Wie ich die Welt Sehe & Neue Welten

Erstveröffentlichung am 15.1.2005 bei Hall9000.
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Zu vorgegebenen Themen erklärt ein Spieler, wie er die Welt sieht – bloss muss er sich dazu zwischen vorgegebenen Antwortmöglichkeiten seiner Mitspieler entscheiden…. Wer von diesen am besten einschätzen kann, wie die Welt von den anderen gesehen wird, hat die besten Gewinnchancen.
Ablauf

Zwei Arten von Karten stehen zur Verfügung: Zunächst sind dies die “Meine Welt”-Karten. In jeder Runde wird eine solche gezogen und ihr Thema vom Vorleser bekanntgegeben. In jedem Thema befindet sich an einer oder zwei Stellen anstelle eines Begriffs ein Wolkensymbol, z.B. ” Was ist von unseren Träumen vom Sozialismus geblieben: Wolkensymbol” oder “Was Frauen sich von Männern wünschen: Wolkensymbol.” An die Stelle dieses Wolkensymbols treten nun die Begriffe, die sich auf den “Es”-Karten befinden, die mal mehr, mal weniger gut thematisch passen. Auch hier ein Beispiel: “Der linke Parteiflügel der CSU”, “viel Teig”, “totales Chaos”, “Nebelhorn” etc. Diese “Es”-Karten bilden die zweite Kartenart. Jedem Spieler steht eine Auswahl davon zur Verfügung.
Jeder Spieler – mit Ausnahme des Vorlesers – wählt nach der Bekanntgabe des Themas eine seiner “Es”-Karte aus, von der er annimmt, dass der Vorleser sie als passend zum aktuellen Thema einschätzen wird, und legt die entsprechende Karte verdeckt in die Mitte. Vom Stapel wird eine weitere Karte verdeckt hinzugelegt und gemeinsam mit den “Es”-Karten der Mitspieler gemischt. Bei einer “Meine Welt”-Karte mit zwei Wolkensymbolen werden von jedem Mitspieler zwei Karten ausgewählt, die in der gewünschten Reihenfolge übereinander gelegt werden. Der Stapel steuert auch zwei Karten bei, deren Reihenfolge zufällig erfolgt.

Der Vorleser liest nun die Begriffe vor und wählt schliesslich denjenigen aus, der ihm am passendsten erscheint. Ist es die Karte eines Mitspielers, erhält dieser zur Belohnung die “Meine Welt”-Karte als Siegpunkt und wird neuer Vorleser. Alle anderen Spieler dürfen ihre Kartenhand auffüllen. Passiert es jedoch, dass der Vorleser die Karte des Stapels aussucht, muss er einen zuvor gewonnenen Siegpunkt abgeben und erneut die Rolle des Vorlesers übernehmen.
Abhängig von der Spielerzahl wird bis zu einer Siegpunktzahl zwischen 4 und 7 gespielt. Wer diese zuerst erreicht, gewinnt das Spiel.

Spiel zu zweit und zu dritt:
Um die Auswahl angemessen groß zu machen, werden mehr Karten vom Stapel zu den “Es”-Karten der Mitspieler gelegt. Da nun die Wahrscheinlichkeit größer ist, eine Karte vom Stapel zu treffen, muss man erst beim zweiten “Fehlgriff” einen Siegpunkt abgeben.

Der Spielspaß beginnt bereits beim Lesen der Spielregel. Diese ist bereits ausgesprochen kreativ geschrieben und lässt keine Fragen offen. Als Anhang zur Regel ist eine Liste abgedruckt, die einige der Begriffe auf den “Es”-Karten erklären – die Art der Erklärungen ist bereits ein kleiner Einblick in die Welt, wie sie der Autor sieht…

Das Spiel selbst ist bestens zum sofortigen Losspielen geeignet: Jeder erhält seine “Es”-Karten, der Erklärer wird zum Vorleser, oder auch genannt Idewedwes (Akronym für: Individuum das erläutert wie es die Welt sieht), das Thema wird vorgelesen und schon kann jeder seine “Es”-Karten durchstöbern. Spätestens beim Vorlesen der “Es”-Karten kommt Stimmung auf. Meist muss die Wahl zwischen eher skurrilen Begriffen fallen, und ab und zu ist das kleinere Übel zu wählen.
Wie ich die Welt sehe ist damit ein kommunikatives Spiel, das zum einen von den Kombinationen von “Es”- und “Meine Welt”-Karten lebt, zum anderen aber auch von den Erläuterungen des Vorlesers, der am besten seine Entscheidung ein wenig kommentieren sollte. Dadurch wird auch dessen Entscheidungsprozess recht spannend. Manches Mal möchte man auch gerne eine Karte zeigen, die eine besonders lustiges Kombination erschaffen hätte, aber wohl eher nicht in die Welt des Vorlesers gepasst hätte.

Besonders trickreich ist die Stapelregel, die die Auswahl der “Es”-Karten der Mitspieler vom Stapel verdeckt ergänzt und bei Aussuchen genau dieser Begriffe zum Verlust eines Siegpunktes führt. Manchmal ist es ganz leicht, Stapelkarten zu erkennen, manches Mal passen diese jedoch auch verblüffend gut! Den Hinweis in der Spielregel, diese Regel auf keinen Fall wegzulassen, sollte man unbedingt beherzigen.

Sei es als Spiel während eines Spieleabends, als Spiel zwischendurch, beim Warten auf den Rest der Spielegruppe, als Ausklang eines Spieleabends (man muss ausserdem nicht unbedingt bis zur vorgegebenen Siegpunktzahl spielen, so dass sich die Spieldauer sehr variabel anpassen lässt) – Wie ich die Welt sehe passt immer! Nur ausgesprochen ernsthafte Spieler werden hier ablehnend reagieren – für alle anderen Viel-, Gelegenheits-, Wenig- und auch Sonst-Nicht-Spieler ist es jedoch eine ganz klare Kaufempfehlung!

Kathrin Nos – 15.1.2005

POSTSCRIPTUM:

Bild von Neue Welten

Mit Freude erwarteten wir die neuen Welten, denn die alten wurden schon sehr genau erläutert. Unsere Vorfreude wurde nicht enttäuscht. Es gibt neue “Es”-Kärtchen und neue “Meine Welt”-Karten und vor allem: viel zu lachen

So neu sind die Neuen Welten denn aber doch nicht. Es gibt eben “nur” neue “Es”-Kärtchen und neue “Meine Welt”-Karten. Einzige echte Neuerung: Vereinzelt sind sogar Dreifachwelten vorhanden. Die Begriffe sind wieder zwischen sehr originell und extrem lustig angesiedelt. Ein kleiner Rückschritt ist die Spielschachtel. Das Cover ist längst nicht so lustig wie beim Original, dafür ist die Schachtel größer und die Kartenmenge etwas zurückgegangen. All dies stört aber nicht, da die neuen Welten locker in der “Wie ich die Welt sehe”-Schachtel Platz finden, wenn nur der Einsatz entsorgt wird. Einsätze braucht’s eh nicht, und so vermischen sich auch schöner die alten mit den neuen Welten. Die Elfen machen da eh keinen Unterschied.

Im Übrigen sind im Prädikat original griechische Wolken zu sehen, die übers Orakel von Delfi hinwegzogen. Für interessierte Spieler lohnt sich eine Reise nach Griechenland sehr. Dazu später mehr. Wir waren mit einer sympathischen Reisegruppe zwei Wochen unterwegs. Nur auf dem Weg zum Flughafen teilten wir unser Taxi mit einem Individuum, das eine ganz andere Sicht auf die Welt im allgemeinen und Griechenland im speziellen
Bild von 2 von 3 Wolken
Prädikat
:
2 von 3 Wolken

hatte. In nur einer Woche hatte es alles Schlimme von Athen und Peloponnes gesehen. In seiner Welt waren alle Griechen faule Kriminelle, nur aufs Ausnehmen von Touristen aus. Und überall lauerten Gefahren in Form bösartiger LKW-Fahrer im Streik. Im Spiel mit einem solchen IdewedWes hätte ich wohl nicht einen Punkt sammeln können.

Peter Nos

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