Ab wann kann man den Langzeitspielreiz eines Spiels beurteilen? Nach drei Partien? Nach fünf Monaten? Nach der Verleihung zum Deutschen Spielepreis? Wie wäre es mit nach zehn Jahren…? Als Goa erschien, haben wir es viel gespielt. Überhaupt war Hans im Glück (auch) in dieser Zeit sehr erfolgreich (wobei wir über Werke wie Kampf der Gladiatoren lieber behutsam das sanfte Mäntelchen des Schweigens decken). Medina, Amun-Re, und im selben Jahrgang wie Goa erschien auch Sankt Petersburg. Letzteres kommt nun in Essen in der per Spieleschmiede finanzierten Neuausgabe heraus. Wir sind gespannt!

Goa vermochte uns schon in seinem Erscheinungsjahr durchaus zu kontroversen Diskussionen verleiten. Die Regeln erzähle ich nicht noch einmal nach, da finden sich bei Luding (Link siehe unter diesem Text) sicher genügend Verweise. Stattdessen erinnere ich an zwei Reibungspunkte beim Spiel. Nummer Eins: Besonders störte uns das Glückselement beim Aufdecken der Kolonisten. Klar, man kann auf Nummer Sicher spielen und das Eingehen von Risiken einfach umschiffen. Doch selbst wenn die Kolonien erfolgreich entdeckt werden – wer notorisch Einsen aufdeckt, muss einfach mehr Aktionen in die Beschaffung von Kolonisten investieren… Nummer Zwei: Die nur bebilderten, nicht aber betexteten Glücks- ähem offiziell natürlich: Expeditionskarten sorgten für eine stetige Nachfrage nach der Regel.

Kochin

Und der Versteigerungsmechanismus hat es in sich: Der Mechanismus „ein Gebot reihum, der aktive Spieler hat das letzte Wort und entscheidet, Geld einzunehmen oder selbst in die Kasse zu zahlen“ gefällt mir nach wie vor exzellent. Ein anderes Spiel, das ebenfalls durch einmalige Gebote beste Spannung bietet, ist für mich Industria. Doch diese Form der Versteigerung hat auch einen Haken: Wenn sich zwei Spieler immer hohe Gebote hin und her zuschustern, können sie prima die Plättchen der aktuellen Runde abstauben – und die anderen Spieler haben das Nachsehen. Natürlich ist dies eher eine Extremsituation, und jeder Spieler hat es in der Hand, die eigenen finanziellen Mitteln mit der entsprechenden Aktion aufzustocken. Doch es gibt ja immer so viel zu tun, und man braucht ja auch Gewürze und Schiffe, möchte das eigene Tableau entwickeln…

Der Aufbaucharakter und wohl auch das exotische Thema haben Goa langfristig im Gespräch gehalten. Bei unserem Spieletreff im Apfelbäumchen brachte vor etwa einem Jahr ein neues Pärchen sein Goa mit und freute sich, durch uns Mitspieler gefunden zu haben. In Bilstein beim viertägigen Spieletreffen sah man auch Jahre nach dessen Veröffentlichung immer wieder Partien rund um dieses Spiel. Ein guter Grund, es auch jetzt mal wieder einzupacken, und tatsächlich kam es auf den Tisch.

Dass es kein durchschlagender Erfolg war, lag vor allem an den genannten Aspekten. Wer bei den Versteigerungen kein gutes Händchen hat, ärgert sich über verpasste Gelegenheiten. Wer den Überblick hat, den langen Plan verfolgt und die richtigen Karten aufdeckt, kann seine Mitspieler abhängen.

Doch man kann es auch anders herum betrachten: Goa benötigt Weitsicht und Planung. Es setzt Emotionen frei, man ärgert sich über sich selbst, über verpasste Gelegenheiten, Pech beim Kartenziehen. Die Versteigerungen bauen mit zwei Spannungselementen direkt aufeinander auf: Was gelangt überhaupt in die Versteigerung? Und: Welches Gebot gebe ich ab – und welche Plättchen kann ich tatsächlich ergattern?

Goa hat damit einen langen Atem bewiesen – so lang sogar, dass sich Lookout Games dafür entschied, das Spiel behutsam zu optimieren und erneut auf den Markt zu bringen. Wie erfolgreich diese Neuauflage tatsächlich war, kann ich nicht beurteilen (und eine knallharte Recherche überlasse ich gerne den professionellen Journalisten). Doch sie zeigt, dass im Spiel immer noch ein Funke glimmt…

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