Der Millionen-Coup

Es gibt viele Wege sich dem Millionen-Coup zu nähern, vielleicht nicht Millionen, aber doch einige. Das wirklich Überaschende am Spiel ist der entspannte Echtzeiteffekt, nicht etwa die Elektronik und auch nicht die Kooperation.

Beim Millionen-Coup gilt es eine Bank auszurauben. Da das Spiel von Ravensburger stammt, ab 8 Jahren freigegeben ist und zur Serie tiptoi Family gehört, darf Verbrechen und Kriminalität natürlich nicht so offensichtlich als Spielziel vorkommen. Deshalb schauspielern die Spieler und geben sich als die Guten und versuchen nur zum Schein, im Auftrag des Bankdirektors, einen Safe zu knacken. Ein Vorteil dieses Konstrukts ist das fehlende Risiko: Geht etwas schief, so können sich die Spieler einfach rausreden und am nächsten Abend einen weiteren Versuch starten. Gelingt der Coup heißt es: „Good Bye Bankdirektor! Hello Caipirinha an der Copacabana!“

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Vor dem Raub steht die Planung. Genauer: Es gilt die Bank auszuspähen und gezielt Fähigkeiten zu erlernen, die den Einbruch erleichtern. Für die gesamte Aktion inklusive Planung stehen aber nur 40 Minuten zur Verfügung und jede Spähaktion, jeder Kurs in der Diebesakademie und auch jede Aktion in der Bank kosten Zeit – und diese tickt in Echtzeit. Wer also meint, erst wirklich alles ausspähen zu müssen und dann noch als Langhaarstudent ein echtes Banditendiplom erwerben zu wollen, wird es kaum schaffen vor der Rente im Tresorraum anzukommen.

Der wichtige Teil ist aber wirklich die Planung, eben mit Mut zur Lücke und ein wenig Spezialisierung. Der Millionen-Coup ist nämlich ein kooperatives Spiel, die Gangster agieren gemeinsam und – große Ganovenehre – teilen später die Beute. Deshalb reicht es, wenn vielleicht ein Mitglied der Gruppe Alarmanlagen deaktivieren kann, ein anderes perfektioniert dafür vielleicht seine Fähigkeit Schlösser zu öffnen. Tresore knacken können sollten aber mehrere.

Nach der Planung folgt die sehr viel spannendere Durchführung des Plans. Dazu begibt sich die Gruppe in die Bank, muss Schlösser öffnen, Alarmanlagen deaktivieren und Hinweise auf die Tresorkombination finden. Nebenbei darf niemand vom Nachtwächter entdeckt werden. Jetzt kosten jede Bewegung und jede Aktion wertvolle Sekunden und das Spiel läuft wie ein Uhrwerk ab: Wenn alle dabei sind Aufgaben auszuführen, so heißt es warten, bis der tiptoi-Stift vermeldet, dass ein Spieler mit seiner Aktion fertig und zu neuen Schandtaten bereit ist. Manchmal ist es aber gar nicht geschickt, gleich wieder loszulegen. Wenn zum Beispiel der Wärter gerade an der Besenkammer vorbeischlendert, in der sich ein Spieler soeben versteckt hat, ist es besser zu warten, bis die Gefahr vorüber ist.

So besteht ein großer Teil des Spiels aus Warten, was durchaus spannend ist, da jede Sekunde zählt. Anders als in anderen Echtzeitspielen kommt keine Hektik auf. Beim Schleichen kommt es halt auf Präzision und nicht auf Schnelligkeit an! Dieses erzwungene Nichtstun passt gut zum Thema. Fast wirkt der Millionen-Coup schon wie ein Film. Wenn das Warten im Spiel zu zweit doch zu lange dauert, kann jeder einfach zwei Gangmitglieder spielen, dann gibt es genug zu koordinieren.

Lustig ist das Sicherheitssystem der Bank. Der Tresor ist nur durch eine dreistellige Kombination unterschiedlicher Ziffern von 0 bis 9 gesichert. Es gibt also nur 10*9*8=720 mögliche Verschlüsselungen. Da sich die Angestellten wohl noch nicht mal diese merken können, haben sie in der ganzen Bank kleine Zettel mit Zahlen verteilt, die nicht zum Öffnen benötigt werden. Ein echter Tresorspezialist kann es noch schaffen die erste Ziffer zu knacken. Es ist also möglich, mit zwei Versuchen den Tresor zu knacken. Dieser Bank geschieht es recht, wenn sie ausgeraubt wird und es gibt einen einfaches Rezept sie sicherer zu machen: den Bankdirektor austauschen!

Bild von 1 von 3 Verbrechen
Prädikat
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1 von 3 Verbrechen

Mit dem Millionen-Coup kommt endlich der tiptoi-Stift im Familienspiel an und wird sogar für Erwachsene interessant. Das Spiel macht Spaß und die Technik funktioniert problemlos. Der Stift übernimmt dabei nur die Rolle des Zufalls, der Verwaltung und der Sanduhr. Das ginge bestimmt alles auch ohne Elektronik, in diesem Fall ist sie aber Teil des vom Spiel ausgehenden Reizes.

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