Spiel ’09: Donnerstag

Bild der Verlagsstandorte

In Nordrhein-Westfalen herrschen momentan Herbstferien. Dieser Tatsache wurden wir uns gleich zu Messebeginn deutlich bewusst. Die Messehallen waren bedeutend voller als an Donnerstagen der Vorjahre.

Bild von Der volle Donnerstag

Unsere Ferienwohnung ist dieses Jahr auch ein paar Meter weiter von den Messehallen entfernt. Prompt geriet durch einige Verzögerungen bei der Anreise der minutiös geplante Messeablauf schon vor Beginn ins Schwanken, und wir mussten die zuerst geplanten Spielepartien durch allerlei andere Spieletests ersetzen. Die folgenden Kurzeindrücke entstanden wirklich nach nur einer oder weniger als einer Partie. Deshalb kann der Schein trügen, und manch ein Spiel ist vielleicht viel besser oder doch etwas schlechter als von uns wahrgenommen.

Eine Neuerung gegenüber dem Vorjahr gibt es noch. Am Ende des Artikels findet sich der Start einer kleinen Galerie mit Messeimpressionen.

Peter Nos

Bild von EgiziaEgizia von Acchitocca bei: Hans im Glück

In Egizia werden in fünf Runden die wichtigsten ägyptischen Bauwerke gebaut. In Maestro-Leonardo-Manier (der Vergleich ist nicht zufällig, denn es handelt sich um dasselbe Autoren-Team) wählt reihum jeder eine Aktion – und „verbraucht“ sie damit. Was weg ist, ist weg. Im Mittelpunkt sehen die Bauwerke, doch wollen die Bautrupps auch ernährt und verstärkt werden. Zuätzliche Fähigkeiten und besserer Nachschub stehen ferner zur Auswahl. Diese Partie haben wir nur angespielt, doch ein rundenbasiertes Spiel wie dieses eignet sich für ein solches Reinschnuppern eben gut. Einige bekannte Spielelemente haben wir empfunden – und sind gespannt darauf, das neu zusammen gesetzte Ganze dann in kompletten Partien nach der Messe genauer zu erleben.

Kathrin Nos

Bild von ArrondissementArrondissement von PH Boots bei: Duyfkengames

Arrondissement ist ein klassisches Kleinverlagsprodukt: Eine kleine Idee wurde ohne großen Aufwand umgesetzt. Das Design, das Material und die Regeln sind wahrlich nicht professionell gestaltet. Auch kein großer Vertriebspartner steht dem Verlag zur Seite. Eben dies macht aber eine ganze Menge des Charmes dieses kleinen Spiels aus.

Es geht um Wahlen in Paris. Im Kern ist Arrondissement ein typisches Mehrheiten-Gebietswertungsspiel. Es bietet keine Überraschungen oder sonderlich originellen Einfälle. Dafür funktioniert der Mechanismus aber reibungslos.

Peter Nos

Bild von Beer and PretzelsBeer and Pretzels von Ted Alspach bei: Bezier Games

Beer and Pretzels ist eine Bierdeckelschnippelsimulation. Um genauer zu sein: Es ist keine Simulation. Bei Beer and Pretzel werden Bierdeckel geschnippelt. Ein paar kleine Ideen bringen etwas Taktik in die Schleuderei, und Siegpunkte werden auch verteilt. Zumindest die Testpartie war spaßig. Bierernstnehmen sollte man das Spiel nicht. Eine Mitspielerin hatte scheinbar aber schon einige Partien hinter sich. Sie bewies uns, dass zu Beer and Pretzels durchaus etwas Geschicklichkeit und Taktik gehört, indem sie uns gnadenlos abzockte.

Bild von HavannaHavanna von Reinhard Staupe bei: Eggert

Cuba – das Kartenspiel. Damit ist Havanna ausreichend umschrieben. Das Spiel ist agressiver als Cuba. Jeder Spieler legt zwei Aktionskarten. Jede Karte bietet nützliche Funktionen und hat eine Ziffer zwischen 0 und 9. Die beiden Ziffern ergeben zusammen auch eine zweistellige Zahl, die die Spielreihenfolge steuert. Ziel ist es, Gebäude zu erwerben, die wiederum Siegpunkte bringen. Die Bauten kosten aber Arbeiter, Rohstoffe und Geld. All dies bekommt man durch die Kartenfunktionen.

Wir waren von Havanna durchaus angetan, da es eine Reihe unverbrauchter oder nur selten genutzter Mechanismen aufgreift.

Peter Nos

Bild von DarwinciDarwinci von Martin Schlegel bei: Ludo Art

Bei Darwinci werden aus Knochenteilen komplizierte Skelette konstruiert. Doch der Fokus des Spiels ist eine wahrlich komplizierte Versteigerung der einzelnen Knochen. So werden teils die eigenen, teils die Bietmarker der Mitspieler zum Bieten eingesetzt. Alle Marker bleiben im Spiel, nur ihr Besitzer ändert sich bei einer erfolgreichen Versteigerung. Darwinci ist nicht leicht zu durchschauen und bietet wahrscheinlich viel Denk- und Optimierpotential. Mir war es für den gebotenen Einfluss zu mühselig. Eine konzentrierte Wohnzimmeratmosphäre ist dem Spiel aber wahrscheinlich angemessener als eine laute Messehalle.

Peter Nos

Bild von Labyrinth des MinotaurusLabyrinth des Minotaurus von Florian Isensee bei: Isensee

Unter den Klein(st)verlagen gehört der Isensee-Verlag seit Jahren zu unseren regelmäßigen Anlaufstellen in Essen. Bei Florian Isensee gab es in der Vergangenheit Kartenspiele, zuletzt der Handel auf dem Forum Romanum. In diesem Jahr zieht auch einiges Holzmaterial mit in die Spielschachtel ein. In drei völlig unterschiedlich verlaufenden Runden nähern sich die Spieler dem Labyrinth des Minotaurus an. Zunächst bieten sie auf die Labyrinthkarten, die es in Kombination mit Edelsteinen in einem rechteckigen Raster gibt. Mit Bewegungskarten ziehen die Spieler ihre Figur und sammeln unterwegs die Karten und Edelsteine ein. Letztere punkten am Ende dieser Runde. Beim Aufbau des Labyrinthes geht es darum, zusammenhängende Ketten eigener Symbole zu erstellen. Zwei Symbole wurden jedem zu Beginn zugelost. Jede Karte bedeckt zwei Felder, früher gelegte Karten können überbaut werden. Im dritten Durchgang bewegen sich die Spieler mit ihren schön gestalteten Minotauren über das Feld. Für unschlagbare 9 Euro wird ein kurzweiliges Vergnügen geboten.

Kathrin Nos

Bild von Filipino Fruit MarketFilipino Fruit Market von Peer Sylvester bei: Bambus

Müsste ich Filipino Fruit Market mit einem Satz beschreiben, so könnte dieser lauten: Ein vielschichtiges Stichspiel, das es zu erkunden lohnt. Damit würde ich aber nur einen Teil beschreiben, denn betrachtet man das Ganze ein wenig anders, könnte dieser Satz auch lauten: Zwei Spiele zum Preis von einem. Denn zwei unterschiedliche Stichspiele können mit demselben Material gespielt werden.

Wir haben nur eines der beiden getestet: Die Stichregeln sind altbekannt. Passende Stich(sic!)worte: Bedienzwang, Trumpf sticht, Startspieler = Stichgewinner. Das Neue: Anstelle eine Karte zu legen, kann man einen Einkäufer auf die aktuell ausgespielte Farbe einsetzen und so Mehrheitenpunkte holen. Weitere Punkte werden durch den Gewinn von Stichen erzielt, Minuspunkte hageln für übriggebliebene Handkarten. Denn wer bei den Mehrheiten mitmacht, spielt keine Karte. Das schmeißt einige eingeschliffene Spielgewohnheiten über den Haufen. Beispiel: Wer gleich mit dem höchsten Trumpf ranklotzt, treibt seine Mitspieler zu den Mehrheiten. Denn den Stich kriegt der ja sowieso – weshalb noch bedienen, wenn stattdessen woanders Sinnvolleres angestellt werden kann? Vielleicht ist diese Überlegung auch gar nicht so klug – aber wir schreiben hier immerhin von Ersteindrücken. Jedenfalls macht Filipino Fruit Market bereits mit dieser Variante Lust auf mehr.

Die zweite Variante führt zu einer Kursentwicklung für gewonnene Karten. Durch das Ausspielen von Karten können nicht nur Stiche – und damit Punkte bringende Karten – gewonnen werden, sondern alternativ die Punktwerte der verschiedenen Früchte beeinflusst werden. Hört sich einen Tick komplexer an – wir sind gespannt darauf! Einige Infos über die hier zu Lande nicht immer geläufigen Früchte runden das Gesamtbild ab.

Kathrin Nos

Bild von Ramses PyramidRamses Pyramid von Reiner Knizia bei: Lego

Einige von uns sind mutige Spieler. Einige leider auch nicht. So konnte ich kurz vor Messetoresschluss nur Kathrin überreden, das Österreichische Spiel der Spiele auch mal anzutesten.

Wir wurden nicht enttäuscht. Wie in den Vorjahren ist der Preisträger so trashig, dass es schon wieder sichtlich lustig ist: Man würfelt und zieht seinen Forscher, um als erster eine Pyramide zu erklimmen. Ich muss ergebenst meinen Hut vor der Wiener Spieleakademie ziehen: Mir hätte kein schlechteres Spiel als Preisträger einfallen können.

Auf die schwache Spielregel angesprochen, erklärten uns freundliche Legomitarbeiterinnen aber, dass sich die Käufer eigene Regeln ausdenken sollten und dies in einem Portal verbreiten können. Bei Spielen wie Creationary soll das gelieferte Material auch nur der Grundstock sein. Man geht davon aus, dass die spielende Familie größere Legomengen daheim hat, und so aus einem riesigen Materialfundus schöpfen kann.

Das ist genial: Nächstes Jahr veröffentliche ich auch ein Spiel mit nur einem Würfel als Material und der Regel: die höchste Zahl gewinnt. Weitere Regeln und Materialien können die Käufer selbst erfinden oder aus anderen Spielen hinzufügen.

Peter Nos

Bild von Der Belgier

Viel Zeit in Essen verbringen wir damit, Leute zu treffen. Neben dem Wiedersehen mit Freunden und Bekannten von Spielertreffen, die wir nach neuesten Entdeckungen und Spieleerfahrungen befragen, ergeben sich auch überraschende neue Begegnungen. So stolperten wir über den freundlichen Organisator eines belgischen Spiele-Clubs. Mit einem Karren voller Plastikkörbe, der im unteren Bereich zahlreiche Spiele enthielt und oben mit Geschenkkörben gefüllt war, stand er zwischen zwei Messehallen zu einem kurzen Snack. Wir kamen ins Gespräch, und es stellte sich heraus, dass er für seinen Club bei den Verlagen um Unterstützung in Form von Spielespenden bittet, wofür im Gegenzug die Präsentkörbe überreicht werden. Und siehe da: Beim Pressetermin am Ravensburger Stand sahen wir einen Korb im Regal stehen: „Ah, die Belgier waren bei Ihnen?“ – Bingo!

Bild von Donald X Vaccarino

Bei der Verleihung zum Spiel des Jahres Ende Juni in Berlin war der Dominion-Autor Donald X. Vaccarino leider verhindert . Es rankten sich bereits Gerüchte, es handele sich um ein Pseudonym. Nun in Essen trafen wir ihn am Stand des Hans im Glück Verlages. Wie lange dauert es wohl, bis er bei der Frage „do you exist?“ schreiend Reißaus nimmt?! Noch ließ er entsprechende Andeutungen ganz gelassen über sich ergehen. Und verriet, dass es bald weitere Spiele von ihm geben wird, auch für jüngeres Publikum.

Bild von 3 Krieger

Tolle Fotomotive ergeben sich in Essen vor allem in Halle 6. Hier ist die Heimat der Fantasy: Rollenspiel in allen Abstufungen von Pen&Paper bis hin zu Live-Rollenspielen. Das Publikum zeigt sich auch gerne gewandet und erscheint in der Kluft ihrer verkörperten Charaktere. Auf die Frage, ob es erlaubt sei, ein Foto zu schießen, reagieren sie freundlich und aufgeschlossen. Wie die drei sympathischen Musketiere hier – sie erzählten begeistert von ihren Cons, auf denen sie einen von den Veranstaltern vorab vorbereiteten Handlungsstrang miterleben. Wie immer gilt: Ein Abstecher in die Halle 6 lohnt sich!

Kathrin Nos

Und nun die versprochene GalerieLeider können wir sie mit unserer momentanen Internetverbindung nicht testen. –> Bitte schickt uns einen Kommentar, wenn sie funktoniert oder es sein lässt. – Zur Sicherheit haben wir clickbare Thumbnails beigefügt. Zurück aus dem Urlaub habe ich nun die HTML Fehler gefunden. Jetzt sollte die Gallerie mit Firefox und Internet Explorer funktionieren.


Bild von Click mich zum Starten der Galerie

Hier gibt es weitere 21 Fotos.

























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