Sheep & Thief

Auch bei Handies geht es mittlerweile darum das größte zu haben. Bei Brettspielen ist das schon immer so gewesen. Um Spiele profitabel vermakten zu können, gibt es Standardschachtelgrößen, die entsprechend dem angestrebten empfohlenen Verkaufspreis ausgewählt werden. Zuviel verbleibende Luft in der Schachtel lässt sich durch Spielhilfen, Schachteleinsätze, Regeln in 10 toten Sprachen oder praktischen Schaumstoffabstandhaltern kaschieren.

Diese Weisheit gilt für die ganze Welt! Die ganze Welt? Nein, eine nicht ganz kleine Insel am Rande des Pazifik stemmt sich erfolgreich gegen immer größere Stehrümchen. In Japan lassen sich große Schachteln schwer verkaufen, es gibt einfach keinen Platz für voluminöse Spielesammlungen. Dafür sind exklusive Verpackungen viel wichtiger. So bekommt jedes Spiel eine speziell auf den Inhalt und das Thema angepasste Spieleschachtel. Mittlerweile bin ich der Meinung: Japanische Spieleschachteln wirken im Spieleregal viel wertiger als der sonstige internationale Einheitsbrei.

Auch die Innereien japanischer Spiele unterscheiden sich deutlich vom Rest der Welt. Dünne volumenminimierte Papierspielpläne ersetzen dicke Billigpappe. Statt teurer Luft gibt es speziell ausgewählte Spielmaterialien. So bekommen Käufer den Eindruck, einzigartig gestaltete Produkte zu erwerben. Natürlich gibt es auch in Japan echte Nieten zu kaufen, und manchmal ist das Design oder die Schachtel vermurkst, diese sind aber in der Minderheit.

Sheep & Thief ist hingegen eines der wunderschönen Beispiele japanischer Spielekunst, die in unserem letzten Urlaub den Weg in unsere Taschen und somit nach Europa gefunden haben. Dabei ist es nicht einfach, in Japan Spiele zu kaufen. Zunächst gilt es das Spielegeschäft zu finden, dann zu entscheiden, ob zumindest bei Boardgamegeek englische Regeln verfügbar sind. Schließlich braucht es etwas Gefühl, um zu erkennen, ob die komischen Hieroglyphen auf den Karten und Spielplänen spielentscheidende Bedeutung haben. – Es gibt übrigens eine enge Verwandtschaft zwischen Japan und Ägypten, das erläutere ich aber ein anderes Mal.

Sheep and Thief

Ob das Spiel dann gut oder schlecht ist, spielt für den Kauf kaum noch eine Rolle, wichtiger ist cooles Material. Bei Sheep & Thief sind das die Schafe in Form kleiner Wattekügelchen. Ziel ist es, ein Gebiet mit möglichst vielen Schafen, Flüssen und Wegen auszulegen und nebenbei noch die Schafe der Mitspieler zu stehlen. Die Regeln sind dabei recht konventionell: Karten draften, Karten spielen, Schafe platzieren, Schafe sichern, Schafe stehlen, Flüsse und Wege werten. Das Spiel ist dabei eben so charmant verpackt und gestaltet, dass sofort die Herzen aller Sammler höher schlagen und spontane „Das will ich auch haben“ Rufe den Raum erfüllen. Und um ganz ehrlich zu sein: Einen großen Anteil zum Kauftrieb tragen die tollen Schafskugeln und die kompakte Spieleschachtel bei.

Das Tollste gibt es diesmal zum Schluss: Sheep & Thief ist auch in Essen erhältlich. Zumindest lässt es sich unter http://japonbrand.myshopify.com/products/sheep-thief vorbestellen.

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3 Kommentare to “Sheep & Thief”

  1. Christine

    ich hatte das Glück, das Spiel Sheep & Thief auf einem Spieletreff in Kassel kennenzulernen und es hat mir auch sehr, sehr gut gefallen. Da ich es im Internet nicht finden konnte, habe ich versucht, es über den Verlag zu bekommen. Leider ohne Erfolg… Hast Du eine Idee, wie ich an das Spiel rankomme? Es wäre ein sehr schönes Geschenk für meine Kinder und meinen Mann… LG

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    • Peter

      Hallo Christine,

      vermutlich ist das momentan ausverkauft. Mir sind auch keine Quellen bekannt. Da es letztes Jahr in Essen einige Aufmerksamkeit bekam könnte es sein, dass es im Herbst von einem größeren Verlag neu aufgelegt wird.

      Viele Grüße,
      Peter.

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