Spiel ’10: Donnerstag

Bild von Hallenplan Donnerstag

Der Donnerstag in Essen war geprägt von: Menschenmassen! Wer nicht genau wusste, dass es der erste Messetag an einem normalen Werktag war, hat womöglich vorsichtshalber zur Bestätigung den Kalender konsultiert. Aber obwohl es tatsächlich erst Donnerstag war, kam es so manchem schon vor wie ein voller Messe-Samstag – solche Menschenmassen schoben sich durch die Gänge! Neben einigen Eindrücken aus den Messehallen, aus Gesprächen mit Freunden, Bekannten und anderen Messebesuchern gibt es heute Ersteindrücke zu fünf Spielen. Weitere Eindrücke in Form einer Fotogalerie haben wir in einem separaten Posting erfasst: Dafür bitte hier clicken!

Der erste Weg heute morgen führte uns zum Stand der Fairplay. Den ersten Standdienst des Tages übernahm ich, während die anderen drei ein paar Einkäufe erledigten. Als Blindkauf legten wir uns London von Treefrog zu, da wir mit Tinner’s Trail und Last Train to Wensleydale in den vergangenen Jahren viel Spaß hatten. Ans Herz legen kann ich unseren Lesern die Spiele der 10 days in … Serie, die wir nun mit den Ausgaben für Europa und den Americas (Nord- und Südamerika) komplettierten. Auch während des restlichen Messetages schickte ich Stefan, Thilo und Peter zum Spielen – weitere Aktivitäten am Stand, sowie einige Pressetermine hielten mich auf Trab. Doch zum Glück blieb auch ein wenig Zeit für den ersten Rundgang durch die Messehallen.

Dort gab es neben den Neuheiten viele kuriose Details zu entdecken. Am Mittwoch erfuhren wir bereits von den Problemen der Asiaten mit dem deutschen Zoll. Bei mehreren Ständen von Vertretern dieses Kontinents waren die Spiele noch nicht angekommen, weil sie im Zoll festhängen. Dieser Asiate drohte gar vor lauter Verzweiflung darüber mit Harakiri und führte den Besuchern mit beträchlichem schauspielerischem Talent theatralische Szenen vor (auf dem von ihm gehaltenen Zettel steht, soweit wir das Foto in originaler Auflösung noch entziffern können: „My game copies have not come yet. I‘m sorry. I have to harakiri soon. B2F games.“):

Bild von Harakiri wegen des Zolls?

Weitere Kuriositäten finden sich in unserer Galerie vom Messe-Donnerstag.

Im Austausch mit den Standbesuchern bei Fairplay ergaben sich so einige interessante Aspekte. Nur hier auf der Messe ist es möglich, so viele direkte Rückmeldungen der Leser einzusammeln. Wir freuen uns über jedes, auch kritisches Feedback! So führte ich Diskussionen über die Gewichtung der Spielbeschreibungen in Rezensionen. Hier gilt es, Unterhaltungswert und Nutzen gegeneinander abzuwägen. Wie sehr geht man ins Detail? Sowohl hier auf unserem Blog als auch bei Artikeln in der Fairplay legen wir gerne Wert auf andere Dinge oder Aspekte rund um das Spiel, oder auch andere Dinge, die uns frei dazu einfallen. Reine Regelnacherzählungen möchten wir gerne vermeiden. Doch lautete die Rückmeldung eines Lesers, dass er möglichst genau etwas über die Spielmechanik erfahren möchte und so seine Kaufentscheidungen nur schwer anhand solcher Texte treffen kann.

Bild von Fairplay Scout Trend

Bevor es weiter unten zu den Ersteindrücken geht, noch ein Blick auf die ersten Trends der Scoutaktion. Im Fokus am Donnerstagabend stand das Spiel Troyes von Pearl Games. Ebenfalls hoch bewertet wurden Vinhos, das leider noch nicht auf der Messe gekauft werden kann – nur Probepartien sind möglich. Schließlich konnte 7 Wonders schon einige Noten sammeln – die knackige Spieldauer von deutlich unter einer Stunde erlaubte vielen Scouts bereits eine Probepartie. Morgen werden wir versuchen, die Anführer der ersten Scoutlisten zu testen und von diesen zu berichten. Stay tuned!

Kathrin Nos

Bild von NavegadorNavegador von Mac Gerdts bei PD-Verlag für 2-5 Spieler:

Dieses Jahr begannen wir die Messe mit dem neusten Rondell Spiel – Navegador. In einem Satz: Navegador ist das familientauglichste Spiel von Mac Gerdts.

Entdeckungen als Spielthema ist wohl mindestens so alt wie das Brettspiel selbst. Auch der Mechanismus erntet keinen Originalitätspreis mehr. Und doch passt wieder alles zusammen. Das Spiel ist spannend, die Regeln sind intuitiv erfassbar, und das Material ist schön und praktisch gestaltet. Gäbe es einen Preis „Perfekt produziertes Spielerspiel“, so wäre Navigador ein heißer Favorit. Meinen Geschmack trifft zwar Die Prinzen von Machu Picchu mehr, da es auf den ersten Blick variantenreicher ist. Ich vermute aber, dass für viele Spieler Navegador zum Lieblingsrondellspiel werden könnte.

Peter Nos

Bild von Loch NessLoch Ness von Ronald Wettering bei Hans im Glück für 2-5 Spieler:

Irgendwie verschlägt es uns am Donnerstag irgendwann immer zu Hans im Glück. Da wir Dominion Blütezeit schon abgehakt hatten, begannen wir mit Loch Ness. In einem Satz: Loch Ness ist so spannend wie das Warten auf Loch Godot.

Sorry, entweder entgingen uns wesentliche Spielregeln. Dann haben sie sich aber in der ziemlich kurzen Anleitung gut versteckt. Oder Loch Ness ist einfach ein ziemlich schlechtes Spiel. Grund dafür sind verdeckt gelegte Bewegungskarten, die Nessi 3 bis 15 Felder voranpreschen lassen. Das Ziel, möglichst viele Fotos vom schottischen Knut zu schießen, ist kaum erreichbar, da damit schlecht kalkulierbar ist, wo Nessi wohl auftauchen wird. Dazu sollen nämlich Fotografen am Uferrand aufgestellt werden. Richtiges Raten des Auftauchortes ist aber mehr als unwahrscheinlich, das Ufer ist zu groß und Nessi zu wahllos. Die Regel erwähnt sogar eine Zwischenwertung, deren Bedingung von uns längst noch nicht erreicht war, als das Spiel zum Glück schon sein Ende gefunden hatte.

Peter Nos

Bild von Ran KingRanking von Ralf zur Linde und Stefan Dorra bei Hans im Glück für 3-5 Spieler:

Ran King (oder Ranking?) entschädigte uns dann zum Glück aber und zwar ziemlich unerwartet. In einem Satz: Ran King ist eine kindertaugliche Erklärung des Impulserhaltungssatzes.

Es geht darum, eigene Ansichten auf- und alles andere abzuwerten. Zuerst wird ein Thema vorgegeben, z.B. : „Was ein Yeti besser gebrauchen könnte.“ Alle Spieler bekommen ein paar Motivkärtchen, z.B. mit einer Perücke, einem Rucksack, einer Südseemuschel etc. und wählen sich eine geheim aus. Ein paar Motive kommen noch zufällig hinzu. Dann wird alles gemischt, aufgedeckt und nebeneinander am Rang 3 ausgelegt. Nun darf jeder reihum zwei gleichgerankte Motive benennen und eins um eine Stufe auf- und das andere um eins abwerten und dabei das warum und weshalb erläutern. Das Gesamtranking bleibt also erhalten. Nichtphysiker aufgepasst: Nichts anderes passiert bei der Impulserhaltung. Die Motive driften langsam auseinander, wechseln vielleicht sogar nochmal die Richtung, je höher aber etwas gerankt wird, umso niedriger muss etwas anderes sinken. Irgendwann hat ein Motiv den Rang 0 und eins die 6 erreicht, dann gibt es Punkte für die Spieler, je nach erreichtem Rang ihres Motivs.

Das klingt etwas doof und albern, und das ist es sogar auch. Das Spiel ist zugleich aber ziemlich lustig, es kann geblufft und taktiert werden, aber auch fluchen und kichern ist erlaubt. – Unterhaltsam!

Peter Nos

Bild von RummelplatzRummelplatz von vielen verschiedenen Autoren bei eggertspiele für 3-6 Spieler:

Peter Eggert widmete Rummelplatz als Spiel zum 15-jährigem Firmenjubiläum einem guten Zweck. Es ist auf der Messe nur direkt am Eggert-Stand erhältlich. In einem Satz: Eine gelungene Rummelplatzsimulation und damit etwa so strategisch wie eine Losbude.

Auch bei Rummelplatz darf gealbert werden. Es geht nur um Spaß und gute Laune. Dass am Ende auch ein Sieger gekürt wird, ist zweitranging, und der Sieg hat nur wenig mit dem Spiel davor zu schaffen. Bis dahin wird aber viel gelacht, gekreischt, und manch einem bei der Schiffsschaukel vielleicht auch speiübel. Rummelplatz ist eine Sammlung von acht ziemlich einfachen Spielchen, die thematisch gut verpackt sind. Je Spiel werden nur vier ausgewählt; damit ist sichergestellt, dass der Schluss kurz vorm Ende der guten Laune erreicht ist. Thema und Rummelplatzgefühl sind perfekt umgesetzt. Spielerisch gibt es dabei wenig zu entdecken. Wer sich trotzdem drauf einlässt, wird 30 Minuten lang gut unterhalten und leistet nebenbei noch Gutes, da alle Beteiligten ihr Honorar der Kindernothilfe spenden.

Peter Nos

Bild von FirenzeFirenze von Andreas Steding bei Pegasus für 2-4 Spieler:

Bei Firenze geht es mal wieder um Siegpunkte in Florenz und um den Bau höchster Türme. In einem Satz: Ein normal gutes Spiel.

Was soll ich groß schreiben? Mal wieder werden Baumaterialien gesammelt und Türme gebaut. Dabei gibt es vielerlei Nebenbedingungen und Siegpunkte für alles Mögliche. Firenze ist nett zu spielen und es funktioniert gut. Als ich trotz bescheidener Spielweise am Ende aber vorne lag, wurde ich skeptisch. Die Schlusswertung brachte mir unverhofft sehr viele Punkte, obwohl ich sie vollständig übersehen hatte. So etwas ist selten ein Qualitätsmerkmal. Vielleicht war dies aber auch nur ein unglücklicher Zufall.

Peter Nos

Weitere Eindrücke in Form einer Fotogalerie haben wir in einem separaten Posting erfasst. Dafür bitte hier: Spiel’10 Donnerstag Bildergalerie clicken!



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