{"id":993,"date":"2008-12-08T21:00:58","date_gmt":"2008-12-08T20:00:58","guid":{"rendered":"https:\/\/das-spielen.de\/?p=993"},"modified":"2025-09-15T08:23:44","modified_gmt":"2025-09-15T06:23:44","slug":"yvio-die-spielekonsole","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-spielen.de\/index.php\/yvio-die-spielekonsole\/","title":{"rendered":"Yvio: Die Spielekonsole"},"content":{"rendered":"<p>Versuche der Verbindung von Computern und Brettspielen\u00a0als\u00a0X-Gaming zu verbinden, gab es immer mal wieder. In meiner Kindheit gab es <strong>Atlantis<\/strong>, den\u00a0schwarzen Turm. Leider\u00a0besa\u00df den nur ein Freund und ich erinnere mich nur an zwei oder drei Partien.\u00a0Damals empfand ich\u00a0das Spiel als ein\u00a0Meisterwerk der Technik\u00a0und\u00a0Strategie. Vielleicht ist es ganz gut, dass ich das Spiel nicht besitze, denn ich bin nicht sehr erpicht,\u00a0die\u00a0Verkl\u00e4rungen meiner Jugend revidieren zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter erschien <strong>Monopoly, die B\u00f6rse <\/strong>von Reiner Knizia. Ein kleiner Computer verwaltete Kurse von Aktien, deren Mehrheiten zum Stra\u00dfen- bzw. hier Firmenbesitz ben\u00f6tigt wurden. In diesem Spiel zeigte sich, dass Elektronik nicht nur W\u00fcrfel ersetzen oder die Verwaltung erleichtern kann.\u00a0Leider\u00a0kannte der Designer des B\u00f6rsencomputers wohl weder das Grunddesign des Taschenrechners, noch verf\u00fcgte er \u00fcber Grundlagenwissen der Ergonomie. Zudem krankte das Spiel an den typischen Monopolysymptomen. Somit verstaubte es als Kuriosum im Regal.<\/p>\n<p>Ravensburger\u00a0probiert schon seit einigen Jahren mit\u00a0<strong>King Arthur<\/strong> und <strong>Die Insel<\/strong>, sowie neuerdings mit <strong>Wer War&#8217;s<\/strong>, das klassiche Brettspiel zu computerisieren. Wie auch bei den vielen anderen hier nicht erw\u00e4hnten Versuchen verzichtete der Verlag auf den wesentlichen Vorteil moderner Computer: Wiederverwendung durch Trennung von Soft- und Hardware.<!--more--><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"Yvio\" src=\"https:\/\/das-spielen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/yvio1.jpg\" alt=\"Yvio\" \/><\/p>\n<p>Public Solutions versucht nun eben dies mit einer Brettspielkonsole zu erreichen. Die Basiseinheit, ein kleiner Computer mit RFIDs als Spielsteinen,\u00a0muss zuerst erworben werden. Die einzelnen Spiele enthalten immer eine SD-Karte mit der Software und\u00a0weiteres\u00a0Spielmaterial der herk\u00f6mmlichen Art.<\/p>\n<p>Leider verschweigt der Hersteller so ziemlich alle technischen Konzepte. Die folgenden Details sind deshalb wilde Vermutungen. H\u00e4tte ich aber den Auftrag, <strong>Yvio<\/strong> nachzubauen, w\u00fcrde ich wie folgt vorgehen:<\/p>\n<p>Ein Sender und zwei Empf\u00e4nger in der Basiseinheit \u00fcberwachen st\u00e4ndig die Positionen der einzelnen Spielsteine. Diese sind mit RFIDs ausgestattet. Die Positionsbestimmung erfolgt, indem der Sender ein elektomagnetisches Signal aussendet. RFIDs bestehen im Wesentlichen aus einer Spule zum Empfang solcher Signale. Mit einem zus\u00e4tzlichen Kondensator bilden sie einen Resonanzkreis. Bei Schwingungen einer bestimmten Frequenz l\u00e4dt er sich auf und moduliert mit einem Mikroprozessor das Signal. Die ver\u00e4nderte Welle wird wiederum von den beiden Empf\u00e4ngern aufgenommen und mit den beiden Laufzeiten: Sender &#8211; Spielstein &#8211; Empf\u00e4nger 1 und Sender &#8211; Spielstein &#8211; Empf\u00e4nger 2 l\u00e4\u00dft sich Position der Steine berechnen.<\/p>\n<p>Als Betriebssystem dient Linux (die Dateien der Spiele\u00a0liegen als ELFs vor).\u00a0Eine\u00a0Serviceklasse wird die Steinpositionen auf ein zweidimensionales Raster transformieren und per Ereignissen die Implementierung des eigentlichen Spiels \u00fcber alle Bewegungen informieren.<\/p>\n<p>Als Schnittstellen zur Interaktion mit den Spielern gibt es neben den RIFDs eine Handvoll LEDs, einen Lautsprecher, ein paar Tasten und eine USB Schnittstelle. Damit l\u00e4\u00dft sich die Konsole z.B. auch als MP3 Player verwenden.<\/p>\n<p>Der faszinierende der <strong>Yvio<\/strong>-Konsole ist die Qualit\u00e4t der Realisierung: Es scheint alles zu funktionieren. Treffsicher erkennt der Computer die Spielsteine. Die Tasten reagieren pr\u00e4zise aber nicht \u00fcbersensibel, die Qualit\u00e4t der Lautsprecher ist ertr\u00e4glich und das Wichtigste: Die Basis-Software erscheint einigerma\u00dfen fehlerfrei. Dabei ist die Konsole ausgesprochen stabil \u00a0konstruiert und sollte auch im harten Kinderzimmeralltag einige Zeit \u00fcberleben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nachteil des Konzepts ist der Preis: 80 Euro m\u00fcssen erstmal investiert werden, ohne \u00fcberhaupt spielen zu k\u00f6nnen. Weitere 40 Euro kostet jedes Spiel. Selbst bei einer Sammlung von 10 Spielen liegen die Durchschnittskosten somit noch bei knapp 50 Euro pro Spiel und damit in \u00e4hnlichen Regionen wie bisherige Brett-Computer-Kombinationen. Nun muss sich zeigen, ob sich mit dem Konzept wirklich viele Spiele realisieren lassen, die solch exorbitante Preise rechtfertigen. Ich hoffe das sehr.<\/p>\n<p>In n\u00e4chster Zeit erscheinen hier bei Das-SpielEn.de die Besprechungen von folgenden drei Spielen f\u00fcr die <strong>Yvio<\/strong>-Konsole: <strong>Thinx<\/strong>, <strong>Freibeuter der Karibik <\/strong>und <strong>Octago<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Versuche der Verbindung von Computern und Brettspielen\u00a0als\u00a0X-Gaming zu verbinden, gab es immer mal wieder. In meiner Kindheit gab es Atlantis, den\u00a0schwarzen Turm. Leider\u00a0besa\u00df den nur ein Freund und ich erinnere mich nur an zwei oder drei Partien.\u00a0Damals empfand ich\u00a0das Spiel als ein\u00a0Meisterwerk der Technik\u00a0und\u00a0Strategie. 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