Mein linker, linker Solostapel – Teil 1

Da Kathrin momentan auf der südlichen Halbkugel unterwegs ist, begann ich mal unser Regal nach solotauglichen Spielen zu durchforsten. Mein ursprünglicher Plan war eigentlich, allein die Tiefen von Mage Knight auszuloten. Doch dann lachten mich andere Perlen mehr an, und beim systematischen Probieren von allerlei Solovarianten musste ich auch erkennen, dass es mehr Spaß macht, Spiele zunächst mit Mitspielern zu erkunden und nur Bekanntes allein zu spielen.

Das hat einen einfachen Grund. Ein Teil des Spaßes von Solovarianten ist es, auf verschiedene Weisen ein Spiel zu optimieren. Ohne Referenz, was mit echten Mitspielern passiert, ist diese Übung etwas langweilig.

Umgekehrt habe ich natürlich auch keine Lust, mit Spielen, die ich eh doof finde, meine Zeit in trauter Einsamkeit zu verbringen. Dadurch brachte mein Test der Solotauglichkeit auch keine völligen Versager zutage. Ich teile die Spiele deshalb einfach in einen linken und einen rechten Stapel.

Bevor ich zur Stapelbeschreibung komme, muss ich aber ein paar Worte zu den Wertungskriterien verlieren. Bezüglich Interaktion hatten alle Spiele wenig zu bieten. Es gibt durch die Bank keine Zweipersonen-Solovarianten. Auch für Großgruppen und Partys eignen die hier getesteten Regelvariationen nur bedingt. Dafür ist die Downtime wegen grübelnder Mitspieler durchgängig erfreulich gering.

Doch was macht eine gute Solovariante aus? Mein Eindruck ist, dass das Spiel sich nicht zu leicht knacken lassen sollte. Ein wenig Glück darf schon dabei sein. Wenn schon Regeln für einen Dummyspieler notwendig sind, sollte dessen Verwaltung nur wenig Zeit in Anspruch nehmen. Bei gut gemachten Soloregeln entsteht so der Wunsch, es nach einer Partie gleich nochmal zu versuchen, da sich gewiss ein noch etwas besseres Ergebnis erzielen lässt. Bei schwächeren Solospielen endet die Partie hingegen mit einem Schulterzucken und der Erkenntnis, dass es in Folgepartien wahrscheinlich auch nichts Neues zu entdecken gibt.

Doch nun endlich zum linken Solostapel:

The Battle of Red Cliffs überrascht durch eine durchaus knifflige aber auch schnell zu spielende Soloversion. Wie bei allen Mah-Jongg Varianten ist der Einstieg sehr verwirrend. Doch dann packt einen das Spiel und Partie folgt auf Partie, bis endlich Glück und Geschick gemeinsam zum Sieg führen.

Die blutige Herberge war in der Gruppenvariante bei uns umstritten. Allein ergibt sich ein knackiges Spiel, das auch nach mehreren Partien noch Potenzial zum noch besseren Spiel lässt.

Besonders überrascht war ich von der Glasstraße. In größeren Runden wirkt das Spiel zu kurz und frustriert manchmal. Allein gilt es einfach in sieben Runden möglichst viele Punkte zu holen. Der Mechanismus Karten zu wählen, die andere nicht haben wird dadurch simuliert, dass die ausgewählten Karten gemischt und zufällig gezogen werden. Es gibt mehr Karten, dafür erlaubt nur eine eine Doppelaktion.

Bei Viticulture gibt es gleich mehrere Schwierigkeitsgrade und eine Kampagne zur Auswahl. Die Grundstimmung des Spiels bleibt erhalten, und die Kampagne zwingt immer wieder neue Strategien zu erproben.

Welcome to Walnut Grove fasziniert, da es ohne jegliche Soloänderung auskommt und doch schwer spielbar ist. Zu sehr reizt allein die Möglichkeit, schnell viele Knechte einzustellen, es gibt ja keine Konkurrenz. Doch das Spiel hat nur 8 kurze Runden, und in der Zeit kosten viele Knechte mehr als sie bringen. Ich brauchte einige Durchgänge, bis ich eine gute Mischung gefunden hatte, die darin bestand nur einen zusätzlichen Arbeiter einzustellen. Ich vermute mittlerweile dass sich ohne jeden Extraknecht vielleicht noch mehr Punkte machen lassen.

Einige andere Spiel konnten tapfer einen Platz in der Mitte erringen:

Das Burgen von Burgund Kartenspiel ist etwas zu einfach. Die Regel ist zwar gut konstruiert und es geht nicht darum möglichst viele Punkte zu machen, sondern in jeder Runde dem Dummyspieler Paroli bieten zu können. Das gelang mir aber gleich im ersten Versuch. Dadurch bleibt wenig Motivation, das Spiel weiter zu optimieren – besonders da die Aktionen stark vom Zufall der Kartenauslage getrieben sind.

DREIst ist auf der Schwelle zum linken Stapel. Es bedarf des einen oder anderen Versuchs, bevor man den Dreh rauskriegt. Dann ist das Spiel aber doch etwas repetitiv und erinnert zu sehr an altmodische Patiencen.

Mit Mage Knight bin ich noch nicht warmgeworden. Dabei wirkt das Spiel ziemlich sologeeignet. Vielleicht dauert mir der Einstieg einfach zu lange. Zu viele andere Spiele wollen noch ausprobiert werden und drängeln sich so vor vertiefende Studien von Mage Knight.

Von Suburbia hatte ich mir etwas mehr versprochen. Das Spiel funktioniert sehr gut allein, nur ist es viel zu einfach unglaublich viele Punkte zu sammeln. Im Gegensatz zum Spiel mit Mitspielern wirkten die Aktionen und Entscheidungen auf mich auch zu mechanisch und offensichtlich.

Demnächst folgt Teil 2 mit Fokus auf Spiele von Uwe Rosenberg.

Bild von Solostapel
Share

4 Kommentare to “Mein linker, linker Solostapel – Teil 1”

  1. Arne

    Willkommen in der Welt der Solovarianten.

    MageKnight solitär zu erkunden lohnt sich aus meiner Sicht voll und ganz – zugegeben, es benötigt seine Zeit und lässt vielleicht nur eine Partie pro Abend zu. Doch für mich eines der erfüllendsten Spiele solitär.

    Bin gespannt, was Dein Eindruck zu den Rosenbergschen Solovarianten seiner anderen Spiele ist. Mich haben diese seinerzeit ja zum Solitärspiel gebracht.

    Reply
    • Peter

      Hallo Arne,

      Mage Knight kommt später nochmal dran. Mir wurde auch von anderen Seiten versichert, dass das Spiel allein richtig gut ist. In meiner bisher einzigen Partie fehlte mir aber jegliches Ziel, vielleicht vermittelt das Einstiegspiel nicht genug vom Gefühl, was das Spiel noch alles zu bieten hat.

      viele Grüße,
      Peter.

      Reply
  2. Sarah

    Ja, Wlelcome to Walnut Grove finde ich solo auch sehr gelungen.
    Zur Zeit spiele ich allerdings fast jeden Abend noch eben ein, zwei oder drei Solopartien SOS Titanic. Und ich glaube ich habe gar keine Lust das mit mehr Personen zu spielen. Extrem gelungen obwohl das Spielprinzip ja nich gerade ausgeflippt ist.

    Reply
    • Peter

      Hallo Sarah,

      SOS Titanic fehlt uns leider noch im Regal. Ich habe es nur einmal gespielt und hatte dabei aber auch den Eindruck, das es besonders als Solospiel oder zweit viel Spaß machen kann.

      Viele Grüße,
      Peter.

      Reply

Mein Kommentar

  • (wird nicht weitergegeben)