Spiele, die uns blieben

Bald geht das große Preisen los. Spiel des Jahres, Spiel der Spiele, Deutscher Spielepreis, und so vieles mehr. Und wenn es nur um Äußerlichkeiten geht, dann kann praktisch auch die letzte Gurke noch ein Preis-Emblem erhalten. Doch was bleibt wirklich übrig, so auf lange Sicht? Die Frage ist im Prinzip völlig eigennützig, denn der Sommer hat begonnen, die meisten Pflichtpartien des aktuellen Jahrgangs sind absolviert, die Rezensionen für die im Juli erscheinende Fairplay im Kasten, und für die Vor-Messe-Fairplay sind ebenfalls bereits einige Partien bestritten. Daher bleibt in den nächsten drei Monaten auch einige Zeit für die Kür. Doch was spielt man da am besten?

Nochmal unsere Spiele mit “3 von 3” zu nennen, will ich mir mal verkneifen. Insbesondere diejenigen, die im vorigen Jahr als Mehr Superspiele von uns aufgewertet wurden, waren eben genau in dieser Zeit erneut auf den Tisch gekommen und hatten sich dort bewährt. Doch was blieb noch?

Aus dem aktuellen Jahrgang sticht für mich kein Spiel so aus der Masse heraus, dass ich mit einer nachhaltigen Sehnsucht nach Partien rechne, sobald die nächste Welle heranrollt. Was gute Chancen hat, auf unserem Tisch zu bleiben, ist Andor. Die Reise in den Norden zu viert hat uns wirklich extrem gut gefallen. Da steht bei Peter und mir definitiv eine Rückkehr zu zweit auf der Wunschliste – die Dynamik mit dem Schiff dürfte sich zu zweit noch einmal anders anfühlen als zu viert, und bereits unser Ausflug über Weihnachten 2014 mit Die Legenden von Andor: Der Sternenschild hat uns fesselnde Stunden am Spieletisch beschert.

Von den kleinen Spielen dieses Jahres hat uns Machi Koro so gut gefallen, dass wir uns in Japan die Erweiterungen gekauft und bereits gerne gespielt haben. Auch in Deutschland wird es diese schon bald geben. Ob auf dem Original dann der rote Sieger- oder “nur” der auf gelbem Podest befindliche Nominierungspöppel prangen wird, stellt sich erst am 6.7. heraus. Ebenfalls im Würfelbereich qualifiziert sich Mahé für unser festes Spieleregal. Auch wenn es nicht ganz so suchterzeugend ist wie Can’t Stop, so dürfte es doch einen verdienten Ehrenplatz neben diesem heißgeliebten Klassiker einnehmen – auch wenn der mögliche Umkehrschluss, wir würden die Spiele nach Verlagen sortieren, nicht ganz zutrifft.

Der Begriff “festes Spieleregal” hingegen hat folgende Bedeutung: Unser Spieleregal ist in vier “Spalten” getrennt. Ganz links stehen die aktuellen Spiele. Sozusagen unser “Arbeitsvorrat” für Spieleabende und das Schreiben von Rezensionen. Eine Spalte weiter rechts ist sozusagen der Prüfstand. Spiele, die hier stehen, haben die erste Hürde beim Aussortieren überstanden. Sie sind unter den Anwärtern auf die nächsten beiden Spalten unseres Regals, in denen wir diejenigen Spiele aufbewahren, die wir nur noch mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit aussortieren werden. Leider ist zu wenig Zeit, um sie wirklich oft herauszuziehen, aber manches Spiel ist eben auch ein guter Freund, den man um alter Zeiten willen immer noch gern hat. Und solange wir den Luxus eines genügend großen Regals haben, pflegen wir diese Freundschaften.

Schauen wir noch ein wenig über den jetzt aktuellen Jahrgang 2014/15 hinaus. Aus dem Vorjahr 2013/14 bleiben uns wohl vor allem zwei Spiele: Love Letter und Abluxxen. Womöglich auch das eine oder andere Mal Russian Railroads, aber das wird sich erst noch herausstellen müssen.

Rückblickend ist wohl zu bewerten: 2013 war ein extrem guter Spielejahrgang. Denn neben Hanabi, Andor und Terra Mystica gab es in diesem Jahr auch Qwixx, das wir immer noch oft und gerne spielen, und das wir insbesondere auch als neues Urlaubsstandardspiel auch weiterhin oft im Gepäck haben werden. Und das Urlaubsstandardspiele angeht, sind wir sehr treu und würfeln immer wieder gerne das ominöse “36” (aus Knizias “Dice Games Properly Explained”) und das ganz handfeste Heckmeck am Bratwurmeck. Weitere Highlights aus dem Jahrgang 2012/13 sind für uns Yedo und Keyflower. (P.S.: Für manchen Spieler mag das auch für Tzolk’in der Maya-Kalender gelten, doch dieses konnte uns persönlich nicht über den Jahrgang hinaus begeistern.)

Und um den kleinen jahrgangsbezogenen Rückblick abzurunden: Von 2012 blieben uns vor allem Village und (Las) Vegas (beide von uns rezensiert in Fairplay 100). Beide werden immer noch regelmäßig mit ins Apfelbäumchen gebracht und schaffen es auch auf die Tische.

Was bleibt Ihnen/Euch, liebe Leserinnen und Leser, von aktuellen oder früheren Jahrgängen?

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4 Kommentare to “Spiele, die uns blieben”

  1. Paddy

    Hallo Kathrin
    Vom aktuellen Jahrgang geht The Game immer und überall. Dieses Spiel vermag sogar Wenig- bis Garnichtspieler an den Tisch zu locken.
    Sonst sind bei uns Russian Railroads, Jäger + Späher und Royals immer mal wieder im Einsatz. Andor und seine Geschichte ist ohne Zweifel immer eine Reise wert.
    Die Abwechslung macht es aus. Ein Spiel ist so lange spannend, wie es noch nicht komplett entdeckt ist.

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  2. Kathrin

    Hallo Paddy,
    vielen Dank für deinen Kommentar.
    The Game hätte es tatsächlich auch verdient, in meiner Aufzählung aufgenommen zu werden. Mir sind bestimmt noch mehr Perlen durchgerutscht, als ich den Artikel geschrieben habe!
    Alles Gute von
    Kathrin.

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  3. SpaceTrucker

    Yedo überrascht mich jetzt glatt in eurer Auflistung, nachdem die Rezension damals zwar ganz angetan, aber nicht euphorisch klang.

    Spiele die bei mir immer wieder auf den Tisch kommen, obwohl spannende neue, kaum oder gar nie gespielte Boxen im Schrank stehen:
    – Terra Mystica
    – 7 Wonders (mit vielen Spielern – auch mangels Alternativen)
    – Skull King (hat Wizard abgelöst)
    – Puerto Rico

    @Paddy:
    “Ein Spiel ist so lange spannend, wie es noch nicht komplett entdeckt ist.”
    Gilt für mich spannenderweise nur teils. Viele Spiele werden sicher uninteressant, wenn man sie mal ganz ausgetüftelt hat, weil andere Spiele ähnlich gut sind und noch den Reiz des Neuen haben. Bei manchen Spielen bleibt der Spielreiz für mich aber auch dann erhalten – weil es mit den besser werdenden Mitspielern mitwächst und so viel Abwechslung bietet, dass jede Partie wieder neu ist und nicht nach Schema heruntergespielt werden kann.

    Bei meinen oben genannten Spielen meine ich z.b. eigentlich nur Puerto Rico noch nicht wirklich gründlich entdeckt zu haben, die anderen drei (von denen zwei auch recht simpel sind) machen mir trotzdem noch Spaß. 🙂

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  4. Kathrin

    Hallo SpaceTrucker,
    auch dir vielen Dank für deinen Kommentar.
    Yedo ist wohl kein Spiel, das ein Anwärter auf “3 von 3” ist, vielleicht auch nicht auf “2 von 3”. Aber dennoch eines, das mich zurück an den Spieltisch zieht. Gerade die durch die Aufträge erzählte Geschichte schafft viel Atmosphäre und lässt die Zeit wie im Fluge vergehen.
    Puerto Rico ist einer meiner Allzeitfavoriten, nur leider ergeben sich sooo selten Partien mit Leuten, die es alle schon kennen und strategisch herausfordernd spielen… – denn ist nur ein Anfänger dabei, kann das Spiel ziemlich aus den Fugen geraten wegen der Vorlagen. (Dafür kann ich Puerto Rico vermutlich fast im Schlaf erklären…)
    Alles Gute von
    Kathrin.

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