Messebericht Nürnberg 2011

Kaum zu glauben, aber wahr: Die nächste Neuheitenflut rauscht mit der Nürnberger Spielwarenmesse vom 3.2. bis 8.2.2011 heran, obwohl gefühlt erst ein Bruchteil der in Essen 2010 erschienenen Spiele bewältigt ist. In unserem Spieleregal stehen noch etliche Titel, mit denen es sich ausführlicher zu beschäftigen lohnen würde – wenn da nicht dieses Zeitproblem mit den nur 24-stündigen Tagen und dem lästigen, zeitraubenden Brötchenerwerb wäre…

Blick in die Messehalle mit den Länderpavillions

Mehr noch als in den Vorjahren schien mir die Schere zwischen den Neuheiten in Essen und in Nürnberg auseinanderzuklaffen. Mehr als 20 Verlage besuchte ich in den zwei Messetagen, doch einige von ihnen hatten praktisch keine Neuheiten, die in diesem Bericht erwähnenswert wären. Denn für Das-SpielEn.de lege ich den Fokus auf Brett- und Gesellschaftsspiele für den Familien- und Erwachsenenbereich. Kinderspiele oder reine Lizenzprodukte – und noch weniger reine Spielzeugartikel – betrachte ich nicht. Knallharte Recherchen bei Clementoni, Jumbo, Noris/Goldsieber und Piatnik führten somit zum Ergebnis: Keine Aufnahme in den Messebericht.

Jenseits der Brettspiele: Kaffeetassen aus Stoff

Im folgenden Messerundgang greife ich die mir am interessantesten erscheinenden Neuheiten heraus. Freilich ist dies meine persönliche Wertung, die überdies praktisch ohne eigene Spielerfahrung rein anhand der Beschreibungen und dem Pressematerial erfolgt. Die Fotos in diesem Bericht zeigen die auf der Messe präsentierten Versionen der Spiele. Bei manch einem Titel handelt es sich dabei um Handmuster mit vorläufigem Design. Die endgültige Gestaltung kann also abweichen.

Schnellleser, die sich nur für bestimmte Aspekte interessieren, springen per Click in folgendem Verzeichnis direkt dorthin:

Jenseits der Brettspiele: Plüsch in Hülle und Fülle

Ein knackiger Slogan wie im Vorjahr ist schwer zu formulieren. Zu vielfältig sind die Strömungen, die den Besucher auf der Spielwarenmesse umtreiben. Das Schwimmen auf der Welle von Bewährtem war auch in diesem Jahr wieder deutlich zu vernehmen. Bekannte Spielefamilien, beliebte Figuren aus Fernsehen oder Literatur, bewährte Klassiker – all dies war bei praktisch allen Verlagen zu beobachten. Zu gewinnträchtig ist wohl auch der Geschenkemarkt: Was schenkt man den Freunden zum Geburtstag? Ach, die spielen doch gerne Spiel xy – da im Regal steht eine Erweiterung/Fortsetzung/Variante/…, das kann so falsch nicht sein. Als Beispiel könnte Wizard Extreme herhalten – als Die sieben Siegel war es bereits ein exzellentes Spiel, doch erst im Gewand des Stichspielkrachers Wizard von Amigo gelingt der Durchbruch.

Größer als in den Vorjahren schien mir die Menge der zunächst nur angekündigten Spiele zu sein. Oft hieß es: Erscheinungsdatum im zweiten Halbjahr 2011. Ob dies noch eine Nachwirkung der Produktionsprobleme ist, durch die bereits in Essen 2010 einige Verlage ärgerlicherweise ihre Neuheiten nicht präsentieren konnten?

Am Kosmos-Stand: Uluru von Lauge Luchau

Am Eingang des Messestandes von Kosmos werden die Messebesucher in diesem Jahr begrüßt von einem über ein Buch gebeugten Mönch. Kein Wunder, denn das Flaggschiff des Frühjahrs-Neuheitenprogramms ist die Abtei der Rätsel – eine Neuauflage der Abtei der wandernden Bücher. Dieses Spiel mit seiner aufwändigen und hochwertigen Ausstattung existierte bisher nur in wenigen Exemplaren – kein Wunder beim stolzen, weit vierstelligen Preis! Das im Australien rund um den Ayer’s Rock angesiedelte Uluru erinnert nicht nur vom Anfangsbuchstaben her an Ubongo. Die Aufmachung soll sicher auch die zahlreiche Käuferschaft des erfolgreichen Hektikspiels ansprechen. Das Spielprinzip jedoch verspricht reichlich Abwechslung: Die Tiere müssen nach bestimmten, zufällig vorgegebenen Regeln platziert werden. Je besser dies gegen die Zeit gelingt, desto höher die Siegchance. Weitere Titel am Kosmos-Stand sind Tohuwabohu und Speed Dating, die an Material einen neu konzipierten digitalen Zeitmesser gemeinsam haben. Während im einen Spiel gegen die Zeit Holzbauteile und Spielplanebenen zur Erfüllung vorgegebener Aufgaben gestapelt werden, geht es im zweiteren Spiel um das Auffinden von gemeinsamen Interessen. Eine Bildungslücke in punkto Bestseller kann ich im Nachgang zu dieser Messe zumindest per Recherche in der Wikipedia noch schließen: Zum mir bisher unbekannten Buch Mieses Karma erscheint nun ein gleichnamiges Spiel und setzt somit die Reihe der spielerischen Buchumsetzungen bei Kosmos fort.

Am Kosmos-Stand: Abtei der Rätsel von Thomas Fackler

Beim Pegasus-Verlag heißt es bei der ersten vorgestellten Neuheit: “Alle Mann an Deck, Fahne hissen und fertig machen zum Entern!“ Die deutsche Ausgabe von Merchant and Marauders heißt Korsaren der Karibik und verspricht einen mehrstündigen, opulent ausgestatteten Ausflug in die Welt der Piraten und Freibeuter. Und gelernt habe ich noch etwas: Bisher sprach ich den Verlag Z-Man Games, der das englischsprachige Spiel herausbringt, wie „Zet Män Gäyms“ aus. Natürlich mit weichem, englischem „Z“. Ganz weich und englisch ist dieser Anfangsbuchstabe auch tatsächlich, doch korrekt muss es lauten: „Zi Män Gäyms“.

Am Pegasus-Stand: Mondo von Michael Schacht

Ganz eigene Welten erschaffen die Spieler bei Mondo von Michael Schacht. Aus einem gemeinsamen Plättchenvorrat bedienen sich alle Spieler gleichzeitig und versuchen dabei, ihre Tableaus mit passenden Landschaften punkteträchtig zu erfüllen. Das modulare Spielsystem erlaubt es, den Schwierigkeitsgrad nach eigenem Belieben anzupassen und etwa Sonderplättchen für Extrapunkte mit ins Spiel zu nehmen. Meine Einschätzung „Galaxy Trucker meets Affen Raffen“ ist keineswegs despektierlich gemeint – hat mich doch diese Messeneuheit besonders angesprochen und neugierig gemacht.

Mit dem Spiel Strasbourg entführt uns Autor Stefan Feld in die elsässische Metropole. Hier besetzen wir Spieler den Rat und lassen uns in den Stadtvierteln nieder. Der Clou: Diese Positionen werden in einer Versteigerung vergeben, deren Gebote zu Beginn einer Runde festgelegt werden. Wie viele Gebote stellt jeder Spieler zusammen und welche Höhe haben sie? Erst während der Runde entscheidet jeder Spieler, in welche Versteigerungen er eingreift. Ich muss zugeben, dass ich sehr neugierig auf dieses Spiel bin – eine gewisse Skepsis, ob diese Art einer Versteigerung tatsächlich funktioniert, kann ich aber nicht verleugnen. Da heißt es: Abwarten und ausprobieren!

Am Pegasus-Stand: Strasbourg von Stefan Feld

Eine schier unüberblickbare Menge an Spielen wurde am Stand des Heidelberger Spieleverlags ausgestellt. Trotzdem kann ich diesen Abschnitt recht kurz halten. Denn viele Spiele sind bereits von ihren herausgebenden Verlagen aus Essen bekannt und werden nun vom Vertriebspartner Heidelberger in Nürnberg vorgestellt. Besonders hervorzuheben ist die deutsche Ausgabe Civilization: Das Brettspiel. Mit opulenter Ausstattung soll es etwa zwei bis vier Stunden Aufbauspaß bieten. Einen Blick wert sein könnte auch Angriff der Aliens aus dem All. In loser Anlehnung an den Klassiker Schiffe versenken versuchen die Aliens herauszufinden, wo sich die Menschen in dem angegriffenen Raumschiff bewegen. Unter den kleinen, verlagseigenen Spielen werden vor allem die Heidelbär-Erweiterungen ihre Fans finden. Außer Bären werden nun Reh, Sau, Wal und Hai in den Heidelzoo eingeführt.

Im vergangenen Jahr stellte Level X eine gelungene Easy-Play-Überraschung im Programm von Schmidt Spiele dar. Auch in diesem Jahr wird die nun schon drei Jahre alte Spielefamilie fortgesetzt. Bei Top & Down bewegen sich die gestapelten Hütchenfiguren über einen Parcours mit Höhen und Tiefen. Beim Überspringen einer Barriere wird gewertet: Je nach Position auf dem Spielplan (hohe oder niedrige Stufe?) punktet die Hütchenfigur ganz oben oder ganz unten im Stapel. Eine Reihe von Würfelspielen mit in der Packung integriertem Würfelturm bringt sowohl alte Klassiker wie Kniffel in neuem Gewand als auch zwei neue Spielideen auf den Markt.

Am Schmidt-Stand: Draco von Leo Colovini

Das Spiel Draco von Leo Colovini konnte ich bereits spielen. Zehn Drachen bewegen sich kartengetrieben einen Parcours entlang. Die zuletzt gespielte Karte bestimmt, welcher Drache für mich bei einer Wertung punktet. Letztere werden auf bestimmten Feldern des Parcours ausgelöst. Selbst wenn ich keine passende Farbkarte mehr auf der Hand halte, kann ich einen Drachen für eine weitere Runde lang für die Wertung sichern. Hierzu spiele ich die Farbe eines Drachen aus, der bereits von einem Mitspieler kontrolliert wird. Freilich ist mir dies ein besonderes Vergnügen, wenn ich dessen Drachen gleichzeitig auf ein schlechteres Punktefeld ziehe. In meiner Partie zu fünft sprang der Funke nicht über. Wer ungünstig steht, muss die Züge aller vier Mitspieler abwarten, ehe eine Besserung in Sicht ist. Blöd, wenn genau jetzt mehrere Wertungen ausgelöst werden und den Kollegen einen dicken Vorsprung bescheren.

Ein Jahr nach dem Zusammenschluss mit Amigo ist die Stimmung bei Peter Eggert gut. Drei Neuheiten stellt er in Nürnberg vor, und auch für die diesjährige Spiel in Essen laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren und zur vollen Zufriedenheit des Namensgebers dieses Verlags. Besonders die Freiheit, sich voll auf die redaktionelle Arbeit konzentrieren zu können, hebt er positiv hervor. Pressearbeit, Vertrieb, etc. muss er nun nicht mehr in Personalunion stemmen. Das Programm erweckt Neugier. Am anspruchsvollsten erscheint das Spiel Principato des finnischen Autors Touko Tahkokallio. Bei der Erschaffung ihres Fürstentums verändern die Spieler ihre Aktionsmöglichkeiten ständig, indem sie Karten mit einer offenen Auslage tauschen. Nach und nach gelangen mächtigere Aktionen ins Spiel. Bei Pergamon schlüpfen die Spieler in die Rollen von Archäologen, die ihre Ausgrabungen zu möglichst wertvollen Ausstellungen zusammenstellen. Das Geheimnis von Monte Christo könnte das leichtgängigste der drei Neuheiten sein. Die opulenteste Ausstattung hat es auf jeden Fall. Auf einer Art Rutsche werden die Murmeln in den Spielerfarben eingesetzt. Die jeweils zuunterst liegende Murmel bestimmt, wer die nächste Aktion ausführt. Danach wird sie wieder in einer anderen Reihe zuoberst hineingekullert. Auf alle drei Spiele bin ich gespannt!

Am Winning Moves Stand: Artefakt

In Essen wollte der Verlag zunächst gar keinen Stand betreiben, entschloss sich dann aber zumindest für eine etwas abgespeckte Präsenz. In Nürnberg tritt der Verlag Winning Moves selbstbewusst auf und zeigt einige Neuheiten. Nicht zuletzt durch die Ausweitung der Zusammenarbeit mit Lizenznehmern waren recht viele Spiele am Stand zu sehen – doch einige davon sind eher im Bereich Kinderspiele oder Merchandising anzusiedeln. Als echte Neuheit war mehr eine Ankündigung zu verzeichnen. Im Spiel Artefakt ziehen die Spieler umher, um die jeweils aus vier Teilen bestehenden Artefakte zu sammeln. Der genaue Erscheinungstermin im Laufe von 2011 steht noch nicht fest.

Am Ravensburger-Stand: Ankündigung von Casa Grande von Günter Burkhardt

Einen längeren Spaziergang muss in Kauf nehmen, wer von den auf Brettspiele, Bücher und Lernmedien spezialisierten Hallen zur so genannten Mehrbranchenhalle aufbricht. Hier befindet sich der Stand von Ravensburger. Beim Gang durch die Neuheitenschau erfährt man schon viel über kommende Neuheiten. So dürfen sich Spieler auf Casa Grande von Günter Burkhardt freuen, das im Herbst erscheinen wird. Bei diesem dreidimensionalen Spiel versuchen die Kontrahenten, ihre Bausteine möglichst geschickt so einzusetzen, dass sie in einer Ebene Bauteile in vorgegebenen Formen einsetzen können. Um die eigenen Bauteile als Pfeiler dafür vorzubereiten, ziehen sie reihum um den Spielplan und dürfen in der Reihe aktiv werden, die ihre Spielfigur von der Seite aus einblicken können. In Anlehnung an Fits ist bereits lieferbar die Neuheit Bits. Ähnlich wie beim Vorgänger müssen vorgegebene Bauteile über eine Rampe eingebracht werden, um bestimmte Formen in die – positive oder negative – Wertung zu bringen. Im Bereich der elektronischen Brettspiele waren Prototypen von wenigstens zwei weiteren Neuheiten zu sehen. So wird im Herbst das magische Labyrinth mit einer digitalen Einheit aufgepeppt. Für die jüngeren Spieler erscheint ein an Wer War’s angelehntes Spiel, in dem die Kinder mit Hase oder Maus (oder war es eine Ratte?) durch ein Gebäude ziehen, in dem sich nach und nach die Türen aufbauen, durch die nicht unbedingt alle Figuren jederzeit ziehen können.

Am Hasbro-Stand: Funktionsplüsch mit FurReal Friends Katze

Wer sich ein wenig in der Verlagslandschaft umschaut, weiß: Der richtig große Business findet im Brettspielbereich nur bei wenigen Verlagen statt. Vor allem im Kleinverlagsbereich steckt mehr Herzblut als knallhartes Geschäft in den Spielen. Und so mancher Verleger ist schon mit einer schwarzen Null zufrieden. Entsprechend klein sind die Auflagen. Davon ist am Stand von Hasbro nichts zu sehen. Hier wird mit ganz anderen Auflagen und Umsätzen kalkuliert. Kein Wunder, ist doch dieser Verlag weit vorn in den Listen mit den umsatzstärksten Produkten der Spielebranche. Ein Rundgang hier gibt einen ganz anderen Einblick als bei den üblichen Verlagen. Schon beim Reinkommen heißt es: Nicht ohne Voranmeldung – und trotzdem herrscht Gedränge und Geschiebe. Einen Überblick über die Produktpalette des Spielzeugs führt unter anderem zum „Funktionsplüsch“. Täuschend echt miaut die FurReal Friends Katze, und mit treuen, aber künstlich-feuchten Hundeaugen himmelt der mit Technik vollgestopfte Retriever-Welpe seine Herrchen oder Frauchen an. Vielleicht sollte ich mal um ein Rezensionsexemplar bitten, um die Wechselwirkung mit echten felligen Mitbewohnern zu testen. Wir hätten da zwei kapitale Exemplare der Gattung Europäische Kurzhaarkatze als Testtiere anzubieten.

Am Hasbro-Stand: Verrückte kleine FurReal Friends Figuren, die sogar den Hänger ziehen können

Im Brettspielbereich konzentriert sich der Verlag auf die Longseller. Klar, dass Monopoly weiter vorn mitspielt. Genauso schlendern wir an Exemplaren vom Spiel des Lebens oder Ausgaben von Trivial Pursuit vorbei. Risiko ist weiter beliebt, und so konzipiert der Verlag zur Zeit eine Variante mit einer langfristigen Spielkampagne. Zielgruppe sind Spielrunden, die sich regelmäßig treffen, um in konstanten Besetzungen diesen Klassiker zu spielen. Wer nun einen bestimmten Kontinent zuerst komplett erobert hat, darf sich auf dem Spielplan eintragen. Weitere Elemente können per Aufkleber eingefügt werden, um in allen Folgepartien die Ausgangsvoraussetzungen zu verändern. Manchem Brettspieler, der eher verschiedene Spiele und in unterschiedlichen Runden spielt, mag dies gar ketzerisch vorkommen. Doch immerhin als Nischenprodukt verspricht sich Hasbro davon einen Erfolg.

Am Stand von Hans im Glück: Pantheon von Michael Tummelhofer

Am Ende des ersten Tages steht ein Besuch beim Hans im Glück Verlag auf dem Programm. Hier fühlt man sich als Spieler wohl, denn es wird: Gespielt! Die Neuheit Pantheon ist allerdings etwas schwergewichtigere Kost als die Neuheiten von 2010 wie zuletzt z.B. Ranking. So schafften wir zunächst nur die erste Spielhälfte bis Toresschluss. Beim Schmidt-Spieleabend, der als Treffpunkt der Branche einen angenehmen Ausklang eines Messetages bei fränkischer Kost und leckerem Kellerbier darstellt, darf aber gespielt werden, und so konnte ich noch eine vollständige Partie Pantheon nachschieben. Insgesamt sechs Epochen werden gespielt, bei jeder kommt eines von acht über den Spielplan verteilten Völker zum Einsatz. Zum einen werden Opfergaben für Götter gesammelt, zum anderen hinterlassen die Spieler ihre Fußspuren auf dem Spielplan, um an geeigneten Plätzen ihre Gottesfürchtigkeit durch die Errichtung von Säulen unter Beweis zu stellen. Dabei setzen die Spieler unterschiedliche Schwerpunkte und verfolgen somit unterschiedliche Strategien. Dies verspricht Stoff für viele weitere Partien, um die Möglichkeiten auszuloten. Vielspieler sollten sich diesen Titel daher unbedingt vormerken!

Und für Dominion-Fans schonmal der Blick aufs Cover der nächsten Erweiterung:

Am Stand von Hans im Glück: Cover von Dominion - Reiche Ernte

Das Verlagsprogramm von HUCH! & friends ist sehr umfangreich, doch konzentrieren sich die Nürnberger Neuheiten auf Kinder- und Logikspiele. Nicht dass sich Vielspieler beklagen könnten, schließlich hatte der Verlag in Essen heiß begehrte Titel wie Vinhos oder die Spiele von Quined und White Goblin Games im Programm. Weitere Vertriebspartnerschaften sind geplant, so dass sicher im Laufe des Jahres einiges auf die Spieler zukommen wird. In Nürnberg wurden kleinere Titel vorgestellt. Nach Ausgerechnet Buxtehude, das bereits einen auf Europa ausgelegten Nachfolger hatte, gibt es nun die weltweite Ausgabe Ausgerechnet Honolulu. Im Spiel Fiesling schätzen sich die Spieler gegenseitig ein: Wie tollpatschig ist dieser Spieler oder wie geizig jener? Ein gesundes Maß an Selbstironie sollte jeder mitbringen und auch mal bereit sein mitzulachen – selbst wenn die eine oder andere Schwäche ans Tageslicht gezerrt wird.


Am Amigo-Stand: Blockers, Neuauflage von Uptown

Schon vor mehr als zwei Jahren erschien mit Uptown unsere erste Spielerezension auf dieser Seite. Ein würdiger Auftakt, denn dieses Kleinod haben wir oft mit Begeisterung gespielt und uns immer gefragt, weshalb es noch keine deutsche Ausgabe hierher schaffte. Nun erscheint es endlich als Blockers bei Amigo. Mit rein abstraktem Thema und einer kleinen Regeländerung kommt es leicht verändert daher. So ist nun nicht mehr die reine Anzahl der eigenen Gebiete maßgeblich für den Sieg, sondern es zählt auch jeder geschlagene Stein eines Mitspielers mit. Wir haben diese Variante mit unserem Exemplar von Uptown getestet und festgestellt: Natürlich mag jetzt niemand mehr schlagen. Es wird dadurch wesentlich wichtiger, seine Spielsteine auf freie Felder loszuwerden, und es wird weniger schlimm, ein neues Gebiet zu eröffnen. Wer Uptown noch nicht kennt, sollte sich Blockers ansehen! Besonders im Bereich der Karten- und Kinderspiele (und der Kinderkartenspiele) gibt es etliche weitere Neuheiten. Für den Herbst angekündigt wird Zwergengold, das als Familien-Highlight und mit einem Aufbau in 3-D beworben wird.

Am Zoch-Stand: Avanti von Heinz Meister

Nach Boochie im Vorjahr bietet der Zoch-Verlag weiteren Outdoor-Spielspaß mit der Neuheit Crossboule an. Die Stoffkugeln haben eine Füllung, die sogar ein Spiel im Wasser zulassen soll. Trotz der „knautschigen“ Form (keine feste Oberfläche) sind Würfe „über Bande“ möglich. Doch wieder vom Boden hochhüpfen und somit vom Ziel wegkullern können die Wurfkörper nicht. Als großes Brettspiel ist Avanti im Programm. Mit Hilfe dreieckiger Karten, die an jeder Ecke einen unterschiedlichen Wert besitzen, bewegen sich die Spieler entlang der Fahrtstrecke fort, um die unterschiedlichsten Veranstaltungen mit Material zu beliefern. Dafür kassieren die Spieler Geld, das sie näher ans Spielziel bringt, genügend Kapital für die Reise in die Südsee zu erhalten. Besonderer Clou: Die Autofiguren mit Bulli, Ente und Käfer. Beim Kartenspiel Arschbombe lassen die Spieler ihre Schwimmer in Form von Karten von oben in ein ebenfalls aus Karten ausgelegtes Schwimmbad fallen: So plumpsen oder segeln die Karten hinunter und spritzen bei richtiger Landung die Mitspieler nass – und bescheren dem Spieler dafür Punkte. Bei Auf die Birne werden nacheinander Karten mit Äpfeln, Birnen und Biomaden auf- und übereinander gedeckt. Irgendwann heißt es: Wie viele Äpfel sind jetzt in diesem Kartenstapel? Wer richtig liegt, punktet.

Am Asmodee-Stand: Erweiterung Leaders zu 7 Wonders

Drei Neuheiten am Stand von Asmodee möchte ich hier hervorheben. Zunächst wird eine neue Ausgabe von Dixit erscheinen. Anstelle der Zählleiste mit den Hoppelhäschen wird nun ein Spielplan zum Abtragen der Punkte und mit Ablagen für die Karten beigefügt. Bis zu 12 Spieler können dann mitmachen. Für den Messehit von Essen 7 Wonders war das Handmuster einer Erweiterung zu sehen. Die Leaders werden zwischen den Epochen vergeben und mit Geld bezahlt, sie bringen im weiteren Verlauf des Spiels Vorteile wie mehr militärische Stärke, zusätzliche Siegpunkte, etc. Die Neuheit von Days of Wonder heißt Cargo Noir und führt die Spieler zu verschiedenen Standorten über die ganze Welt, um möglichst wertvolle Güterladungen zusammenzustellen.

Eine schier unüberschaubare Fülle an Neuheiten war bei Queen Games zu sehen. Bei vielen hieß es jedoch: Erscheinungstermin frühestens im zweiten Halbjahr. Ein Schwerpunkt liegt auf bekannten Titeln. Die Alhambra-Familie erhält Ausgaben, die unter anderem in New York angesiedelt sind. Show-Manager, auch erschienen als Atlantic Star, soll genauso neu erscheinen wie Res Publica. Zuwachs erhält das opulent ausgestattete Jenseits von Theben. Als eigenständiges, auf Karten basierendes Spiel erscheint Jenseits von Theben – Die Grabräuber. Tenor der sehr kurzen Kurz-Erklärung: Wer Jenseits von Theben mochte oder hasste, wird auch die Grabräuber gleichermaßen lieben oder hassen.

Unter den weiteren Neuheiten erschien mir Lancaster am interessantesten zu sein. Durch das Einsetzen von Rittern werden die Spieler in England oder beim Krieg gegen Frankreich aktiv. Auf vielfältige Weisen können sie Einfluss aufs Spielgeschehen nehmen. Beinahe überrascht war ich beim Blick auf die angekündigte Spieldauer: Was sich beim Erklären als mindestens zweistündiges Spiel anhörte, soll angeblich in ca. 60 Minuten spielbar sein. Das bereits für Essen 2010 angekündigte, aber leider verschobene Castelli erinnerte mich entfernt an Carat, das auch als Die Gärten der Alhambra aufgetreten ist. In einem quadratischen Raster werden reihum Plättchen aufgedeckt, deren Seiten für vier verschiedene Farben oder Aktionen stehen. Je nach Ausrichtung des Plättchens werden also Mehrheiten an den umschlossenen Landschaften verändert.

Am Abacus-Stand: Airlines von Alan R. Moon

Zwei Neuheiten stellte Pia Nikisch am Stand von Abacus vor. Airlines ist eine überarbeitete Neuauflage vom bereits 1990 im selben Verlag erschienenen Airlines. Zwischendurch konnten ab 1999 nach demselben Grundprinzip Züge der Union Pacific bei Amigo gebaut werden. Neu ist der Wegfall der Streckenbeschränkungen: Jede Airline kann jede Strecke bedienen. Ferner ist es für die kleineren Gesellschaften möglich, durch die Verbindung vorgegebener Städte Zusatzpunkte zu erlangen. So kann selbst nach Einsetzen aller Flugzeuge der Wert der Gesellschaft noch einmal beeinflusst werden. Das Kartenspiel Gold von Michael Schacht wird zu zweit oder zu dritt gespielt. Jeweils eine Karte aus einer zentralen Auslage nimmt man im eigenen Zug – alternativ diejenige mit dem niedrigsten aktuellen Wert oder eine beliebige im Tausch mit einer Goldeselkarte. Letztere ist zwei Minuspunkte wert, doch ihre Fähigkeit zum Tausch sollte man nicht unterschätzen. Erst wenn alle Karten verteilt sind, wird wieder ein neuer Schwung nachgelegt. Wer drei Farben derselben Farbe gesammelt hat, wertet. Jede Karte zählt dann ihren Punktewert. Ferner darf der Wertende nun eine Karte bei den Mitspielern klauen. Etwas Taktik, eine Prise Ärgerfaktor, eine knackige Spieldauer – eine würdige Erweiterung der Kartenspielfamilie des Dreieicher Verlags.

Am alea-Stand: König Artus und die Tafelrunde von Michael Kiesling und Wolfgang Kramer

Der zweite Messetag endete mit einem Termin bei Stefan Brück von alea. Die kompetente Vorstellung seiner Spiele ist immer ein Nürnberger Highlight. Das neue Spiel heißt König Artus und die Tafelrunde, und genau dies steht im wahrsten Sinne des Wortes im Mittelpunkt des Spiels: Die runde Tafel. Um diese herum sind die Ritter platziert. Die Plätze der Ritter sind – abhängig von der Position relativ zum König – mal begehrt, mal verpönt. Spieltechnisch ausgedrückt: Manche Plätze zählen positiv, andere bringen Minuspunkte aufs Konto. Getrieben von Handkarten bewegen die Spieler entweder eigene Ritter, oder Gefolge des Königs – oder gar Seine Majestät selbst. Wer eigene Ritter bewegt, punktet abhängig von der soeben verlassenen Position. Lässt sich der König an einem neuen Platz nieder, so wird die Tafel mit ihm gedreht, und die Plus- oder Minuspositionen der Ritter werden neu aufgemischt. In einer Einsteiger- und einer Profi-Variante verspricht diese Neuheit lang anhaltenden Spielspaß â€“ ich jedenfalls freue mich auf die ersten Tests!

Jenseits der Brettspiele: Puzzle mit Tortenschlacht

Messeberichte auf anderen Seiten:
Messebericht der Pöppelkiste von Brigitte und Wolfgang Ditt
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