{"id":9798,"date":"2015-02-26T09:00:37","date_gmt":"2015-02-26T08:00:37","guid":{"rendered":"https:\/\/das-spielen.de\/?p=9798"},"modified":"2023-03-04T17:41:55","modified_gmt":"2023-03-04T16:41:55","slug":"the-manhattan-project","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/the-manhattan-project\/","title":{"rendered":"The Manhattan Project"},"content":{"rendered":"<p>The Manhattan Project ist ein Spiel mit gespaltener Pers\u00f6nlichkeit. Die meisten Kritiken besch\u00e4ftigen sich bisher fast nur mit einer Seite: Das Workerplacementspiel mit originellen Mechanismen. In einem Nebensatz wird augenzwinkernd auf die Ironie des Themas hingewiesen.<\/p>\n<p>Aus meiner Sicht wird ein anderer Blick dem Spiel viel gerechter: The Manhattan Project ist eben nicht nur ein weiteres Strategiespiel, das sich eben mal eines f\u00fcr Eurogames untypischen Themas annimmt. Es ist vielmehr eine spielerische Ann\u00e4herung an ein komplexes Themenfeld, die ein Ansto\u00df sein kann, mal wieder tiefer in den Themenkomplex der Atombombenforschung einzusteigen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"left\" title=\"The Manhattan Project\" src=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/manhattanproject.jpg\" alt=\"Bild von The Manhattan Project\" \/><br \/>\nIst es \u00fcberhaupt moralisch vertretbar den Wettlauf um die Atombombe spielerisch zu verpacken? Dabei wird noch dazu das Geschehen durch den schicken Retrolook mit anonymen, gesichtslosen Arbeiterknechten verniedlicht, da sie das Spiel ins Comichafte ziehen.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich ist die Antwort: Ja! Denn eben die Aufmachung bringt gen\u00fcgend Distanz f\u00fcr eine Ann\u00e4hrung, die keinen sofort erhobenen Zeigefinger erfordert. Sie ist aber realistisch genug, um das Spiel auch inhaltlich ernst zu nehmen. Genauso gab es in letzter Zeit in der Literatur einige gelungene Ans\u00e4tze (z.B. <a title=\"Zu Der Hundertj\u00e4hrige, der aus dem Fenster stieg und verschwand bei Wikipedia\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Hundertj%C3%A4hrige,_der_aus_dem_Fenster_stieg_und_verschwand\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Der Hundertj\u00e4hrige, der aus dem Fenster stieg und verschwand<\/a> oder <a title=\"Zu Winter der Welt bei Wikipedia\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Winter_der_Welt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Winter der Welt<\/a>), in denen die atomare Bedrohung als Nebenhandlung massentauglich dargestellt wird.<\/p>\n<p>Bei The Manhattan Project geht es damit los, dass es gar keine Frage nach dem \u201eWie kann man nur?\u201c gibt. Vermutlich mussten die am Projekt beteiligten Wissenschaftler diese Frage ausblenden und nicht, weil es herzlose Gesellen waren. Viel st\u00e4rker war die Angst, dass Deutschland oder Japan eben schneller sein k\u00f6nnten. Die oft so beknackte Aussage \u201eWenn ich es nicht mache, macht es ein anderer\u201c war eben viel zu wahr.<\/p>\n<p>Der aus der Aufgabe folgende Wettlauf ist keine einzelne Herausforderung f\u00fcr Physiker und Ingenieure, sondern auch ein logistisches und \u00f6konomisches Mammutprojekt. Im Spiel ist deshalb das Geld immer viel zu knapp, und schnell entsteht der Bedarf nach immer mehr Minen, Fabriken, Universit\u00e4ten f\u00fcr das wachsende Heer von Wissenschaftlern und Ingenieuren. Dann stellen sich die Fragen nach dem spaltbaren Material und dem Z\u00fcnder. Im Spiel gibt es daf\u00fcr die Entscheidung zwischen Plutonium oder Uran und die Aufgabe an <a title=\"Was ist Yellowcake? Klar, Wikipedia wei\u00df es!\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Yellowcake\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Yellowcake<\/a> zu kommen. Ein einmal erarbeiteter Vorsprung l\u00e4sst sich in Anbetracht der Aufgabe kaum mit legalen Mitteln aufholen. Aber um ehrlich zu sein: Im Zweiten Weltkrieg standen legale Mittel wahrlich nicht im Mittelpunkt. Doch Spione sind keine Allzweckwaffe. Nach mehreren Partien The Manhattan Projekt kam ich zum Schluss, dass sie ein sicherer Weg sind, um Zweiter im Rennen zu werden, bei dem es nur um den Sieg geht. Wenn aber einer alleine den Schurkenspion gibt, hat er doch ziemlich gute Karten.<\/p>\n<p>Das Spiel endet abrupt, wenn ein Spieler gen\u00fcgend Siegpunkte sammelte. Doch an dieser Stelle begann erst der zweite Teil der Geschichte. Das schreckliche an der Geschichte der Atombombe sind die aus dem initialen Zwang \u201eetwas tun zu m\u00fcssen, da es sonst die anderen tun\u201c folgenden Konsequenzen: Ausradierte St\u00e4dte &#8211; Kriegsende \u2013 Wettr\u00fcsten \u2013 atomare Bedrohung \u2013 Kalter Krieg \u2013 Mauerfall \u2013 und die wahrscheinlich auf immer ungekl\u00e4rte Suche nach Endlagern.<\/p>\n<p>Und dies macht The Manhattan Project spielenswert: Es regt an, mal wieder hinter ein paar Kulissen zu blicken. Das Internet ist voller Quellen, dass es kaum lohnt einzelne herauszupicken. Ich mache es trotzdem: Viel Zeit l\u00e4sst sich bei <a href=\"http:\/\/blog.nuclearsecrecy.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">nuclearsecrecy.com\/<\/a> verbringen. Dieser Blog arbeitet geheime Dokumente im Umfeld von Los Alamos auf und passt perfekt zur anspruchsvollen Vertiefung der Schlaglichter des Manhattan Projekts.<\/p>\n<p>K\u00fcrzeste und doch eindringliche Fakten gibt es bei <a href=\"http:\/\/www.safog.com\/home\/atombombe.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">safog.com\/home\/atombombe.html<\/a>, einer \u00e4lteren Seite mit vielen Hinweisen auf weitere Literatur. Dem Ger\u00fccht mit E=mcc als Grundlage wird schlie\u00dflich z.B. bei <a href=\"http:\/\/www.einstein-online.info\/vertiefung\/atombombe?set_language=de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">einstein-online.info\/vertiefung\/atombombe<\/a> ein Ende gemacht.<\/p>\n<p>Ach, ja: Das Spiel ist auch gut. Es geht darum Arbeiter einzusetzen, die ziemlich lange auf einem Fleck hocken bleiben k\u00f6nnen. Der Trick ist es, den rechten Zeitpunkt zu finden, um die Arbeiter zur\u00fcckzuziehen. Das Spiel ist ein Wettrennen und so konstruiert, dass fast immer mehrere Spieler fast gleichzeitig gewinnen k\u00f6nnen. Das macht The Manhattan Project auch spielerisch spannend.<\/p>\n<p><span id=\"wertung\"><img decoding=\"async\" title=\"2 von 3 Pilzen\" src=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2v3pilzen.jpg\" alt=\"Bild von 2 von 3 Pilzen\" \/><em><a title=\"Zu den Pr\u00e4dikaten\" href=\"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/auszeichnungen\/\"><br \/>\nPr\u00e4dikat<\/a>: 2 von 3 Pilzen<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>The Manhattan Project ist ein Spiel mit gespaltener Pers\u00f6nlichkeit. Die meisten Kritiken besch\u00e4ftigen sich bisher fast nur mit einer Seite: Das Workerplacementspiel mit originellen Mechanismen. In einem Nebensatz wird augenzwinkernd auf die Ironie des Themas hingewiesen. 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