{"id":7062,"date":"2011-05-12T20:18:40","date_gmt":"2011-05-12T19:18:40","guid":{"rendered":"https:\/\/das-spielen.de\/?p=7062"},"modified":"2013-02-15T16:25:54","modified_gmt":"2013-02-15T15:25:54","slug":"firenze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/firenze\/","title":{"rendered":"Firenze"},"content":{"rendered":"<p>\u00dcber Strategie und Taktik bei Firenze m\u00f6chte ich keine gro\u00dfen Worte verlieren. Eine ganze Reihe an \u00dcberlegungen dr\u00e4ngen sich zwar auf, \u00fcber ein besseres &#8222;Spiele von der Hand in den Mund&#8220; kommen sie aber nicht hinaus. Aus dieser Unzug\u00e4nglichkeit erw\u00e4chst aber eben auch der Spielreiz von Firenze. So kann ich versuchen auf Tempo zu spielen oder effizient nur die dicken Punkte abzustauben, dabei schwebe ich aber immerzu in der Gefahr in die Tiefe gerissen zu werden. Dadurch ergibt sich eine fortlaufende Spannung im Spielverlauf, die mit dem ersten Zug steil ansteigt und bis zum Ende nicht nachl\u00e4sst.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Damit resultiert leider auch ein fortlaufender Frust, den es erst einmal zu bew\u00e4ltigen gilt. So wird nichts Best\u00e4ndiges erschaffen. Florenz wird einfach mit T\u00fcrmen zugepflastert. Die wohl meisten von ihnen werden nicht errichtet, weil es sich lohnt, sondern um Schlimmeres zu verhindern oder um Mitspieler zu \u00e4rgern. \u00c4rgeroptionen gibt es \u00fcberhaupt im \u00dcberfluss. Wer keinen latent aggressiven Spielablauf mag, sollte die Finger nicht nach Firenze ausstrecken, obwohl das gef\u00e4llige Design das Gegenteil verspricht.<\/p>\n<p>Firenze ist ein knallhartes Spiel um Mehrheiten, Tempo und das Ausnutzen der Gunst der Stunde. Wir bauen T\u00fcrme in Florenz. Dazu wird in jeder Runde Baumaterial in sechs Farben geliefert. Mit dem Baumaterial gibt es eine Karte. Es gibt gute Karten, schlechte Karten und b\u00f6se Karten. Wenn mir die gelieferte Karte oder das Baumaterial darauf nicht gef\u00e4llt, kann ich auch jenes nehmen, das erst in einer der n\u00e4chsten Runden an die Reihe k\u00e4me. Dazu muss ich jedoch die missachteten Angebote mit Materialien aus meinem Vorrat aufwerten. Daduch wird irgendwann auch eine Karte mit vielen Minuspunkten attraktiv.<\/p>\n<p>Dann darf ich bauen. Wenig bauen ist billig, viel bauen teuer. Deshalb lohnt es sich immer mehrere Projekte gleichzeitig zu betreiben. Jeder Turm muss aber jede Runde weitergebaut oder fertiggestellt werden. Wenn ich also keinen passenden Nachschub bekomme oder noch schlimmer aufgrund einer b\u00f6sen Karte mein Lager r\u00e4umen muss, st\u00fcrzt alles bisher Erbaute wieder in sich zusammen. Auch darf jede Turmfarbe in jeder H\u00f6he nur einmal gebaut werden und nachtr\u00e4gliches Turmstutzen ist nicht erlaubt. Selbstredend bringen h\u00f6here T\u00fcrme mehr Punkte als niedrige &#8211; und f\u00fcr allerlei Nebenbedingungen gibt es auch noch Extrapunkte.<\/p>\n<p>Die Regeln sind damit erfreulich einfach und eing\u00e4nglich. Es bedarf einer geh\u00f6rigen Vorausplanung, um bei Firenze nicht regelm\u00e4\u00dfig auf der Schnauze zu landen. Da die Lager und die Baustellen der Mitspieler offen liegen, die tollen und b\u00f6sen Aktionskarten offen genommen werden, die zuk\u00fcnftigen sechs Angebote auch immer schon zu sehen sind und der Materialvorrat abz\u00e4hlbar ist, gibt es eigentlich keinen Grund f\u00fcr b\u00f6se \u00dcberraschungen. F\u00fcr die ganz gro\u00dfen Punkte m\u00fcssen aber dann doch ein paar Risiken eingegangen werden. Sonst wird eben doch immer irgendwer etwas schneller oder h\u00f6her sein.<\/p>\n<p>\n<img class=\"left\"title=\"Firenze\"alt=\"Bild von Firenze\"src=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Firenze.jpg\"\/><br \/>\nSoviel zum Mechanismus und zum Spielgef\u00fchl. Ob das alles nun in Florenz, in Manhattan oder mit Raketen auf dem Mond gespielt wird, macht leider \u00fcberhaupt gar keinen Unterschied. Das Thema wird lediglich durch die wirklich stimmungsvolle grafische Gestaltung getragen. Diese bietet daf\u00fcr umso mehr sch\u00f6ne Details. Zun\u00e4chst dachte ich, dass Florenz wohl mit San Gimignano verwechselt wurde &#8211; dem g\u00e4ngigen Lehrbuchbeispiel f\u00fcr &#8222;Geschlechtert\u00fcrme in der Toskana&#8220;. Und Spiele folgen so oft den plattesten Klischees. Bei den <a href=\"http:\/\/www.firenze-oltrarno.net\/deutsch\/arte\/torri.php\" target=\"_Blank\">Recherchen<\/a> f\u00fcr diesen Text lernte ich aber, dass sehr wohl auch in Florenz munter Geschlechtert\u00fcrme errichtet wurden. Nur sind keine erhalten geblieben, denn sie wurden 1251 gekappt, um auch symbolisch die Macht des Adels zu beschneiden (Autsch). Passenderweise werden bei Firenze laut Spielidee die T\u00fcrme zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert gebaut, was so gerade eben zu 1251 passt, wenn wir gro\u00dfz\u00fcgig das &#8222;bis 14. Jahrhundert&#8220; als &#8222;Spielende bei 1251&#8220; interpretieren.<\/p>\n<p>Im Florenz der Renaissance &#8211; also ein paar Jahre sp\u00e4ter &#8211; entstanden, wie jeder Spieler wei\u00df, wichtige Werke der Kunst und Wissenschaft. Da schuf 1483 zum Beispiel Sandro Botticelli die <a href=\"http:\/\/kunst.gymszbad.de\/kunstgeschichte\/motivgeschichte\/venus\/bilder\/botticelli.htm\" target=\"_Blank\">Geburt der Venus<\/a>. Die Venus im Zentrum des Bildes ist wohl wirklich jedem bekannt. Sie verk\u00f6rpert Unschuld, himmlische Liebe, g\u00f6ttliche Sch\u00f6nheit und \u00fcberhaupt das Herzensgute. Weniger bekannt ist die Fr\u00fchlingsbotin, die rechts neben ihr in einem gebl\u00fcmten Kleide dargestellt ist und Venus empf\u00e4ngt. Eben diese Fr\u00fchlingsbotin ist zum Beispiel auch auf dem Spielplan von Firenze zu sehen. Mit etwas Mu\u00dfe lassen sich noch viele weitere Details und Anspielungen finden. Frage: Aus welchem Bild ist die holde Sch\u00f6nheit auf der linken Seite des Spielbrettes (s. Abbildung) entnommen?<\/p>\n<p>\n<span id=\"wertung\"><\/p>\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" alt=\"Sch\u00f6ngeist\" src=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/schoengeist.jpg\" title=\"Sch\u00f6ngeist\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><em> <a href=\"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/auszeichnungen\/\" title=\"Zu den Pr\u00e4dikaten\">Pr\u00e4dikat:<\/a> Sch\u00f6ngeist<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" alt=\"Bild von 1 von 3 H\u00f6henbeschr\u00e4nkungen\" src=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/1v3Hoehenbeschraenkungen.jpg\"\/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><em><a title=\"Zu den Pr\u00e4dikaten\" href=\"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/auszeichnungen\/\"><br \/>Pr\u00e4dikat<\/a>:1 von 3<br \/> H\u00f6henbeschr\u00e4nkungen<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><\/span><br \/>\nDie Venus war immer ein beliebtes Motiv von K\u00fcnstlern aller Epochen. Wahrscheinlich verkaufte sie sich gut, \u00e4hnlich wie Mittelalter-Themen beim Gesellschaftspiel. So h\u00e4ngt ein paar R\u00e4ume neben der Venus von Botticelli in den Uffizien <a href=\"http:\/\/www.students.sbc.edu\/drahman08\/venusofurbino.html\" target=\"_Blank\">Tizians Venus von Urbino<\/a>. Diese entstand einige Jahre sp\u00e4ter (1538) und repr\u00e4sentiert den venezianischen Stil, der &#8211; nun ja &#8211; wohl weniger dynamisch, daf\u00fcr um so sinnlicher daherkommt. Diese Venus hat mit entr\u00fcckter Unschuld und g\u00f6ttlichen Befindlichkeiten nur wenig gemein. So spiegeln diese beiden Bilder eines Motivs die doch sehr kontr\u00e4ren Weltbilder der Venezianer und  Florentiner jener Zeit wieder. Mit dem Spiel hat dies alles nichts mehr zu schaffen, hier ging es nur noch um das &#8222;und Mehr&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber Strategie und Taktik bei Firenze m\u00f6chte ich keine gro\u00dfen Worte verlieren. Eine ganze Reihe an \u00dcberlegungen dr\u00e4ngen sich zwar auf, \u00fcber ein besseres &#8222;Spiele von der Hand in den Mund&#8220; kommen sie aber nicht hinaus. Aus dieser Unzug\u00e4nglichkeit erw\u00e4chst aber eben auch der Spielreiz von Firenze. So kann ich versuchen auf Tempo zu spielen &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/firenze\/\" class=\"more-link\">Mehr <span class=\"screen-reader-text\">\u00fcber &#8222;Firenze&#8220; <\/span>Lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6,7,12,42,1],"tags":[],"class_list":["post-7062","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-mehr","category-normal-game","category-rezensionen","category-schongeist","category-spiele"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7062","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7062"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7062\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8189,"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7062\/revisions\/8189"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7062"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7062"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7062"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}