Fits

Erstveröffentlichung im April 2009 in der Fairplay 87.
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Leicht zu nehmende Polyonimos

Poly… was? Wer TETRIS vom Computer kennt, versteht sofort, was Tetrominos sind. Diese Formen setzen sich aus genau vier Quadraten zusammen. Beim Computerspiel „fallen“ sie von oben „herab“ und werden während dieser Bewegung per Tastatur hin- und hergesteuert. Das Ziel: Vollständige Reihen zu füllen, die nicht nur punkten, sondern auch automatisch Platz für die stetig nachkommenden Tetrominos machen.
Diese Formen begegnen den Spielern auch in FITS. Außer den aus vier Quadraten bestehenden Tetrominos gibt es auch solche aus drei und fünf Quadraten. Mathematischer Oberbegriff für diese und auch alle weiteren Formen mit sechs, sieben oder noch mehr Quadraten: Polyominos. Die Vertreter mit zwei Quadraten kennt übrigens jeder: Dominos.

Das ist ein reichlich wissenschaftlicher Einstieg in eine Spielebesprechung. Doch versprochen: Weder geht es so weiter, noch brauchen Sie ein Diplom in Mathematik, um FITS zu spielen. Ein Zeugnis der ersten oder zweiten Klasse reicht vollkommen aus, um loslegen zu können.

Wie die insgesamt 16 Spielsteine bei FITS aussehen, ist damit hoffentlich genügend anschaulich geschildert. Um sie einzusetzen, erhält jeder Spieler eine Rampe. Deren Grundfläche wird mit sechs Spalten Breite und zwölf Zeilen Höhe abgedeckt. Das ist genau so viel Platz wie die 16 Spielsteine einnehmen würden, baute man sie lückenlos ein.

Jedem Spieler wird ein unterschiedliches Anfangsteil zugelost, alle weiteren Formen werden für alle gleichermaßen durch Karten gezogen – zufällig und nacheinander. Wer nimmt das leicht? Alle Spieler und Kenner von TAKE IT EASY auf jeden Fall! Beim Einsetzen kommt volles TETRIS-„Feeling“ auf: Das Plastikteil der vorgegebenen Form wird oben auf der Rampe eingesetzt und entlang von Plastikschienen nach unten „fallen gelassen“. Eine weitere Bewegung nach rechts oder links ist damit unmöglich.

Im ersten Durchgang lautet das Ziel: Lückenlos bauen! Im Idealfall entsteht genau eine ausgefüllte Fläche aus 12 Zeilen. Das würde satte 12 Punkte bringen – einen für jede volle Zeile. Doch leider entstehen fast zwangsläufig irgendwelche Lücken. Besonders das „Kreuz“ ist berüchtigt. Da braucht es genau ein Loch mit Platz nach links und rechts. Das Gemeine: Für alle unvollständigen Reihen gibt es nicht nur keinen Pluspunkt, für jedes nicht aufgefüllte Feld gar einen Minuspunkt! Beim Blick auf die verbleibenden Formen steigt während jedes Durchgangs die Spannung. Jetzt bloß nicht das lange „L“, oder bitte möglichst bald das kleine „I“ …!

Das wäre die Aufwärmphase, die leicht absolviert ist. Ruckzuck haben alle raus, wie der Hase läuft. Es ist sinnlos, zu den anderen Spielern zu schielen. Schließlich beginnt jeder mit einem anderen Teil. Mit Interaktion ist auch ansonsten nix los. Die gibt es nicht, niemand kann die Züge der Mitspieler beeinflussen. Das muss nicht stören – Erfolg haben kann ein Spiel auch ohne Wechselwirkungen zwischen den Spielern. Nach dem bereits zitierten TAKE IT EASY lässt auch WÜRFELBINGO grüßen. Wird demnächst auch FITS in dieser Reihe genannt? Nicht auszuschließen!

Nachdem die Punkte notiert wurden, kommt der zweite Durchgang. Jetzt erscheinen auf der Rampe Felder mit Pluspunkten. Die erhält man gutgeschrieben, wenn diese Felder am Ende noch zu sehen sind. Auf einmal sind Lücken gar nicht mehr so schlimm … Im dritten Durchgang kommen Felder hinzu, die fünf Minuspunkte einbringen, wenn sie nicht abgedeckt werden. Das kann teuer werden! Und im finalen vierten Lauf geht es darum, Paare von Symbolen entweder zu bedecken – dann zählen sie einfach nichts – oder genau beide Symbole offen zu lassen. Belohnung: Drei Punkte! Doch bleibt nur eines der Symbole übrig, dreht sich das Vorzeichen, und es müssen drei Minuspunkte in Kauf genommen werden. Und wer nachgerechnet hat: Richtig, in Runde vier sind bereits 15 Punkte drin!

Durch diese vier unterschiedlichen Durchgänge erleben die Spieler während jeder Partie FITS eine herausfordernde Steigerung. Jedes Mal, in jeder Partie. Allzu oft geht es mehr darum, die Balance zu halten und nicht ins Minus zu rutschen. Jeder ist genügend mit seiner Aufgabe beschäftigt und fiebert auf eine günstige Ziehung des nächsten Teils. Langeweile? Fehlanzeige – lieber noch eine Partie!

Kathrin Nos

POSTSCRIPTUM:

Fits

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Über Polyominos und Tetris findet sich so einiges im Internet. Doch als ich Fits mit einem Polyomino der Ordnung 1 auszeichnen wollte, kamen die großen Fragezeichen auf. Wahrscheinlich heißt ein zweidimensionales Monomino einfach Quadrat. Im Dreidimensionalen gilt: Wer die geschwollene Sprache liebt, könnte somit fortan monominoen an Stelle zu würfeln.

Geschäftstüchtige Spieler entdeckten schon jetzt die monetären Möglichkeiten von Fits und beginnen, bestimmt strengst limitierte neue Spielpläne zu veröffentlichen.1 von 3 Poly...was?
Prädikat
:
1 von 3 Poly…was?
Deshalb melde ich hiermit schon mal die Urheberschaft der bestimmt erfolgreichen Themensets an: “Fits für Kinder” (nur mit Dominos), “Misfits” (mit Totenköpfen als Minuspunkte) und “Fit ohne S” (Spielend schlank werden, für jeden Minuspunkt müssen die Spieler dreimal um den Tisch hechten). – Wenn ich mir es genauer überlege: Aufs Urherberrecht verzichte ich gerne, wenn ich im Gegenzug auf all diese Variatiönchen verzichten darf

Peter Nos

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