Valdora

Hin und wieder sind die kleinen Dinge Quell der Freude. So freue ich mich darüber, das Wort Valdora schreiben zu dürfen und es nicht aussprechen zu müssen. Sonst müsste ich mich spätestens jetzt festlegen, wie Valdora ordnungsgemäß ausgesprochen wird. Diese Entscheidung überlasse ich gerne Ihnen, den lieben Leserinnen und Lesern. Dabei hat Michael Schacht eine ganz Menge in diesen Phantasienamen hineingesteckt. Hintergründe zum Titel hat jedoch schon liebevoll das Düsseldorfer Stadtmagazin Libelle zusammengetragen und in einem Artikel hier veröffentlicht.

Bei Valdora geht es ums Einsammeln und Abliefern von Gold, Silber und Edelsteinen. Dabei erinnert die Regel entfernt an alte Computerspiele: Die Spieler hetzen über den Spielplan, um Aufträge zu erfüllen, bei denen es gilt, Edelsteine einzusammeln und abzuliefern. Doch dafür werden erst Ausrüstungsstände benötigt, die Gold kosten, das auch erst aufgelesen werden muss. Gold und Edelsteine liegen dankenswertereweise in Valdora auf der Straße. Wer Aufträge schnell und flott erfüllt, wird gleich doppelt und dreifach mit Siegpunkten belohnt.

Bild von Valdora

Die genauen Regeln, wie durch Valodra gereist wird, wie Auftäge angenommen und erfüllt werden, wie Ausrüstung erworben werden darf, wie Edelstein gesammelt werden können und vor allem wie und wofür Siegpunkte verteilt werden, sind dabei recht umfangreich.

Exemplarisch ist das Schicksal des jungen Recken Joe (25, Name von Redaktion geändert). Wie jeder andere auch kommt Joe aus schwierigen Verhältnissen und will irgendwann unermesslich reich werden. Dazu zieht der arme Tropf, nur mit Minirucksack und Goldwaschpfanne ausgerüstet, in die weite Welt von Valdora hinein. Zunächst bleibt er am Wegesrand stehen und siebt ein wenig Gold. Doch schneller als vermutet ist sein Rucksack vollgegoldstaubt und so beschließt er weitere Goldwäschen auf später zu verschieben. Statt dessen spaziert er weiter in die nächste Stadt. Dort gibt es Händler, die zum Spottpreis von nur einem Rucksack voller Gold wertvolle Ausrüstungsgegenstände wie Hammer oder Spitzhacke verkaufen. Da merkt Joe, dass es ihn nicht nur ins Tal des Goldes, sondern auch in die Stätten der Wucherer verschlagen hat. Achselzuckend kippt er all sein Gold aus und beginnt im Ausrüstungskatalog zu blättern. Dieser bietet ein einmaliges Einkaufserlebnis. Seine einzelnen Seiten sind vergoldet und werden von einem edlem Holzeinband gehalten. Verständlicherweise wollen die Händler nicht, dass jeder dahergelaufene Tunichtgut Stunde um Stunde im Katalog blättert. Deshalb erheben sie für mehrmaliges Umblättern eine kleine Schutzgbühr in Form von einer Silbermünze. Joe beschließt einen Hammer zu kaufen. Mit diesem lassen sich lila Edelsteine schürfen. Die grünen, blauen, roten oder weißen benötigen wieder andere Spezialwerkzeuge. Wahrscheinlich wurden die Händler von Valdora von Handynetzteilherstellern geschult.

Praktischerweise vergrößerte sich Joes (mittlerweile 26) Rucksack ein klein wenig, so dass er nun etwas Gold und einen Edelstein transportieren kann. Nun begibt er sich in die nächste Stadt. Dort gibt es ein weiteres gebührenpflichtiges Buch mit silbernen Seiten. Diese dürfen entrissen werden, für nur ein Silberstück. Joe erinnert sich an seine Flegeljahre und reisst gleich drei Seiten aus. Mehr kann er nicht tragen (eine Seite in der linken Hand, eine in der rechten, eine mit dem linken Bein, das rechte braucht er zum Bezahlen). Die Seiten enthalten Aufträge. So will zum Beispiel das lila Kaninchen gerne lila Edelsteine haben. Also hüpft Joe wieder los zum Schürfen. Doch zuvor hält er kurz in der Silbermine und füllt sein Geldsack auf sechs Münzen auf. Schließlich erreicht er den Kaninchenstall und tauscht den Edelstein in einen lila Handwerker und drei Siegpunkte. Handwerker gibt es in sieben Farben. Jede Farbe bringt 10 Siegpunkte. Da sich Joe sputet und schneller als seine Konkurrenten Jim (22), John(13) und Jeanne(36 – Namen ebenfalls von der Redaktion geändert) zuerst zwei lila Handwerker sammelt, darf er als einziger eine lila Werkstatt eröffnen. Jeder weitere erfüllte lila Auftrag bringt ihm deshalb wiederum 10 Punkte. Irgendwann gibt es natürlich keine lila Handwerker mehr, doch stört dies Joe nicht weiter in seinem Werken und Schaffen. Stattdessen nimmt er nämlich auch gerne ersatzweise rote, blaue grüne, silberne, goldene oder weiße Handwerker als Bezahlung. Für die letzteren drei gibt es noch ein paar unregelmäßige Details auswendig zu lernen, und auch bezüglich des Reisens in Valdora gäbe es noch dieses oder jenes zu berichten.

Das Ende naht, sobald nur noch eine Handwerkersorte im Angebot verbleibt. Und da Joe (mttlerweile 98) die meisten Siegpunkte sammelte, darf er sich rühmen in Valdora sein Glück gefunden zu haben, sich zur Ruhe setzen und alle drei letzten Monate seines arbeitsamen Lebens gichtgebeugt in Reichtum genießen.

Joe hätte auch andere Wege einschlagen und zum Beispiel ein Pferd oder Karren erwerben können. Einige offensichtliche, aber auch ein paar weniger ersichtliche Strategien sind durchaus erfolgsversprechend. Die umfangreiche Regel gibt schon erste Tipps, und Michael Schachts Homepage bietet weitere Hinweise.

Das Spielmaterial ist durchweg liebevoll, gefällig und eingänglich gestaltet. Nur bei den Buchseiten folgte die Form nicht ihrer Funktion. Jedes Buch gibt es zwei Mal. Die Seiten unterscheiden sich nur in Farbnuancen der schmalen Seitenränder. Da ist Freude bei den Mitspielern vorprogrammiert, wenn sie der armen Sau, die zum Spielaufbau verdonnert wurde, beim Fluchen lauschen.

Bild von 1 von 3 Tälern
Prädikat
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1 von 3 Tälern

Insgesamt passen aber alle Elemente des Spiels ordentlich zusammen, und die längliche Regel verzögert nur den Start der ersten Partie. Das Spiel selbst geht ausgesprochen flott vonstatten und findet nach angenehmen 60 Minuten passend sein Ende. All dies freut den Rezensenten, denn selten ist ein Urteil so einfach zu fällen: Valdora bietet handwerklich sauberes Spielvergnügen der gutbürgerlichen Art.

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