Spiel ’10: Freitag

Bild von Hallenplan Freitag

Auch heute haben wir weitere Eindrücke in einem separaten Posting mit einer Fotogalerie zusammengestellt. Dafür bitte hier clicken!

Bild von Der beste Spieletisch
Heute testeten wir ausgiebig den besten Spieletisch aller Zeiten. Ich konnte es kaum glauben: Durch den Wechsel von konvexer und konkaver Krümmung ist er gleichermaßen gut geeignet, um zu dritt, viert, fünft, sechst, siebt und wohl auch zu acht oder zu neunt zu zocken. Zu dritt gibt es links und rechts extra viel Platz fürs Spielmaterial. Zu neunt vergrößern die Kurven den Tischumfang. Dadurch bekommt jeder immer noch genügend Platz. Dann sollten aber keine riesigen Brettspiele ausgepackt werden.

Peter Nos

Bild von Luna
Luna von Stefan Feld bei H@ll Games für 1-4 Spieler:

Auch die zweite Veröffentlichung von H@ll Games trägt den Namen eines hochkarätigen Autors. Wieder wurde ein rundum handwerklich schönes Spiel geschaffen. In einem Satz: Mein Bauch sagt mir, Luna bekäme gleich zwei Grübeltatzen und einen von drei Halbmonden.

Hinter dem zauberhaft schönen Design scheint sich ein hartes Taktikspiel zu verbergen. Auf der Messe spielten wir Luna nur kurz an und brachen es nach einem Drittel ab. Luna ist wahrlich nicht schlecht, verlangt aber eine etwas entspanntere Umgebung als den Messetrubel. Dies ist also eher ein Messehalbeindruck.

Es geht um Priester, Tempel und Heiligtümer. In sechs Runden werden Mönche aktiviert und zu siegpunktträchtigen Taten bewogen. Manchmal werden zwei benötigt, manchmal einer. Dabei ziehen siezwischen kleinen Eremiteninseln umher, können sich vermehren oder auf der Hauptinsel im Zentraltempel dicke Siegpunkte erbeten. Das Grübeln beginnt bei den Nebenbedingungen und Vernetzungen der Aktionen. Spezielle Siegpunktfelder können nur von speziellen Inseln erreicht werden. Auf jeder Insel gibt es auch einzigartige Sonderplättchen zu sammeln, welche andere Aktionen verstärken oder überhaupt erst erlauben. Tempelbau bringt Rabatte auf weitere Aktionen, zum Auflösen von Gleichständen gibt es eine Extraleiste und so weiter und so fort. Ich bin gespannt, wie sich Luna in den ersten vollständigen Partien entwickelt.

Peter Nos

Bild von Troyes
Troyes von von Sébastien Dujardin, Xavier Georges, Alain Orban bei Pearl Games für 2-4 Spieler:

Mir fällt eben auf, dass Troyes unter anderem vom Autor von Carson City stammt. Palais Royal stammt auch seiner Feder. Langsam beginne ich zu glauben, dass Spiele von ihm Pflichttestkandidaten für mich werden könnten. Troyes gewann am Donnerstag die Scoutaktion. Daraufhin probierten wir es heute aus. In einem Satz: „Wir haben es dann auch sogleich gekauft.“

Ähnlich wie bei Kingsburg wird zwar etwas gewürfelt, ein glückliches Händchen wird dabei aber kaum benötigt. Aus so ziemlich jedem Ergebnis lässt sich etwas machen. Es geht ums Leben in einer mittelalterlichen Stadt. – Wieso kam bisher eigentlich niemand auf die Idee dies mal in einem Spiel zu thematisieren? – In sechs Runden werden Bedrohungen abgewendet, Kirchen gebaut, Ratsherren eingestellt, oder es wird vieles andere getrieben. Es ist aber auch erlaubt, all dies zu ignorieren und auf andere Art Siegpunkte zu scheffeln, zum Beispiel im Handwerk oder durchs Ausrichten von Turnieren. Die Möglichkeiten und Belange sind vielseitig, vielleicht sogar schon zu breitgestreut. Zumindest kommt kein Gefühl der Enge auf. Am Spielende war gar von fast allem zu viel vorhanden. Dies störte aber den Spielspaß kaum, vielleicht ist es sogar gewollt. Troyes ist ein etwas hakeliges und schwer zu durchblickendes Spiel. Es enthält dafür aber gleich auch eine ganze Reihe origineller Ideen, die Lust auf genauere Entdeckungsspiele machen.

Peter Nos

Bild von Seven Wonders
Seven Wonders von Antoine Bauza bei Repos Games für 2-7 Spieler:

Seven Wonders ist schon fast ausverkauft, dabei enthält die große teure Schachtel neben einem schnellen Kartenspiel fast nur gute belgische Luft. In einem Satz: Wenn Sie Fairy Tale kennen und mögen, könnte Ihnen auch Seven Wonders gefallen.

Auch wenn Sie Fairy Tale noch nicht kennen, sollten Sie Seven Wonders mal ausprobieren. Trotz größerer Regelfülle spielt es sich etwas geradliniger, ohne dabei an Spielreiz einzubüßen. Aus sieben Karten wählt jeder eine aus, spielt sie und gibt den Rest an seinen Nachbarn weiter. Die Karten bringen Siegpunkte oder erlauben überhaupt erst andere Karten zu spielen und eben Weltwunder zu erbauen. Das war es eigentlich schon. Und nachdem Sie Seven Wonders lieben lernten, sollten Sie unbedingt mal wieder Fairy Tale spielen, denn das ist trotzdem noch einen Tick besser.

Peter Nos

Bild von Fifty Fifty
Fifty Fifty von Reiner Knizia bei Zoch für 3-5 Spieler

In lockerer Fünferbesetzung zockten wir ein paar Runden Fifty Fifty. In neun Runden spielt jeder jeweils eine Karte. Die höchste Karte einer Runde erhält blaue Halbmonde, die niedrigste kassiert gelbe ein. Jeder Halbmond ist einen Minuspunkt wert. Doch wer blaue und gelbe Hälften zusammenfügen kann, neutralisiert zwei Minuspunkte. Die Strategie lautet also: Je nach Handkarten Halbmonde ganz vermeiden oder ausgewogen beide Sorten sammeln. Doch geben das die Karten her? Wer eine ungleichmäßige Kartenhand hat, wird es schwer haben und sammelt womöglich sehr stark in einer Farbe ein: Achtung, hoher Glücksfaktor!

Kathrin Nos

Bild von Comic Action in Action
Viel Kurioses gibt es zu entdecken, besonders lohnt sich auch ein Blick über den Tellerrand der Vielspieler. Fasziniert haben mich dieses Mal zum Beispiel die Comiczeichner im Rahmen der Comic Action, die seit vielen Jahren zeitgleich zur Spiel stattfindet und vor allem in den Messehallen 8 und 9 untergebracht ist. Hinter einer Tischreihe saßen mehrere Zeichner, die ihre Kunst live vorführten. Auf der anderen Seite tummelten sich die Comic-Fans. Die sich entwickelnden Gespräche drehten sich um Zeichentechniken und die Verbindung unterschiedlicher Farbmaterialien und Stifte.

Bild von Plancentia
Hinreißend ist es, wie sich viele Kleinverlage ins Zeug legen. Aufwändige, atmosphärisch passende Kostümierungen laden zum Eintauchen in die Spielwelten ein. Von der italienischen Renaissance beim Spiel Florenza bis hin zur Space-Schönheit bei Interstellar Mayhem erzeugten die Macher viel Stimmung.

Ein weiteres Mal ist die Messe geprägt vom internationalen Flair. Dass wir eine Schwäche für die Italiener mit ihrer Emotionalität und ihrem Enthusiasmus bei ganzem Einsatz für ihre Spiele haben, berichteten wir schon in den Vorjahren. Als Neulinge auf der Messe landeten die Belgier vom Pearl Games Verlag einen Hit mit dem Spiel Troyes, das am Donnerstag ziemlich überraschend vorn lag bei der Fairplay-Scoutliste. Einen ersten Eindruck dieses Spiels schildert Peter weiter oben in diesem Bericht.

Bild von Scout Sieger Donnerstag
Überhaupt ist die Scoutaktion wieder ein Renner. Der Stand der Fairplay war den ganzen Tag umlagert, und jede neue Wertung wurde herbeigesehnt und mit Neugierde verfolgt. Ein vorderer Platz schlägt sich direkt wirtschaftlich nieder. Das Spiel eines kleinen Verlages sah ich beim Pressetermin eines großen Verlages, der an Partnerschaften in Hinsicht auf Vertrieb interessiert ist – und durch die Fairplay-Scoutliste auf dieses Spiel aufmerksam wurde. Ein anderer Verlag berichtete, dass kurz nach dem Auftauchen von dessen Spiel in der Top Ten eine größere Bestellung aus Korea einging. Eine Menge Verantwortung für die Organisierer der Scout-Aktion! Um Manipulationen vorzubeugen, müssen sich die teilnehmenden Scouts mit vollständiger Adresse registrieren, und die Scoutzettel werden mit einer Nummer versehen. So kann man nachvollziehen, ob Spiele doppelt bewertet wurden, und auch gesammelte positive Wertungen können so zumindest stichhaltig auf Zugehörigkeit zu Fankreisen untersucht werden. Diese Vorgehensweise bewährte sich bereits letztes Jahr, und der zweite Platz beim Deutschen Spielepreis von Vasco da Gama zeigt, dass der Vorjahressieger der Scoutaktion auch langfristig die Gunst der Spieler gewinnen konnte.

Am Samstag werden wir versuchen, einige weitere der in der Scoutliste vorn liegenden Spiele zu testen und hier unsere ersten Eindrücke zu schildern. Wenn man die Massen betrachtet, die sich bereits am Donnerstag und am Freitag durch die Gänge schoben, kann einem aber schon angst und bange werden, was am traditionell vollsten Messetag erst los sein wird.

Kathrin Nos

Weitere Eindrücke in Form einer Fotogalerie haben wir in einem separaten Posting erfasst. Dafür bitte hier: Spiel’10 Freitag Bildergalerie clicken!



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2 Kommentare to “Spiel ’10: Freitag”

  1. Ludwig Gantner

    Lieber Herr Nos!
    Mich würde der 2beste Spieltisch aller Zeiten” sehr interessieren, ich finde im Bericht leider keinerlei Hinweis auf den Hersteller. Haben Sie irgendwelche Infos diesbezüglich? Danke für die schönen Berichte!

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