Yvio: Die Spielekonsole

Versuche der Verbindung von Computern und Brettspielen als X-Gaming zu verbinden, gab es immer mal wieder. In meiner Kindheit gab es Atlantis, den schwarzen Turm. Leider besaß den nur ein Freund und ich erinnere mich nur an zwei oder drei Partien. Damals empfand ich das Spiel als ein Meisterwerk der Technik und Strategie. Vielleicht ist es ganz gut, dass ich das Spiel nicht besitze, denn ich bin nicht sehr erpicht, die Verklärungen meiner Jugend revidieren zu müssen.

Später erschien Monopoly, die Börse von Reiner Knizia. Ein kleiner Computer verwaltete Kurse von Aktien, deren Mehrheiten zum Straßen- bzw. hier Firmenbesitz benötigt wurden. In diesem Spiel zeigte sich, dass Elektronik nicht nur Würfel ersetzen oder die Verwaltung erleichtern kann. Leider kannte der Designer des Börsencomputers wohl weder das Grunddesign des Taschenrechners, noch verfügte er über Grundlagenwissen der Ergonomie. Zudem krankte das Spiel an den typischen Monopolysymptomen. Somit verstaubte es als Kuriosum im Regal.

Ravensburger probiert schon seit einigen Jahren mit King Arthur und Die Insel, sowie neuerdings mit Wer War’s, das klassiche Brettspiel zu computerisieren. Wie auch bei den vielen anderen hier nicht erwähnten Versuchen verzichtete der Verlag auf den wesentlichen Vorteil moderner Computer: Wiederverwendung durch Trennung von Soft- und Hardware.

Yvio 

Public Solutions versucht nun eben dies mit einer Brettspielkonsole zu erreichen. Die Basiseinheit, ein kleiner Computer mit RFIDs als Spielsteinen, muss zuerst erworben werden. Die einzelnen Spiele enthalten immer eine SD-Karte mit der Software und weiteres Spielmaterial der herkömmlichen Art.

Leider verschweigt der Hersteller so ziemlich alle technischen Konzepte. Die folgenden Details sind deshalb wilde Vermutungen. Hätte ich aber den Auftrag, Yvio nachzubauen, würde ich wie folgt vorgehen:

Ein Sender und zwei Empfänger in der Basiseinheit überwachen ständig die Positionen der einzelnen Spielsteine. Diese sind mit RFIDs ausgestattet. Die Positionsbestimmung erfolgt, indem der Sender ein elektomagnetisches Signal aussendet. RFIDs bestehen im Wesentlichen aus einer Spule zum Empfang solcher Signale. Mit einem zusätzlichen Kondensator bilden sie einen Resonanzkreis. Bei Schwingungen einer bestimmten Frequenz lädt er sich auf und moduliert mit einem Mikroprozessor das Signal. Die veränderte Welle wird wiederum von den beiden Empfängern aufgenommen und mit den beiden Laufzeiten: Sender – Spielstein – Empfänger 1 und Sender – Spielstein – Empfänger 2 läßt sich Position der Steine berechnen.

Als Betriebssystem dient Linux (die Dateien der Spiele liegen als ELFs vor). Eine Serviceklasse wird die Steinpositionen auf ein zweidimensionales Raster transformieren und per Ereignissen die Implementierung des eigentlichen Spiels über alle Bewegungen informieren.

Als Schnittstellen zur Interaktion mit den Spielern gibt es neben den RIFDs eine Handvoll LEDs, einen Lautsprecher, ein paar Tasten und eine USB Schnittstelle. Damit läßt sich die Konsole z.B. auch als MP3 Player verwenden.

Der faszinierende der Yvio-Konsole ist die Qualität der Realisierung: Es scheint alles zu funktionieren. Treffsicher erkennt der Computer die Spielsteine. Die Tasten reagieren präzise aber nicht übersensibel, die Qualität der Lautsprecher ist erträglich und das Wichtigste: Die Basis-Software erscheint einigermaßen fehlerfrei. Dabei ist die Konsole ausgesprochen stabil  konstruiert und sollte auch im harten Kinderzimmeralltag einige Zeit überleben können.

Nachteil des Konzepts ist der Preis: 80 Euro müssen erstmal investiert werden, ohne überhaupt spielen zu können. Weitere 40 Euro kostet jedes Spiel. Selbst bei einer Sammlung von 10 Spielen liegen die Durchschnittskosten somit noch bei knapp 50 Euro pro Spiel und damit in ähnlichen Regionen wie bisherige Brett-Computer-Kombinationen. Nun muss sich zeigen, ob sich mit dem Konzept wirklich viele Spiele realisieren lassen, die solch exorbitante Preise rechtfertigen. Ich hoffe das sehr.

In nächster Zeit erscheinen hier bei Das-SpielEn.de die Besprechungen von folgenden drei Spielen für die Yvio-Konsole: Thinx, Freibeuter der Karibik und Octago.





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