Patchwork

Wir knüpfen einen Flickenteppich. Handarbeitsthemen sind bei Brettspielern nicht sonderlich verbreitet. Übers Kimonoschneidern bei Colors of Kasane gibt es demnächst noch einen Bericht, und es gibt natürlich auch das sehr gelungene Rokoko. Sonst fällt mir aber nur noch Suleika ein, über das der Emir schon länger den fliegenden Teppich des Schweigens ausgebreitet hat.

Obwohl: Suleika war nominiert. (Meine Theorie dazu lautet, dass sich dies auf einen bösen Scherz bei einer alkoholgetränkten Partie „Wahrheit oder Pflicht“ zurückführen lässt.) Rokoko war nominiert (eben um Stoffspiele wieder hoffähig zu bekommen). Damit ist klar: In der Jury sitzt mehr als ein Handarbeitsfanatiker, und Patchwork hat damit schon vom Namen her gute Chancen, um höhere Weihen zu erlangen.

Aber Patchwork ist auch ein lockeres wie spannendes Zweipersonenspiel. In einem Kreis liegen Flickenstücke verschiedener Größe aus. Ein Pöppel gibt an, welche drei Flicken als nächstes zum Einbau in den eigenen Spielplan zur Verfügung stehen. Wer am Zug ist, darf einen der drei Flicken kaufen, muss diesen aber mit Knöpfen und Zeiteinheiten bezahlen. Wer im Spiel weniger Zeit verbraucht hat, ist als nächstes dran. Damit lassen sich geschickt Mehrfachzüge durchführen. Nach dem Kauf eines Flicken zieht der Pöppel auf den freigewordenen Platz und gibt damit die Möglichkeit neue Flicken zu erwerben. Wer nicht mehr genügend Knöpfe hat, darf auch seinen Zeitstein einfach vor den des Mitspielers ziehen und für jedes vorgezogenen Feld einen Knopf nehmen. Beim Überschreiten bestimmter Knopffelder gibt es auch nochmal Knöpfe entsprechend der auf dem eigenem Spielfeld vorhandenen Knöpfe.

Bild von Patchwork

Das Spiel endet, wenn beide Spielsteine am Ende der Zeitskala angelangt sind. Dann gibt es zwei Minuspunkte für jedes freie Feld und Pluspunkte für überzählige Knöpfe. Ferner gibt es Bonuspunkte für die schnellere Vollendung eines 7×7 Quadrats und kleine Extraflicken fürs Erstüberqueren bestimmter Felder. – Das waren schon alle Regeln.

So einfach die Regeln klingen, so einfach lässt sich Patchwork auch spielen. In nullter Näherung sind die Spielentscheidungen ziemlich trivial: Jeder Flicken hat eine gewisse Größe und deckt entsprechend viele Minuspunkte ab, dafür hat er Knopf- und Zeitkosten. Da sich Zeit 1:1 in Knöpfe wandeln lässt, sind die Flickenkosten also einfach Zeit+Knöpfe. Auf manchen Flicken finden sich ein bis drei aufgenähte Knöpfe, die bis zu achtmal im Spiel ein oder zwei Knöpfe Auszahlung bringen. Damit ist der Wert jeden Flickens gleich 2 mal Größe – Knopfkosten – Zeitkosten + 0 bis 8-mal aufgenähte Knöpfe.

Diese Abschätzung gibt auch wirklich eine gute Idee, welche Flicken mehr oder weniger attraktiv sind. Niemand sollte aber den Siebenpunktebonus fürs erste 7×7 Quadrat übersehen. Noch wichtiger sind die potenziellen Vorlagen für den Mitspieler. Manchmal ist es besser, einen schlechteren Flicken zu nehmen, um nicht einen noch besseren dem Gegner zu überlassen. Doof ist auch, sich dann pleite zu spielen, wenn man gerade einen großen Zeitvorteil hat. Denn auf der Zeitleiste Knöpfe einzutauschen, ist fast immer eine schlechte Wahl.

Bild von 1 von 3 Handarbeiten
Prädikat
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1 von 3 Handarbeiten
So bleibt Patchwork auch nach einigen Partien noch locker und flockig, bekommt dabei einige taktische Tiefen. Und diese machen den Wiederspielreiz aus. Zusammen mit dem optisch gut umgesetztem Thema ist Patchwork eine Pflichtanschaffung für alle, die leichtgängige Zweipersonenspiele in der Art der Kosmos-2er-Reihe mögen.

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