Spiel ’10: Vorschau Teil 2

Hin und wieder fühle ich mich von einem Spiel verfolgt. Ein Beispiel ist Last Train To Wensleydale. Vor einem Jahr musste ich es in Essen sofort kaufen (s. Spiel ’09: Mittwoch). Nach der Veröffentlichung meiner Rezension bekam ich den Auftrag, ähnliches noch einmal für die Fairplay 93 zu schreiben. Um Doppellesern auch wirklich neue Informationen zu liefern, forschten wir in diesem Zusammenhang auch etwas über die Neuauflage First Train to Nürnberg.

Bild von Harry
Für alle, die aus welch unentschuldbaren Gründen auch immer noch keine Fairplayabonnenten sind, gibt es aber auch gute Neuigkeiten: Neuabonnenten erhalten in Essen dieses Jahr sogar zwei kostenlose Ausgaben. Eine ältere direkt zum Mitnehmen, die Dezemberausgabe (Nummer 94) und den gesamten Jahrgang 2011 zum Messesonderpreis. – Kaufe jetzt! Bereue später! SOFORT!

Natürlich sind Exemplare des Messeheftes am Fairplaystand erhältlich. Dort können Abonnenten auch wieder an der Scoutaktion mit kostenlosem Gewinnspiel teilnehmen. Eine wichtige Änderung wird es geben. Wir werden von den Gewinnern jedes Messetages kurzfristig jeweils ein Exemplar am Fairplaystand verfügbar haben. Auch wenn ein Spiel knapp wird, kann es dann zumindest bei uns noch einmal bewundert werden, und wir können jeden Hype auf seine Substanz spielerisch überprüfen.

In diesem zweiten Teil der Vorschau werfe ich einen Blick auf folgende Spiele

Bild von Asara
Asara von Wolfgang Kramer und Michael Kiesling bei Ravensburger für 2 bis 4 Spieler:

Das Herz eines Anthropologen wird beim Anblick von Asara wohl hektisch zu pochen beginnen. Informierte Spieler wissen jedoch schon seit Kathrins Messebericht Nürnberg 2010: bei Asara geht es einfach nur um Turmbau und nicht um Tempel eines neu entdeckten Fruchtbarkeitskultes.

Mit der Spielregel konnte ich zunächst nicht viel anfangen, bis ich erkannte, dass sie eine ganz vorzügliche Einschlafhilfe ist: Bauteile kaufen, Bauen, Siegpunkte sammeln, 4 Runden wieder- Gähn – sorry -holen – Mehrheitenwertunggggggggg – schnarch.

Umso erstaunter glotzen wir nach der ersten Partie, dass Asara unerwartet spannend zu spielen ist! Grund sind die schnell verknappenden Aktionsmöglichkeiten. Alles ist zunächst möglich, doch mit jeder Runde reduzieren sich die Optionen doppelt schnell: Nicht nur die verbleibenden Aktionen nehmen ab, sondern auch die Möglichkeiten sie zu bezahlen. Der jeweils erste Spieler, der eine Bauteilsorte erwirbt oder allgemein in einem Bereich aktiv wird, legt fest mit welcher Kartensorte gezahlt wird. Wer diese nicht hat, muss hier doppelt teuer zahlen.

Bei Asara werden zwar kaum neue Spielelemente neu eingeführt. Die Komposition der aufs Wesentliche reduzierten Regeln bewirken aber ein überaus interessantes Spielerlebnis. Definitiv ist dies die spielenwerteste Neuerscheinung bei Ravensburger seit Diamonds Club und um Klassen besser als das spröde Seeland.

Peter Nos

Bild von Krawall Vorm Stall
Krawall vorm Stall von Michael Feldkötter bei Ravensburger für 2 bis 4 Spieler:

Im Gegensatz zu Asara wirkten die Regeln von Krawall vorm Stall schon beim Lesen recht pfiffig. Michael Feldkötter fiel uns schon häufiger durch originelle Spielideen auf. Tenakee (Spiel ’08: Vier Amigo-Neuheiten) habe ich zwar in keiner guten Erinnerung. Bei Montego Bay machte sich aber schon sein Potential bemerkbar. Das etwas verwirrendere aber durchaus bemerkenswerte Stichspiel Beim Jupiter ist übrigens auch von ihm.

Krawall vorm Stall ist ein simples Lauf- und Ärgerspiel. Kartengetrieben rennen Hühner um die Wette, neue Karten gibt es durch Erwürfeln von Hühnern. Lassen Sie sich nicht vom schrägen Design mit echtem 3D-Plastikspielplan von einem Probespiel abhalten, denn der Mechanismus ist durchaus trickreich.

Da vom Hühnerlaufspiel kein großer gedanklicher Sprung zum Roadrunner liegt, kann ich nach Beep! Beep! endlich auch wieder einmal auf Willi Coyote hinweisen.

Peter Nos

Bild von Haggis
Haggis von Sean Ross bei Indie Boards & Cards / Bambus für 2 bis 4 Spieler:

Willkommen bei den ATS (Anonymen Tichusüchtigen). Ich heiße PeterN und und habe eine neue Suchtstufe erreicht. Denn jetzt nehme ich sogar als Teil des Teams “Die Glückskater” an der Tichuliga teil. Hoffnung naht jetzt aber vielleicht mit einem neuen Ersatzspiel. Haggis (schottische “Spezialität”: mit Innereien und Sonstigem gefüllter Schafsmagen) wird zu zweit oder zu dritt gespielt und hat zur Abwechslung ein schottisches Design, aber sonst viel Gutes vom Tichu übernommen. Allen die schon immer verzweifelten, weil sie nie Bomben bekommen, wird auch Besserung versprochen: Jedem steht pro Runde mindestens ein solcher Sprengkörper zur Verfügung.

Bisher spielten wir Haggis erst einmal. Tichu wird es kaum ablösen, als flottes Stichspiel ist es aber eine überaus vielversprechende Bereicherung im kleinen Marktsegment der Dreipersonenspiele.

Peter Nos

Bild von Sieben unter Verdacht
Sieben unter Verdacht von Reiner Knizia bei Gmeiner-Verlag / Hutter für 1 (bis 5) Spieler:

Dies ist das erste Krimispiel der Gmeiner-Reihe, das den Titel Spiel annähernd verdient. Zwar ist Sieben unter Verdacht auch nur eine Master Mind Variante und eigentlich ist es auch nur ein Solitärknobelspiel. Als solches ist es aber anprechend produziert und trickreich gestaltet. Aus 7 Verdächtigen gilt es die Täter zu identifizieren. Dazu wird eine Aufgabenkarte verdeckt bereitgelegt. Ihre Rückseite zeigt jede Menge Einschußlöcher. Dann suchen sich die Ermittler aus drei Karten, die einige Verdächtige zeigen, eine aus und legen sie auf die Aufgabenkarten. Die durch ein Loch in der Verdächtigenkarte sichtbaren Einschüsse geben die Zahl der auf ihr zu sehenden Täter an. Ziel ist es nun mit möglichst wenigen Rateversuchen die Täter zu identifizieren.

Als Solitärspiel ist Sieben unter Verdacht für Rätsellöser zumindest mal einen Blick wert.

Peter Nos

Bild von Pony Express
Pony Express von Bruno Faidutti & Antoine Bauza bei Fun Forge / Heidelberger für 3 bis 5 Spieler:

Es gibt einiges Gutes über Pony Express zu schreiben: Es ist wieder ein ausgeprochen hübsches Spiel geworden und folgt im Design dem unverkennbaren Vorgänger Dice Town. Es enthält auch reichhaltiges Material und wird kaum eine Erwartung enttäuschen: Ein Blick auf die Autoren und das Coverdesign lässt ein albernes Spiel erahnen. Und albern ist es in der Tat. Es wird mit Würfeln gepokert und geblufft, und damit nicht aus Versehen der Verdacht der Einflussnahme aufs Spielgeschehen aufkommt, werden hin und wieder mal Spielfiguren übes Brett hinweg geschnippst, geschleudert oder geworfen. Wir konnten uns nicht einigen, wie es genau regelgerecht sein soll, aber es ist auch egal, denn albern bleibt es allemal.

Mit Pony Express bewahrheitet sich aber leider auch mal wieder die Erkenntnis: Albern allein ist kein Garant für Spielspaß, und eine gute Aufmachung rettet kein schlechtes Spiel.

Peter Nos

Bild von Andere Länder - Andere Sitten
Andere Länder – Andere Sitten von Marion Luger bei Piatnik für 2 bis 6 Spieler:

Mögen Sie Fauna? – Ja, ich mag es auch. Bei Andere Länder – Andere Sitten wird das Rateprinzip umgedreht. Ein Spieler liest eine ziemlich lange Ratekarte vor, wie im Beispiel zu sehen ist. Dann gibt er fünf Länder vor, zu denen die vorgetragene Sitte passen könnte. Die anderen dürfen nun raten, welches Land das Richtige ist. Wären die Texte nicht soooooo lang und mitunter auch -weilig so könnte es zumindest als Kommunikationshilfe dienen, falls es mal an Smalltalkthemen mangelt.

Peter Nos

Bild von PlateauX
PlateauX von Hendrik Simon bei Winning Moves für 2 bis 4 Spieler:

Beim abstrakten PlateauX gilt es mal wieder nach oben zu klettern. Dazu gibt es viel Holzmaterial und einfache Spielregeln: Entweder ein Holzbauteil einsetzen, wobei auch in mehreren Ebenen gebaut werden darf, oder die eigene Spielfigur ziehen. Diese muss mit jedem Schritt genau eine Ebene hoch- oder runterklettern und darf keine von anderen Spielern besetzte Ebene betreten.

PlateauX möchte ich eigentlich mögen. Die Regeln sind so klar wie kurz, am Material gibt es auch nichts auszusetzen. Im ersten Test wollte bei uns so gar kein Funke überspringen. Es gab keinen Moment, in dem der Spielverlauf in der Beschreibung wie vollmundig angekündigt “lebhaft und oft überraschend” wurde oder “eine vorläufige Siegposition ins Gegenteil kippt”. Zu viert erlebten wir leider auch keine “Mischung aus Strategie und Glück”. Ein passabler Start sicherte mir vielmehr eine zentrale sichere Siegposition, die ich gemütlich immer weiter ausbauen konnte. Schon nach wenigen Minuten war das Ergebnis abzusehen, das Spielende aber noch in weiter Ferne. Vielleicht kommt zu zweit mehr Spannung auf.

Peter Nos

Bild von Wobble
Wobble von Ad Bruynzeel bei Winning Moves / Identity Games für 1 bis 4 Spieler:

Wobble wird ins ewige kollektive Gedächtnis der Geschicklichkeitsspieler eingehen. Nämlich als das Spiel, das einmal aufgebaut überhaut gar nie nicht nimmer mehr in seine Schachtel passen wird. Der Hersteller empfiehlt sogar ausdrücklich, das Spielbrett nicht mehr auseinander zu nehmen. Dies ist der GAU für jeden eBay Aktivisten oder “Spiele-liebevoll-im-Regal” Ausstellers. Ich kann aber einen guten Rat geben: Packen Sie Wobble einfach nicht aus. Lassen Sie es lieber gleich im Regal Ihres Spielehändlers eingepackt liegen. Spielen Sie lieber mal wieder Bamboleo oder noch besser: Bausack, Hamsterrolle oder Villa Paletti.

Peter Nos

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