindert den Hunger nur bis zu einem bestimmten Ma\u00df. Ben\u00f6tigen alle Spieler zu viele Z\u00fcge bis zur Erf\u00fcllung ihrer Siegbedingung, wird es zunehmend schwieriger, oder im Extremfall sogar unm\u00f6glich, diese zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Ein weiteres Druckmittel stellt die Verschmutzung dar. Einige Geb\u00e4ude (Brunnen, M\u00fclldeponie) verringern den Verschmutzungsgrad durch St\u00e4dte &#8211; die Verschmutzung durch Landwirtschaft, Fischerei und Bergbau kann aber nur durch die Fakult\u00e4t f\u00fcr Alchemie beseitigt werden, oder eben durch gen\u00fcgend intensive Ausdehnung auf dem Spielfeld. Nicht umsonst schl\u00e4gt die Spielregel vor, die ersten ein oder zwei Partien ohne Hunger und Verschmutzung zu spielen, um die Optimierung der Produktion ohne zus\u00e4tzlichen Druck \u00fcben zu k\u00f6nnen. In meiner ersten Partie haben wir sogleich mit beiden Elementen gespielt, und es hat funktioniert (= ein Spieler hat gewonnen), aber man sollte eine saubere und satte Partie f\u00fcr den Einstieg durchaus erw\u00e4gen.<\/p>\n<p><em>Spielerfahrung hilft ungemein<\/em><\/p>\n<p>Anders sieht dies aus, wenn mindestens ein erfahrener St\u00e4dteplaner mitspielt. Dieser kann nicht nur den Einstieg erleichtern, er wird auch f\u00fcr ein einigermassen z\u00fcgiges Spielende sorgen, da man nach ein oder zwei Partien schon deutlich zielstrebiger vorgehen und sich auf die Erreichung der Siegbedingung konzentrieren wird. Zu Beginn kann es passieren, dass man durch das Austesten der vielf\u00e4ltigen M\u00f6glichkeiten genau dieses Ziel zu sehr aus den Augen verliert. Der Umkehrschluss ist jedoch, dass ein Anf\u00e4nger in seiner ersten Partie gegen einen erfahrenen Spieler wenig Siegchancen haben wird, diese also wirklich als Kennenlern-Partie einplanen sollte.<\/p>\n<p><em>Wann findet die n\u00e4chste Partie statt?<\/em><\/p>\n<p>Ist es Dir nun in der ersten Partie gelungen, Deine Produktion ins Laufen zu bekommen, die Verschmutzung zumindest einigerma\u00dfen gut zu verteilen oder zu verhindern und nicht allzu viele Gr\u00e4ber anzuh\u00e4ufen? Als \u00f6kologisch ehrgeiziger Spieler wird man nicht gl\u00fccklich werden: Weite Landstriche werden verw\u00fcstet und nutzlos auf dem Plan liegen &#8211; aber das geh\u00f6rt nunmal dazu. Hoffentlich hast Du es wenigstens geschafft, mit Hilfe einer neuen Stadt, eines Hafens, mit St\u00e4llen oder Wirtsh\u00e4usern rechtzeitig in neue Gefilde aufzubrechen!<\/p>\n<p>Nun geht die \u00dcberlegung los: Was h\u00e4tte man besser machen k\u00f6nnen? Welche Strategie kann man beim n\u00e4chsten Mal austesten &#8211; welche Siegbedingung anstreben? Sp\u00e4testens wenn man nun beginnt, sich solche Gedanken zu machen, ist man dem Spielreiz von Antiquity erlegen. Selbst nach mittlerweile (Stand Januar 2005) acht Partien mit allen m\u00f6glichen Spielerzahlen bringt mir Antiquity mit jeder Partie noch neue Aspekte und verl\u00e4uft wieder anders.<\/p>\n<p><em>Spieldauer, Personenzahl, Interaktion<\/em><\/p>\n<p>Wie lange spielt man denn nun an einer Partie? F\u00fcr die erste Partie sollte man nach dem Regelerkl\u00e4ren durchaus vier Stunden einkalkulieren. Diese ben\u00f6tigt man einfach, um die \u00dcbersicht zu erhalten. W\u00e4hrend dieses ersten Spieles werden einem auch einige Kronleuchter aufgehen, wenn man n\u00e4mlich einige Zusammenh\u00e4nge zu durchblicken beginnt. Mit erfahreneren Spielern kann man durchaus deutlich schneller spielen &#8211; besonders zu zweit kann man die vom Verlag f\u00fcr ge\u00fcbte Spieler angegebene Spieldauer von zwei Stunden schaffen. Dem Spiel kommt zugute, dass \u00fcber gro\u00dfe Strecken eine gleichzeitige Planung stattfindet, so dass bei mehr Spielern die Spieldauer nicht proportional zunimmt.<\/p>\n<p>Das Spielgef\u00fchl mit verschiedenen Spielerzahlen ist in der ersten Spielh\u00e4lfte durchaus sehr \u00e4hnlich. Dies liegt an der zu Beginn geringen Interaktion: Alle Spieler m\u00fcssen erstmal ihre eigene Stadt aufbauen und die Produktion in Gang bringen. Da diese Aufgabe aber durchaus sehr anspruchsvoll ist, st\u00f6rt der geringe Anteil an Interaktion hier nicht. Sobald aber die Ausbreitung auf dem Spielplan durch Ausweitung des Einflussbereichs, Errichten von neuen St\u00e4dten und Gasth\u00e4usern zunimmt, wird es eng. Nun kommt es durchaus darauf an, die Spielreihenfolge zu den eigenen Gunsten zu beeinflussen. Durch die beginnende \u00dcberlappung der Einflussbereiche kann man sich gegenseitig den Zugang zu Ressourcen blockieren, oder seinen M\u00fcll vor der Haust\u00fcr der Mitspieler abladen. Schnell muss man die entsprechenden Geb\u00e4ude &#8211; die n\u00e4mlich genau solche Aktionen z.T. verhindern k\u00f6nnen &#8211; bauen und besetzen. Wohl dem, der solche Aspekte bei der Planung fr\u00fch genug ber\u00fccksichtigt hat!<\/p>\n<p>Einen Einfluss hat die Spielerzahl besonders auf die milit\u00e4rische Siegbedingung, bei der man den eigenen Einflussbereich so ausweiten muss, dass man den eines Mitspielers vollst\u00e4ndig einschliesst. Hier hat man bei mehr Mitspielern eine gr\u00f6\u00dfere Auswahl, wen man ins Visier nimmt. Dieselbe Siegbedingung bringt Nahrungsnachschub pro gebauter Kathedrale als Vorteil. Auch hier ist die Auswirkung des Vorteils h\u00f6her, wenn mehr Spieler am Tisch sitzen. Die anderen Siegbedingungen h\u00e4ngen nur mittelbar aufgrund der geschilderten Interaktion von der Spielerzahl ab. Antiquity ist damit f\u00fcr alle angegebenen Spielerzahlen gleicherma\u00dfen geeignet.<\/p>\n<p><em>Fazit<\/em><\/p>\n<p>Zielgruppe von Antiquity sind Spieler, die eine komplexe strategische Herausforderung suchen und nicht vor einem mehrst\u00fcndigen Spiel zur\u00fcckschrecken. Um den vollen Spielreiz von Antiquity ausloten zu k\u00f6nnen, sollte man an mehreren Partien teilnehmen. Damit ist der K\u00e4uferkreis schon deutlich eingeengt. Wer sich jedoch in dieser Charakterisierung wiederfindet, erh\u00e4lt mit Antiquity eine strategische Perle, die eine hohe Spannung und einen vielschichtigen Spielreiz bietet.<\/p>\n<p>Kathrin Nos &#8211; 06.02.2005<\/p><\/blockquote>\n<p><a id=\"post\" name=\"post\"><\/a><strong>POSTSCRIPTUM<\/strong>:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"Antiquity\" src=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Antiquity2.jpg\" alt=\"Bild von Antiquity\" \/><\/p>\n<p>Antiquity ist eines der genialsten Solit\u00e4rspiele mit nervernzerfetzender Interaktion. 90-100 Minuten wird munter nebeneinanderher gespielt und dann wird es eng &#8211; verdammt eng. Jetzt z\u00e4hlt jeder Counter, jede Nahrung und in erfahrenen Runden wird das Spiel kurz darauf mit einer Nasenl\u00e4nge Vorsprung gewonnen. Es empfiehlt sich \u00fcbrigens immer einen etwas ge\u00fcbteren Spieler mit am Tisch sitzen zu haben, sonst k\u00f6nnen 120 Minuten Spannung schnell zu einem 210 und mehr Minuten dauernden Debakel ohne Sieger mutieren.<\/p>\n<p>Uwe Rosenberg liess sich von Antiquity zu\u00a0<a href=\"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/vor-den-toren-von-loyang\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vor den Toren von Loyang<\/a> inspirieren. Ohne den Hinweis in der Regel w\u00e4re ich nicht darauf gekommen, da f\u00fcr mich die zentralen Elemente von Antiquity der M\u00fcll und die drohende Hungersnot sind &#8211; und nicht die Ernte. Vor den Toren von Loyang ist f\u00fcr mich die perfekte Simulation des Gem\u00fcseeinzelhandels. Dabei denke ich an \u00f6kologisch korrekte Vorratshaltung &#8211; biologisch abbaubar. Das ist so ziemlich das Gegenteil des nach-mir-die-Sintflut-Kapitalismus von Antiquity. Doch gl\u00fccklicherweise assoziierte Uwe anders und bescherte den Spielern auch noch <a href=\"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/agricola\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Agricola<\/a> und <a href=\"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/le-havre\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Le Havre<\/a>.<\/p>\n<p>Peter Nos<\/p>\n<p><span id=\"wertung\"><a title=\"2 von 3 Engeln\" href=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2v3EngelnBig.jpg\" rel=\"lightbox\"><img decoding=\"async\" title=\"2 von 3 Engeln- hier clicken f\u00fcr mehr\" src=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2v3Engeln.jpg\" alt=\"Bild von 2 von 3 Engeln\" \/><\/a><em><a title=\"Zu den Pr\u00e4dikaten\" href=\"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/auszeichnungen\/\"><br \/>\nPr\u00e4dikat<\/a>: 2 von 3 Engeln<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erstver\u00f6ffentlichung am 06.02.2005 bei Hall9000. &gt;&gt;Direkt zum Postscriptum springen.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4,11,12,1,21],"tags":[],"class_list":["post-6201","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-good-game","category-postscriptum","category-rezensionen","category-spiele","category-strategie-und-taktik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6201","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6201"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6201\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11245,"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6201\/revisions\/11245"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6201"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6201"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6201"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}