Troyes

Würfel und Glück scheinen gemeinhin Hand in Hand zu gehen. Glück ist ein praktischer Gefährte im Spiel: Wer verliert, kann es auf den blöden Zufall schieben – wer gewinnt, kann sich auf überragende Strategie berufen. Im Spiel mit Kindern gleicht ein Glücksfaktor unterschiedliche Spielstärken aus. In der französischen Stadt Troyes, in die uns das belgische Autorentrio von Pearl Games nun schickt, mag es aber manchem spanisch vorkommen: Denn trotz des stolzen Doppeldutzends an Würfeln steckt nur wenig Glück in der Schachtel.

Das Spiel Troyes ist das Spiel der Zahl Drei. Drei Autoren, drei Stände (Adel, Klerus, Bürgertum), sowie die phonetische Verwandtschaft: Denn die französische Drei – „trois“ – wird genauso ausgesprochen wie der Name der Stadt in der Region Champagne. Weitere Dreien ziehen sich durchs Spiel: Je drei Aktionskarten werden in den ersten drei Runden aufgedeckt. Sie prägen jede Partie und sorgen für mächtig viel Variation bei der nächsten Partie, denn die dreifache Anzahl an Aktionskarten liegt dem Spiel bei. Um rein zufällig dieselbe Kombination ein zweites – ähm, wohl passender: drittes – Mal zu spielen, muss man schon eine erkleckliche Zahl an Partien absolvieren. Drei Stockwerke werden beim Kathedralenbau errichtet, und drei Währungen hat das Spiel. Doch nur eine führt zum Sieg: Klar, die Siegpunkte, wie es der Name schon verheißt.

Die Spielmechanik ist fein verzahnt und enthält viele Stellschrauben. Zentrales Element und treibende Kraft bei den Aktionen sind die Würfel in den drei Farben der drei mitspielenden Stände. Für jede eigene Figur in Palast, Bischofssitz und Rathaus wirft jeder Spieler zu Beginn der Runde einen Würfel. Die reihum ausgeführten Aktionen benötigen einen bis drei Würfel. Eine Runde endet, sobald entweder alle Würfel eingesetzt wurden oder niemand mehr aktiv werden möchte.

Bild von Troyes

Um die vielfältigen Möglichkeiten des Spiels zu illustrieren, ohne dabei jedoch zu sehr ins Detail zu gehen, bleibe ich bei den drei Währungen. Dass Siegpunkte super sind, sollte klar sein. Sie erhält man bereits auf vielfältige Arten und Weisen, etwa durch Aktionskarten, die Bekämpfung der feindlichen Ereignisse, sowie durch Beteiligung am Kathedralenbau. Jeder Spieler erhält zu Beginn eine von sechs möglichen Wertungen zugelost. Diese wird erst bei der Endwertung aufgedeckt – gilt aber für alle Spieler! Beispielsweise kann besonderes Engagement beim gerade erwähnten Kathedralenbau belohnt werden. Während des Spiels richtig zu erraten, welche Wertungen die Mitspieler kennen und natürlich in diesen Sparten ebenfalls zu punkten, kann viele Siegpunkte einbringen.

Die zweite Währung Geld ist sehr praktisch, um handlungsfähig zu sein. Mit Münzen kann man benötigte Würfel bei den Mitspielern einkaufen, sowie eigene Figuren auf den Aktionskarten einsetzen. Letztere erlauben die Umwandlung von Würfelaugen in Aktionen – je höher das Würfelergebnis, desto häufiger darf die Aktion ausgeführt werden. Die Aktionen erlauben eine Manipulation der Würfelergebnisse, schütten Siegpunkte aus, erschließen zusätzliche Geldquellen oder tragen zum Ruhm des Spielers bei.

Womit wir bei Währung Nummer Drei wären. Ruhm ist – wie könnte es bei einem komplexen Spiel dieses Kalibers anders sein – ebenfalls auf vielen Wegen zu erlangen. Einsetzen kann man ihn, um neue Spielfiguren zu erhalten oder die eigenen Würfel zu verändern. Für die Bezahlung eines Ruhmespunktes darf ein Würfel erneut gewürfelt werden. Wer vier Ruhmespunkte abgibt, darf gar ein eigenes Paket von bis zu drei Würfeln umdrehen. Dabei werden freilich Einsen zu Sechsen etc. – und plötzlich kann ein zuvor enttäuschendes Würfelergebnis richtig aufgemotzt werden!

Das Regelwerk von Troyes ist zunächst nicht sehr intuitiv. Wer gar ein Exemplar der ersten Auflage besitzt, mag die Regellektüre mit einigen Falten auf der Stirn verbringen. Nach Übernahme ins Heidelberger Vertriebsprogramm spendierte der Verlag deshalb eine Überarbeitung. Doch auch bei perfekter Erklärung (gibt es die?) ist ein wenig Eingewöhnung nötig.

Von Beginn an hat uns der Aktionsmechanismus durch Verwendung eigener oder den Einkauf fremder Würfel exzellent gefallen. Richtig schlechte Würfelergebnisse gibt es dadurch nicht. Wer viele eigene Würfel besitzen möchte, muss viele Aktionen zum Verdrängen der Mitspieler ausgeben – während selbige womöglich ihre Aktionen bereits zur Erlangung von Siegpunkten einsetzen konnten. Hier und an vielen weiteren Stellen gilt es immer wieder abzuwägen, was den besten Ertrag verspricht. Der Einsatz bei den Aktionskarten sollte nur sehr gezielt erfolgen. Reizvoll gestaltet sich die Überlegung, welche Aktionen man sinnvoll und effizient kombinieren kann – und da immer nur 9 von 27 Aktionskarten mitspielen, bietet jede Partie neuen Stoff für Überlegungen!

Troyes ist ein Spiel mit einem sperrigen Einstieg. Wir mussten uns erst über die eine oder andere Partie “warmspielen”. Mit zunehmender Spielerfahrung geht der Spielablauf leichter von der Hand und erlaubt ein zunehmend gezielteres Spiel. Der Überblick über die Möglichkeiten baut sich besser auf. Gleichzeitig reift die Erkenntnis: Es gibt keinen Königsweg, der geradewegs zum Sieg führt. Außer den Würfeln sorgt die Kartenauswahl der Aktionskarten und der feindlichen Ereignisse für ein Quäntchen Glück.Bild von 2 von Drei
Prädikat
:
2 von Drei
Aus diesem Grund kam es selten zu sehr weit auseinanderliegenden Punkteständen. Insgesamt hat Troyes bei uns erst langsam gezündet – doch dafür nachhaltig. Selbst nach einer mittlerweile zweistelligen Anzahl an Partien ist der Spielreiz ungebrochen. Die Suche nach der idealen Kartenkombination macht neugierig darauf, immer wieder nach Troyes aufzubrechen.

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