Spiel ’10: Samstag

Bild von Hallenplan Samstag

Zum Abschluss unserer Live-Berichterstattung gibt es nochmals Ersteindrücke zu vier Spielen, sowie ein kurzes Fazit der Messe.

Bild von Habemus
1655 – Habemus Papam von Christoph Bauer bei DDD Verlag für 3-4 Spieler:

Im Nachhinein wurde Uruk von uns etwas unterbewertet. Den Spielen des kleinen DDD Verlages wohnt irgendetwas inne, das mir den Zugang erschwert. Deshalb nahm ich mir vor, deren Spiele nur sehr vorsichtig mit Ersteindrücken zu beurteilen. 1655 – Habemus Papam führte nun aber plötzlich die Scoutliste an, und so wuchs natürlich das Interesse an dem Spiel. Also testeten wir los. In einem Satz: „Ein lockeres Versteigerungsspiel, das Abwechslung in die sonst hammerharte Scoutliste bringt.“

Runde für Runde werden Karten versteigert. Es wird geheim um die Reihenfolge geboten, wer zuerst die Auswahl hat. Jeder bekommt immer etwas. Thematisch geht es ums Stimmensammeln zur Papstwahl. Wer die meisten Stimmen sammelt gewinnt. Die ersteigerten Karten bringen in Kombination Extrastimmen und ein paar Aktionskarten lockern das Spiel zusätzlich auf. Das alles ist nichts Besonderes, funktioniert aber ordentlich und trägt auch über die erfreulich kurze Spieldauer. Versteigerungen sollte man aber schon mögen.

Peter Nos

Bild von Merkator
Merkator von Uwe Rosenberg bei Lookout für 1-4 Spieler:

10 Jahre Lookout Games. Im Jubiläumsjahr ist der erfolgreiche Kleinverlag sehr aktiv. Merkator klingt nach schwerer Kost, die Spieldauer ist aber recht knapp kalkuliert. Etwas erschöpft starteten wir denn einen Test. In einem Satz: „Wo Logistik auf Optimierung und Handel trifft, ist Merkator nicht weit .“

Ich gebe zu: Das Spiel ist originell. Die Regel versucht dies zwar geschickt mit einer wirren Struktur zu verbergen, wir rangen sie aber erfolgreich nieder und erkannten einiges an Potential. In der Kürze der Nacht will ich gar nicht versuchen die Regeln zu erklären. Es werden Waren gesammelt und Aufträge erfüllt, das Drumherum darf sich aber jeder Neugierige selbst erschließen. Wir waren uns etwas uneinig, ob das Spiel nun gut oder mittelmäßig ist. Es ist uns auch nicht klar, ob es zu glückslastig ist oder ob wir einfach den Dreh nicht raus hatten. Klar ist mir, dass es nicht mein Ding ist. Manchmal gibt es solche Spiele, bei denen ich zu grübeln und rechnen beginne und dann doch nur schwache Züge finde. Merkator ist so ein Spiel, dabei fand ich es wirklich interessant, nur heute war es viel Arbeit und wenig Vergnügen.

Peter Nos

Bild von Der neue Isensee
Geschenke für den Radscha von Florian Isensee bei Isensee Verlag für 2-4 Spieler:

Mittlerweile kann man es wohl Tradition nennen: Das neue Isensee-Spiel testen wir jedes Jahr auf der Messe. Nach dem Vorjahresspiel Das Labyrinth des Minotaurus erscheint nun Geschenke für den Radscha. Das Spielziel ist so einfach erklärt wie vermeintlich unspektakulär: Über einen Spielplan bewegt man seine Figur von Ort zu Ort. Zwei Geschenke für den Namen gebenden Radscha sind an zwei vorgegebenen Orten zu erwerben, bevor man zum Ausgangspunkt zurückkehrt. Wer dies zuerst geschafft hat, gewinnt das Spiel.

So weit, so gut. Doch der Teufel steckt im Detail. Auf dem Spielplan verteilt liegen Steine in den Spielerfarben auf den Wüstenfeldern. Für die Bewegung gilt: Ein Feld weit darf man kostenlos ziehen. Für weitere Strecken entlang einer Richtung (abbiegen ist nicht erlaubt) sind Steine in der eigenen Farbe zu bezahlen. Alle auf dem Weg liegenden Steine darf man einsammeln. Für jeden eingesammelten Stein legt man einen Stein der eigenen Farbe zurück auf den Spielplan – aber nur angrenzend an eigene Steine oder einen vorgegebenen Ort. Um die Geschenke zu bezahlen, werden vier verschiedenfarbige Steine benötigt. Das hört sich leicht an, doch der Bewegungsmechanismus hat es in sich. Zum einen sollte man genügend Steine der eigenen Farbe sammeln. Zum anderen zwingt einen jedes leere Feld zur Beendigung der Bewegung – und das bremst in diesem Rennen!

Die Spiele von Florian Isensee haben durchaus einen eigenwilligen Charakter. Geschenke für den Radscha hat abstrakte Züge, und man muss erstmal ein Gefühl für diesen ungewöhnlichen Mechanismus entwickeln. Doch gerade dies finde ich sehr reizvoll – von solchen individuellen, frischen Ideen dürfte es nach meinem Geschmack viel mehr in der Spieleszene geben.

Kathrin Nos

Bild von Olympos
Olympus von Andrea Chiarvesio und Luca Iennaco bei Giochi Uniti für 3-5 Spieler:

Vor der Messe hatte ich mir Olympus vorgemerkt, um zumindest einen Blick darauf zu werfen. Denn die beiden Autoren sind uns vom Spiel Kingsburg bekannt, das uns gut gefällt. Daher war das Auftauchen von Olympus in den vorderen Rängen der Scoutaktion ein guter Anlass, eine Probepartie zu wagen. In verschiedenen Bereichen entwickelt sich die eigene Kultur. Bevölkerung, Weisheit für besseren Gebäudebau, Militär und Nachschub in drei verschiedenen Rohstoffen gilt es auszubauen. In jeder Runde hat zunächst jeder drei Aktionen.

Reihum darf man eine Hauptaktion wählen und ausführen. Wer diese eigentlich auch eingeplant hatte, darf eine abgeschwächte Version ausführen. Dieser Mechanismus erinnerte mich ein wenig an das „So sei es!“ von Wie Verhext! – auch wenn dies freilich die einzige Parallele zwischen den beiden Spielen ist. Mittels der Gebäude ist eine Entwicklung über eine bestimmte Schwelle bei Bevölkerung, Militär und Weisheit überhaupt erst möglich. Siegpunkte werden erwirtschaftet durch eine der Aktionen, durch Gebäudebau und durch die vollständige Entwicklung in jeweils einer der sechs möglichen Sparten. Aus Zeitgründen brachen wir das Spiel etwa bei der Hälfte ab. Ich hatte das Gefühl, die Mechanismen noch nicht ganz im Griff zu haben. Doch die Überlegung, wie ich meine wenigen Aktionen pro Runde einsetze, erschien mir recht reizvoll zu sein.

Kathrin Nos

Bild von Die andere Seite des Mädchens

Heute beenden wir die Berichterstattung, denn morgen abend beginnt unser jährlicher Spieleurlaub. Dieses Jahr geht es in eine Mühle bei Braunschweig. Hoffentlich hat der Bericht wieder zumindest einigen Lesern gefallen. Wenn zu wenig gejubelt wurde, so liegt dies vielleicht an den nächtlichen Stunden der Schreiberei.

Ein kleiner Nachtrag zur Verleihung des Deutschen Spielepreises sei mir erlaubt. Die Veranstaltung war wirklich schön. Ich habe länger darüber nachgedacht, was mich am Abend störte. Ich denke, es waren die klappernden Gabeln. Den Gästen wurde direkt zu Beginn des offiziellen Teils, der immerhin etwa eine Stunde dauerte, die sehr leckere Vorspeise serviert. Prompt begannen alle – wir eingeschlossen – munter zu speisen und ihre Konzentration aufs Essen zu lenken. Schon bei der Rede des Bürgermeisters empfand ich dies als ziemlich unpassend. Die folgende Preisverleihung verkam dann fast zur Nebenberieselung. Ich liess mir sagen, dass der Ablauf Jahr für Jahr fast identisch sei, und eben deshalb mag ich zukünftige Messevorabende lieber privat gestalten.

Zum Abschluss noch ein paar Bilder.

Bild von Card Driven Playmobil Galdiator Game

Auch Playmobil eignet sich zum Spielen, zum Beispiel als Card Driven Playmobil Gladiator Game.

Bild von Spiele auf Chinesisch

Nach japanischen Ausgaben europäischer Brettspiele folgen nun koreanische asiatische Versionen.

Bild von Das neuste Krimirollenspiel

Der neuste Krimi Total führt ins Reich der Fantasy.

Bild von Krimis der Vergangenheit

Aber auch andere Anbieter werben mit historischen Mordszenarien.

Bild von Das Fest der Feste

Nach drei Tagen Messe lautet unser vorläufiges Fazit: Dies waren mal wieder die schönsten Spieletage in Essen, wie eben jedes Jahr.

Peter Nos



Share

3 Kommentare to “Spiel ’10: Samstag”

Mein Kommentar

  • (wird nicht weitergegeben)