Der Pate

Spiele zu Literatur – das ist eines der Steckenpferde des Kosmos-Verlages. Unter anderem so großartige Spiele wie Die Tore der Welt haben wir diesem Konzept zu verdanken. Nun erscheint Der Pate – doch stellt sich hier die Frage: Ist es eher das Spiel zum Buch oder das Spiel zum Film? Nicht dass es wirklich wichtig wäre – denn die eigentlich interessierende Frage ist freilich: Taugt es was?

Das Buch von Mario Puzo ist schon lesenswert. Doch die meisten werden bei diesem Titel wahrscheinlich eher an den grandiosen Film denken, in dem Marlon Brando in unnachahmlich heiserem Flüstern haucht: “I will make him an offer he can’t refuse.” Das im Spiel verwendete Konterfei des Vito Corleone ist entsprechend filmgetreu.

Bild von Der Pate
Die spielerische Handlung konzentriert sich auf die Kontrolle von New York durch die unterschiedlichen Familien. Da die Spielerzahl zwischen zwei und vier Personen liegt, musste eine der “Five Families” – die Familie der Cuneos – zurücktreten und den anderen die Bühne überlassen. Denn jeder Spieler wird zum “Don” und leitet das Schicksal der Corleones oder der Barzinis, der Straccis oder der Tattaglias. Das Spiel will uns weismachen, die legalen Kerngeschäfte dieser Familien seien Bäckereien, Jazzclubs, Wäschereien oder Pasta-Restaurants. Genauere Informationen über diese Tätigkeiten habe ich nicht gefunden. Lediglich der Olivenöl-Import wird in der Story als der Grundstein des Corleone’schen Reichtums thematisiert.

Doch das ist eigentlich irrelevant – außer dass es motiviert, etwas zu recherchieren. Spielerisch üben Mitglieder der mitspielenden Familien die Kontrolle über das Glücksspiel, Schutzgelderpressungen, Buchmacher, Schmuggel und Kredithaie aus. Keine Kontrolle ist wirklich langlebig. Reihum werden die Familien aktiv und übernehmen Geschäfte, weiten ihren Einfluss aus, gewinnen an Ansehen, verfrachten ihre Konkurrenten ins Gefängnis oder gar gleich in den Hudson River und setzen vermehrt auf Einnahmen aus den legalen Geschäften aus. So manche Aktion ist somit gar nicht freundlich, und so kann das Geschrei der Geschädigten groß sein. Nein, bei der Mafia geht es nicht immer gerecht zu: “Tell him it was only business.”

Wer an der Reihe ist, würfelt vier Würfel in unterschiedlichen Farben. Einen hiervon sucht er aus und bestimmt damit, welche illegalen Geschäftszweige Ertrag abwerfen. Das kann auch den Mitspielern Geld einbringen. Die verbleibenden Würfel werden wiederum geworfen. Ab jetzt bestimmt die Farbe des Würfels, welche Aktion gewählt werden kann – die Augenzahl gibt das Ausmaß der Aktion vor, die Zeile auf dem eigenen Würfeltableau die Aktionsmöglichkeiten. Wer etwa mit dem weißen Würfel eine 4 erzielt, darf sich über 4.000$ Ertrag aus Wettmanipulationen freuen – niedrigere Augenzahlen werfen entsprechend weniger ab. Aktionen sind in jeder der vier Farben möglich – doch freilich nimmt von Wurf zu Wurf die Auswahl ab.

Der innovative Würfelmechanismus ist gleichermaßen Motor wie Knackpunkt des Spiels. Hier scheiden sich die Geister: Reines Glück oder strategische Möglichkeiten? Zum einen gefallen die Würfelergebnisse oft nicht und führen gar dazu, dass ganze Aktionen gar nicht genutzt werden können oder – schlimmer noch – nur den Mitspielern nutzen. Doch die letzte Aktion erfordert keine besondere Augenzahl. Ein Würfel bleibt übrig, und dessen Aktion ist damit festgelegt. Wer hier einen Plan verfolgt, ist dem Glück nur insofern ausgeliefert, als dass die vorhergehenden Würfe ungünstig laufen können.

Der Pate sorgt für zwei konträre Gruppen am Spieletisch. Während die einen das Glück verfluchen und sich über die langen Wartezeiten zwischen den Zügen
Bild von 1 von 3 toten Fischen
Prädikat
:
1 von 3 toten Fischen

beschweren – was verschlimmert wird, wenn die Aktionsmöglichkeiten wieder und wieder auf Neue erfragt werden -, freuen sich die anderen an den frischen
Ideen durch das Würfeltableau mit seinen Aktionszeilen. Dieser Zwist spaltet sogar Peter und mich in zwei Lager. Während ich wohl keine Partie mehr mit Peter bestreiten kann, bin ich bei anderen Gelegenheiten wie dem Nußlochspielen gerne wieder dazu bereit: “We don’t discuss business at the table.”

Share

Mein Kommentar

  • (wird nicht weitergegeben)