Nürnberg ’10: Vorschau

Trotz Spieleurlaubs nach der Essener Messe, Spieletreffen in Altleiningen Anfang Dezember und vielen Spieleabenden und -wochenenden haben wir noch nicht alle uns vorliegenden Essener Neuheiten gespielt. Andere Spiele warten noch vergeblich auf eine zweite Partie, wie etwa das beim ersten Mal durchaus viel versprechende Last Train to Wensleydale. Eine abschließende Wertung zu Essen würde zu diesem Zeitpunkt nur unsere unvollständige Sichtweise reflektieren.

Aber die Zeit läuft trotzdem weiter, und mittlerweile erreichten uns bereits einige Neuheiten der bevorstehenden Spielwarenmesse 2010 in Nürnberg. Als Auftakt der Berichterstattung zu den Frühjahrsneuheiten geben wir unsere ersten Eindrücke dieser Spiele wieder. Ein ausführlicher Messerundgang wird bis zum Messe-Montag, den 8. Februar, hier erscheinen.

Im Vorfeld ist noch kein ausgeprägter Trend für die Spielwarenmesse abzusehen. Einige Spiele, die bereits in Essen vorgestellt wurden, haben in Nürnberg einen zweiten Neuheitenauftritt im deutschen Vertrieb. Dazu gehören etwa Vasco da Gama, das wir unten vorstellen, sowie beispielsweise Arcana, das in Essen beim Verlag Alderac Entertainment Group vorgestellt wurde und nun Aufnahme ins Programm von Pegasus fand. Absehbar ist erwartungsgemäß eine Reihe von Produkten, die sich an bekannte Vorbilder anlehnen und selbige variieren, erweitern oder fortsetzen. Einige davon stellen wir unten vor, andere sind u.a. beim Kosmos-Verlag angekündigt, bei dem uns etwa Artikel in den Reihen Keltis, Die Säulen der Erde und Just 4 Fun erwarten.

Die folgende Übersicht erlaubt ein direktes Springen direkt zu unseren Ersteindrücken. Wir äußern uns dabei lieber verhalten als übermäßig euphorisch. Unsere Beschreibungen stellen damit keinesfalls eine endgültige Meinung dar. Für später erscheinende Rezensionen muss sich ein Spiel immer mehrfach auf unseren Tisch begeben.

11 nimmt! von Wolfgang Kramer bei Amigo für 2-7 Spieler:

Bild von 11 nimmt!
6 nimmt! ist bekanntlich ein spielerischer Evergreen. Wolfgang Kramer veröffentlichte schon einige Folgespiele, die dem Original nie das Wasser reichen konnten. 11 nimmt! wird dies wohl auch nicht schaffen. Dennoch ist es sehr unterhaltsam. Es gilt mal wieder Karten abzulegen. Diesmal aber reihum, und es ist sogar erlaubt mehrere Karten zu spielen. Dabei darf aber der Abstand zum bisherigen Reihen- oder hier besser: Stapelende nicht größer als 10 werden, denn bei einer Differenz von 11 oder mehr muss der ganze Stapel auf die Hand genommen werden. Wer keine Karten mehr hat, gewinnt. Es ist durchaus attraktiv, ein paar Karten einzukassieren. Denn dafür gibt es Bullen, die mehr Flexibilität bei der Ablage erlauben.
11 nimmt! ist knackig, kurzweilig und originell und bietet damit alles, was von einem kleinen Kartenspiel erwartet wird.

Peter Nos

Hexenflug von Hanno und Wilfried Kuhn bei Amigo für 2-5 Spieler:

Bild von Hexenflug
In den letzten Jahren veröffentlichen die Brüder Kuhn ihre Spiele – so zum Beispiel Uruk – vor allem als “Hausautoren” des DDD-Verlages. Nun erscheint mit Hexenflug ein locker-lustig gestaltetes Kartenspiel mit Can’t Stop Element bei Amigo. Insgesamt fünf Hexen stellen sich der Flugprüfung. Als Fluglehrer sammeln die Spieler die Hexenkarten, die nur in aufsteigender Sortierung in farblich passenden Reihen abgelegt werden dürfen. Jeder darf in seinem Zug so oft Karten anlegen, bis der Zug freiwillig oder durch das Aufdecken von unpassenden Karten unsanft beendet wird. Geht es ohne Totalschaden (= Verlust des gesamten Zuges) ab, darf der Spieler die Karten einer Farbe auf die Hand nehmen, von wo sie wiederum bei genügend großen Sammlungen in die siegpunktbringenden Hexenbücher umgetauscht werden können. Wir lieben Can’t Stop! Daher fühlten wir uns durch Hexenflug gut unterhalten. Einzig die Spieldauer zog sich zu zweit ein wenig. Doch der nächste Test mit mehr Spielern wird sicher schon vor Beginn der Spielwarenmesse erfolgen.

Kathrin Nos

Jäger und Sammler von Reiner Knizia bei Amigo für 2-4 Spieler:

Bild von Jäger und Sammler
Vielleicht erinnern sich manche Leser noch an Africa und an Packeis am Pol. Womöglich habe einige Spieler sogar noch beide Spiele im Regal stehen. Für sie gibt es eine gute Nachricht: Jäger und Sammler vereinigt gleich beide Spiele in einem! So kann leicht neuer Platz geschaffen werden. – Nebenbei: Es gibt auch Wahnsinns-Spielemagazine mit gleich 50, 100, 200 und noch mehr Spielen in nur einer Schachtel! – Africa war seinerzeits kein großartiges Spiel, Packeis am Pol glänzt aber immer noch bei aller Regelkürze durch spielerischen Tiefgang. Jäger und Sammler will offensichtlich familientauglich sein. Deshalb wird zwar ähnlich wie bei Packeis am Pol das Spielfeld Stück für Stück abgeräumt und dabei die Bewegungsmöglichkeit eingeschränkt. Damit aber keine Tränen am Spieltisch fließen, gibt es Wege und Höhlen, die das Betreten und Verlassen von separierten Gebieten ermöglichen. Zu Spielende zählen nicht nur die Werte der gesammelten Plättchen, es gibt wie immer bei Knizia auch noch ein paar Extrapunkte.
Dieses Kuschelpingvinas spielt sich durchaus “nett”. Spiele von einem Weltklasseautoren wie Reiner Knizia sollten aber mehr als nur “nett” sein.

Peter Nos

Kuhhandel Master von Rüdiger Koltze bei Ravensburger für 2-6 Spieler:

Bild von Kuhhandel Master
Kuhhandel ist eines wenigen Spiele, die Kathrin und ich unterschiedlich beurteilen. So musste ich sie auch erst mühselig überreden, die Masterversion sogleich einmal zu zweit zu testen. Denn in meinen Augen ist das einzig erkennbare Manko von Kuhhandel, dass es nicht zu zweit spielbar ist.
Leider, leider ist die Werbebotschaft: “Auch für 2” ziemlich gewagt. Die Versteigerung wurde einfach durch langweilige Kartenzieherei ersetzt. Damit ist die Zweipersonenvariante nur eine Krücke.

Sonst gibt es jetzt auch noch Ratten, die ablehnend versteigert werden, sowie Prämientiere mit einer holländischen Auktion (der Preis fällt, bis einer zuschlägt). Mir gefiel die Grafik älterer Ausgaben zwar besser, wer Kuhhandel aber schon immer mochte, kann mit der Neuausgabe noch mehr Spaß haben. Auch wer es noch nicht kennt, kann getrost zugreifen. Und Kathrin wird auch in Zukunft kein begeisterter Fan von Kuhhandel werden.

Peter Nos

Make ‘N’ Break – Würfelspiel von Maximilian Knirps und Randolf Siew bei Ravensburger für 2-4 Spieler:

Bild von Make N Break
Bei manchem Spiele-Bestseller ist der Erfolg kaum über die Spieltiefe zu erklären. Zwar gibt es zweifellos exzellente Spiele mit einfachen Ideen und großem Reiz wie etwa das bereits im Ersteindruck zu Hexenflug zitierte Can’t Stop. Nicht zu meinen Lieblingen in dieser Sparte gehört jedoch Make ‘N’ Break, dessen Charme sich mir nie erschlossen hat. Zu gleichförmig erscheint mir die Abarbeitung einer Aufgabe nach der anderen. Doch auf Veranstaltungen wie Baden-Württemberg spielt oder auf der Süddeutschen Spielemesse in Stuttgart habe ich begeisterte Familien oder Runden vor allem mit Kindern und Jugendlichen erlebt, die hingebungsvoll Make ‘N’ Break spielten. Diese werden mit der jetzt erschienenen Würfel-Variante weiterhin ihre Freude haben. Als Mitbringspiel konzipiert greift es die Idee des Bauens unter Zeitdruck auf. Zur Erfüllung der vorgegebenen Aufgabe sind passende Würfelwerte der zu verbauenden Würfel und Quader erforderlich. Die Zeit wird durch einen Mitspieler mit Hilfe eines weiteren Würfels gemessen: Erreicht dieser durch die Addition von nacheinander gewürfelten Zahlen den Wert 30, endet die Bauphase für den aktiven Spieler.

Kathrin Nos

Phase 10 – Das Brettspiel nach einer Idee von Susanne Armbruster bei Ravensburger für 2-6 Spieler:

Bild von Phase 10 Das Brettspiel
Schon den Spielreiz von Phase 10 konnte ich bislang nicht entdecken. Doch mit dem Brettspiel werde ich gewiss erleuchtet. Dies dachte ich mir zumindest, als ich Stefan Brück als zuständigen Redakteur in der Regel des Brettspiels erwähnt fand. Nach bisher nur einer Partie zu zweit wurde ich jedoch schwer enttäuscht. Denn Phase 10 – Das Brettspiel ist Phase 10 – Das Kartenspiel in einer großen Schachtel mit einem Spielplan, auf dem Pöppel entlanggewürfelt werden und dabei ein klein wenig Abwechslung bringen sollten. Bei uns passierte aber folgendes: Die Phasen 1 bis 8 dauerten jeweils maximal 2 Züge, dafür drohte sich das Spiel in den Phasen 9 und 10 aufzuhängen. Denn die Kartenhand kann sich durch die Ereignisse auf dem Spielplan vergrößern, so dass die Ablage immer schwerer wird. Nur mit verdammt viel Glück gelang es uns nach einer Stunde das Spiel zu beenden. Deshalb kann ich nur warnen: Phase 10 – Das Brettspiel sollte wenn überhaupt nur mit 3-6 Spielern gespielt werden. Ich vermute aber, dass Leser von Das-SpielEn.de mit diesem zehnphasigen Brettspiel eh nichts zu spielen haben möchten. – Zu Recht!

Peter Nos

Scheinheilig von nicht genanntem Autor bei Amigo für 2-8 Spieler:

Bild von Scheinheilig
Ein wahrhaft innovatives Spiel! Verwunderlich nur, dass sich kein Autoren-Name auf der Schachtel oder in der Spielregel findet. Wer an der Reihe ist, legt Karten des aktuell gefragten Wertes ab. Von 1 bis 10 steigen die Kartenwerte von Spieler zu Spieler an, danach geht es wieder bei 1 los. Gleich mehrere Karten dürfen verdeckt ausgespielt werden. Ganz “scheinheilig” darf freilich geflunkert werden – und völlig überraschenderweise darf angezweifelt werden. Und hier kommt die Innovation ins Spiel: Denn die Strafe für den Lügner oder den ungerechtfertigten Zweifler wird mit Hilfe des “Rachewürfels” ermittelt. Doch wegen der Möglichkeit, mehrere Karten im eigenen Zug loszuwerden, ist eine höhere Kartenzahl nicht so sehr schlimm. Natürlich runden einige Karten mit Sonderfunktionen das Bluff-Portfolio ab.

Kathrin Nos

Seeland von Wolfgang Kramer bei Ravensburger für 2-4 Spieler:

Bild von Seeland
Bei Seeland geht es um Landwirtschft in Holland. Für den Anbau von Tulpen, Raps und Kohl müssen die Niederlande mit Mühlen der Spieler erst trockengelegt werden. Seeland ist eine Mischung aus Rondell- und Legespiel. Eine ganze Reihe für Wolgang Kramer typische Elemente finden sich darin. Ergänzt wird dieser Regelmischmasch durch einen Satz von Varianten. Somit lässt sich Seeland in 16 Variationen spielen, und damit sollten eigentlich alle Spieler vom Familienfreund bis zum Zutoderechner mit diesem Spiel glücklich werden. Nur wir Nußlocher Spieler sind nach einem halben Dutzend Partien noch immer ratlos: Ist Seeland nun ein lockeres Familienspiel? – Dann verwirren aber die mühselige Rechnerei, denn 200-300 Siegpunkte sind locker machbar, und das trockene Spielprinzip. Oder sollen Vielspieler begeistert werden? Dagegen spricht aber der selbst in der höchsten Ausbaustufe überaus geradlinige Ablauf.
Doch wir spielen weiter, und sobald uns klarer ist, ob wir das Spiel nun mögen oder doof finden, gibt es eine ausführliche Begründung.

Peter Nos

Vasco da Gama von Paolo Mori bei What’s your Game? im Vertrieb bei Hutter Trade für 2-4 Spieler:

Bild von Vasco Da Gama
Eingedeutscht ist Vasco da Gama erst jetzt verfügbar und gilt somit als Nürnberger Neuheit. Wir testen es momentan auf Herz und Nieren. (Gerade eben absolviert es die Katerprobe: Bietet die Schachtel genügend Schlafplatz für einen Kater? Wird verschlungenes Spielmaterial unversehrt wieder ausgeschieden? All dies sind unerlässliche Anforderungen an großartige Strategiespiele!
Was bisher herausgekommen ist: Zumindest spielerisch kann Vasco da Gama voll überzeugen. Außer einer schicken Grafik fehlt aber jeglicher thematische Bezug. Beispiel: Wieso segeln die Schiffe nach einer halben Weltumrundung einfach so in die Heimat zurück, nur weil ein Hafen kurzfristig überfüllt ist? Das wäre, als führe ich nach Essen und würde am Messedonnerstag um 10 Uhr direkt wieder nach Hause zurückkehren, nur weil am Kosmosstand kein Tisch mehr frei ist!

Peter Nos

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