Burgenland

Merke: Palas ist nicht gleich Palast. Burgenland ist eben auch Bildungsland. Als “repräsentativer Saalbau einer mittelalterlichen Pfalz oder Burg” (Quelle: Wie so oft Wikipedia) ist ein Palas zwar schick, aber teuer. Zumindest im Vergleich zu Wohnhäusern, Mauern und Brunnen. Und damit ist Burgenland ein total realistisches Bausimulationsspiel.

Hier geht es darum, als erster seine Bauwerke auf den Plan zu bringen. Insgesamt elf Burgen bieten je vier Bauplätze an, die zwölfte Hauptburg in der Mitte sogar beliebig viele. Die Wege zwischen den Burgen sind so gestaltet, dass zu jede Burg genau zwei Wege führen. Auf den Wegen liegen Farbmarker – und diese geben an, mit welchen zwei von acht Kartenfarben in dieser Burg gebaut werden darf. Zeigen die Marker etwa gelb und rot, darf in der entsprechenden Burg ein Gebäude mit vier Karten in einer beliebigen Mischung aus gelb und rot errichtet werden. Bei den Farben gilt es gut aufzupassen, denn insbesondere die beiden Blautöne werden gerne verwechselt.

Bild von BurgenlandBeim Bau gilt es ein paar Regeln zu beachten. Brunnen dürfen immer nur in einer bestimmten Burg gebaut werden – wer gewinnt das Wettsammeln? Baut der vor mir, ist der aktuelle Brunnen weg, und das Losglück sagt mir, bei welcher Burg ich nun für die nächste Kombination lossammeln darf. Mauern sind am einfachsten zu bauen, denn sie kann man immer bauen. Häuser hingegen nur dort, wo bereits genug Mauern sind – und beim Palas ist nur einer pro Burg erlaubt. Zudem kostet er mal mehr, mal weniger Extrakarten. Häuser, Mauern und Palasse dürfen immer auch in der zentralen Burg gebaut werden. Hier kosten sie entweder lauter gleiche oder lauter unterschiedliche Farbkarten – bei Palassen ist die Anforderung am höchsten, bei Mauern am niedrigsten. Im Gegensatz zu den kleinen Burgen gibt es dann aber keine Belohnung fürs Bauen – so dass die bevorzugten Plätze lieber im Umfeld liegen. Schließlich gilt: Wer nicht baut, zieht zwei Karten nach.

Wer kein Glück beim Kartenstapel hat, kann leicht das Nachsehen haben. Die direkten Bauplätze und frühen Belohnungen muss man dann anderen überlassen. Die Optionen sind damit meist klar: Wer bauen kann, baut! Idealerweise wähle ich nur so oft die Kartenzieh-Aktion, dass ich mit dem Bau des letzten Gebäudes auch meine Karten komplett ausgebe. Denn jede Aktion kostet Zeit, und hier geht es um Geschwindigkeit.

Auch die Frage “welches Gebäude errichten?” beantwortet sich durch die Möglichkeiten meist selbst: Zunächst durch die Karten, die den Bauplatz eingrenzen. Danach durch die Gebäudeart. Da Brunnen nur immer an einem Ort möglich sind und zudem die frühen Brunnen die dickere Belohnung abgreifen, wird jede Gelegenheit ergriffen, einen solchen loszuwerden. Selbiges gilt für Palas und Haus – die erlaubten Plätze sind oft eher rar. Damit läuft es bei Burgenland leider auf glückliches Kartennachziehen hinaus, sowie passende Belohnungen – eine geschickte Planung oder Optimierung kommt nur selten zum Tragen. Jeder Bauplatz bringt entweder zusätzlichen Kartennachschub, eine einmalige Erlaubnis zum Austausch von Farbmarkern, oder ein Bonusplättchen. Letztere können etwa zusätzliche Bauplätze oder andere Baupreise bieten.

An wen richtet sich Burgenland eigentlich? So richtig konnte ich keine Zielgruppe identifizieren. Bei unserem öffentlichen Spieletreff wurde es einige Male nachgefragt. Mit der Optik wurden die Spieler oft nicht wirklich warm. Zudem gilt, dass man die Spielregel griffbereit halten muss – die Bonusmarker werden geheim gesammelt, sind aber nicht selbsterklärend. Kleinigkeiten wie “wann muss ich für den Palas die Extrakosten errichten?” und “gilt der Bonus auch in der großen Burg?” müssen da zusätzlich zur Funktion erklärt werden. Der Wettlauf wird oft durch das glücklichere Nachziehen entschieden. Zwar haben hinten sitzende Spieler potenziell weniger Züge. Denn sobald ein Spieler sein letztes Gebäude losgeworden ist, endet das Spiel sofort. Doch erhalten sie zu Beginn je mehr Karten, desto später ihr erster Zug stattfindet. Durch diese höhere Handkartenzahl wird der vermeintliche Startspielervorteil gut ausgeglichen – schließlich gilt: “2 Karten = 1 Aktion”.

Bild von 1 von 3 Burgen
Prädikat
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Nach Sanssouci waren wir neugierig auf Burgenland. Doch während es uns im Garten ausgesprochen gut gefiel und wir auch nach Erscheinen der Rezi noch wiederholt und gerne Pavillons, Statuen und Treppen errichtet haben, ist unser Bedarf an Palassen vorerst gedeckt.

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