Fauna

Erstveröffentlichung im Oktober 2008 in der Fairplay 85.
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Zoobesuch vom Wohnzimmer aus

Mein Kater Kopernikus wiegt 5,2 Kilogramm, ist etwa 40 Zentimeter lang und hat eine Schwanzlänge von nicht ganz 30 Zentimetern. Dieses Wissen bringt mir bei FAUNA erstmal gar nichts, da die Europäische Kurzhaarkatze nicht mitspielt. Es bildet aber eine solide Grundlage beim Maßnehmen. Doch dafür sollte ich wohl erst einmal verraten, worum es eigentlich geht. In jeder Runde schätzen die Spieler ein Tier ein. Zu sehen ist eine Zeichnung des Tieres, angegeben sind seine Verbreitung und die gesuchten Größen.

Das könnte folgendermaßen lauten: Das Guanako (Lama Guanicoe) lebt in drei Gebieten, und es werden Gewicht, Länge und Schwanzlänge gesucht. Je nach Tieranatomie sind nicht immer alle dieser Abmessungen gefragt. Die Gebiete finden sich auf dem Spielplan wieder, auf dem die Erde in zoologisch relevante Regionen eingeteilt wird. Hier zu Lande lauten ein paar Regionen etwa: Mitteleuropa, Nordsee/Ostsee, Iberien, Skandinavien. Für die Maße sind drei Skalen abgebildet, die in sinnvolle Intervalle unterteilt sind.

Reihum geben die Spieler Tipps ab und setzen dafür Schätzsteine ein. Sechs dieser Steine hat jeder zur Verfügung. Wer etwa das Guanako in den Anden vermutet, legt einen seiner Steine hier ab. Dieses Feld ist ab sofort besetzt. Selbiges gilt für die Skalen. Hier wird ein Intervall gewählt und damit für den Rest der Runde blockiert. Nur zu raten ist nicht anzuraten. Völlig falsch eingesetzte Schätzsteine sind erstmal verloren. Das ist unpraktisch, da jeder Stein Punkte bringen kann. Lediglich einen Stein pro Runde erhalten die Spieler zurück. Wer also meint, dass die richtigen Felder auf der Landkarte und den Skalen besetzt sind, passt.

Bis dahin wird spekuliert, geschätzt, vermessen. Die 30 Zentimeter Schwanzlänge des Katers sind etwa so breit – mit den ausgestreckten Händen kann man dies gut anzeigen. Wie verhält sich die Schwanzlänge des Guanako im Vergleich? Im Geiste vermessen die Spieler das Tier. Das Maßnehmen mit den Händen – länger oder kürzer? – hilft dabei. Beim Gewicht wird es etwas anspruchsvoller. Wie verhält sich etwa das Gewicht des Säugetieres zum Vogel oder Meerestier? Gleiche Längen bedeuten nicht immer ein ähnliches Gewicht! Wortreiche Erklärungen oder überhebliche Klugscheißereien erfahrener Reisender, versierter Zoobesucher oder dreister Aufschneider tragen zur Erheiterung oder auch Verwirrung der Mitspieler bei. Nur nicht weichklopfen lassen!

Sobald alle Einsätze gemacht wurden, kommt die Auflösung. Der Schleier wird gelüftet, die Spannung steigt. Wer liegt daneben, wer trifft ins Schwarze? Für richtig gesetzte Steine werden Punkte verteilt. Auf den Skalen werden immer sieben Punkte für einen genauen Treffer ausgeschüttet. Wer auf benachbarte Intervalle gesetzt hat, kassiert drei Punkte. Bei den Gebieten werden variable Punktzahlen vergeben. Weit verbreitete Tiere bringen pro Region weniger Punkte als endemische, die nur in einer oder ganz wenigen Gebieten leben. Natürlich beeinflusst dies das Bietverhalten. Tiere, die in mehr als fünf Gebieten leben, bringen sechs oder noch weniger Punkte auf der Landkarte ein. Da lässt sich durch die Längen- und Gewichtsskalen mehr holen. Der aktuelle Startspieler hat Glück, wenn etwa der Mississippi-Alligator kommt. Denn den Mississippi wird wohl kaum jemand in Australien suchen. Und anderswo fühlt sich die Echse nicht wohl. Satte zwölf Punkte winken. Selbst die Nachbargebiete für acht Punkte sind heiß begehrt. Sobald mindestens einer das spielerzahlabhängige Limit von 80 bis 120 Punkten überschritten hat, endet das Spiel.

Das Spielprinzip weist nichts bahnbrechend Neues auf. Schätzungen und Landkarten gab es schon zuhauf. Während des Spiels treten etwa zehn Tiere auf. Jedes wird auf dieselbe Art behandelt. Das fühlt sich zehn Mal hintereinander ziemlich ähnlich an. Oder?! Doch anders betrachtet bilden diese etwa zehn Tiere genau die richtige Mischung. Die Reise führt über den ganzen Globus, quer durch verschiedene Tiergattungen und hin zu Überraschungen. Sooo klein ist dieses Tier, sooo schwer jenes! Der Zoo kommt nach Hause. Und wer nach dem Spiel in den Tiergarten geht, wird dort die Info-Tafeln unter einem neuen Blickwinkel studieren. Es könnte ja sein, dass dieses Tier bei der nächsten Partie FAUNA vorkommt …

Kathrin Nos

POSTSCRIPTUM:

Schrödinger

Nachdem Kopernikus in Fairplay 85 prominent abgebildet wurde, soll nun natürlich auch sein Bruder Schrödinger einmal genauer vorgestellt werden. Genauso wie Kopernikus hat er über den Winter gut 500g abgenommen.1 von 3 Tieren
Prädikat
:
1 von 3 Tieren
Der Wechsel von Haus- zu Drinnen- und Draußenkater hat beiden durchaus gut getan. Schrödinger ist etwas kleiner und leichter, dafür aber sehr viel athletischer als Kopernikus. Immerhin schafft er es, aus dem Stand auf unseren über zwei Meter hohen Wohnzimmerschrank zu springen. Neben Schlafen bevorzugt er als zweite Gangart den Galopp.

Peter Nos

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