Tien Zi Que

Nachdem ich schon über Mahjong im Original und als Variation für viele Spieler (The Battle of Red Cliffs) berichtete, gebietet es das Gesetz der Serie auch noch über eine Spezialversion für zwei Personen zu schreiben. Tien Zi Que ist vielleicht sogar eine der elegantesten Möglichkeiten Mahjong – vielleicht zwar nicht zu zelebrieren aber doch einfach – zu spielen.

Tien Zi Que besteht aus 54 Karten. Es gibt Ziffern von 1 bis 9 in vier Farben, 3 Joker, 3 mal 4 Richtungen und 3 Drachen. Beide Spiele haben 5 Karten. Wer am Zug ist, nimmt eine Karte und versucht – wenn möglich – drei Karten auszulegen. Das können drei gleiche oder eine aufsteigende Folge sein. Dabei ist es erlaubt einen Joker einzubauen. Von den drei gespielten Karten müssen dann zwei abgeworfen werden, nur eine bleibt in der Auslage. Nach dem Auffüllen der Hand auf fünf Karten kommt der Mitspieler zum Zug. Wer keine Karten spielen will oder kann, wirft einfach eine ab.

Der Mitspieler darf auch eine der ein oder zwei abgeworfenen Karten nehmen, wenn er damit Karten auslegen kann. Wer seine fünfte Karte auslegt beendet das Spiel und bekommt Punkte. Nach vier Durchgängen ist das Spiel vorbei.

Bild von Tien Zi Que
Zwei sehr sinnvolle Sonderregeln für Fortgeschrittene zwingen dabei gezielt auf Kombinationen zu spielen: Wenn der Nachzugstapel aufgebraucht ist, endet das Spiel entschieden, und mit weniger als zwei Punkten darf keiner das Spiel beenden. Punkte gibt es für die fünf ausliegenden Karten. Die Regeln dafür sind einigermaßen einfach, aber leider nicht intuitiv erfassbar. Deshalb verlaufen die ersten Partien ziemlich zufällig.

Siegpunktregeln sind der Pferdefuß so ziemlich aller Mahjongvarianten. Vielleicht wäre ein Mahjong ohne wirre Wertungsregel nur noch ein aufgemotztes Rommé oder Rummykubb. Bei Tien Zi Que ist aber die Wertung noch vergleichsweise übersichtlich. Es gibt Punkte für Drachen und Himmelsrichtungen, aufsteigende Folgen oder gleiche Zahlen, bunte oder einfarbige Auslagen sowie noch ein paar andere Dinge. Eine offensichtlich innere Logik lässt sich aber nicht finden. Zwar gibt es bei Boardgamegeek auch eine nette Übersicht, wirklich hilfreich ist diese aber auch nicht.

Das Problem ist, dass in einem Durchgang bis zu 17 Punkte möglich sind. Reiz und Verderben des Spiel liegen darin zu erkennen, welche Kombinationen der Gegner sammelt, welche Chancen auf dicke Punkte bestehen und ob es besser ist mit wenigen Punkten das Spiel zu beenden – oder es lohnt, das Spiel für eine Chance auf mehr Punkte in die Länge zu ziehen. Wer führt, macht natürlich Tempo oder hofft auf ein Unentschieden. Ohne die Punktregeln auswendig zu lernen, ist es aber mühselig abzuschätzen, welche Kombination mehr Potenzial verspricht. Doch die Einarbeitung lohnt sich. Denn der Vorteil dieser Mahjong Variante ist ihre Geschwindigkeit. Jede Runde ist schnell gespielt, dadurch entsteht bald ein Übungseffekt. Nach schon wenigen Partien entsteht die beliebte Mahjong-Trance.

Bild von 1 von 3 Tauben
Prädikat
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1 von 3 Tauben
Allein fehlt das beruhigende Klappern der Steine. Leider ist es wegen der vierten Farbe nicht möglich, Tien Zi Que mit traditionellen Steinen zu spielen (an dieser Stelle sollte eigentlich der Tipp stehen Tien Zi Que mit Mahjongsteinen zu testen, zu meinem Leidwesen muss ich aber jetzt den Text mit anderen wichtigen Dingen strecken. Kennen Sie denn auch schon das Kartenspiel Da Zi Pai? Ich vermute diese Mischung aus Mahjong und Stichspiel ist der Ursprung von Tichu, dem Hörensagen nach wird es an jeder Straßenecke Chinas gespielt. Sicher bin ich mir aber nicht, da unser Ausgabe nur chinesische Zeichen hat und für dumme Mitteleuropäer wie mich damit unspielbar ist.)

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