Lost Legacy

Da uns Love Letter immer noch begeistert, konnten wir natürlich beim Nachfolger Lost Legacy nicht widerstehen und ergatterten ohne mit der Wimper zu zucken eines der wenigen in Essen erhältlichen Exemplare. Für ein Mikrospiel ist die Ausstattung mit 32 Karten wahrlich opulent. Das war den Autoren denn wohl auch etwas unheimlich, deshalb wird Lost Legacy normalerweise auch nur mit 16 Karten gespielt. Der zweite Kartensatz ist eine Variation, und es ist sogar möglich Karten beider Sets zu kombinieren. Was bei Dominion zweier ausgewachsener Großspiele bedurfte, ist bei Lost Legacy in einer Kleinstschachtel enthalten.

Umso enttäuschender war nach der Freude über die fulminanten Materialmassen der Spieleindruck. Wie bei Love Letter kriegt jeder eine Karte. Wer am Zug ist, zieht eine Karte und spielt eine seiner nun zwei Karten aus. Je nach gespielter Karte passiert dann etwas. Wenn der Nachzugstapel aufgebraucht ist, endet das Spiel mit einer Auswertung. Es gewinnt nämlich, wer die Karte „Lost Legacy“ findet. Diese kann sich eventuell in einem verdeckten Ruinenstapel befinden. Dazu darf der Spieler mit der niedrigsten Karte zuerst tippen, dann der mit der zweitniedrigsten und so weiter. Es kann aber auch sein, dass ein Spieler die Lost Legacy schon auf der Hand hat, das bringt für diesen sofort den Sieg.

Bild von Lost LegacyFür 16 Karten ist Lost Legacy unerwartet unübersichtlich und im Gegensatz zu Love Letter lassen sich aus dem Spielverhalten kaum Schlüsse auf die Handkarte der Mitspieler schließen. Dadurch verläuft das Spiel ziemlich erratisch. Am Spielende, das ist nach etwa 2 Minuten, gibt es dann fragende Blicke: War das alles, lohnt eine Revanche oder sollen wir gleich zur Variante übergehen? Diese bringt vor allem noch mehr Verwirrung, da es jetzt noch Ereignisse gibt, die das Spiel verlängern (mische alle Karten der Ablage eines Mitspielers in den Nachzugstapel). Das Spielgefühl ändert sich dadurch aber nicht.

Ich vermute, dass das Problem bei Lost Legacy das zweistufige Ziel ist. Zunächst gilt es überhaupt zu überleben und dann mit einer niedrigen Zahl in die Auswertung zu kommen. Das ist dann meist aber völlig egal, da oft ein Spieler eh die Karte „Lost Legacy“ hat. Befindet sie sich doch in den Ruinen, kann nur geraten werden.

Die Idee, im Spiel nur die Reihenfolge für das Abgeben der Tipps festzulegen, ist eigentlich gelungen. Es gibt Karten, die es erlauben die Ruinen teilweise zu durchstöbern. Es gibt aber auch Karten, die die Ruinen durchmischen. Da das Spiel nach 12 bis 14 Zügen endet, sind die Möglichkeiten gleichzeitig die Handkarte zu optimieren, die Gegner zu ärgern und noch die Ruinen im Blick zu behalten doch sehr eingeschränkt. Dagegen bietet Love Letter mehr Klarheit. Dort kann das Spiel für einen auch schon vor der ersten Karte enden und oft ist der Einfluss erschreckend gering. Dafür ist es aber nicht nur kurz, sondern auch einfach, eben weil nur die Gegner zu beachten sind.

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Prädikat
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Durch Lost Legacy wird erst klar, wie genial Love Letter konstruiert ist. Ohne Lover Letter wäre Lost Legacy vielleicht ganz nett, vielleicht sogar originell. Vermutlich bliebe dem Spiel aber jegliche Aufmerksamkeit erspart. Neben Love Letter kann es aber nur als Skurrilität bestehen und sicherlich viel Staub ansetzen.

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4 Kommentare to “Lost Legacy”

  1. Thygra

    Hallo, ihr beiden,
    ich glaube, ihr habt die Regeln in einem wichtigen Punkt falsch verstanden. Wenn am Ende ein Spieler die Lost Legacy auf der Hand hat, gewinnt er NICHT automatisch! Nur wenn er in der normalen Reihenfolge bei der Auswertung dran ist, gewinnt er durch aufdecken seiner Karte!
    Dieser Unterschied macht meines Erachtens sehr viel aus. Dadurch ist das Spiel deutlich besser, als ihr es bewertet aus meiner Sicht.
    Viele Grüße,
    André

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    • Peter Nos

      Hallo Andre,

      ja – da haben wir etwas falsch gespielt. Ich gebe dem Spiel jetzt nochmal eine Chance und schicke es in weitere Testrunden.

      Viele Grüße,
      Peter.

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  2. Thygra

    Hallo Peter,

    danke! Wir haben es gestern Abend mehrmals gespielt, und je mehr Runden wir gespielt haben, um so besser gefiel es uns. Es ist schon ähnlich wie bei Love Letter, denn auch dort erschließt sich der Reiz nicht sofort, sondern erst nach und nach.

    Wir haben dann auch die Karten des zweiten Kartensatzes ausprobiert. Und nun freuen wir uns schon darauf, die Karten der Sätze unterschiedlich zu durchmischen und auszuprobieren, was für spannende Kombination noch auf uns warten.

    Bis bald,
    André

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  3. Johannes

    Hallo,
    wir haben gestern das erste Mal die deutsche Ausgabe von Pegasus zu viert gespielt und waren durchweg begeistert.
    Wir haben angefangen mit nur einem Set a 16 Karten, das war uns in der Einstiegsrunde aber schon zu langweilig.
    Die zweite Runde mit beiden Set, also 30 Karten und einer Legacy Karte, ging richtig rund.
    Wir haben geschätzt 5 Runden gespielt und die einhellige Meinung am Tisch war, dass das Legacy Loveletter an Spielspass locker in die Tasche steckt. Wir hatten unseren Spaß und in meiner Runde wird ab jetzt wohl Loveletter Staub ansetzen.

    Mein Tipp: Fangt gar nicht erst an mit nur einem Set zu spielen, kombiniert direkt beide.

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