{"id":9206,"date":"2014-05-08T09:00:16","date_gmt":"2014-05-08T07:00:16","guid":{"rendered":"https:\/\/das-spielen.de\/?p=9206"},"modified":"2023-03-04T17:48:02","modified_gmt":"2023-03-04T16:48:02","slug":"splendor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/splendor\/","title":{"rendered":"Splendor"},"content":{"rendered":"<p>Nein, Spiele kann man nicht rein nach dem Lesen der Regeln beurteilen. Splendor ist hierf\u00fcr nicht das erste, aber ein neuerliches Beispiel. Die kurzen Spielregeln lassen ein trockenes Sammel- und Kaufspiel erwarten. Letztlich wird tats\u00e4chlich gesammelt und gekauft &#8211; aber trocken ist anders.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Entweder Edelsteinchips sammeln oder eine Karte kaufen &#8211; vor dieser Wahl steht jeder Spieler in seinem Zug. Die Chips in den Edelsteinfarben dienen zur Bezahlung der Karten. Jede Karte wiederum gew\u00e4hrt einen dauerhaften Rabatt auf eine Edelsteinfarbe. Wer also etwa eine rote Karte gekauft hat, bezahlt bei allen zuk\u00fcnftigen Karten einen roten Edelsteinchip weniger. Gestaffelt sind die Karten in drei Preisstufen. W\u00e4hrend die billigen freilich schneller Rabatte gew\u00e4hren, sind die teuren mehr Siegpunkte wert. Sobald ein Spieler 15 oder mehr Siegpunkte gesammelt hat, endet das Spiel am Ende der Runde. Es sind also alle Spieler gleich oft am Zug.<\/p>\n<p>Au\u00dfer \u00fcber die Karten gelangen weitere Siegpunkte \u00fcber die Adligen ins Spiel. Wer die geforderte Kombination an Karten gesammelt hat &#8211; beispielsweise vier gr\u00fcne und vier blaue &#8211; erh\u00e4lt den entsprechenden Adligen. Es sind so viele Adlige im Spiel wie Spieler teilnehmen, sowie sozusagen ein Bonusgast. Da es mit billigen Karten schneller und einfacher ist, die erforderlichen Kombinationen zu sammeln, ergeben sich in etwa zwei m\u00f6gliche Strategien: Schnell auf viele Karten und somit Adlige setzen &#8211; oder f\u00fcr die st\u00e4rkeren Siegpunktkarten sammeln.<\/p>\n<p>Chips nehmen oder Karten kaufen, das ist wirklich ein einfacher Spielablauf. Beim Chipnachschub stehen drei Geschmacksrichtungen dieser Aktion zur Verf\u00fcgung. Die Wahl besteht zwischen drei verschiedenen Chips, oder zwei gleichen (falls noch mindestens vier Chips dieser Farbe im Vorrat liegen) oder einem Joker-Chip. Im letzteren Fall reserviert man sich zugleich eine Karte. Diese kann nur noch selbst gekauft werden &#8211; das kann auch einem Mitspieler ein Schnippchen schlagen, der wom\u00f6glich schon die ben\u00f6tigten Edelsteine beisammen hat. Denn oft genug ist eine bestimmte Edelsteinfarbe in der Kartenauslage knapp. Sobald diese erscheint, geht dann der Wettbewerb los, wer sie sich zuerst sichern kann.<\/p>\n<p>Splendor macht im ersten Moment einen sehr mechanischen Eindruck. In der ersten Partie ben\u00f6tigen die Spieler oft ein wenig Orientierung, was zu Lasten der Wartezeit geht. Auch sp\u00e4ter gilt es den \u00dcberblick zu wahren, doch zu Beginn ist es einfach z\u00e4her. Die ersten Karten erfordern immer mindestens zwei Runden des Chipsammelns. Gegen Mitte der Partie nimmt das Spiel an Fahrt auf. Allm\u00e4hlich gelingt es den Spielern, die billigen Karten ohne Zuzahlung von Chips zu nehmen &#8211; wenn die Rabatte alle Kosten einer Karte bereits abdecken. Jetzt gilt es rechtzeitig den Absprung zu finden und auf Siegpunkte umzuschwenken.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"left\" title=\"Splendor\" src=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/splendor.jpg\" alt=\"Bild von Splendor\" \/><\/p>\n<p>Ob sich eine Spezialisierung auf Adlige besser eignet oder der Fokus auf besonders lukrative teure Karten &#8211; das kann sich von Partie zu Partie unterscheiden. Hierf\u00fcr gilt es die Auslage zu studieren: Gibt es bei den Adligen eine Edelsteinfarbe, die besonders oft vorkommt? Wer diese Farbe m\u00f6glichst oft aus der Auslage kauft, kann sich eine Art Monopol aufbauen und somit den Zugriff auf die Adligen optimieren. In anderen Partien unterscheiden sich die Anforderungen f\u00fcr die Adligen stark &#8211; dann lohnt es nur auf einen oder bestenfalls zwei Adlige zu spielen. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr die teuren Karten: Zeigen ihre Kosten vor allem verschiedene Farben oder herrscht eine vor?<\/p>\n<p>Der gierige Zugriff auf billige oder kostenlose Karten der billigen Kategorie will durchaus \u00fcberlegt sein. Denn jede gekaufte Karte bedeutet, dass der nachfolgende Spieler eine zuf\u00e4llig vom Stapel gezogene Karte in die Auslage erh\u00e4lt &#8211; wom\u00f6glich genau von der Farbe, die er sich w\u00fcnscht und die er direkt bezahlen kann! In erfahrenen Runden habe ich schon erlebt, dass sich die Spieler um den Kauf dr\u00fccken, nur um den anderen Spielern den Zugriff auf interessantere Farben zu verweigern! W\u00e4hrend in manchen Partien der Griff zu den Jokern wegen des mit ihnen einhergehenden Tempoverlustes verschm\u00e4ht wurde &#8211; immerhin erh\u00e4lt man nur einen Chip, w\u00e4hrend bei gemischtem Zugriff gleich drei winken &#8211; kann dann die Reservierung einer teuren Karte zusammen mit dem Joker pl\u00f6tzlich interessant werden.<\/p>\n<p>Der Vorrat an Chips ist begrenzt. Es kann daher durchaus passieren, dass bestimmte Farben knapp werden. Sind diese auch durch Karten kaum im Angebot, k\u00f6nnen sich ebenfalls Mangelsituationen ergeben. Alle bis hierher bereits beschriebenen Effekte sorgen daf\u00fcr, dass dieses im ersten Moment unscheinbar und mechanisch erscheinende Spiel eine starke Dynamik erh\u00e4lt. Dass sich kein wirklich thematisches Flair ergibt &#8211; als H\u00e4ndler der Renaissance habe ich mich nie gef\u00fchlt &#8211; wird durch das tolle Material mit den klackernden Chips \u00fcberdeckt.<\/p>\n<p>Splendor geh\u00f6rt zu den Spielen, die bei Peter und mir unterschiedlich ankamen. W\u00e4hrend Peter bei seiner ersten Partie <a title=\"Spielen im Apfelb\u00e4umchen\" href=\"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/spieleabend-in-nussloch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">im Apfelb\u00e4umchen<\/a> eher entt\u00e4uscht war, konnte ich in meiner sp\u00e4ter stattfindenden ersten Partie den Sog erleben, der durch das Kartensammeln und die Suche nach dem richtigen Zeitpunkt zum Umschwenken auf die Siegpunkte entsteht. Wir spielten daraufhin eine gr\u00f6\u00dfere Serie an Zwei-Personen-Partien. F\u00fcr diese Besetzung eignet sich Splendor \u00fcbrigens sehr gut und erm\u00f6glicht gleich mehrere Revanchen. Zumal insgesamt zehn Adlige im Spiel sind und zu zweit drei von ihnen mitspielen, kann man etwa drei Partien mit jeweils einem anderen Trio bestreiten. Zu viert ist das Spielgef\u00fchl insofern anders, als dass sich die Kartenauslage und die Chipauswahl bis zum n\u00e4chsten eigenen Zug st\u00e4rker ver\u00e4ndert. Ferner passierte es zu viert auch, dass der Stapel der billigen Karten aufgebraucht wurde.<\/p>\n<p>Je mehr Partien ich &#8222;auf dem Buckel&#8220; habe, desto mehr achte ich auf die Kartenauslage. Zu Beginn \u00fcberlege ich, welche Farbe besonders interessant zu sammeln ist. Dies gilt zun\u00e4chst in Bezug auf die erste Chipauswahl, die ich nehme. Doch auch die zu kaufenden Kartenfarben wollen gut \u00fcberlegt sein. Bei den ersten Karten, die ich kaufe, achte ich auch auf die Kosten. Sind Karten f\u00fcr drei Chips im Angebot? Das ist doch besser als eine f\u00fcr f\u00fcnf Chips, zumal ich damit schneller die Rabatte nutzen kann. Doch nat\u00fcrlich gilt: <a title=\"Pirates of the Caribbean\" href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0325980\/quotes?item=qt0416601\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">It&#8217;s more what you&#8217;d call &#8222;guidelines&#8220; than actual rules<\/a>. Zumal das Gl\u00fcck beim Kartennachziehen in jedem Falle mitspielt.<\/p>\n<p>Mit Splendor haben wir in recht kurzer Zeit viele Partien in allen Besetzungen erlebt. Der Wiederspielreiz ist hoch, die Spannung w\u00e4hrend der Partie gewinnt an Fahrt. Das Ende kommt oft ziemlich abrupt &#8211; gerade, wenn man das Gef\u00fchl hat, dass man so richtig loskaufen kann. Genau dieser Effekt erh\u00f6ht nat\u00fcrlich den &#8222;Nochmal!&#8220;-Faktor. Doch es gibt auch kleinere Schattenseiten. Das eher aufgepfropfte Thema habe ich schon genannt. Das Material ist zwar wirklich toll, aber nicht durchgehend praktisch. Vor allem die Rabatte f\u00fcr die wei\u00dfen Edelsteine sind wegen unterschiedlicher Graut\u00f6ne nicht<\/p>\n<p>einfach zu erkennen. Den Symbolen f\u00fcr die Kosten der Karten und die Bedingungen f\u00fcr Adlige mangelt es an Intuition &#8211; sie sind zu \u00e4hnlich. Wenn man dann noch die Gr\u00f6\u00dfe der Schachtel und damit auch den Preis in Beziehung zur Spieldauer setzt, kann man sich schon fragen, ob es nicht etwas einfacher h\u00e4tte sein k\u00f6nnen &#8211; understatement wird hier definitiv nicht betrieben. Ist Splendor damit ein Blendor, pardon: Blender? Zum Gl\u00fcck kratzt es die Kurve: Gerettet wird Splendor vor allem durch seinen Mechanismus und die dadurch entstehende Dynamik.<\/p>\n<p>Update 25.2.2016: Wir vergeben per\u00a0<a href=\"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/splendor-postscriptum\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Splendor &#8211; Postscriptum<\/a> nachtr\u00e4glich den zweiten Pokerchip.<\/p>\n<p><span id=\"wertung\"><img decoding=\"async\" title=\"2 von 3 Pokerchips\" src=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/1v3pokerchips.jpg\" alt=\"Bild von 2 von 3 Pokerchips\" \/><em><a title=\"Zu den Pr\u00e4dikaten\" href=\"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/auszeichnungen\/\"><br \/>\nPr\u00e4dikat<\/a>:<br \/>\n2 von 3 Pokerchips<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nein, Spiele kann man nicht rein nach dem Lesen der Regeln beurteilen. Splendor ist hierf\u00fcr nicht das erste, aber ein neuerliches Beispiel. 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